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Freitag, 24. Juni 2016

Suizid durch Polizei

Ein Begriff, den anglophile bereits kennen lautet "suzicide by cop", Selbstmord durch einen Polizisten. Gemeint ist damit ein Verhalten einer Person, welche einen Polizisten zwingt, auf ihn zu schießen. Meist geht es dabei um Waffen, Sprengstoff oder die Gefährdung anderer - oft lediglich nach Anschein und ohne die Chance die genaue Lage zu klären. Den Polizisten ist in diesen Fällen i.d.R. kein Vorwurf zu machen.
Genau dies passierte nun in Viernheim. Ein junger Mann verschafft sich für das Auge bewaffnet zutritt in einen Kinosaal und gibt mehrere Schüsse in die Luft ab. Die Menschen geraten in Panik, die durch den Alarm herbeigerufene Polizei erschiesst den Mann. Es stellt sich später heraus, dass seine Waffen lediglich Schreckschusswaffen waren, also täuschend echt aussehende Geräte, die aber lediglich Schussgeräusche, ggf. noch Lichtblitze sowie Pfeffergase abgeben. Lediglich ab dem Kaliber 9 mm P.A.K. kann eine solche Waffe, wenn sie aufgesetzt wird oder sehr, sehr nah gehalten wird ernste Verletzungen verursachen - Schock oder Schädelfrakturen können dabei auch tödlich sein.
Zudem trug der junge Mann eine funktionsunfähige und ungefährliche Nachbildung einer Stabhandgranate bei sich.
Rein sachlich waren die Besucher also in keiner größeren Gefahr, als bei einem ähnlichem Übergriff mit einem Messer. Aber es sah erstmal danach aus.
Die Absicht des jungen Mannes scheint es gewesen zu sein, erschossen zu werden. Die stürmende Polizei konnte nicht wissen und auch nicht in der Situation klären, ob der Mann wirklich bewaffnet war oder eben nur Anscheinswaffen führte. Sie musste von einer Gefahr für die Geiseln und für sich selbst ausgehen.
Die Katastrophe wäre lediglich vermeidbar gewesen, wenn man dem Mann vor Beginn seines Verbrechens, der Freiheitsberaubung mit Waffengewalt, geholfen hätte bei dem, was auch immer ihn plagte. Einweisung in eine Klinik, klärende Gespräche, medizinische Behandlung oder schlicht ein paar Unterweisungen wie man mit den Rückschlägen des Lebens zurecht kommt.
Anders als von der FAZ im zweiten Artikel behauptet, ist die Geiselnahme ohne Schädigung und Erpressung nicht tyisch für "ähnliche Amokläufe in Schulen in den USA". Im Gegenteil. Die "shootings" oder Amokläufe, wie wir sie auch in Erfurt und Winnende erleben mussten, geschehen eben ohne Forderung. Die Ermordung bestimmter Menschen oder Mitgliedern von Gruppen ist dann das Ziel. Die eigene Tötung durch Polizeikräfte wird dabei i.d.R. nicht in Kauf genommen. Die Täter töten sich meist selbst (Columbine High School, Umpqua College, Virginia Tech usw. usf.
Die Täter richten sich dabei meist selbst nach der "Vollendung" ihrer Ziele oder nachdem sie keine Chance auf ein entkommen mehr haben, sei es durch die Einkesselung oder eine Verwundung.
Die Einkesselung führt aber i.d.R. nicht zum "in Kauf nehmen, von Polizisten erschossen zu werden" sondern entweder zur Aufgabe oder zum Kampf mit dem Versuch, am Leben zu bleiben. Anders als bspw. im Film "Falling Down" mit Michael Douglas oder eben jetzt in Viernheim richten die Täter von Amokläufen keine ungefährlichen Nachbildungen auf Polizisten und zwingen sie so zu schießen.
Entweder versuchen sie, die Polizisten selbst zu erschießen oder ihr Leben durch den Kampf so lange als möglich zu verlängern.
Für manchen Leser mag das kleinlich wirken. Tatsache aber ist, dass unsachliche Verknüpfungen und Falschbehauptungen Zusammenhänge vorgetäuscht werden, die es nicht gibt. Die Meinungen der Menschen lassen sich so durchaus in gewünschte Bahnen bewegen.
Der Täter von Viernheim ist kein Amokläufer. Er schädigte keine Geisel bewusst - auch wenn die Menschen (Geiseln wie Beamte) ein Trauma und einen Schock davon tragen werden, was dem Täter wohl egal war. Ebenso wie das Risiko für die Unschuldigen beim Zugriff verletzt zu werden.
Mit seinen Waffen aber verletzte er niemand. Konnte es auch nicht ohne weiteres. Trotzdem wollte er schwer bewaffnet wirken. Mit der Handgranate vielleicht sogar als Terrorist.
Welches andere Ziel kann also vorgelegen haben, als sich töten zu lassen. Dies zu vergleichen mit den Amokläufern der jüngsten Vergangenheit, deren Tätern es um den Tod anderer ging, ist mehr als fragwürdig.
Es springen noch immer viele Leute vor Autos, von Brücken oder vor Züge, um ihr Leben zu beenden, und riskieren dabei mindestens ebenso Leben und Gesundheit unbeteiligter. Nur, weil der junge Mann die Polizei zu seinem Mittel machte und dabei Nachbildungen von Schusswaffen trug wird eine Verbindun gezogen, die es nicht gibt.

