Freitag, 19. April 2013

Sklavenarbeit zurück in Griechenland?

Weit über 20 Erntehelfer aus Bangladesch forderten ihren seit sechs Monaten ausbleibenden Lohn.
Statt dessen griffen ihre ... Arbeitgeber? zur Waffe und schossen auf sie. Ob die Männer wie im Artikel beschrieben Rassisten sind, weiß ich nicht. Auf jeden Fall aber erinnert das an Sklavenhaltung. Menschen müssen ohne Entlohnung hart schuften und wenn sie fordern was ihnen zusteht werden sie misshandelt, verletzt oder gar getötet. Sie sind nicht mehr Herr ihrer selbst.
Ist es wirklich schon wieder so weit?
Und wie steht es um Deutschland, Europa? Menschenhandel war ein Thema der Nachrichten in den letzten Wochen. Sollten die Zustände wirklich so schlimm sein wie beschrieben sollten alle Alarmglocken läuten. Wenn es menschliche Initiative bräuchte, dann doch in diesem Bereich. Hier gilt es Menschen zu retten. Nicht nur körperlich sondern auch seelisch.

Terror in den USA

Mittlerweile dürften die meisten Menschen in Europa davon wissen. Die USA sind mal wieder durch einen Terrorangriff getroffen worden. Bis zur Stunde ist noch immer nicht klar, wer die Täter sind, aber die ermordeten Opfer sind identifiziert.

Krystle Campbell (29), Martin Richard (8), Lu Lingzi (23)

Die Geschichten hinter diesen Tragödien sind schrecklich. Die Familie Richard verlor nicht nur kleinen Sohn, seine Schwester verlor ihr Bein und die Mutter trug eine schwere Hirnverletzung davon.
Krystles Vater wurde gesagt, seine Tochter habe überlebt, um dann deren Freundin aus dem OP kommen zu sehen und die Nachricht zu erhalten, die beiden seien verwechselt worden.
Lu suchte gerade den Mann fürs Leben um sich eine Familie in den USA aufzubauen.
Außerdem wurden fast 180 Menschen verletzt, viele davon mussten Gliedmaßen amputiert werden. Wie deren Leben sich weiterentwickeln kann und muss, wie sie sich und ihre Familien ernähren ...

Zu den Tätern hat das FBI endlich einige Fahndungsbilder ausgegeben. Faszinierend dabei ist das Gerangel in den Medien. Nachdem CNN verkündete, es handele sich um einen "dunkelhäutigen jungen Mann" musste der Sender kurz darauf zurückziehen. Dafür erhielt er einen Rüffel eines MSNBC Moderators, der meinte betonen zu müssen, dass die Hautfarbe irrelevant sei.
Dem stimme ich nur bedingt zu. Für die Beurteilung der Menschen an sich darf die Hautfarbe keinen Unterschied machen. Für die Untersuchungen spielt die Hautfarbe dagegen sehr wohl eine Rolle. Man kann davon ausgehen, dass rechtsextreme Gruppen, die i.d.R. auch Rassisten sind, wohl kaum Menschen dunkler Hautfarbe in ihren Reihen haben. Insofern ist die Hautfarbe durchaus ein Indiz, aus welcher Richtung der Anschlag kommt. Ähnlich verhält es sich im Fall der Bombe im Bonner Hauptbahnhof. Obwohl relativ schnell ein Video aus dem nahen FastFoodRestaurant vorlag, dass einen Mann schwarzer Hautfarbe zeigte wurde noch spekuliert, ob nicht Rechtsradikale für den Anschlag verantwortlich waren. Auch sonst wimmelte es von Meldungen und Dementis.

Daneben wurden wenigstens drei Briefe mit dem Gift Rizin, für das es kein Gegengift gibt, verschickt. Empfänger waren ein Senator, ein Richter und Präsident Obama. Die Polizei hat bereits jemanden festgenommen und das FBI dementiert Zusammenhänge zwischen den beiden Anschlagsserien.

Und noch ein dritter Terroranschlag auf amerikanischen Boden beschäftigt die USA wieder. Der Angriff auf Benghazi, für den führende Politiker der Obamaregierung erstmal öffentlich den Anti-Islam Film eines Ägypters verantwortlich machten indem sie die Angreifer zu einem spontanten Protestmob erklärten, ist auch sieben Monate nach der Tat nicht aufgeklärt. Für die Fehlinformation machte sich die damalige Außenministerin Clinton verantwortlich. Da sie ohnehin schon ihren Rücktritt bekannt gegeben hatte war dies ein leicht zu erbringendes Opfer.
Jetzt fordert u.a. der Vater des bei dem Anschlag ebenfalls getöteten Navy Seals Tyron Woods endlich Antworten zu erhalten. Clintons Nachfolger John Kerry wurde dazu von einem Ausschuss befragt. Natürlich versichert Kerry jegliche Zusammenarbeit bis ihm die Frage gestellt wird, warum die Botschafterin Susan Rice noch Tage nach dem Anschlag mit Falschinformationen durch die Fernsehsender zog. Kerry reagierte auf diese Frage ablehnend und bezeichnet sie als unwichtig. Ähnlich hatte Rice vor kurzem selbst reagiert, als sie in der Late Night Show von Jon Stewart auf das gleiche Thema angesprochen wurde. Die einzige Konsequenz daraus war der Verzicht von Rice auf Clintons nachfolge. Ihre Karriere geht aber weiter.
Der Vorfall selbst wird bspw. im deutschen Wiki immer noch in Zusammenhang gebracht mit dem Film "Innocence of Muslims", der in seiner Ablehnung auch in den deutschen Medien deutlich mehr Wiederhall fand als der Anschlag selbst.
Dort findet sich mit stand 18.04. folgender Absatz im Artikel zum Film
Infolge der muslimischen Proteste wurden am 11. September 2012 auf die US-amerikanische Botschaft in Kairo und das US-amerikanische Konsulat in Bengasi Anschläge verübt, bei denen mehrere Diplomaten und Soldaten ums Leben kamen.

