Montag, 21. Oktober 2013

Wenn Toleranz die eigene Religion in Frage stellt

Es geht gerade die Meldung durchs Netz, wie intolerant ein katholischer Priester sich doch wiedermal gibt. In der Konstanzer Sankt Gebhard Kirche will ein Laienchor am 17.11. diesen Jahres ein "Oratorium" des Komponisten Karl Jenkins mit dem Titel "The Armed Man" vortragen. So weit, so unspektakulär, sind Kirchen doch mittlerweile beliebte Konzertorte. Was in diesem Fall zur Bitte des Paters Dr. Rudiger zur Auslassung einer Passage des Stückes führte, ist der Anwesenheit eines Muezzin-Rufes, des Adhan, in dem Stück, welches von betreffender Fachperson ausgeführt werden soll. In diesem Fall eben in einer Kirche.
Der Priester bat um diese Änderung, der Chor reagierte verärgert. Laut Welt sollte ins Programmheft folgende Erklärung für die Änderung:
Aus Rücksicht gegenüber koptischen und syrischen Christen, die teilweise schreckliche persönliche Verfolgungserlebnisse mitbringen, hat sich die Pfarrei St. Gebhard entschieden, auf den islamischen Gebetsruf, der auch eine Proklamation und ein Bekenntnis zum Islam beinhaltet, in unserem christlichen Gotteshaus zu verzichten.
Das Verständnis einiger Chormitglieder für die angesprochenen schrecklichen Erfahrungen war zu klein, und so eskalierte der Streit weiter. Einige weigern sich nun, sehen die Botschaft des Stückes gefährdet. Und irgendwie gelangte der Streit an die Presse. Die nun natürlich genüßlich berichtet, dass jenes Stück, inklusive Adhan, bereits in Kirchen vorgetragen wurde.
Man, also Chormitglieder, Komponist und Medien, verlangen Verständnis und Toleranz.
Mir fehlt dabei ihrerseits Verständnis und Toleranz.
Zum einen gibt es wirklich traumatisierte Menschen die unvorstellbares erleben, ertragen und erleiden mussten unter dem Ruf Allahu Akbar" der den Gebetsruf einleitet, oft und demonstrativ wiederholt wird und schließlich beendet.
Zum anderen bedeutet dieser Ruf in einer christlichen Kirche nichts geringeres als einen demonstrativen Verstoß gegen das Erste Gebot und sämtlicher Lehren der katholischen Kirche.
Der Text in Übersetzung lautet nämlich: 
Allah ist am größten
Ich bezeuge, es gibt keinen Gott außer Allah
Ich bezeuge, dass Muhammad der Gesandte Allahs ist
Ich bezeuge, dass Ali der Statthalter Allahs ist  
Kommt zum Ritualgebet
Kommt zur Erlösung  
Kommt zur allerbesten Handlung
Allah ist am größten
Es gibt keinen Gott außer Allah   
Übersetzung von der Seite eslam.de
Nur wer meint, dass der islamische Allah identisch ist mit dem christlichen Gott kann darin keinen Verstoß gegen Gebote und Lehren sehen. Da ich kein Theologe bin und jeder den Katechismus einfach selbst lesen kann, genauso wie die unzähligen islamischen Stellungsnahmen zum Christentum, Jesus und Gott und die zahlreichen Verbrechen an Christen dieser Tage möchte ich nicht weiter darauf eingehen.
Aber auf eine Schlagzeile in diesem Zusammenhang muss ich verweisen. Malaysia hat dieser Tag den Christen untersagt das in der Landessprache für Gott stehende Allah benutzen - es sei nur der islamische Gott gemeint.

Es spricht in meinen Augen nichts gegen einen künstlerischen Vortrag in einer Kirche, der auch Elemente des islamischen Glaubens repräsentiert. Praktizierte Riten aber schließen sich sehr wohl aus, umso mehr wenn sie aus Alleinvertretungsansprüchen, direkten Vergleichen oder Konversionszeugnissen bestehen, wie es der Adhan (zumal durch einen Muezzin) oder die 1. Sure nunmal sind und unternehmen.
Hätte der Komponist bspw. den ersten Absatz der achten Sure "Die Beute" vertont - ich glaube damit könnte man leben - denn dies ist eindeutig nicht Bestandteil unseres Glaubens und gleichzeitig kein Anspruch über andere, zumindest nicht über deren Glaubenswelt. Gleichzeitig hätte dies in einem Anti-Kriegsstück die islamische Position zum Krieg verdeutlicht.

