Nun hat er es endlich bestätigt. Unser Bundespräsident wird für keine zweite Amtszeit zur Verfügung stehen. Zum Glück.
Ähnlich wie bei Obama setzte ich viele Hoffnungen in den ehemaligen Leiter der "Gauck-Behörde", welche sich der Auswertung und "Aufbewahrung" bzw. Entsorgung der Stasi-Hinterlassenschaften, namentlich der unglaublich vielen Informationen der "Informellen Mitarbeiter", zugordnet sah.
Auch ein wenig mehr Klerus und ein wenig Widerstandsgeist hätten diesem Land in dem doch recht "repräsentativen" Amt vielleicht einiges bewirkt.
Was wir bekamen war jemand, der zwar redete wie ein Pfarrer und grundsätzlich ahnte, wie Behörden arbeiten, aber lediglich den Mund aufmachte, um alles andere als "gemäßigte" Ansichten von sich zu geben.
Wer könnte vergessen, dass ausgerechnet ein ostdeutscher Bundespräsident von "einem dunklen Teil Deutschlands" sprach und damit ziemlich unverblümt den Osten der Republik meinte (ausgenommen natürlich das geistesbefreite Berlin).
Eine Fernsehansprache, in der er von Angriffen in U-Bahnen sprach, motiviert durch die dunklere Haarfarbe und den Hauttyp - nach einer schier endlosen Reihe von solchen Attacken, bei der die Beschreibung auf die Täter, nicht aber auf die Opfer zutraf. Höhepunkt dürfte wohl der Mord an einer jungen Frau gewesen sein, die von einem iranischen Einwanderer grundlos vor den Zug geschubst wurde.
Außerhalb der U-Bahnen geht es nicht viel anders zu. Sei es der Mord in Weyhe an Johnny K., Daniel S. oder der jüngst in Bad Godesberg erfolgte Mord an Niklas - beide nebenbei nicht als Mord verfolgt, als würden Tritte auf den Kopf nicht genau darauf hinauslaufen.
Dafür findet unser (noch) Präsident keine deutlichen, lediglich relativierende Worte.
Deutliche Worte zu den Vorgängen um die IM, welche nun für den Justizminister "Hasssprache" im Internet verfolgen und melden soll - Fehlanzeige. Ausgerechnet. Anstöße um die DDR-Vergangenheit und die Linkslastigkeit, Sprach- und Darstellungsgebote zu überdenken kamen nicht.
Statt dessen propagierte er ein "modernes" Familienbild. Nicht geschieden von seiner angetrauten Frau, lebt er mit einer anderen zusammen, die als "first Lady" auftritt. Was mir im Grunde völlig egal ist, denn das muss jeder mit sich ausmachen. Als christlicher Geistlicher und als "Aushängeschild der Republik" aber finde ich dies befremdlich. Offensichtlich gelten für solch einen Mensch völlig andere Werte, als ich sie erwarten würde.
Nein, wahrlich, Gauck hat sich nicht mit Ruhm bekleckert, dem Volk nicht gedient, sondern es belehrt und ihm vorgeschrieben, obwohl er selbst sich nichts vorschreiben lassen wollte.
Diesen Präsidenten werde ich nicht vermissen.
Aber er hatte es noch nicht offiziell gemacht, da kreisten bereits die Parteigeier. Die Debatte, wen man vorschlagen sollte begann augenblicklich.
"Die SPD möchte ihr Profil schärfen und mit dem Kandidaten klare Kante zeigen" musste ich mir in einem der wenigen radiogetränkten Momente anhören.
Eigentlich sollten die Vorschläge zum Präsidenten (wie zum Kanzler) weniger den Parteiinteressen dienen, als vielmehr dem Wähler, dem Volk, dem Staat. Es sollten die fähigsten Kandidaten rangezogen werden, gleich welchen Geschlechtes und welcher Partei - und nicht jene, weil sie eine Frau ist, und jener, weil er so offen dem Zeitgeist den Mund redet.
Aber das war in der Vergangenheit schon selten der Fall.
Trotzdem habe ich aktuell das Bild vor Augen, welches den alten Monumentalfilm "Der Untergang des Römischen Reiches" beendet. Wenn die Generäle, eben noch loyal dem alten Kaiser gegenüber, nunmehr mit ihren Armeen im Rücken anfangen Geldsummen auszurufen um den Thron zu besteigen.