Freitag, 20. Mai 2016

Waffengesetze schützen Kriminelle

Unsere aktuellen Waffengesetze sollen verhindern, dass Waffengewalt in Deutschland herrscht.
Wer die Nachrichten der letzten Wochen aufmerksam verfolgte hat mehrere Schiessereien zwischen Rockerbanden und orientalischen Familienclans zu lesen bekommen - der Plan funktioniert also nicht.
Dabei kam es auch zu verletzten Passanten, da teilweise wild in die Landschaft geschossen wurde, ohne Gedanken an Unbeteiligte.
Das nicht Schlimmeres passierte war lediglich Glück und weder unseren Gesetzen, unseren Gesetzeshütern oder dem Zustand unserer Gesellschaft geschuldet.
Nun hat ein Mann polizeiliche Ermittlungen zu erdulden und möglicherweise sogar eine Anklage wegen des Verstoßes gegen die Gesetze, die ihm u.U. eine schlimmere Strafe einbringen kann, als die Kriminellen, denen er begegnete. Was war passiert?

Die Polizei in Hagen hat Ermittlungen gegen einen 35 Jahre alten Mann aufgenommen, der eine Frau mit einer Schreckschußwaffe vor fünf Angreifern verteidigte. Die 36jährige gab an, nach der Rückkehr aus einem Krankenhaus von den Angreifern „grundlos geschlagen sowie an den Haaren gerissen“ worden zu sein, teilte die Polizei mit. Die Frau wurde dabei leicht am Hinterkopf verletzt.Im Zuge dessen war der Zeuge der Attackierten zu Hilfe gekommen. „Er rannte mit einer Schreckschußwaffe in der Hand aus der Wohnung und schoß in die Luft. Daraufhin sind die Männer in mehrere Richtungen geflüchtet“, teilte die Polizei mit.

Zwar ist der Erwerb einer Schreckschusswaffe legal, sie außerhalb der eigenen Wohnung oder Geschäftsräume bzw. umfriedeten Gartenanlage zu "führen", also bei sich zu tragen oder gar zu benutzen ist verboten, so man keinen "kleinen Waffenschein" beantragt und bewilligt bekam.
 Der Mann tat, was die Politiker fordern: einzuschreiten und Courage zu zeigen, wenn Unrecht geschieht. Hier aber tat er dies mit einem zwar angemessenen und vermutlich auch nötigen Mittel - mit bloßen Händen wäre er wohl nur ein weiteres Opfer der Gruppe geworden - aber eben einem verbotenen.

Und das ist es, was strenge Waffengesetze letztlich bewirken. Die Unfähigkeit sich und andere zu verteidigen.
Waffengesetze sollen Menschen davor schützen, durch Waffeneinsatz zu schaden zu kommen.
In diesem Fall schaden die Gesetze einem Menschen, der mit einer Waffe einen anderen vor Schaden bewahrte.

Es wäre wirklich an der Zeit, die eigene Einstellung in Europa sachlich und tief zu diskutieren, statt nach jedem Terroranschlag blinden und sinnlosen Aktionismus walten zu lassen...