Ein Dialog besteht nicht in der heimlichen Aufgabe der eigenen Positionen sondern dem Gespräch auf Augenhöhe und mit gegenseitigem Respekt. Das Koranschüler oder ein Mönchschor nicht in der Moschee das "Credo" vortragen kann ich verstehen und akzeptiere es. Nichts anderes erwarte ich andersherum.

Was die Gemeinde und besagter Priester jetzt und dieser Tage abbekommen kann sich jeder vorstellen. Wer möchte kann diese Menschen, die für ihre Mitchristen und ihren Glauben eintreten, unterstützen. Im Gebet oder durch eine aufbauende Nachricht. Kontaktdaten finden sich auf der Seite der Gemeinde unter Seelsorger und unter Pfarrbüro.

Samstag, 19. Oktober 2013

Opfern helfen

Auf dem Blog von DeBenny stieß ich auf ein Video der Aktion "Unbreakable", in welchem/r eine junge Frau Opfer sexueller Gewalt photographiert mit einem Zitat ihres Peinigers in der Hand.
Sowas treibt mir jedesmal das Wasser in die Augen.
Um es kurz zu machen: wer Zeit und / oder Geld hat, solchen gequälten Menschen zu helfen, dem möchte ich an dieser Stelle nahelegen, dies auch zu tun.
Es gibt viele Möglichkeiten. Die mir naheliegendste ist der Verein Weisser Ring. Diese Organisation hilft und setzt sich für Kriminalitätsopfer ein, also nicht ausschließlich Vergewaltigungsopfer, aber natürlich auch sehr nachträglich diesen.
Diese unterstützen gerade eine Forschungsarbeit, in der Opfer einen Fragebogen zu den Folgen für ein Institut ausfüllen. Wer von den Lesern hier also bereits Übles erdulden musste kann hier der Forschung dazu helfen.
Ihr Opfertelefon ist zu erreichen unter 116 006.
Warum habe ich eigentlich bisher keinen Link gesetzt....

Speziell für Vergewaltigungsopfer da ist auch der Verein "Hab keine Angst" der unter dem Motto "Du bist nicht allein" den Opfern Trost, Sicherheit und ein Ohr geben will.

Und vielleicht erinnert sich der ein oder andere an die Spots des Vereines "Gegen Missbrauch" die auf eines der größten Probleme im Zusammenhang mit Kindesmissbrauch versuchen aufmerksam zu machen - die Nichtbeachtung. Katholiken konnten das die letzten Jahre erleben, als die unerträglichen Fälle aus ihren Reihen zu Recht und endlich bekannt wurden - die Aufklärung und Empörung aber bei diesen stehen blieb und andere Opfer ignorierte oder gar zur Seite schob. Die Ereignisse der letzten Monate, als die Verstrickungen der Grünen in Sachen Pädophilie bekannt wurden brachten diesen Zustand in meinen Augen in der Wortmeldung eines der Opfer nach oben, nachdem Künast, Roth und Trittin nach Kräften in deren Richtung ausgetreten hatten.
Aber zurück zum Verein "Gegen Missbrauch". Hier die Spots.


Hier kann man echte Hilfe leisten. Persönliches Engagement verlangt aber viel Kraft und Einfühlungsvermögen. Die Geschichten treffen gute Seelen ins Mark. Wenn Sie sich dem nicht gewachsen fühlen ist das keine Schande, informieren Sie sich, wie sie anderweitig helfen können. Vergelt's Gott.

Freitag, 18. Oktober 2013

Thema Kirchensteuer - wofür Entschädigungen?