Liest man sich dagegen die bekannten Informationen zum Anschlag durch entsteht ein anderes Bild. Die Untersuchungen ergaben, neben dem bedeutsamen Datum (11.09. - Jahrestag der Anschläge auf das WTC in New York), dass die Botschaft und das amerikanische Personal in den Wochen und Monaten zuvor bereits mehrfach attackiert wurde, u.a. mit  selbstgebauten Bomben die ehemaliges Wachpersonal über die Mauern warf.
Auch ein Mordversuch mit Raketenbeschuss auf den britischen Botschafter war vorausgegangen.
Am Tag des Anschlages wurde die Botschaft "ausgespäht", Der Botschafter der sich normalerweise in der Hauptstadt aufhält, war nur mit wenigen Leuten vor Ort.
Der erste Angriff selbst fand unter dem Feuerschutz von auf Pick-ups montierten schweren MGs, FlaK und RPG (Panzerabwehrraketen) statt. Ein verletzter libyischer Wachmann sagte aus, dass die Angreifer wie aus dem Nichts erschienen, vorher sei die Strasse leer gewesen.
Der Angriff beinhaltete u.a. Mörserbeschuss. Zwei der Todesopfer starben bei der Verteidigung auf dem Dach des CIA Komplexes, als nach einem einzigen Richtschuss zwei Mörsergranaten hintereinander genau auf ihre Positionen einschlugen und sie augenblicklich töteten.
Allein diese Fakten reichen aus um klar zu sagen: das war kein spontaner Mob und der Film spielte hier überhaupt keine Rolle. Und obwohl vier Amerikaner starben und weitere verwundet wurden, spielte diese Attacke bei der Präsidentschaftswahl keine Rolle.
In den USA wurde eine kurze Zeit heftig diskutiert, ob Obama / Clinton / Panetta die Sicherheitslage in Libyen ignoriert hatte um Obamas Politik der ausgestreckten Hand zu verfolgen. Obwohl nicht wenige Stimmen berichteten, die Sicherheitslücke sei bekannt und durch Anfragen nach Verstärkung versucht worden sie zu schließen - was von höheren Stellen abgelehnt worden sei, wurde dies vom "White House" dementiert und die meisten Nachfragen abgeblockt. Clinton übernahm auch hier die Verantwortung und beendete die Diskussion.


Vielleicht verkläre ich ja im Nachhinein, aber bei den Anschlägen auf das WTC, in London und Madrid ermittelten die Beamten die Schuldigen und präsentierten sie. Neuerdings wird vermutet, dementiert, abgestritten, beschuldigt, entlastet, Verantwortung abgelehnt oder übernehmen, betont nach "allen Seiten" ermittelt, egal wie die Täter auftraten...
So verwirrt man Menschen und lenkt ab. Kein gutes Zeichen.


Von Minaretten, Demokratie und vom Kriege

Dieser Beitrag ist eigentlich Teil einer Diskussion die im Kommentarbereich von "Die Nacht ist vorgedrungen" begonnen hat. Da meine letzte Antwort viel zu lang für den Kommentarbereich geworden ist, habe ich sie kurzerhand zu einem Beitrag hier gewandelt.

Theodred: Die christlichen Parteien in Deutschland wie Europa haben nie dafür gestimmt Minderheiten Grundrechte zu entziehen, wie bspw. ein Verbot öffentlicher Präsenz anderer Religionen oder der Bau bzw. die Renovierung nicht-christlicher Heiligtümer.
DeBenny: In Deutschland fällt mir da auch nichts ein auf Anhieb, europaweit denk ich da aber ganz schnell an das Minarettverbot in der Schweiz, das nicht nur von der rechten SVP, sondern auch christlichen Parteien unterstützt wurde (wobei es da eher evangelische waren, während die CDU/CSU ja vor allem von Katholiken gewählt wird).