Montag, 18. Januar 2016

Irene Mihalic - Bürger wollen Lynchjustiz und Selbstverteidigung ist kein Grundrecht

Es war kein Geheimnis. Nachdem die Dimensionen der Angriffe während Kölner Silvesternacht publik gemacht wurden und kurz darauf ein Ort nach dem anderen ähnliche Ereignisse meldete, begannen die Menschen, sich um ihre Sicherheit sorgen zu machen - vornehmlich die Damen und Mädchen.
Und prompt wurden mehr drastisch mehr Pfeffersprays und Schreckschusswaffen verkauft sowie kleine Waffenscheine beantragt.

Als Reaktion auf diese Reaktion weiß Irene Mihalic sofort, was nun notwendig ist.
Sie will auch Schreckschusswaffen erwerbscheinpflichtig machen. Also auf das gleiche Niveau heben, auf dem sich reguläre, scharfe Schusswaffen befinden. Wobei heben hier wohl der falsche Ausdruck ist.
Nicht nur zeigt sie kein Verständnis für Bedürfnis und Bedarf - sie unterstellt den Käufern auch eine klare Absicht:
Mihalic sagte, es müsse in jedem Fall verhindert werden, dass die Menschen sich verstärkt bewaffnen würden, um die Dinge selber in die Hand zu nehmen. "Der Wilde Westen ist nicht unser Leitbild." Es müsse dafür gesorgt werden, dass die Polizei das Gewaltmonopol des Staates durchsetzen könne.
(Ich zitiere hier aus dem Artikel der Welt. Andere Artikel stimmen dem Wortlaut zu Wortlaut. Die exakten Worte waren nicht zu finden.)

An der Stelle auch nochmal der Hinweis: einige Zeitungen behaupten, bislang benötige man nur den "kleinen Waffenschein" zum Erwerb. Das ist falsch. Um sich eine Schreckschusswaffe zu kaufen, ist das Vollendete 18. Lebensjahr nötig - mehr nicht. Um diese Waffe dann griffbereit mit sich zu tragen, bspw. in der Jackentasche oder in einem Holster, benötigt man den kleinen Waffen. Dies nennt man dann "führen".

Mihalic, eine ehemalige Polizeibeamtin, die eine zeitlang in einer TV Show als solche auftrat, fiel bereits vorher auf. So sagte sie an anderer Stelle:
Ich persönlich unterscheide nicht, ob bei der Begehung von Straftaten, bis hin zu vorsätzlichen Tötungsdelikten, Menschen durch den Einsatz von legal oder illegal erworbenen Schusswaffen zu Opfern wurden. Deshalb geht es mir insgesamt darum, die Zahl der im Umlauf befindlichen einsatzfähigen Schusswaffen in privatem Besitz deutlich zu begrenzen.

Sie verwies hier auf die sehr selektive Wahrnehmung von Recht und Gesetz.
Sie sitzt für die Grünen im Bundestag, nachdem sie in ihrem Wahlkreis gerade mal 3,7% der Stimmen erhalten hatte - dank der Listenregelungen unserer "Demokratie".
2014 setzte sie sich dafür ein, dass Waffen und Munition zentral gelagert würden. Das bedeutete für Sportschützen im jeweiligen Vereinshaus, keine Lösung wurde für Jäger angeboten, die aufgrund gesetzlicher Vorlagen häufig nachts raus müssen, um durch Unfall verletzte Tiere zu erlösen oder ggf. bei der Suche nach einem Tier helfen müssen, welches ein anderer Jäger zwar verletzt aber nicht getötet hat. Solche Tiere können aufgrund der Schmerzen zu einer Gefahr werden. Mal abgesehen vom Aspekt der Erlösung.
Für alle wären es aber erhebliche Mehrumstände gewesen, insbesondere für die Zeugwarte, welche die Schlüssel haben. Weniger für Menschen, die damit in solchen Gebäuden reiche Beute erwarten würde.
Letztlich geht es Mihalic genau darum - so viele Umstände und Kosten verursachen, dass damit quasi der Waffenbesitz unmöglich gemacht wird und die privaten Schusswaffen verschwinden.
Und nun sind auch die Schreckschuss- und Pfefferwaffen auf ihrem Index gelandet.