Im Rahmen mit der Diskussion rund um den Limburger Bau trifft man derzeit in Kommentarspalten immer wieder auf jene Dauerempörten, welche die Kirchensteuer als Grund einer neuen Stammesfehde ansehen. Dabei wird dann gerne auf die "Entschädigungsklausel" verwiesen - also den Charakter der Zahlungen des Staates an die Kirchen um die Enteignungen vergangener Jahrhunderte auszugleichen. Beim überfliegen dieser "Wortmeldungen" stieß ich dann auf die Behauptung, die Kirche habe sich ja das enteignete Land selbst durch Enteignung, Mord und Ketzerverbrennungen "besorgt". Es sei somit Unrecht, die Kirche zu entschädigen.
Diesem verspielten "Pseudo-Argument" bin ich vorher noch nie vor den Kühlergrill gekommen, und so fühlte ich mich ein wenig überfahren. Kann die Bildung in Deutschland so am Boden liegen, Regionalgeschichte so wenig an die Ohren dringen? Sie kann. Das Argument begegnete mir prompt heute wieder - in einem Artikel zur "Diskussionsrunde" (besser: zum Tribunal, denn eine Gegenposition war nicht geladen) bei Anne Will. Nach kurzer Recherche wurde mir klar, woher diese Lügerei kommt. Mitbürger, die sich bspw. in Aktionsgruppen wie "Stopp Kirchensubvention" engagieren erstellen ganze Seiten in denen sie plausibel darlegen, wie seit Kaiser Konstantins Machtübernahme Christen sich brandtschatzend und anektierend zum Reichtum mordeten. Natürlich fand ich diese Argumente auch bei K.-H. Deschner wieder. Es ist kein Ausrutscher, keine Randbemerkung und mittlerweile keine vernachlässigbare Gruppe, die diesen Unsinn glaubt und verbreitet. Auch die Medien spielen mit, so die allseits "beliebte" taz, welche unter dem Artikeltitel "Nehmt der Kirche ihre Pfründe" eine Meinung veröffentlich, die gleich auch noch die Hälfte der Informationen, nämlich den Umfang und die Folgen der damaligen Enteignung, unterschlägt.
Daher meine Bitte an alle Leser, die über diese Volksverhetzung stolpern. Auch wenn ihr glaubt, den Don Quijote zu geben und gegen eine Windmühle zu rennen, begegnet diesem Nonsens mit Fakten. Schaut auf die Klöster und Kirchen eurer Umgebung (oder, falls ihr könnt, auf die in der Nähe des Agitierenden) oder führt aus was Schenkungen und Stifte sind. Ihr werdet den Demagogen kaum Überzeugen, aber vielleicht den ein oder anderen Leser, der kurz zuvor noch dachte: "oha, das haben die Kirchen gemacht?" Fakten liefern, die jene Lüge entlarven.
Wer sich wundert, woher die vielen Kirchen- und Religionsfeinde kommen, der darf getrost auf Diskussionen und Behauptungen blicken, die oft unwidersprochen durch öffentlich-rechtliche Räume geistern.
Beispiele wie das Kloster Tholey (7.Jh.),  Abtei Mariawald, Kloster Marienthal, Maria Laach oder die Kirchengeschichte des Doms zu Köln, Kirchen wie St. Clemens in Mayen, Liebfrauenkirche Trier oder der nicht mehr existierende Dom zu Hamburg liefern genug Daten um nahezulegen, dass Schenkungen und Stifte zu großem Besitz der Kirche führten. Andere dieser Beispiele belegen die großen Lücken unseres Wissens, wie genau die Gründungen vor sich gingen. Einfach anzunehmen, hier sei mit Gewalt genommen worden stellt sich in jedem Fall den Errungenschaften der Menschlichkeit, u.a. der Unschuldsvermutung, klar entgegen. Eine weitere Gruppe sollte den heutigen Bewohnern der 7 Mrd. Erde klar machen, dass ein großer Teil des heutigen Deutschlands gar nicht besiedelt oder landwirtschaftlich genutzt war - es also gar keinen Grund gab irgendein Verbrechen zu begehen um an dieses Land zu kommen.
Dafür gibt es Seiten wie diese HIER, die leicht verständlich andeuten oder ausführen, wie wichtig Klöster für die jeweiligen Regionen und Entwicklungen waren.