Es hat eine Weile gedauert, da ich mich in die Minarettverbotgesetzgebung (ein tolles Wort...) erstmal einlesen musste.
An erster Stelle möchte ich daher auch hier wieder dem Vergleich widersprechen. Das Minarettverbot als Ausdruck von Unterdrückung, Rassismus, Intoleranz, Einschränkung von Religionsfreiheit usw. sehe ich nicht. Hier geht es, laut den Urhebern der Initiative, um ein symbolhaftes Bauelement des islamischen Gotteshauses, nicht um das Gotteshaus an sich. Das Symbol bzw. Bauelement hat nicht nur Bezug auf den Islam sondern auch auf alle außerhalb der Umma.
Würde man im Umkehrvergleich bspw. im Iran, der Türkei und Saudi-Arbien den Bau von Kirchen mit der Einschränkung auf Türme zu verzichten erlauben, würde dies als Zeichen der Toleranz und der Annäherung verstanden werden, worin ich mich anschließen würde auch wenn mir bei den Bauten emotional und ästetisch natürlich etwas fehlen würde. Unsere Politiker, Zeitungen und gesellschaftlichen Größen würden wohl nicht müde, dieses Beispiel zu betonen ohne eine Einspruch in Sachen Kirchturm gelten zu lassen. Das die "christlichen Parteien" sich beim Titel- und Rückencover der Titantic zu Wort gemeldet hätten wüsste ich ebensowenig wie
Hätte die Schweizer Initiative sich gegen Moscheen und Gebetsräume gewandt, würde ich mich deiner (und wohl auch weiter Gesellschaftsteile) Bewertung anschließen, so aber sehe ich nur ein Bauelement, das zudem einiges ausdrückt und heute schlicht obsolet geworden ist.
Minarette sind Wachtürme, Leuchttürme, Botenpunkte, Schmuckelement und Machtsymbole. Keine dieser Funktionen ist heute mehr nötig, letzterer sogar schädlich. Warum Wach- und Leuchtfunktion überholt sind dürfte klar sein. Um die Menschen zum Gebet zu rufen gibt es heute praktischere Wege, bspw. eine Handyapp (die nach der Anzahl und Downloadzahlen bei googleplay ohnehin gut frequentiert sind), da der Islam in unseren Staaten keinen Anspruch erheben darf das Leben und den Glauben aller zu bestimmen wird die ausgerufene Botschaft (Adhan) ohnehin fragwürdig.
Als Machtsymbol finde ich, angesichts der steten Beteuerung die zehntausenden Terrorattacken der letzten 12 Jahre seien von isolierten und wenigen Extremisten entgegen den Lehren des Islam begangen worden und diverser machtgreifenden Islamistengruppierungen von Algerien bis Zentralafrika, sind sie extrem unangebracht.
Dann gibt es noch die Stimmen der kulturellen Tradition. Das Argument zieht nicht, immerhin geht es um Zuzug in einen anderen Kulturraum und das maximale Ziel sollte und dürfte sein, eine Symbiose zu aller Wohl zu erreichen. Da hat jede Gemeinschaft und jeder Staat das Recht zu bestimmen, zumal in einer Volksabstimmung, welche Bauvorschriften gelten, solange die Ausübung der Religion gewährleistet bleibt.
Womit wir beim Punkt der Notwendigkeit sind: das Minarett ist sowohl nach Koran als auch nach Hadith nicht notwendig und war in den Zeiten Mohammeds noch gar nicht "erfunden". Es existieren, parallel zu Kirchen ohne Turm, auch Moscheen ohne Minarett.
Ganz offen wird die Rolle der Minarette in islamischer Literatur besprochen. Ziya Gökalp schrieb die von Erdogan in den späten 90ern zitierte Drohung: "Die Moscheen sind unsere Kasernen, die Minarette unsere Bajonette, die Kuppeln unsere Helme und die Gläubigen unsere Soldaten".
Auch historisch gesehen ist der Bau von Minaretten eigentlich eine eindeutige Geste. Als das Zentrum der Ostkirche von den Osmanen erobert wurde signalisierte man die Entweihung der Hagia Sophia, in der zuvor die dahin Geflüchteten abgeschlachtet (und schlimmeres) wurden, und die Umnutzung als Moschee durch die Errichtung von Minaretten. Das gleiche findet sich in der gesamten islamischen Welt die sich auf ehemals (oder wieder) christlichem Raum ausgebreitet hat.

Es spricht also viel dafür, dass ein Islam, der in Europa und den heutigen Ländern der Rechte und Freiheiten ein solches Symbol also mehr als unangebracht ist, das Pochen darauf ein Indiz der eingeschlagenen Richtung vorgibt.
Solange Muslime Moscheen errichten dürfen und ihren religiösen Pflichten nachkommen können, bspw. auch durch die exklusiv muslimischen Friedhöfe, ohne dass diese von staatlicher wie von allgemeiner Seite bedroht sind (wie wir es bspw. gerade in Libyen, Türkei und Syrien erleben mussten), ist m.E. die Religionsfreiheit gewährt. Das gilt andersherum auch für Kirchen.

Und ein Vergleich muss zudem gezogen werden: auch andere Religionen haben einen Platz in Deutschland und Europa. So gibt es mittlerweile Hindu-Tempel, Buddhistische Tempel und natürlich Synagogen. Auch diese Gemeinschaft gestalten das Äußere ihrer Heiligtümer teilweise, für den europäischen Geschmack, sehr ausgefallen. Ein ähnliches Problem, eine solche Diskussion oder das Gefühl der Diskriminierung hört man von diesen eher selten. Außer von den Juden, dort aber nicht in Form von Bauvorschriften sondern in der realen Bedrohung durch Vandalismus, Brandstiftung und offenen Attacken. In letzter Zeit vermehrt aus Berlin zu hören.