Wie man sieht geht es ihr dabei gar nicht um Schutz von Leben und Gesundheit der Menschen. Das Selbstverteidigungsrecht spielt quasi keine Rolle, ebensowenig wie die realen Ereignisse, der Grund der Ängste. Nicht mal die Sorgen und Ängste selbst - die werden einfach geleugnet. Das einzige, was zählt ist die Verderbtheit eines jeden Menschen, der solche Sachen kauft. Den Grund dafür kennt sie. Wild West Mentalität. Das Recht des Stärkeren, Polizei, Ankläger, Richter und Henker in einer Person - oder halt in den hunderttausenden Personen, welche gerade eingekauft haben.

Wenn Sie wirklich so denkt, dann sollten wir am besten jeden Baum in Innenstädten fällen, damit dort niemand aufgeknüpft wird - wie die "Selbstjustiz im Wilden Westen" ja gerne aussah - wenn wir hier schon auf Klischees rumreiten. Oder warum nicht jeden öffentlichen Platz zubauen - damit dort keine Hexen verbrannt werden - dafür müssten wir auch gleich Feuerholz verbieten. Und Teiche zuschütten... und Sitzflächen und eigentlich sollte jeder Mensch nur mit einer temporär geltenden Zulassen sein Zimmer verlassen dürfen. Immerhin stelt er eine Gefahr für andere Menschen dar.

Frau Mihalic ist sicher gerne bereit, die Flurpolizei zu spielen. Vielleicht auch direkt Verstöße anzuzeigen, zu verhandeln und zu ahnden...




Am Rande noch eine Bemerkung: Schreckschusswaffen sind Selbstverteidigungswaffen. Sie verursachen entweder einen lauten Knall oder versprühen CS bzw. Pfeffergas oder blitzen und knallen laut um Angreifer zu vertreiben oder zu irritieren.
Nur ab einem bestimmten Kaliber kann eine aufgesetzte Schreckschusswaffe tödliche Verletzungen hervorrufen - wenn sie aufgesetzt wird. Ansonsten können Hörschäden und leichte Verbrennungen nehmen den gewünschten Überreizungen entstehen.
Damit ist klar, dass diese Gegenstände als "Selbstjustizgeräte" nur sehr schwer in Frage kommen. Dafür sind Schlagwerkzeuge allemal geeigneter - und diese, das hat die Polizei nach der vorletzten Novelle bereits erkennen müssen, sind kaum zu regulieren. Ein Gehstock ist nicht zu reglementieren und Golf zu verbieten oder stark einzuschränken mit dem Hinweis, man könne mit den Schlägern unheil anrichten ist selbst in unserem Land nicht durchzusetzen.


 

Freitag, 8. Januar 2016

Selbstverteidigungstipps - "gut gemeint"... Ist wohl das Motto des Jahres.

Jetzt geht es los. Frau Reker gab den Startschuss und jetzt machen es alle "besser".
Die Welt bringt einen guten Hinweis und einen saudummen Beitrag in Videoform.
Zuerstmal wie man es nicht macht.
Man erzählt keinen Frauen, wie man sich verteidigen soll, indem man noch kurz die politische Botschaft unterbringt. Die interviewte junge Frau habe schon brenzlige Situationen erlebt. Diese erzählt denn auch, sich offensichtlich das Strahlen gerade so verkneifend, wie eine "Gruppe deutscher junger Männer", denn das muss betont werden in Deutschland, deutsche ! junge Männer, nicht wie in den Märchen aus Köln sondern die wirklich schlimmen, also diese Typen kamen pöbelnd und rempelnd entgegen und versuchten den Arm um sie zu legen.
Sie ist diese Männer dann mit dem im Video gezeigten und erlernten losgeworden.
Wir lernen zwei Dinge zu Beginn: a) deutsche Täter! und b)die kleine, junge Frau konnte sich dank Techniken einem Angriff wie in Köln nur halt anders erwehren...

