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Dienstag, 26. März 2013

Magdi Cristiano Allam ist aus der Kirche ausgetreten

Die Schlagzeile ging zuerst durch italienische Medien, bei denen Sig. Allam zum Teil auch gearbeitet hat. Ich muss zugeben, ich habe vorher von ihm nie etwas gehört, daher war ich bei der Lektüre des Artikels und bei den Kommentaren auf diversen Blogs dazu eher verwirrt. Leider treten jeden Tag Menschen aus der Kirche aus, bislang war dies eher kein Grund, darüber großartig zu berichten (außer natürlich "kirchenkritisch").
In diesem Fall aber geht es um einen Journalisten, Autoren und Politiker ägyptischer Abstammung und islamischer Erziehung, der sich erst vor wenigen Jahren offen und damit unter Lebensgefahr taufen ließ. Das er in Italien dazu ein berühmter Mann ist und noch obendrauf vom Heiligen Vater Benedikt XVI. höchstpersönlich in der Osternacht getauft worden ist verschärft die Bedrohung für ihn, wie beispielhaft die Einstufung dieser Taufe als feindseeliger Akt gegen den Islam durch Yusuf al-Qaradawi zeigt. (Wem der Name nichts sagt: dieser gilt unter sunnitischen Muslimen als einer der führenden islamischen Gelehrten.)

Papst Johannes Paul II. küsst den Koran
Nun ist Sig. Allam also ausgetreten, weil er es unerträglich, gefährlich und religionsabgewandt findet, wie sich die katholische Kirche und insbesondere die Päpste gegenüber dem Islam verhalten (haben). Er bezieht sich dabei darauf, dass Papst Johannes Paul II. den Koran geküsst hat und Papst Benedikt XVI. in der Blauen Moschee gen Mekka gewandt betete, noch dazu in einer Haltung die Christen nicht unbedingt mit dem christlichen Gebet assoziieren.
Papst Benedikt XVI. betet in der Blauen Moschee

Man merkt dem Text vermutlich meine Haltung diesbezüglich an. Ich bin da ganz bei Sig. Allam. Auch ich finde diese, als Gesten des Miteinander und der Versöhnung gedacht Handlungen als ein paar Schritte zu weit. Das liegt nicht zuletzt daran, dass ich den Islam eben nicht als "vom gleichen Gott" inspiriert empfinde, ein Gebet an diesen für eben nicht ein Gebet an Gott sein kann. Das liegt auch daran, dass diese Gesten auch nach Jahrzehnten einseitig sind. Christen dürfen nicht nach Mekka, christliche Priester dürfen keine Predigten in Moscheen halten, wie es in einigen islamischen Ländern um die Christen bestellt ist kann jeder bei Open Doors oder Kirche in Not nachlesen. Es sind nicht Christen, die Heiligtümer der Muslime heute noch entweihen, zerstören, verbieten oder in eigene Gotteshäuser umwandeln, wie es gerade mit der Hagia Sophia von Nicäa und bald mit der von Istanbul geschieht.
Ich finde, ein Politik der ausgestreckten Hand von unseren Päpsten ist richtig und wichtig. Dabei aber bestimmte Grenzen nicht zu überschreiten und selbst Forderungen wie vollständige Anerkennung der Christen, Juden und Andersgläubigen zu stellen ist mindestens ebenso wichtig. Das ist eines der Dinge, die ich an der Kirche, der auch ich angehöre, zu kritisieren habe. Wer verteidigt unseren Glauben und unsere Brüder, wenn selbst die Päpste das Buch ehren, in dem zu Mord und Totschlag an uns aufgerufen wird. 
Um wie viel mehr muss dies einen Menschen erschrecken, der vor genau dieser Gewalt, dieser Intoleranz unter Einsatz seiner eigenen Sicherheit und der seiner Familie flieht und zu der großen Alternative sich bekehrt. Welche Enttäuschung und welche Angst muss da vorherrschen. Wie muss es wirken, dass in der Kirche, deren Märtyrer, die für ihren Glauben gestorben sind, der Papst durch das Tragen von roten Schuhen gedenkt, mittlerweile sogar Taufen von Konvertiten heimlich geschehen, und dies nur von wenigen offen bekannt und publik gemacht wird.