DeBenny: Auch da wär ich vorsichtig. Ja, selbst haben sie da wohl nicht viel getan, weil ihr Aktionsgebiet die Bundesrepublik ist, und da ist die politische Situation zum Glück (noch) etwas ruhiger. Allerdings denke ich grad an Waffendeals mit Staaten, die die Menschenrechte nicht gerade höher achten als die Islamisten in den Ländern, die Du gerade genannt hast.
Warum wir Waffen an Staaten verkaufen, die einen Dreck auf Menschenrechte geben kann ich ebenfalls nicht verstehen. Ein Blick auf die Waffendealskandale der BRD-Geschichte (auch unter Strauss) offenbart aber, dass die meisten Waffen an Israel gingen. Man mag Perspektive wählen wie man möchte, aber die meist kleingeredeten Pogrome gegen Juden im islamischen und gerade im heute israelischen Raum sind ebenso aufrüttelnd wie die vielen Angriffe und Drohungen der Auslöschung gegen Israel seit dessen Gründung. m.W. werden in Israel die Menschenrechte geachtet, auch wenn die Palästinenser dank Paliwood oft das Gegenteil postulieren.
Die Lieferungen des Panzers Fuchs an Saudi-Arabien sehe ich nur kritisch weil wir überhaupt Geschäfte mit diesem Land tätigen, also auch andersherum seit Jahrzehnten Öl beziehen. Der Fuchs selbst ist kaum als Waffe zu bezeichnen. Die meisten Fahrzeuge seiner Art die ich in meiner Dienstzeit kennenlernte dienten ABC und Sanitätstrupps, einige wenige als Transportfahrzeuge. Kritisiert man dies steht auch der Handel mit mobilen Baukränen in den Iran zur Debatte, an denen regelmäßig Menschen stranguliert werden. Ja selbst die Frage nach Stahl- und Betonlieferungen nach Afghanistan oder Gaza müsste dann gestellt werden, vom Geldfluß in eine riesige Zahl Länder mal ganz zu schweigen.
Kürzer gesagt: würde man den Handel mit solchen Staaten unter den Aspekt der Verantwortung stellen müsste die Isolation erfolgen.
Daraus hervor sticht die Ausbildung von Polizisten und die Lieferung von Kampfpanzern. Letztere sind zwar kein Mittel um einen Volksaufstand zu bekämpfen (Kampfpanzer sind gerade im urbanen Gebiet sehr anfällig selbst für schlecht ausgerüstete und ausgebildete Gegner), ersteres aber sehr wohl. Ganz zu schweigen von der damit unterstützten Diskriminierung.
In der Beziehung hast Du, Benny, sicher recht. Kein Ruhmesblatt, eher eine Schmach.

In jedem Fall finde ich aber den Vergleich mit den Einschränkungen, Diskriminierungen und Verfolgungen in den diskutierten Ländern extrem unpassend. In nahezu allen diesen "nicht positiven" Entscheidungen sind weder die Parteien noch das Volk befragt worden, geschweige denn eine Mitentscheidung. Neben den Skandalen, in denen Einzelne die Verantwortung tragen sind es die Vertreter der jeweiligen Regierung (nebenbei auch Rot-Grün), die diese "Deals" so leise als möglich ablaufen lassen.
Will man dies auch nur ansatzweise mit dem Verhalten der AKP in Richtung Armenier vergleichen muss man sich Millionen von Menschen in der Türkei einfach wegdenken.
Geht man den Schritt weiter, den Du, Benny, ja auch ablehnst, und zieht den Vergleich zur Hamas oder den Muslimbrüdern, dann wird es absurd. Da vergleicht man dann die Ausbildung von Ordnungshütern, die AUCH zur Unterdrückung und Diskriminierung beitragen mit Mördern und Attentätern, die ihre auf Zivilisten gerichtete Raketen aus zivilen Wohnhäusern verschiessen um dann die Opfer der Riposte als Propagandamittel auszunutzen.

Wie es um die Christlichkeit unserer sog. christlichen Parteien allgemein bestellt ist kann man an der Weihnachtsrede unseres Präsidenten sehen. Zwar ist dieser parteienlos, als Präsident aber durch die CDU nominiert worden. Als Pfarrer das Kunststück zu vollbringen, aus der Feier der Geburt Jesu einen multireligiösen und -kulturellen Begegnungstag zu machen und auf den Hintergrund so wenig einzugehen sendet zumindest mir ein bestimmtes Signal.
Das führt mich zu:
De Benny: Werte christlicher Prägung wie Feindesliebe und Vergebung würden in einer Gesellschaft wohl zum Himmel auf Erden führen. Ich würde eher sagen, daß wir zumindest mal bei Auge für Auge angekommen sind


Ich schrieb ja auch:
Theodred: Demokratie ist erst dann etwas gutes, wenn sie auf bestimmten Werten / Maximen basiert.Ich bin der Überzeugung, dass diese Maximen oder Werte christlicher Prägung (Mitleid, Nächstenliebe, Feindesliebe, Vergebung) sind.
Ich schrieb nicht, dass diese Werte bestmöglich umgesetzt wurden. So blind bin selbst ich nicht. Aber das wir aus der Sklaverei gefunden haben (und dies später zynischerweise im Kolonialismus verbreiteten), dass wir tötliche Kämpfe nicht mehr als politisches Mittel zur Popularitätssteigerung mehr nutzen etc. das ist der Basis von der ich sprach zu verdanken. Gerade dieser Tage, wo die beiden Koreas nicht vergeben und verarbeiten können, wo China und Japan wieder um Inseln rangeln, in denen Konvertiten in einigen Ländern weiterhin vor laufender Kamera mit einem Taschenmesser geköpft werden ist doch der Unterschied ziemlich deutlich.