Gezeigt wird: Armlänge Abstand, vernehmlich Stopp sagen. Und wenn das nicht hilft: um Hilfe brüllen. Selbstverständlich auch der Hinweis: die meisten Täter würden bei kleinster Gegenwehr aufgeben.
Alles richtig - aber das ist nicht das, worüber wir hier sprechen. Das sind vor allem die unerwünschten Annäherungsversuche im Büro oder auf der Feier, das sind Grapscher, die Belästiger und nur sehr eingeschränkt Vergewaltiger und eigentlich nie die Stalker, mit denen wir es bisher zumeist zu tun hatten und die einzeln, vielleicht auch mal in kleiner Gruppe auftreten. Sozusagen die "alte" Version. Die Berichte aus Köln und viele andere die aktuell in die Schlagzeilen kommen, das sind aber andere Welten, andere Täter, andere Probleme. Die beiden Minderjährigen Mädchen die in Weil am Rhein mit vier jungen Syrern gefeiert haben als Beispiel, vermutlich nicht ohne all die tollen Berichte über Toleranz und die wunderbaren Menschen denen wir mit offenen Armen helfen können. Um dann stundenlang von diesen Typen vergewaltigt zu werden.  Auch ihr Fall brauchte Tage um endlich publik gemacht zu werden.
Da helfen diese Tipps ebensowenig, wie auf jenem Kölner Platz.

Nur nochmal zur Erinnerung: SO SAH DAS IN KÖLN AUS.
Die Frau hat nicht einen mm Platz sich irgendwohin zurückzuziehen. Ihr Körper ist eingeklemmt zwischen Männern, die auch ihre ausgestreckten Arme zwischen sich verkeilen oder weit über Schulterhöhe festhalten. Ihr Gesicht ist nur kurz zu sehen, aber sie schreit aus vollem Hals um Hilfe und in schierer Panik.
Genützt hat es ihr nichts. Das ihr nicht noch mehr passierte, war eher der Bereitschaft der Täter irgendwann abzulassen geschuldet als ihrer Selbstverteidigungskraft, der Polizei oder sonstwem.

 Weiter geht es in dem Video mit einigen Selbstbefreiungstipps - hier aus Win Chun u.ä. Kampfsportarten. Der Nachteil an solchen Techniken ist jedoch: die muss man üben, üben, üben.Unter Anleitung, denn einmal eintrainierte Fehler können schwere Verletzungen zur Folge haben. Und das unternehmen nur sehr, sehr, sehr wenige. Kommt es zu einer Selbstverteidigungssituation streigt der Stresspegel und die Reflexe übernehmen. Das können Schockstarre, der reine Fluchtinstinkt, instinktive Selbstverteidigungsversuche oder eben eintrainierte Maßnahmen sein.

Die Reporterin hechelt dann noch in die Kamera, das 84% der Angreifer sich bereits von leichter Gegenwehr abwehren lassen. Kritiker solcher Statistiken weisen auf zwei Dinge hin: wir haben eine unglaublich hohe Dunkelziffer und die Definition von Angreifern und ernst gemeinten Übergriffen ist nicht einheitlich geregelt. Gerade die Zahl der wirklich vergewaltigt Frauen, die keine Anzeige erstattet ist ziemlich hoch. Faktoren wie Angst, Scham und die Erwartung einer demütigenden Prozedur nach der anderen mit einer hohen Chance keine Verurteilung oder nur geringe Strafen zu erreichen halten viele Opfer davon ab. Wie viele sich davon so gewehrt haben wie in dem Video oder wie viele nicht mal eine Chance dazu erhielten ist nicht fassbar. Eine Gleichung mit so vielen unbekannten und frei definierbaren Variablen kann keine klaren Zahlen herausbringen.

Und das ist das perverse an solchen Hilfe-Videos und Tipps. Sie erwecken den Eindruck, mit den bislang bekannten Mitteln und Methoden könne man sich selbst schützen. Das ist oft genug nicht der Fall und in dem hier diskutierten Moment erst recht nicht. Selbst eine Schreckschusspistole hätte hier keinen Nutzen mehr gehabt. Die beschworenen "Gruppen" als Schutz haben ja versagt - denn die Gruppen der Angreifer waren übermächtig.
Hier dazu noch vermischt mit der politisch korrekten Botschaft. Warum gerade junge Frauen und Journalistinnen sich momentan einen Abbrechen die Lage anders darzustellen und zu begreifen als sie ist...

Der Hinweis, der etwas taugt ist ein Artikel mit der Überschrift "(...) die Gefahren beim Einsatz von Pfefferspray". Er verweist auf die Selbstgefährdung und Alternativen.Ohne jetzt weiter auf den Artikel einzugehen, hier ein paar Hinweise von mir.