Jetzt kommt, wie so oft, das ABER: entweder glaubt man, was man im Credo betet, oder eben nicht. Die Kirche hat in der Vergangenheit Fehler begangen, bis hin zu besagtem Mord und Totschlag. Dabei litten dann Christen und Nichtchristen. Dies wusste Allam sicher, als er eintrat, und wie alle wirklich Gläubigen sah er diese Fehler, sah die Reue der Kirche und der Katholiken dafür und nahm es hin. So sollte er auch mit Fehlern die jetzt gerade geschehen umgehen. Sie bereuen und versuchen, etwas daran zu ändern, indem er sich in den Gemeinden, durch Wort und Schrift äußert.
Außerdem ist es nicht ganz so einseitig, wie es auf den ersten Blick scheint. Zwar ist die katholische Kirche dabei, die bloße Hand ins Maul des Löwen zu stecken, aber das keineswegs blind. Erst im Dezember 2012 hat der gleiche Papst, der in der Blauen Moschee betete, die 800 Märtyrer von Otranto heilig gesprochen, oder besser, die Dokumente dazu unterzeichnete, während sein Nachfolger dies vollzog. Johannes Paul II. hielt 1982 in Santiago di Compostela, der Grabstätte des heiligen Jakobus, eine Rede, in der er an die Wurzeln Europas erinnerte. Jakobus wird auch als Heiliger der Reconquista verehrt und trägt u.a. den Beinamen "Maurentöter".
Papst Franziskus am Grab des hl. Pius V.
Unser neuer Papst Fanziskus hat als eine seiner ersten öffentlichen Handlungen das Grab des heiligen Papst Pius V. besucht. Auch dies kann man als eine Aussage werten, denn dieser Papst hat sich der starken und wachsenden islamischen Bedrohung seiner Zeit entgegen gestellt und gilt als einer der Gründer der Heiligen Liga.
Dies mag angesichts eines Kusses vielleicht nicht so einprägsam sein, aber auch dies sind klare Aussagen. Es liegt an der katholischen Gemeinde, wie es bewertet und was es besonderer Beachtung schenkt. Als Christen sind wir der Liebe und dem Frieden verpflichtet. Die Schwierigkeit, dies nicht nur zu vermitteln sondern mit einem aggressiven Gegenüber zu leben ist groß. Statt auszutreten sollte man sich lieber bemühen, Feindseeligkeit aufzuzeigen und den Opfern zu helfen. Und beten, dass die Vermittler einen Weg finden, die Feindseeligkeit zu beseitigen.



Dienstag, 19. März 2013

Inauguration

Heute erhielt unser neuer Papst (u.a.) seinen Ring. Ich habe via Livestream von Radio Vatican an der Messe teilgenommen. Nebenbei, es war meine erste "multimediale" Messe.
Den Eindruck, welchen diese Messe und unser neuer Papst hinterließen kann ich nur mit einer Gesichtsbewegung beschreiben: ich habe viel gelächelt. Die Würdigung, die er seinem Vorgänger durch mehrmalige Verweise und Erwähnungen zukommen ließ fand ich beruhigend. Ich hatte nicht daran gedacht, dass der heutige Josefstag auch dessen Namenstag ist. Umso schöner der Hinweis.
Vielleicht bilde ich es mir ein, aber man sah dem Heiligen Vater seine Abneigung gegen die Verehrung seiner Person an, etwa wenn die Kardinäle sich vor ihn knieten oder seinen Ring küssen wollten.
Der Kommentator hat jedenfalls seine Arbeit sehr gut gemacht, auch wenn ich mehrmals auf Originalton stellen musste, um beim Gebet, dass ich mich bemühe auf Latein zu lernen, das Original hören zu können. Seine Hinweise, jeder Papst habe seine eigene Note geprägt fand ich passend, seine Erläuterungen zum zeremoniell oft sehr hilfreich, gerade als jemand, der viel erst wieder lernen muss und dem sein kleines Taschenmessbuch nicht immer weiterhelfen kann.
Die Predigt wiederum fand ich sehr ermutigend. Hüten, bewahren, als Thema. Vielleicht war dies ja auch an all jene von uns gerichtet, die große Veränderungen befürchten.
Die Veränderungen, soweit ich das beurteilen kann, hielten sich in Grenzen und waren für mich entweder passend, wie die Anwesenheit der Marienstatue, oder verständlich, wie die Ausgabe der Kommunion nicht mehr durch ihn selbst. Immerhin konnten ja stets nur wenige diese Ehre empfangen.
Ich jedenfalls warte jetzt ein wenig hoffnungsvoller auf seine Anleitung und mit viel mehr Sympathie.