De Benny: Hinzu kommt, daß wir durch die Aufklärung durch sind. Die nicht. 
 Das ist eine ziemlich faule Ausrede unserer Tage die der Aufklärung viel Ehre zukommen lässt. Blickt man auf bestimmte Päpste und ziemlich düstere Entwicklungen Europas und auch des Christentums, dann mag das "Licht der Aufklärung" in der Tat wie eine Reinigung erscheinen. Sieht man aber durch den Schleier der literarisch-historischen "Beweihräucherung" hindruch, dann hat sich, bei aller Wertschätzung für die elementaren Änderungen, gar nicht so viel geändert und so manches von dem, was sich geändert hat ist durch das Christentum bzw. einige seiner Vertreter angestrengt worden. Da sind die Jesuiten ganz vorne mit dabei, auch wenn andere Christen und christliche Orden sie dabei durchaus angriffen.
Japan bildet für mich da ein sehr gutes Beispiel. Das dortige Christentum kam ohne Conquistadores gut voran - strahlte etwas aus dass die kriegsgebeutelten Japaner ansprach, bis es durch die Christenverfolgung, an der die (christlichen) Holländer und Engländer nicht unbeteiligt waren um profitable Geschäfte zu übernehmen, aufgehalten und nahezu ausradiert wurde. Da steckte die Aufklärung noch in den Kinderschuhen.
Die Frage kann also statt "Heutige Verhältnisse ohne Aufklärung" auch lauten "Hätte es ohne Christentum die Aufklärung gegeben"?

Und auch hier ist der weiterführende Vergleich wieder entlarvend. Wie steht es um andere Religionen und Kulturen. Gab es im Buddhismus eine Aufklärung, im Hinduismus, Schamanismus, Polytheismus usw. usf? Wo stehen diese heute? Besonders beliebt ist dabei der Buddhismus. Viele wissen nicht um seine dunklen Züge in der Vergangenheit. Sie kennen den Dalai Lama und einige Hollywoodschauspieler wie Richard Gere. Von den kriegslüsternen Mönchen in Japan und dem Einfluss des Zen-Buddhismus auf den Kriegerkult sowie dem Kaiser als Gott bis zum 5. Dalai Lama und seinen Eroberungszügen durch Tibet wissen sie nichts. Und doch ist der Buddhismus heute als DIE pazifistische Religion bekannt, denkt man an Gewalt und Buddhismus kommen einem eher selbstverbrennende Mönche in den Sinn als lanzenschwingende Banden in Kutten.
Findet man eine Zäsur, eine Aufklärung des Buddhismus? Eine Zäsur (oder mehrere?) vielleicht, eine Aufklärung eher nicht. Und trotzdem gelingt es recht gut, Menschen der buddhistischen Kulturkreise MIT ihrer Religion zu integrieren, ohne dass Botschaften brennen, sobald Buddha karrikiert wird. Auch ohne Tempel mit vergoldeter Pagodenform. Und ohne Aufklärung.

De Benny: Hmm, vorher haben wir auch one Demokratie einen Krieg angefangen, aber ich verstehe, was Du meinst.
Das ist ein recht einseitiges Urteil. Die "Kriegsschuldfrage" kann nicht einseitig Deutschland zugeschoben werden, auch nicht allein Kaiser Wilhelm II. Der Mann hinterlässt ein sehr undurchsichtiges Bild von militäristischer Begeisterung auf der einen und zaghafter Unsicherheit auf der anderen. Während sich Einträge und Äußerungen finden, in denen er Blut fließen sehen will gibt es auch Schlichtungsbriege. Ich gehe mit Röhl nicht oft konform, aber seine Meinung, dass der Mann höchst instabil, aufbrausend war teile ich. Aber das ist ein eigenes Thema.

De Benny: Ich würde nicht meine Hand dafür ins Feuer legen, daß da nicht auch Geld abgezeigt wird, um eine Miliz aufzubauen – nur für den Notfall natürlich…
 Ich gehe mit Sicherheit davon aus, dass Kopten und Säkulare sich eine Miliz bilden würden und auch eine Menge Geld durch Korruption versickern würde (was es zusätzlich zum Missbrauch auch jetzt bereits tut). Meine grundlegende Überlegung ist eher die Selbstdarstellung der Muslimbrüder. Diverse Ägypter wie Hamed Abdel-Samad legen dar, dass die Muslimbrüder vor allem stärkste Kraft geworden sind, weil die Armen sowie die Ungebildeten sie von ihren sozialen Projekten her kennen. Das Geld dafür stammt meist aus den sunnitischen Ölstaaten (wie jüngst die Mrd. Spritze aus Katar). Würden die Europäer dafür sorgen, dass auch die säkularen und christlichen Kräfte diese Optionen haben (und auch nutzen!) würde diese, konstant verfolgt, für einen Ausgleich sorgen.
So aber sehen viele Ägypter die "Wohltaten" der Muslimbrüder, durchaus vergleichbar mit den Vorgängen in der krisengeschüttelten Weimarer Republik.
Die Menschen zu überzeugen gelingt vor allem durch Liebe und Zuwendung. Auch wenn ich niemals behaupten würde, dass unter Säkularen und Christen nicht auch eine stattliche Anzahl mieser Charaktere zu finden ist. Die gibt es leider überall.