Allgemein: wer sich auf ein Selbstverteidigungsmittel verlässt, der muss dies stets und stets griffbereit bei sich führen. Frauen neigen dazu, alles was sie dabei haben in die Handtasche zu schmeißen, meist mit der Begründung, man habe keine Taschen an der Bekleidung.
In den Handtaschen verschwindet es meist auf "ich such mal schnell" raus. Für viele Sorten der Sprays gibt es mittlerweile kleine Holster. Es ist zwar ein Mehraufwand, diese jedesmal an den Gürtel zu friemeln, aber wenn man sich es erst angewöhnt hat, gehört es dazu.
Auch Selbstverteidigungsmittel sind kein Garant für Sicherheit. Gerade Mittel, die auf einen Vorrat zurückgreifen, sei es Spray, Elektrizität oder Munition, sind gegen größere Gruppen ebenfalls von begrenzter Wirkung. Dazu kommen rechtliche Einschränkungen, die uns das deutsche Gesetz dank zahlreicher Verschärfungen auferlegt.
Prüfen Sie darum genau, welches Mittel Sie sich zulegen oder was Sie trainieren wollen.
Bei Sprays gilt das, was auch für Besitzer des kleinen Waffenscheins, also für das lizensierte Tragen einer Schreckschusspistole in der Öffentlichkeit gilt: öffentliche Veranstaltung darf man nicht mit Waffen, auch nicht mit Selbstverteidigungswaffen besuchen. Den Frauen aus Köln hätte es also nichts genutzt. Sie hätten gleich gegen das Waffengesetz verstoßen.


Sprays

Allgemeines: Wenn Abwehrspray eingekauft werden soll, dann bitte auf "Pfefferspray" achten und die Rückseite lesen, bestimmte Details mit dem Verkäufer besprechen, ich komme gleich nochmal darauf. Finger weg von CS Spray, ehemals als "Tränengas" bekannt. Dagegen ist ein erstaunlich hoher Anteil der Bevölkerung von Haus aus "immun" und es ist in der Tat möglich, eine gewisse Gewöhnung herzustellen. Es hat noch weitere Nachteile, aber ich will hier nicht langweilen.

Warnhinweis: Pfeffersprays sind nicht für den Einsatz gegen Menschen zugelassen. Sie sind nur zur Tierabwehr gedacht. In einer angemessenen Notwehrsituation kann aber auf eine Anklage verzichtet oder eine entsprechende Anklage negativ beschieden werden. Aber lieber vor Gericht verteidigen als im Krankenhaus versorgen oder im Sarg begraben lassen.
Kaufhinweise:
Größe: Achten Sie beim Kauf auf die verschiedenen Sorten von Sprays. Es gibt die Dosen in verschiedenen Größen und Abgabeformen sowie mit verschiedenen "Sicherungen".
Kleine Dosen haben i.d.R. 4 oder 5 Sekunden Sprühdauer. Das ist unter Stress und in Bewegung sehr wenig. Größere Dosen werden jedoch schnell unhandlich. Sie entscheiden, was sie bevorzugen.

Sprühart: es gibt vier Arten von Pfefferspray: Strahl (jet), Nebel (fog) oder Schaum (foam) bzw. Gel, die sich dann wiederum weiter aufteilen. Strahl und Nebel kommen als Spray daher, d.h. ähnlich wie beim Duftzerstäuber entsteht eine halb flüssige, halb gasartige Substanz. Der Strahl konzentriert dabei die Materie etwas stärker, erreicht so eine höhere Distanz, Bedarf aber auch genaueres Zielen. Beim Aufprall auf das Ziel zerstäubt er wieder etwas. Die Reichweite wird meist mit ca. 5 m angegeben, zielt man höher geht es auch noch etwas weiter, aber i.d.R. ist hier weniger mehr.
Man muss zielen und dafür gibt es keine Hilfe an den Geräten. Da man auch eher nicht übt ist auch hier die größe der Flasche ein Problem.