Wer sich diesem Wust entgegenstellt, erhält vielleicht auch den Verweis auf den Zehnt, wie er in den Schulen gelehrt wird. Man erfährt, dass die Kirchen Anspruch erhoben auf - ja was eigentlich? Schon da wird es bei vielen kniffelig. Besitz, Verdienst?
(stark) Vereinfacht gesagt, im Mittelalter wurde der Zehnt auf Kirchengrund erhoben, vergleichbar also einer Vermögens- oder Grundbesitzsteuer wie sie heute auch der Staat erhebt. Das soll nicht heißen, dass nicht Schindluder mit diesem Zehnt getrieben wurde. Die Verpachtung der Gemeinderechte auf den Zehnt gehört dazu. Die Enteignungen und der staatlich verordnete Wegfall dieser Steuer nahmen der Kirche die Möglichkeit, sich völlig selbstständig zu finanzieren - und so kam es zum Kompromiß der Kirchensteuer.
Wenn also die Kritiker heute monieren, die Entschädigung sei längst erledigt und die Kirchensteuer Unrecht, so sei diesen vor Augen geführt, wie viel eigentlich enteignet wurde und was dies für die Kirchen und Klöster bedeutete. Jemandem die Existenzgrundlage zu nehmen und dann nicht für seine Existenz zu sorgen.
Die Diskussion, ob die Kirche die Steuer hingegen heute noch wirklich braucht oder sich nicht auf anderem bzw. durch Freiwilligkeit besseren Wege versorgen kann, diese sollte offen und ehrlich geführt werden. Hier wäre in der Tat der Raum für Transparenz. Nicht nur bei Einnahmen sondern auch Ausgaben.
Eine Kirche zu schließen, weil sie nicht voll wird - das kann man in meinen Augen nur mit dem realen und unausweichlichen Bankrott begründen. Und hier ist der Blick in die Geschichte gar nicht so verkehrt.

Mittwoch, 16. Oktober 2013

Wenn es für einen Vergleich nicht reicht.