Mittwoch, 17. April 2013

Toleranz und Türkei

Egal wie oft und wie lange ich mich mit der Politik der Türkei beschäftige, ich komme stets zum gleichen Ergebnis. Ein Rätsel bleibt mir hingegen, wie sich Menschen wie Claudia Roth gegen diese Fakten einfach verwehren, obwohl sie sie kennen. So wurde von ihr beim letzten Besuch Erdogans vor allem die Türkei-Politik der Bundesregierung kritisiert, obwohl die darauf folgende Kritik an der Türkei deutlich drängendere Probleme bezeichnete. Trotzdem fordert sie weiterhin die "Integration der Türkei in die EU".
Das bei ihrer Aufzählung die Toleranz, oder vielmehr ihre Abwesenheit gegenüber Andersgläubigen gar nicht zur Sprache kommt, dass die angebliche Trennung von Staat und Religion durch die Ditib ins Negative verkehrt wird, die militärische Besetzung Nordzyperns, die Verweigerung der Nutzung von Bodenschätzen Zyperns und Griechenlands gegen bestehende Verträge, all das findet bei Claudia Roth in der Öffentlichkeit kaum oder keinen Ausdruck. Kein Wort darüber, dass Zypern bereits seit Jahren durch Förderung der Bodenschätze die aufziehende Krise hätte selbst überstehen können, wenn die Türkei nicht mit Kriegsschiffen angerückt wäre.
Dafür gibt es das legendäre Interview, in welcher sie neben ein klein wenig Kritik und eine heute in den Hintergrund gerückte "Kampfansage" in Sachen Hrant Dink vor allem verklärt und verharmlost.
Wie gesagt, es gibt unglaublich viele solche Menschen in Deutschland oder solche, die deren Art mittragen.

Tilman Geske & Familie
Bischof Luigi Padovese
Auf der anderen Seite steht die Realität in der Türkei. Obwohl bspw. ARD und ZDF ein anderes Bild kolportieren ist in der Türkei Diskriminierung an der Tagesordnung, und keineswegs eine gewaltlose oder Einzeltäter. Von der auf viele Drohungen folgenden Ermordung des Priesters Andrea Santoro über die Ermordung des Bischofs Luigi Padovese, der Christen Tilman Geske, Necati Aydin und Ugur Yüksel, diversen Attacken bis zu Mordversuchen. Das die meisten dieser Vorfälle in Deutschland und Europa nicht allzuviel Aufsehen erregten, kaum darüber berichtet wurde spricht ebenfalls Bände.

Stattdessen wird auf Erfolge verwiesen, die Toleranz und Entwicklung bedeuten würden. Wie es darum dann bestellt ist, zeigt zum einen die noch immer nicht erfüllte Verspruchung das Priesterseminar auf Chalki wieder zuzulassen, zum anderen der Fall der Bauerlaubnis für eine syrisch-orthodoxe Kirche. Das zugewiesene Land und daran gebundene Bauerlaubnis sind nämlich auf einem katholischen Friedhof angesiedelt, der zwar 1951 enteignet wurde, bei dem aber ebenfalls eine Forderung der katholischen Kirche vorliegt, das Gelände zurück zu erhalten und dort wieder bestatten zu dürfen.
Und andersherum wurden in den letzten Jahren etliche christliche Heiligtümer, welche nach der gewaltsamen Eroberung und Islamisierung des Landes durch die Turkmenen / Osmanen zu Moscheen ent- und umgeweiht wurden, dann aber durch Ataturk als Zeichen der Annäherung und Versöhnung zu Museen umgewandelt, wieder zu Moscheen gemacht oder dies beantragt. Besonders "unsensibel" ist dies im Fall der Kirche von Trabezon. Dort wurde vor wenigen Jahren der Priester Andrea Santoro von einem jungen Muslim während des Gebetes in einer anderen Kirche wegen seiner Religion und seiner Funktion erschossen. Dabei spielen die Behörden eine wichtige Rolle, ebenso wie im Fall der Hagia Sophia von Nicäa und den Überlegungen zur Hagia Sophia in Istanbul. Die Versuche das Kloster Mor Gabriel zu enteignen sind mittlerweile immerhin weit bekannt, aber auch sie finden kaum noch Beachtung in den Veröffentlichungen des Alltags.
Mor Gabriel
Und noch deutlichere Zeichen setzte die türkische Militärführung, als sie im Zuge einer Offensive gegen die PKK mehrere christliche Dörfer mit Flüchtlingen aus dem Irak bombardieren ließ.
Die Prozesse gegen die Mörder in den oben genannten Fällen sind samt und sonders durch Verschleierung und Verzögerung geprägt, ebenso wie jener gegen die Mörder des armenischen Journalisten Hrant Dink. Währenddessen nutzt die türkische Regierung die NSU Mordserie und den Prozess, um offen die ehrlichen Absichten Deutschlands anzuzweifeln und bei jedem Hausbrand eigene Ermittlungen aufgrund der angeblichen Fragwürdigkeit Deutschlands anzustrengen.
Die Leugnung des Völkermordes an den Armeniern, trotz unzähliger Quellen als Beweis, ist heute noch immer üblich. Das einzige Versöhnungsdenkmal ließ Erdogan selbst abreißen.
Gegen Einzeltäter oder eine von oben vorgeschriebene Diskriminierung sprechen Umfragen und Volksaktionen wie die von der IGFM offengelegte Unterschriftensammlung der Grauen Wölfe zur Vertreibung des Patriarchen von Istanbul, welche von 2,5 Millionen Türken unterschrieben wurde.
Oder die Umfrage, nach der wenigstens die Hälfte der Türken keine Atheisten, Juden oder Christen als Nachbarn dulden. Sprechen Priester und Gemeinden offen, so bekommt man ein Bild gezeichnet, dass eher zu den oben beschriebenen Vorfällen passt, als die vom ZDF verbreitete Euphorie, obwohl sie es besser wissen. So auch von Erzbischof Ruggero Franceschini.
Das Problem dabei dürfte, wie die jüngsten Terroranschläge zeigen, nicht nur der Islamisus sondern auch der Nationalismus sein.
Wer die verlinkten Artikel aufmerksam gelesen hat, wird aber auch Gegenbeispiele finden. So kamen säkulare und auch muslimische Organisationen um bei Priestern für die Angriffe um Entschuldigung zu bitten und ihre Solidarität zu bekunden.
Warum es nicht möglich ist, solche Menschen zu bestärken und zu fördern während man sonst ehrlich den Anfeindungen und dem Hass ins Auge blickt, das bleibt dabei das Rätsel.