Der Nebel dagegen kommt schon sehr breit gefächert, ähnlich wie aus einem Parfümflakon der alten Schule, aus dem Dosierungskopf. Daher muss man nur grob die Richtung halten. Die Reichweite ist dafür etwas kleiner als beim Strahl und wird i.d.R. mit 3 oder 4 m angegeben. Dabei ist die Wolke, wie auch in geringerem Maße der Strahl, Windabhängig. Bei Gegenwind werden Sie definitiv selbst getroffen werden. Versuche haben gezeigt, dass ein auf Sie zustürmender, massiger Mensch auch eine nicht unerhebliche Menge der Wolke mit sich bringt und auf 3 m sie in Mitleidenschaft ziehen kann.

Bei beiden besteht also die große Gefahr, selbst etwas davon abzubekommen. Beim Jet passiert dies vor allem, wenn das Ziel zu nah ist oder der Wind ungünstig weht. Beim Nebel passiert dies schon mit einer stark erhöhten Wahrscheinlichkeit.

Der Schaum ist ähnlich wie der Nebel darauf ausgelegt, sich auszufächern. Das macht nur noch ein grobes Zielen nötig. Mit einer ähnlichen Reichweite wie der Nebel und nur geringfügig weniger als der Strahl trifft der Schaum dann das Ziel, verteilt sich dort in der Konsistenz von Teig oder Löschschaum. Nachteil ist hier: die Materie wird kaum eingebracht. Trifft man keine Schleimhäute (also in die Augen, die Nase, den Mund) ist die Wirkung deutlich geringer und verzögert, denn sie muss über Kontakt erfolgen. Die Wahrscheinlichkeit ist aber durch die automatische Verteilung relativ gering.

Das Gel ändert seine Konsistenz und wird sehr schnell flüssig. Der Erfolg ist dann eher wie bei den alten Wassersprühern, mit denen man Blumen bzw. deren Blüten und Blätter benässt. Dadurch ist die besagte gefährliche Wolke schnell im Wortsinn verflüssigt und weniger Eigengefahr besteht. Je nachdem wie eng der Abgabestrahl gestellt ist, muss hier aber wieder sorgfältiger gezielt werden, bei verminderter Reichweit gegenüber dem Strahl.

Sicherungen und Benutzung:  Mittlerweile haben viele Hersteller bestimmte Sicherungen verbaut, damit die Flasche nicht versehentlich oder vorzeitig geleert wird. Die Systeme unterscheiden sich, ebenso wie die Anbringung und Form des "Abzuges". Schauen Sie sich verschiedene Formen an, mit welcher Sie am besten umgehen können.

Einschätzung im Zusammenhang mit dem Kölner Fall: die Frauen wurden schnell in eine dichte Menge von Angreifern gedrängt, waren nach allen Seiten in der Bewegung gehemmt, nach den Schilderungen und Videos hatten sie nichtmal freien Zugang zu ihrer eigenen Kleidung oder Taschen. Außerdem standen sie auf engstem Raum mit den Angreifern - hätten sie also nach Beginn des Angriffs zu dieser Art Selbstverteidigung gegriffen, so wären sie selbst davon betroffen gewesen - wenn sie die Kartuschen überhaupt hätten erreichen können.

Kubotan / Tactical Pen
Diese beiden Selbstverteidigungsmittel finde ich sehr praktisch.
Kubotan
Zweiteres ist ein Stift in einer speziellen Hülle, der sich auf den ersten Blick nur unwesentlich von einem normalen Schreiber unterscheidet. Beide dienen dazu, die eigenen Schläge auf kleine Druckpunkte zu fokusieren. Dadurch wird einerseits auch die Energie schwacher Schläge besser auf den Angreifer übertragen und zum anderen dessen Nerven angesprochen, wo sie sonst vermutlich kaum bemerkt würden. Es muss nicht mal ein Schlag sein. Aufsetzen, Druck ausüben und der Gegner verspürt Schmerzen. Griffe können damit ohne größeres Training gelöst werden. Wer aber damit auch trainiert wird eine sehr effektive Verteidigungswaffe darin finden, die zudem legal ist, aufgrund der Form am Schlüsselbund, am Handy oder an einem Stretchband stets griffbereit gehalten werden kann.

 Aufgrund der Form ist der Kubotan auch nur schwer zu verlieren oder zu entwenden, wenn er erst in der Faust gehalten wird.
Aber Vorsicht, in der hier im Bild gezeigten spitzen Form kann er auch recht schnell den Schädelknochen schädigen. Wenn Sie dort oder gegen die Kehle vorgehen, sind sie sehr schnell im Bereich des Notwehrexzesses, also der unangemessenen Selbstverteidigung.

