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Montag, 8. Februar 2016

Kunstfreiheit im Karneval

Dieser Tage ist mir die pure Einfallslosigkeit vieler Jecken aufgefallen. Wie vielen dicken Mönchen, "sexy" Nonnen und goldlackierten riesenkreuztragenden Prunkpriestern ich begegnet bin, kann ich gar nicht sagen.
Ganze Wagenladungen von Hippie-Jesus wurden über Freunde und Bekannte abgeladen, die im Umland auf den ersten Umzügen waren - dabei der ein oder andere Papst. Ein besonders "lustiger" junger Mann hatte sich als Kardinal gekleidet und eine Puppe eines Kindes auf den Schoß geklebt.

Das ist der Katholik aber gewohnt. Jede Kritik am Christentum, die meiste Kritik an der Religion allgemein und natürlich sämtliches zur katholischen Kirche selbst kommt am Karneval groß auf die Leinwand bzw. die Strasse. Und das Kirchenpersonal, die Glaubensinhalte oder die Gläubigen zu verspotten oder selbstironisch zu verarbeiten gehörte schon immer dazu. Auch wenn mir manches nicht gefällt, es ist halt so und es ist das Recht der Leute.
Mir ist nicht bekannt, dass der Staat, Gemeinden oder irgendwelche Tugendwächter wegen einer solchen Darstellung oder einem Wagen eine Anzeige wegen Volksverhetzung gestellt hätten. Keine Polizei fühlte sich genötigt in den Metropolen des Karnevals Photos zu machen, kein Staatsanwalt den Verdacht zu prüfen.
Angesicht dessen, was gerade in einem kleinen bayerischen Ort passiert, bei dem Teilnehmer eines von 500 Leuten besuchten Umzuges einen Panzer aus Pappe gebaut hatten und diesen als Sinnbild für das Militär zur Abwehr der nächsten Flüchtlingswelle "auffahren" ließen, ist das erstaunlich. Zwar wurde er nicht an der Teilnahme gehindert, aber dokumentiert und "weiter geleitet" zur Staatsanwaltschaft. Diese winkt nicht ab - es wäre ja Karneval - sondern ermittelt nun.
Und Grund genug hätte es gegeben. Gerade Herr Tilly, der sich gerne darüber aufregt, dass "Karneval von der katholischen Kirche vereinnahmt wird", als lägen dort nicht der Ursprung, Tradition und Festivitätsschwerpunkte genau dort, bietet immer wieder Wagen, bei denen von "Pauschalisierung" und "Hetze" die Rede sein KÖNNTE. In der Regel aber nicht ist, denn es ist ja keine geschützte Minderheit, die da aufs Korn genommen wird....
Tilly bezeichnet Benedikt XVI als Nazi-Teufel














 
Tilly stellt Priester bzw. die Kirche als Kinderschänder dar
Der Prügel-Papst - Zitate verwursten wo es geht

Nicht nur die Kirche, auch bestimmte Politiker oder Parteien bekommen regelmäßig Aufmerksamkeit und Kostüme gewidmet.
Geschmackvoll oder witzig sind viele davon nicht. Manche arbeiten nach dem Motto "sex sells" und zeigen Kopulation oder einfach nur Nackte, in der Hoffnung ein verschämtes aber lachendes "Ohoooo" zu bekommen. Andere wollen mit Gewalt erschrecken, wenn Blut fließt, wie bei einem Wagen, der zeigte, wie ein Propeller den Kopf des damaligen Bürgermeisters von Berlin zerhackt.

All dies muss man nicht gut, gelungen oder angebracht finden. Es ist Karneval. Ausnahmezustand. Da darf auch mal was gesagt und gezeigt werden, was in den Köpfen der Menschen umgeht - vielleicht kann man danach ja darüber sprechen.

So geschmacklos einen Panzer, der auch noch dem berühmten "Tiger" PzKmpfw. VI aus dem letzten Weltkrieg nachempfunden wurde, erscheinen mag bzw. ist: es ist das Recht der Leute. Redet mit ihnen drüber, wenn ihr wissen wollt, was genau gemeint ist und warum dies so aussieht. Aber "Volksverhetzung"? Haben wir es nicht mehr kleiner?


In diesem Sinne allen ein trockenen, fröhlichen, bunten, sicheren und ausgelassenen Rosenmontag. Denkt daran, liebe Narren, am Aschermittwoch ist alles vorbei und ein wenig Buße hat noch niemandem geschadet. Ein Aschekreuz ist auch eine Zier.