Weiterführender Link: Interessante Doku in der man auch Bischof Padovese erleben darf.

Dienstag, 16. April 2013

Amina und Femen

Gerade gab es die Nachricht, dass die lange verschwundene tunesische Bloggerin Amina wieder aufgetaucht ist und von den Versuchen ihrer Familie berichtet, sie umzudrehen nachdem sie Amina entführt hatten.
Amina hatte sich im Internet mit nacktem Oberkörper präsentiert, dabei für ihr Recht auf Selbstbestimmung gepocht und die Einstellung, die Ehre der Familie läge in der Sittsamkeit ihrer Frauen widersprochen. Sie hat dabei starke Kontakte zur Organisation Femen.
Was ich von dieser Organisation halte habe ich ja mehrfach beschrieben. Das Medieninteresse mit dem präsentieren von nackten Oberkörpern zu wecken und dann mit verachtenswerten Parolen wie "Kill Kiril" oder "Shut up" zu kommen ist erbärmlich. Christliche Symbole zu attackieren und Messen zu stören ist erbärmlich und dabei nahezu ungefährlich. Vor der Ahmadiya-Moschee in Berlin die Freilassung von Amina einzufordern zeugt von mangelnder Differenzierung, Information und Stumpfsinnigkeit.
Vor Amian selbst aber habe ich tiefen Respekt. Ihre Botschaft hat etwas mit ihrem Leben und dem Leben so vieler Frauen, nicht nur in Tunesien oder Nordafrika zu tun. Sie fordert ihre Grundrechte ein und wegen dieser Forderung wird ihr Gewalt angetan. Das dies passieren kann ist ihr auch klar gewesen, als sie ihre Aktion begann. Sie hat trotzdem ihr Leben aufs Spiel gesetzt und auch jetzt, nachdem man ihr mit Steinigung gedroht hat und ihre Familie sich gegen sie wandte will sie wenigstens noch eine Aktion in Tunesien bringen.
Und das ist ein weiterer Grund der Trauer an der Sache. Ebenso wie die ägyptische Bloggerin Aliaa Magda El Mahdy, die sich in Ägypten ebenfalls mit ihrem nackten Körper gegen die reale Unterdrückung der Frau wandte und die Gefahr für ihr Leben dabei in Kauf nahm, wird sie nicht in Tunesien fortfahren können für die Rechte der Frau zu kämpfen. Denn auch aus dem Ausland hat sie keine Hilfe zu erwarten, von unseren Medien keine schützende Aufmerksamkeit.
Und von Femen? Da hat sie eine Ausbeutung zu erwarten. Begonnen hat dies schon indem das Überleben Aminas nicht ihrer gelungen Flucht oder dem Unwillen des Vaters sie zu töten zugeschrieben wird, sondern der Organisation Femen.
Ich habe geweint, als wir lange nichts von Amina gehört hatten. Es war der Horror. Aber wenn wir nicht gekämpft hätten, wäre sie jetzt vielleicht schon tot.
Amina wird mit ihrem berechtigten Anliegen in eine Reihe gestellt werden mit Forderungen wie "Kill Kyrill". Und das wird dazu beitragen ihren Kampf wirklungslos machen.