Man ist es als Historiker gewohnt in Zeitungen Artikel zur Geschichte zu finden, die von Oberflächlichkeit, Einseitigkeit und mangelnder Recherche nur so strotzen. Gestern hat die Zeitung "Welt" in ihrer online-Ausgabe aber einen weiteren Tiefpunkt erreicht, den ich so nicht mal von Sendungen wie "Galileo" erwarten würde.
Unter der Überschrift: "Bomben-Bernd" – ein Vorbild für Tebartz-van Elst berichtet uns Berthold Seewald davon, wie sehr der Limburger Bischof doch von Christoph Bernhard von Galen beeinflußt wurde. Vielleicht. Und das er ja aufgrund der Gemeinsamkeit des Aufenthaltsortes Coesfeld jenen Münsteraner Bischof als sein Vorbild sieht. Wahrscheinlich.
Konkret liest sich das so:
Die Verbindungen zwischen beiden Kirchenfürsten reichen weit über die kritische Berichterstattung ihres Tuns hinaus.
Schon als Schüler am katholischen St.-Pius-Gymnasium in Coesfeld wird sich Tebartz-van Elst dem eindrucksvollen Exempel von Galens kaum entzogen haben können. Schließlich residierte dieser Barockfürst während seiner 28-jährigen Herrschaft überwiegend in der Stadt. Später studierte Tebartz-van Elst unter anderem in Münster, empfing dort die Priesterweihe und wurde 1990 zum Domvikar am St.-Paulus-Dom ernannt.
Auch Promotion und Habilitation wurden an der Westfälischen Wilhelms-Universität abgelegt, deren älteste Wurzeln auf von Galen zurückgehen. Noch heute ist Tebartz-van Elst dem Bistum Münster als Ehrendomkapitular verbunden, nachdem er ihm von 2003 bis zu seiner Wahl in Limburg 2007 als Weihbischof gedient hatte.
 Halten wir fest: der heute lebende Bischof ging in der Stadt zur Schule, in der von Galen einst "residierte" und studierte u.a. in dessen Bischofsstadt, beendete sein Studium an einer Uni deren "älteste Wurzeln" angeblich "auf von Galen zurückgehen". Minmalrecherche belegt: Letzteres ist entweder bemerkenswert schlechte Arbeit oder bewusste Lüge. Selbst wikipedia berichtet von Bemühungen des bereits 1616 verstorbenen Jesuiten Matthäus Tympius eine Universität aus dem bereits existierenden und erfolgreichen Jesuitenkolleg zu gründen. Und wie die Universität selbst auf ihren Seiten mitteilt war der erste Versuch der Gründung im 17. Jh. nicht von Erfolg gekrönt. Also ist die heute existierende Uni, an welcher Bischof TvE studierte weder von jenem von Galen angestoßen worden noch geht sie in irgendeiner Form auf ihn zurück.
Soviel zu den historischen Hintergründen der "Verbindung". Diese selbst aber ist ausschließlich auf Vermutungen begründet die sich lediglich auf örtliche Übereinstimmung beziehen. Nicht ein Beleg, ein Zitat für jene Identifizierung, welche Überschrift, Einleitung und Kern dieses Artikels ausmacht. 
Was bleibt wäre ein biographischer Bericht über eine der schillernden Gestalten des 17. Jahrhunderts. Aber auch hier ist der Text eine Zumutung.
Die besagte Übereinstimmung des Ortes ist nach einem kurzen Blick auf die Wohnorte des Fürstbischofs und Feldherren keine Überraschung, residierte er doch in mindestens fünf Städten abwechselnd und befand sich über lange Jahre permanent "auf Achse". Einen größeren Ort zu finden, in welchem er nicht weilte dürfte da schwer fallen.
Die im Text erwähnte Weigerung der Münsteraner in seine Richtung war nicht Folge des "pompösen Lebensstils" des Bischofs sondern seiner Quartierung von Soldaten in einer Hansestadt und somit der Versuch die Gewalt in der Stadt an sich zu reißen, deren Selbstständigkeit weiter einzuschränken. Das der "Fürst", welcher von Galen nunmal auch war, in jener Zeit in Konflikt mit seinem Volk kam ist weder selten noch überraschend. Hier aber aus einem offenen Konflikt um Selbstverteidigung und Selbstverwaltung eine ausschließliche Frage der Dekadenz zu machen ist ein wahrlich plumper Versuch eine Paralelle zu ziehen.
Und so stellt der Redakteur die folgenden Konflikte nicht dar sondern zieht aus den hunderten Details gerade mal eine handvoll, die zu seinem Bild passen: von Galen führte Krieg gegen die eigenen Städte, gegen die Niederlande (an der Seite Frankreichs) und gegen Schweden. Das dieses Bild viel komplizierter ist - ich vermute der Schreiber blickt da selbst nicht mehr durch. Denn es ist zwar korrekt, dass von Galen aufrüstete und die Niederlande bekämpfte. Sein Amt trat er jedoch an, als niederländische Truppen noch immer Teile des Münsteraner Territoriums besetzt hielten und auch nicht vorhatten abzuziehen - eher im Gegenteil. Aus dieser Situation heraus setzte sich von Galen durch. Mitunter ohne den Einsatz von Gewalt, wie die "sieben Landsknechte" noch heute in Erzählungen andeuten. Seine durchaus erfolgreichen Züge gen Holland wurden, glatt im Artikel unterschlagen, von Frankreich gestoppt. Jenem Frankreich, mit dem England, Schweden, Münster und Lüttich im Holländischen Krieg gemeinsam gegen die Niederlande vorgingen. Dieses wiederum hatte sich mit Brandenburg und dem Kaiserreich verbündet - und so stand von Galen an der Seite Frankreichs gegen Holland aber auch treu dem Kaiser des Heiligen Römischen Reiches gegen Schweden zur Seite. Dieser Komplexität der damaligen Verhältnisse wird Seewald nicht gerecht. Er wertet lieber, wenn er von Galen als erfolglos im Nordischen Krieg bezeichnet. Denn einzig diesen Teilaspekt greift er auf - Münster stritt auch gegen Schweden. Warum wird nicht erwähnt. Es würde nur stören beim Versuch ein Bild im eindeutigen Schwarz und Weiß zu malen. 
Empörend aber ist die Unterstellung, der heutige Bischof würde seinem Vorbild auch in Sachen Gewalt nacheifern, wenn er nur die Mittel hätte.
Auch in Sachen Sturheit und Beratungsresistenz erweist sich Tebartz-van Elst seinem Münsteraner Vorbild als durchaus ebenbürtig. Nur in einer Hinsicht bleibt er zweiter Sieger: Zur Durchsetzung seiner Vorstellungen fehlen ihm einfach die Mittel. Bei von Galen waren das nackte Zahlen. Soldaten und Kanonen.
Mitten in Argumente auf tönernen Füßen findet sich diese Anschuldigung. Ist der Rest des Artikels unerträglich schlechte Polemik, so ist dies einen gewaltigen Schritt weiter.
So etwas in der Rubrik "Geschichte" einzuordnen schädigt den Ruf aller fundiert arbeitenden Historiker und sollte von unserer Zunft nicht so ohne weiteres stehen gelassen werden. Andererseits - im Histotainment findet sich heute so viel solcher Müll...