Donnerstag, 28. Februar 2013

Vorbei

Jetzt ist es vorbei. Der Papst, der mit dafür verantwortlich ist, dass ich zurück in den Schoss der katholischen Kirche fand, ist nicht mehr Papst.
Ich muss gestehen, als er Papst wurde und in Köln sich "vorstellte", da war ich erst beim vorsichtigen Wiederfinden meines Glaubens. Und ich habe ihn und das Aufhebens damals nicht verstanden, sogar ein wenig belächelt. Aber das hat sich geändert, als ich Anfing, seine Reden zu lesen. Und das wiederum tat ich, weil in der Presse so viel Negatives berichtet wurde. Also wollte ich mir ein eigenes Bild machen, mich informieren aus erster Hand. Ich habe ihm mitunter nicht zustimmen können, etwa wenn er eine Annäherung an den Islam versuchte oder einem gewissen Kaiser widersprach, aber was die Wertschätzung von Leben, des Menschen insbesondere angeht, da fand ich ihn stets prägnant auf den Punkt gebracht.
Auch die Werte der Kirche vermochte er mir wieder näher zu bringen, mir zu erklären, wie es sich nun eigentlich verhält. Oft im völligen Gegensatz zu dem, was "draußen" so kurisert.
Darunter war mitunter etwas, dass ich durchaus noch lustig fand. Wenn etwa der Heilige Vater auf eine bestimmte Weise lächelte, dann sah er in der Tat ein wenig dem Schauspieler ähnlich, der in Maske den Impertor in der Science Fiction Saga "Star Wars" gegeben hatte. Ihm das aber negativ anzukreiden sprach Bände über die TaZ, die dies als große Titelseite zeigte.
Unvergesslich wird mir das Bild bleiben, wie er beim Friedenstreffen von Assissi 2011 inmitten der von ihm eingeladenen Vertreter jeder Religion saß und den Dialog suchte, etwas das bspw. bei der geradezu bösartigen Nachbetrachtung der Amtszeit durch Präses Schneider völlig ausgeblendet wurde.
Während von den Orthodoxen über die Juden bis zu einzelnen muslimischen Vertretern das Lob über die Ökumenebemühungen unseres Papstes nicht abrissen war es ausgerechnet der Vorsitzende einer Kirche die wie keine andere die Spaltung feiert und Luther verklärt, der kein gutes Haar an dem Vertreter lassen wollte, der die katholische Kirche in eine neue Größe geführt hat.
In Europa mögen die Menschen den Glauben verlieren und die Kirchen verlassen, nebenbei bei den Protestanten deutlich stärker als bei den Katholiken. Aber die übrige Welt steht zur Kirche. Ungeachtet der Reden der Europäer von der "weltfremden" Kirche, die sich nicht dem "Zeitgeist anpasse" wächst überall sonst in der Welt die Gemeinde. Für mich ist dies eher noch als die Verklärung von Kolonialismus ein Zeichen westlicher Arroganz und Eurozentrik.

Umso bewegender die Abschiedsrede von Kardinal Meisner. Er sprach mir dabei aus voller Seele.
Jetzt ist der Text viel länger geworden, als ich wollte.
Ich meinte: vielen Dank, Heiliger Vater. Für mich warst Du ein herausragender Papst, ein toller Geistlicher, ein vorbildlicher Christ und ein bewundernswerter Mensch, der all die Schmähungen und (z.T. absichtlichen) Falschdeutungen nicht verdiente. Und auch wenn Du "nur" in den Ruhestand gehst, empfinde ich einen Verlust, als wäre ein bedeutsamer Mensch in meinem Leben gestorben.
Ich wünsche Dir Glück und Frieden auf dem letzten Abschnitt Deines Pilgerweges.

Und verzeih mir das vertrauliche Du, es soll Liebe und keine Respektlosigkeit ausdrücken.