Boston und Iran - ein schrecklicher Tag (2. UPDATE)

In Boston ist es zu einem Terroranschlag gekommen. Wenigstens zwei Bomben explodierten im Zielbereich des Boston-Marathon und töteten drei Menschen, verletzten mindestens 170 Menschen.
Eine besondere Tragödie ist das Schicksal der Familie Richard. Sie waren dort um den Vater Bill Richard anzufeuern. Beim Anschlag wurde sein 8jähriger Sohn getötet, nur Augenblicke nachdem er seinem Vater mit einer Umarmung gratulierte. Seiner Schwester wurde das Bein abgerissen, seine Mutter schwer verletzt. Nur die zweite Tochter und der Vater blieben soweit unverletzt, dass sie nicht ins Krankenhaus mussten. Das ihre Seelen dafür schwer verletzt sind, der Verlust und der Zustand
ihrer Familie ihnen schlimmste Schmerzen bereitet dürfte jedem mitfühlenden Menschen klar sein.
UPDATE: Ein Bericht über die Familie Richard und den aktuellen Stand. Ich habe ein Licht für sie aufgestellt und hoffe, viele schließen sich an.
eine der Explosionen

Präsident Obama weigerte sich bis zur Stunde von "Terror" zu sprechen, wohl im Versuch nicht vorschnell jemanden zu verurteilen. Aber egal, wer die Täter waren, ob Islamisten oder Rechtsextreme oder wer sonst in Frage kommt, das war und ist Terror. Unschuldige Menschen zu töten und leiden zu lassen, die Gefahr bei jeder Veranstaltung, jeder Versammlung wieder vor Augen zu führen, dass ist der erfolgreiche Versuch Angst in die Herzen zu bringen und sie so zu zwingen zu tun was man von ihnen will.
UPDATE: Obama hat nun doch von einem Terrorakt gesprochen.

Für Spekulationen wer es war ist noch Zeit, momentan bete ich für die Ermordeten und alle Opfer und deren Angehörige.


Die zweite schlimme Nachricht des Tages kommt aus dem Iran. Dort gab es erneut ein schweres Erdbeben. Wie immer sind die Nachrichten dabei höchst lückenhaft. Nichts genaues ist bislang bekannt, aber man fürchtet um hunderte Todesopfer. Auch ihnen gilt mein Mitgefühl und ein Gebet.
Vermutlich beginnt wieder das Spiel der Hilfsangebote und deren Ablehnung, während unter den Trümmern die Menschen leiden und sterben.

Kinder in Syrien

Viele in meinem Bekanntenkreis hegen heimlich oder offen Sympathie für terroristische Palästinenserorganisationen wie die Hamas oder die Hisbollah. Wenn ich nachfrage erfahre ich, dass sie keinerlei Recherche betreiben, die über Informationen die bspw. in der TaZ veröffentlicht werden hinausgehen. Grund sei die Masse israelischer Propaganda, die ja jegliches Material verfälsche. Wenn ich ihnen vorschlage, sich dann doch einfach mal palästinensisches oder arabisches Fernsehn anzusehen, ob im Original oder in der Übersetzung, endet i.d.R. schnell das Gespräch. Nicht selten mit bösen Worten. Vor allem wenn ich darauf hinweise, dass bei der Präsentation der zukünftigen Selbstmordattentäter oft (ausgerüstete) Kinder bis hin zu Säuglingen dabei gezeigt werden und unter den Selbstmordattentätern der jüngeren Vergangenheit oft genug Kinder waren, die gerade mal zur Schule gingen.
Mittlerweile erlebe ich genau das Gleiche in Sachen Syrien. Dieser Tage bin ich auf zwei Videos gestoßen, die zeigen, wie die syrischen Rebellen auch Kinder bewaffnen, mit ihnen trainieren und mit Sicherheit auch Kämpfen lassen. Warum mit Sicherheit? Es machte sogar in den verbreiteten Zeitungen die Runde, als ein Video auftauchte, dass zeigte, wie ein Kind einen Gefangenen köpfte. Dieses Spektakel dauerte ewig, für das Opfer vermutlich noch länger, da der Junge zwar keine Skrupel, allerdings auch keine Erfahrung und zu wenig Kraft für diese barbarische Tat besaß.
Man muss kein Genie oder Prophet sein, um zu schlussfolgern wie es daher in Syrien mit der Kindheit bestellt ist.
Gleichzeitig gibt es Berichte von Menschenhandel und Prostitution in den Flüchtlingslagern. Welche Menschengruppe hierbei das Hauptopfer ist dürfte allen klar sein.
Und nicht zu vergessen die Kinder die im Kampf zwischen Assad und den Rebellen durch Kämpfe oder Massaker umgebracht, verstümmelt, verwaist oder verletzt werden.
 Wenn man dann noch von der Fatwa hört, die es islamischen Kämpfern erlaube, unverheiratete Christinnen zu vergewaltigen...
Nach wie vor verstehe ich Menschen, die glauben möchten, dass Assad alleine Schuld und ein Monster sei. Wenn auch nur ein kleiner Teil der Vorwürfe gegen ihn stimmt, dann ist er Letzteres auf jeden Fall. Aber das man dabei blind ein anderes Monster aufbaut, unterstützt und einfach handeln lässt... So macht man aus dem Konflikt einen blutigen Kampf bei dem zwischen den blutrünstigen Horden hilf- und wehrlose Unschuldige für die Arroganz der Unterstützer bezahlen müssen.