Donnerstag, 27. Februar 2014

Edathy und kein Ende

Der Fall Edathy macht immer noch Schlagzeilen. Nicht, dass ein Bundestagsabgeordneter bei einem Internethändler von Kinderpornographie Bilder stand, welche die ermittelnde kanadische Polizei als Grund sah, unsere Behörden zu Informieren - sondern der Klüngel unserer Politiker und immer mehr Stimmen, welche den Umgang mit Edathy kritisieren - und ein paar Wünsche nach Gesetzesverschärfung und Gegenstimmen.

An der Stelle muss ich ein Wort loswerden, und bevor ich schreiend vor die Tür renne, mache ich es hier: Was ist bitte mit den Kindern und ihrem Schutz?
Ich meine...HALLO? Da hat ein Politiker unseres wichtigsten Gremiums, der Vorsitzende eines Ausschusses zur Untersuchung Rechtsradikaler Morde Bilder von nackten minderjährigen Jungs gekauft und das ist höchstens Material zur Einleitung?
Hab ich was verpasst? Ist seit 2010 das Kindeswohl plötzlich uninteressant geworden oder gilt das nur bei Priestern?
Nachdem schon die Wellen beim Skandal um die Verstrickungen der Grünen in Sachen Pädophilie in Deutschland eher bedenklich klein blieben ist hier ja nicht mal von einem plätschern die Rede, obwohl da immer noch was fliesst.
Das der Mann dann vorgewarnt wurde, sein Laptop nachdem er informiert wurde plötzlich "gestohlen" wird und der Rest seiner elektronischen Datenspeicher zur Unleserlichkeit beschädigt wird wird ja wenigstens noch gemeldet - aber wo bleibt der #Aufschrei? Statt dessen wird von Unschuldsvermutung gesprochen - ein sicherlich berechtigter Einwand, wäre da nicht besagte Reaktion gewesen. Und wäre da nicht, ich muss es wiederholen - das Wohl der Kinder. Und das sind nicht wenige. Allein in diesem einen Fall geht es um ca. 360 befreite Kinder.
Und es ist ja nicht das erste Mal. Vor vier Jahren war es Jörg Tauss, ebenfalls Bundestagsabgeordneter der SPD. Im Fall von Tom Königs Büroleiter ist es zwar nicht der Abgeordnete selbst, aber doch verflixt nah dran. Volker Beck und sein Artikel zur Entkriminalisierung werden heiss diskutiert, ich persönlich bin da misstrauisch und nicht geneigt, ihm zu glauben.
Und auch die CDU hat da ihre Kandidaten dabei: Thomas Pietzsch, ehem. MdL Sachsen wurde verurteilt, ebenso Clemens Nieting, ehem. Abgeordneter in Hamburg.
Auf der anderen Seite ist die Haltung zu nennen. Jörg Rupp war da vielen damals noch einen Schritt zu weit. Doch mit steten kleinen Schritten eilt manche hinterher. Renate Künast, wie Claudia Roth Mitglied der Humanistischen Union die sich seinerzeit über eine "kreuzzugartige Kampagne gegen Pädophilie beschwerte" ist mir vor allem noch von ihrem legendären Auftritt vor der Wahl in Erinnerung, als sie sagte, nicht die Grünen seien der "Ort der Täter" und die Vorwürfe eine "Hetzkampagne der CSU" nannte. Roth sagte zum gleichen Thema: "Von all denen müssen wir Grünen uns nicht sagen lassen, was Moral ist und verantwortungsvolles Handeln ist."
Und nun warnt sie, gemeinsam mit einigen Juristen vor "Schnellschüssen" bei der Verschärfung des Strafrechtes. Das mag zwar einerseits besonnen wirken - auf der anderen Seite besteht der Bedarf, und wenn nicht schnell etwas geschieht bleibt der Handluungsspielraum eben bestehen und genutzt - oder besser, missbraucht. Sicher, es gibt die harmlosen Familienfotos. Diese allerdings in einem Pornoshop zu erstehen ist... eindeutig dem Begriff "harmlos" oder auch "Familienfoto" widersprechend. Hier ist das Wort des ehemaligen Richters am Obersten Gerichtshof der USA, Potter Stewart sicherlich ein Hinweis, wohin die Reise gehen sollte: "Ich kann es nicht definieren, aber ich erkenne es, wenn ich es sehe."
Bei moderner (oder postmoderner) Kunst sehe ich das bereits anders. Abbildung der Realtität mit realistischen Ergebnissen ist da doch angeblich ohnehin kein Thema mehr - immerhin hängen in den Galerien dann keine Gemälde wie bei den Alten Meistern. Da ist der Verzicht von realistisch dargestellten nackten Kindern und Jugendlichen mit Sicherheit kein Problem. Sich da also erstmal quer zu stellen ist mir da zu sehr ein bekanntes Schema.

Wenn das behandelt ist, dann sollte man mit der Klüngelei in der Politik aufräumen - und zwar dringend und gründlich. Das sich da Machthabende gegenseitig Gelder und Schutz zuschieben ist ja bekannt, aber doch mittlerweile längst nicht mehr ertragbar. Trotzdem ist Kindesmissbrauch dann doch vielleicht mal der größere Aufreger - oder sollte es sein.






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