Einschätzung im Zusammenhang mit dem Kölner Fall: ob diese in Köln etwas genutzt hätten, wage ich als Fan dieser Artikel zu bezweifeln. Auch sie hätten ja erstmal erreicht werden müssen - wobei hier das "in die Hand nehmen" weit unproblematischer ist, als bei den Sprays. Die Bereitschaft sich zu verteidigen kann hier schneller und unauffälliger erfolgen. Aber wie viele mit sowas rechneten ist da eine andere Frage. 
Auch war die Zahl der Angreifer, man muss es immer wieder schreiben, überwältigend. Die Zahl der Hände somit riesig. Und ob mit den "Nadelstichen", welche man aufgrund der enge als einziges anwenden könnte dauerhafte Erfolge erzielt werden können in dieser Atmosphäre ist fraglich.


Schreckschusspistole
Um diese Verteidigungswaffe führen zu dürfen, muß man einen kleinen Waffenschein beantragen und entsprechend ein Holster oder ähnliche Transportmittel nutzen. Für Frauen ist dies oft sehr unpraktisch, es gilt aber wie bei den Sprays: man kann sich daran gewöhnen.
Allerdings gilt die oben erwähnte Einschränkung nach §42 des Waffengesetzes: auf öffentliche Veranstaltungen darf man selbst dann keine Waffe mitführen.
Für diese Pistolen gibt es neben nur knallender Munition auch CS, Pfeffer und CS mit Licht Munition. Diese haben sich auf kurze Distanz zwar als relativ effektiv erwiesen, aufgesetzte Schüsse mit der Knallmunition können aber bereits schwere oder sogar tödliche Verletzungen herbeiführen.
Der Knall ist laut, je nach gewählter Munition und Waffe. Man kann sich also auch selbst damit beinträchtigen und für die Gaswolken gilt das oben unter Sprays geschriebene. Die Reichweite ist ebenfalls sehr begrenzt, dafür meist in Wolkenwirkung auf wenigstens ein bis vier m mehr.


Einschätzung im Zusammenhang mit dem Kölner Fall: es gilt das Gleiche wie bei den anderen Mitteln. Die Frauen hätten sie rechtzeitig aber nicht zu früh zur Hand haben müssen, bevor sie mitten im Pulk steckten.  Dazu kommt aber, dass die körperliche Nähe bei einem oder gar mehreren abgegebenen Schüssen bei allen Beteiligten zu Schäden geführt hätte. Der Knall hätte vermutlich ein Knalltrauma zur Folge gehabt, und aufgrund der Enge wäre wohl auch jemand zu dicht an der Mündung gewesen..



Über scharfe Schusswaffen brauchen wir nicht zu reden. Schon die Schreckschusspistolen werden vermutlich von vielen als Militarisierung und Aufrüstung empfunden, als Einschränkung von Sicherheit und Selbstbestimmung. Umso mehr scharfe Schusswaffen, für die am Ende ohnehin das gleiche gilt, für Schreckschusspistolen - nur mit noch strengeren Auflagen und dem Verbot sie zu führen (bis auf sehr, sehr wenige Ausnahmen die einen Waffenschein erhalten).
Die einzigen sinnvollen Verteidigungswaffen waren Schlagstöcke und Schusswaffen der Polizei. Ersteres setzten diese in einigen wenigen Fällen ein, letzteres nicht.


Bitte diesen Text nicht falsch verstehen. Ich will Frauen und körperlich schwächere Männer nicht entmutigen. Gegen die bekannten Typen von Sexualstraftäter gibt es mit den momentan legalen Mitteln und Möglichkeiten echte Chancen sich zu verteidigen, wenn auch alles andere als eine Garantie. 
Aber gegen das, was in Köln passierte, da konnte nur der Staat oder eine große, ausgerüstete und ausgebildete Bürgerwehr vorgehen. Erstere hat versagt (kein Vorwurf an die eingesetzten Polizisten) und letztere gibt es nicht, werden sogar als Bedrohung verstanden. Das ist eben alles andere als das, was es in Deutschland bereits gab.