Dienstag, 15. Oktober 2013

522 Märtyrer

Am 13.10.2013 wurden 522 Märtyrer seeliggesprochen. Dies berichtet kath.net und übereinstimmend eine Reihe anderer Medien.
Was diese nicht berichten ist der Widerstand, der sich dagegen in Spanien formiert hat. Gerade von den Linken, die nicht zuletzt die letzte Regierung stellten, wird dieser Akt als offener Affront gewertet, als Spaltung der Nation und historischer Revisionismus. Nicht selten liest man dieser Tage Kommentare, die den Opfern wie der gesamten Kirche unterstellen Francistas gewesen zu sein, also Gefolgsleute des Diktators.
Beispielhaft dafür fragt eine Kommentatorin unter dem Artikel über das Ereignis in einer der größten Zeitungen Spaniens:
¿Cuándo piensa la Iglesia pedir perdón a todas las víctimas que ocasionó en la Guerra Civil?
Wann wird sich die Kirche bei allen Opfern die sie im Bürgerkrieg verursacht hat entschuldigen?

Auf den Zug springt dann auch mancher Teil unserer Presse auf. Hinweise, dass Priester bereits vor dem Ausbruch des eigentlichen Bürgerkrieges Opfer von Gewalt bis Mord wurden, ja die Regierung sogar achselzuckend Angriffe auf Kirchen und deren zelebrierenden Gemeinde hinnahm sucht man vergebens in der ja durchaus angebrachten Kritik an der mangelhaften Aufarbeitung dieser blutigen Zeit.
Vor einiger Zeit kam mir der Film "Glaube, Blut und Vaterland" unter. Rein handwerklich ist er nicht unbedingt erste Wahl und auch die Handlung bzw. deren Darstellung ist sicherlich keine Konkurrenz für die großen amerikanischen Filme. Aber er behandelt eben diese Zeit und zeigt ein sehr differenziertes Bild, welches eben auch den Ausbruch der Gewalt vorführt. Von selbstgerechten Mordbanden beider Seiten bis hin zur Bewaffnung durch die Weltmächte. Ein generelles Urteil fällt der Film dabei nicht - weil das nicht geht.
In diesem Licht den Ermordeten Respekt zu erweisen, ihnen das zu lassen, was ihnen nach dem grausamen Ende bleibt- für ihren Glauben gestorben zu sein - das wäre ein Zeichen von Größe und dem Wunsch nach Aussöhnung gewesen.
Die Behauptung, die Opfer Francos hätten bislang keine derartige Würdigung gefunden ist zudem falsch. Es war bspw. die Kirche die in zähen Diskussionen durchsetzte, dass im "Tal der Gefallen", dem "Valle de los Caídos" auch die Akten von republikanischen Opfern des Krieges eingestellt wurden.  Auf Mallorca kann man die Namen der Opfer des Regimes auf einer großen Metalltafel lesen, dem War Memorial in Washington nicht ganz unähnlich.