Samstag, 6. Februar 2016

Der mutige Kölner und sein Karneval

Karneval oder Fasching oder Fastnacht seht vor der Tür bzw. mitten im Raum.
Vielleicht hat sich der ein oder andere mal gefragt, was in unserem "traditionsreichen" Karneval im Rheinland immer diese "Garden" mit ihren uralten Uniformen und den Gewehren mit Blümchen im Lauf zu suchen haben, wo doch andernorts das Militär so gar keine große Rolle bei den Feiern spielt.

Darauf kann es nur eine polemische Antwort geben: nun, das liegt daran, dass die Menschen vor 200  und 100 Jahren mehr Mut und Verstand besaßen, als die heutigen. Die Uniformen und "Waffen" wurden genutzt, um das Militär zu karrikieren. Eine Provokation in einer Zeit, in der Gewalt durchaus als Erziehungs- und Ordnungsmittel eingesetzt wurde und Monarchen wie Regierungen mitunter harsch auf solche Art von Witz reagierten.
Wie viel Mut, mit Humor Probleme und Missstände mit den relativ modernen Wagen und Kostümen übrig geblieben ist, darüber konnten wir uns in den letzten Jahren überzeugen, als die political correctness ebenso wie die Stadtoberen oder die Gesellschaften selbst demonstrierten, was sie wirklich bewegte oder was sie für ein Tabu hielten in einer Gesellschaft, in der es zumindest in Sachen Religion eigentlich keine Kritikverbote mehr geben sollte.
So wurden entsprechende Themen trotz Anschlag auf das jüdische Museum Brüssel (bzw. auf die Menschen darin), Anschlag auf Charlie Hebdo, Anschläge in Kopenhagen 2015 nicht mal annähernd ebenso oft wie der  Katholizismus und seine Vertreter gewählt. Den Islam in ähnlicher Weise zu kritisieren war nicht gestattet, die wenigen die es wagten standen unter harscher Kritik, in einem Fall wurde ein deutlicher Wagen verboten, "aus Sicherheitsbedenken", die anderen hielten sich mit vager Kritik an "Religion" und der Nennung einzelner Gruppen vermeintlich wacker. In Wirklichkeit war gekniffen worden. Auch, weil früher, als es noch "ging" muslimische Verbände ebenso laut und deutlich gegen solche Kritik meckerten, wie sie es an anderer Stelle gegen den Terror hätten tun sollen.

Dieses Jahr geht man dann direkt in medias res. Jetzt sind es nicht mehr die Gesellschaften und Festwagen, jetzt sind die Narren dran. Da man zuletzt mit "Verhaltenstipps" fast eine Armlänge am Aufstand vorbeikratzte (naja, nicht wirklich, die Armlänge bezieht sich eher auf den Aufstand an der Tastatur), rät und bittet man nun die Bevölkerung, auf bestimmte Kostüme zu verzichten. Vornehmlich natürlich solche, die mit "täuschend echt aussehenden Waffen" ausgerüstet wären. Also bspw. Cowboy.
Während die letzte Woche im Licht der Beschwichtigung stand (natürlich wolle man weder jemandem vorschreiben, wie er sich verkleiden soll noch Kindern verbieten ihr Lieblingskostüm anzuziehen) ging dann der Fahndungsaufruf nach einem Kölner raus, der in einem Baumarkt - nein, keine Schusswaffe und diesmal auch keine Utensilien für einen Flammenwerfer wie 1964 - Chemikalien kaufte, die zusammen geeignet wären, einen Sprengsatz zu bauen.

Der Mann hat sich mittlerweile gestellt. Er habe friedliche Gründe, wir warten auf genauere Angaben.
Der Punkt dahinter ist der essentielle Knackpunkt in Waffen- und Terrordebatte:

Wenn Menschen töten wollen, sei es ein Mord an einer einzelnen, nahestehenden Person oder ein Massaker, dann finden sie einen Weg sich geeignete Mittel zu be- und zum Tator hin zu schaffen. Sei es wie in Boston selbstgebastelte Bomben in Schnellkochtöpfen in Rucksäcken, seien es Autos, selbstgebaute Flammenwerfer oder eben Schusswaffen. Es verunsichert und erzürnt die Menschen nur, wenn man ihnen erzählt, sie sollen bitte "sensibel" sein und über solche Dinge wie Spielzeuggewehre nachdenken.