Ironischerweise wiederholt nun ein Teil der Linken die Argumente der Rechten, die vor wenigen Jahren, als die sozialistische Regierung Rehabilitierung und Anerkennung durchzusetzen suchte eben ihnen vorwarfen, alte Wunden wieder aufzureißen und das Land zu spalten.

Meine Meinung: jeder Mensch, der in diesem Krieg ermordet wurde ohne selbst zur Waffe gegriffen zu haben ist ein Opfer. Und aus katholischer Sicht ist jeder gläubige, praktizierende Christ, der wegen seines Glaubens umgebracht wurde ein Märtyrer - und unter Priestern, Nonnen und Mönchen ist die Zahl der Opfer sehr groß. Das anzuerkennen und nicht ständig polemisch zu unterstellen oder auszulassen - das wäre ein bedeutender Schritt zur Aussöhnung und Aufarbeitung der vielleicht auch der Gegenseite mehr Respekt und Anerkennung abverlangen würde.

War da nicht was?

Nach der Wahl gibt es derzeit vor allem zwei Themen, die in den Medien diskutiert werden: der Limburger Bischof und die Katastrophe von Lampedusa bzw. dem Umgang mit illegalen Einwanderern zur See.
Vor der Wahl aber gab es eine Reihe von Meldungen die beleuchteten, dass die Partei die Grüne in ihrer Vergangenheit stark durchsetzt war von Pädophilen und deren Interessen zwar nicht ohne jeglichen Widerspruch aber doch mit viel Toleranz in ihren eigenen Programmen unterbrachte.
Diese Opfer wurden dann u.a. von der "Grünen Jugend" als "lächerlich" bezeichnet oder ihr Mut sich jetzt endlich zu Wort zu melden mit Verdächtigungen um den Zeitpunkt ihres "aus der Ecke Kriechens"  quittiert - ihre Opferrolle sogar in Frage gestellt.
Diese Methode hat Schule gemacht. Die "Welt" hatte es geschafft in einem Artikel der ohne die Erwähnung des Limburger Bischofs auskam eine Journalistin zu Wort kommen zu lassen, die sehr deutliche Worte fand für die Haltung und Verbrechen jenerLehrer und Verantwortlichen in den 80ern und 90ern. Der Artikel ist m.E. überaus lesenswert.
In den Kommentaren findet sich dann sofort ein Personenkreis der die Frau der Lüge bezichtigt. Man habe selbst so etwas nie erlebt, vielleicht sei es ja in der Schweiz möglich gewesen, bei uns jedoch nie. Auch jeder Unterstützer wurde der Lüge bezichtigt, selbst wenn sie von eigenen Erfahrungen berichten. Gleichzeitig wird die Entschädigung und Hilfe welche die katholische Kirche den Opfern ihres Personales und ihrer Würdenträger zukommen lässt als lächerlich bezeichnet - eine Kritik die mit Sicherheit in einigen Fällen angesichts des angerichteten Schadens an den Opfern und ihren Seelen berechtigt ist.

Jüngst wurde dann öffentlich, dass der Wahlkreisleiter eines Grünen MdB in ca. 160 Fällen verdächtig ist, Kinder missbraucht zu haben - nicht vor 25 Jahren sondern ganz aktuell.
Von Trittin oder Volker Beck kommt jedoch mittlerweile gar nichts mehr. Immerhin ist ersterer zurück getreten und betrachtet die Sache wohl damit oder generell als verjährt. Und hier bohrt unsere zusätzliche Ordnungsmacht scheinbar auch nicht weiter nach. Die Herrschaften gehören weder zum Personal der CDU noch der katholischen Kirche - somit wird weder ihr Rücktritt fällig noch die Staatsanwaltschaft aktiv, wenn auf ihrem Mist Schaden für Menschen erwächst. O tempora!