Und nebenbei: es gibt im deutschen Waffengesetz einen Paragraphen, der sich sehr eindeutig auf Spielzeug- und Knallwaffen bezieht, die zwar keine Projektile verschießen können, aber exakte Nachbildungen darstellen. Diese dürfen nicht "geführt", d.h. unverschlossen in Reichweite mitgenommen werden. Darum sind die zu Kostümen gehörenden Schusswaffen meist entweder bedeutend größer oder kleiner als die Originale oder durch besondere Plastikteile am Lauf erkennbar.
Und wer glaubt jetzt wirklich, dass ein Attentäter dadurch abgehalten würde eine richtige Waffe zu oder unter einem Kostüm, sagen wir mal als "Scheich" oder "Pandabär" verkleidet mitzubringen, der scheint den Begriff Terrorist nicht verstanden zu haben. Und warum sollten Sprengmittelwesten und -gürtel als solche auffallen?
Und warum ist dies, bei solch scharfen Waffengesetzen die noch verschärft werden sollen, bislang nie ein Problem gewesen? Was hat sich geändert?

Zumindest auf die letzte Frage gibt es eine eindeutige Antwort, die zu geben nur solche bereit sind, die sich danach persönlichen Attacken ausgesetzt sehen. Und selbst dann reden sich manche die Gesellschaft und die Menschen schön...


Freitag, 5. Februar 2016

Die heutige Beruhigungsmedizin - bloß keine Zahlen ansehen

Weiberfastnacht ist vorbei, sozusagen der Probelauf für Köln und andere Städte zum kommenden Rosenmontag und den dabei erwarteten Menschenmengen.
Das Ergebnis warten erstmal Meldungen über weit weniger Narren und Närrinnen, die da durch die Strassen zogen, als die Jahre zuvor. Natürlich liege das am Wetter - und Bürgermeisterin Reker merkt erst gar keinen Unterschied, obwohl es, wie RP online süffisant anmerkt, sogar mit der Armlänge problemlos klappt. Ein Umstand, der die Jahre zuvor eher nicht unmöglich war.
Die Befragungen auf der Strasse sind eindeutig. Ungute Gefühle, viele Absagen und jede Menge Pfefferspray.
Und so meldet die Polizei zwar zähneknirschend über 200 Anzeigen, davon mindestens 22 wegen sexuellen Vergehen, inklusive dreier Vergewaltigungen (eine davon an einer aus dem Hinterhalt bewusstlos Geschlagenen) - aber dies liege natürlich nur an der gestiegenen Anzeigebereitschaft. Als Beleg wird der Fall eines Türstehers genannt, der 25 Euro oder ein Bützchen haben wollte, um jemanden einzulassen.
„Ich will das nicht verharmlosen, aber das zeigt doch, dass sich die Anzeigebereitschaft der Frauen verändert hat“, sagte Temme. Vor einem Jahr wäre das sicher noch nicht angezeigt worden.
Da liegt er falsch. Ich erinnere mich sehr wohl an Anzeigen wegen ungewollter Bützchen, die urplötzlich aufgedrückt worden waren...aber nunja.

Halten wir also kurz fest: mehr anzeigen, viel mehr Polizei auf den Strassen, weit weniger Besucher, diese aber besser gerüstet = höhere Anzeigenbereitschaft aber auf gar keinen Fall, nie und überhaupt nicht eine gestiegene Zahl von Delikten.
Das wird die Opfer bestimmt beruhigen...

In einem auch noch recht aufsehen erregenden Fall von schwerer sexueller Belästigung haben definitiv keine Flüchtlinge die Hände im Spiel. Eine belgische TV-Reporterin wurde vor laufender Kamera und live belästigt und betatscht. Sie selbst stellte die schwere erst am Ende des 90 sekündigen Beitrages fest, als verschiedene Umstehende einschritten und fragten, ob sie in Ordnung sei. Die Täter werden auf den meisten Videos verpixelt - aber vereinzelte Aufnahmen finden sich, die klar stellen: es handelt sich vermutlich um deutsche oder zumindest westeuropäische "junge Männer". Es fällt der Kölner Polizei hoffentlich nicht schwer, bei solch eindeutigen Bildern und fehlender oder unvollständiger Verkleidung die Personen zu identifizieren und einzusammeln. Wenn es nicht unsere Rechtsprechung wäre würde ich auf einen langen Erziehungsurlaub in einer JVA der Wahl hoffen. So wird es vermutlich mal wieder nur ein Bußgeld.
Sollte einer meiner Leser die Täter trotzdem erkennen, bitte in Köln bei der Polizeidirektion melden.
Sowas darf nicht ungestraft bleiben!
Die Journalistin selbst gab dem Daily Mirror ein Interview, in welchem sie betont, dass sie in einem "multikulturellen Viertel" in Brüssel wohne und aus verschiedenen nordafrikanischen Ländern berichtet habe. Nie wäre ihr als weißer, weiblicher Journalistin so etwas dort wiederfahren und sie hätte keinerlei negative Erfahrungen mit Männern mit Migrationshintergrund gemacht.