Montag, 14. Oktober 2013

Limburg

Man kommt ja nicht drumrum. Allein die Online-Ausgabe der "Welt" hat in den letzten Tagen wenigstens drei Artikel pro 24 h veröffentlicht, die den Bischof von Limburg zum Thema hatten. Andere Zeitungen und Medien waren da nicht gnädiger.
Ich möchte mich da Alipius anschließen, denn ich kenne den Bischof nicht, habe niemals zuvor von ihm gehört geschweige denn mit ihm gesprochen. Ich weiß nicht wie gut er als Bischof, Verwalter, Kleriker oder Bauherr ist. Rein von den Fähigkeiten kommt es darauf an. Hat er natürlich öffentlich gelogen, zumal unter Eid, dann sind die Rücktrittsforderungen durchaus legitim und nur durch Buße abzuwenden. Ein regelrechter Sturm auf den Sitz ist es nicht.
Was allerdings in den Medien gerate abläuft ist entweder eine Kampagne übelsten Ausmaßes die den Worten von Erzbischof Müller zum Thema Pogrom nachträglich noch einmal Gewicht verleiht - umso mehr durch die Teilnahme so vieler Katholiken. Sie ist es dann, wenn die Version von den unerwarteten Schwierigkeiten und bspw. den 15.000 € für das gesamte Bad statt nur für die Badewanne stimmt. Wir haben vor wenigen Jahren ebenfalls renoviert, und allein unser Bad, mit Materialien aus dem Baumarkt (Aktionswochen), online-Auktionen und handwerklicher Hilfe eines guten Freundes kam uns an die 10.000 - nach nur vier Jahren muss nun erneut ein Teil renoviert und zumindest die Amaturen ausgetauscht werden. Soviel zu Schnäppchen. Dabei ist unser Haus nicht ca. 500 Jahre alt.

Sollte andererseits stimmen, dass nur die Badewanne allein bereits 15.000 € gekostet hat - das ist in der Tat ein kleiner Skandal, aber kein Grund rund um die Uhr mit jedem Übertragungswagen in Reichweite zu bleiben um die nächste Kleingruppe von Empörten die ihren Frust lautstark und wenig christlich Luft in Livebildern dazwischen zu schalten.
Ruhe, sorgfältige Prüfung und Expertenmeinung (und damit meine ich erfahrene Bauherren, Architektengremien und Projektverwalter und nicht Ranga Yogeshwar und Co.) hätten hier einen viel größeren Nutzen.
Natürlich "braucht" eine Gemeinde kein 500 Jahre altes, renoviertes Vikariatsgebäude, welches zudem mit Materialien aus der Region und gemäß den Originalbestandteilen renoviert wurde. So gesehen "brauchen" wir in Deutschland auch keinen Dom mehr. Viele Deutsche sind der Überzeugung (nicht erst seit heute), dass wir gar keine katholische Kirche in Deutschland "brauchen", geschweige denn Katholiken.
Aus meiner Sicht "brauchen" wir auch keine katholischen Krankenhäuser mehr, denn zum einen erregen katholische Grundsätze in diesen mittlerweile immer wieder den Volkszorn (Stichwort Verhütung / Abtreibung), zum anderen ist die Meinung, dass die Kirche hier nur vom Staat bezahlte Leistungen umdeklariert mittlerweile so verbreitet, dass "caritas" hier gar nicht mehr als solche gesehen wird.
Sollten die Preise wirklich ohne Eingriffsmöglichkeit explodiert sein, sollten die "Sonderwünsche" sich im Rahmen halten und kein Betrug vorliegen ist das was gerade passiert eine Menschenjagd.
Sollte dagegen von Anfang an klar gewesen sein, wie hoch die Kosten würden, Rechnungen vertuscht, Falschaussagen abgelegt und unangebracht teure Sonderwünsche ausgeführt worden sein, dann sollte der Mann den Platz einem würdigeren Vertreter räumen.

Kein Verständnis habe ich für die Austreter dieser Tage. Die ganze Gemeinschaft, die ganze Kirche danach zu bewerten, das ein Hirte ein schlechter Hirte sein könnte...