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Montag, 8. August 2016

Des Papstes Wort zum Islam und der Gewalt

Der Grund, warum ich die Äußerung des Papstes, man sollte den Islam nicht mit Gewalt in Verbindung bringen, erst jetzt aufgreife, ist, neben meinem akuten Zeitmangel, die bisherige Berichterstattung. Mitunter sagte der Heilige Vater etwas, und die Medien kürzten, fassten zusammen oder berichteten eine stark abgeänderte Version. Ich wollte abwarten, ob solcherlei auch hier vorlag. Kath.net hat eine Mitschrift und ein Video mit O-Ton veröffentlicht.
Ich mag es nicht, von islamischer Gewalt zu sprechen, denn jeden Tag, wenn ich die Zeitungen durchblättere, sehe ich Gewalttaten, hier in Italien: da ist der, der seine Freundin oder seine Schwiegermutter tötet, und das sind gewalttätige katholische Getaufte. Würde ich von islamischer Gewalt sprechen, müsste ich dann auch von katholischer Gewalt sprechen?Nicht alle Muslime sind gewalttätig. Das ist wie ein Obstsalat, in den Religionen gibt es die Gewalttätigen. Etwas ist wahr: in fast allen Religionen ist da immer ein kleines fundamentalistisches Grüppchen. Auch wir haben das. Und wenn der Fundamentalismus dazu kommt, zu töten – man kann mit der Zunge töten, das sagt der Apostel Jakobus, nicht ich, und man kann mit dem Messer töten – es ist nicht richtig, den Islam mit Gewalt zu identifizieren. ...Ja wir können sagen, das der sogenannte ISIS ein islamischer Staat ist, der sich gewalttätig präsentiert, weil er uns als seinen Personalausweis zeigt, wie sie die Ägypter abschlachteten. Aber das ist ein kleines Grüppchen, man kann nicht sagen, es ist nicht richtig zu sagen, dass der Islam terroristisch ist.
Es ist also anzunehmen, dass diese Worte wirklich so gesprochen wurden.
Es schmerzt mich in der Seele, das Oberhaupt unserer Kirche solche Worte verlieren zu hören. Das ihm Versöhnung und Miteinander zentrale Anliegen sind und er lieber zu Frieden und Liebe aufruft, als zu Gewalt und Rache ist selbstverständlich und tief in unserer Religion und Konfession begründet.
Aber diese Relativierung um eine andere Religion ist mit nichts zu beschönigen. Es ist eine Relativierung. Der Begriff "islamische Gewalt" ist zwar recht weit gefasst, beinhaltet aber neben Eroberungszügen und Massenmorden auch den aktuellen Terror.

Würde ich von islamischer Gewalt sprechen, müsste ich dann auch von katholischer Gewalt sprechen?
Die Strategie auf eine Kritik an einem Zustand mit dem Verweis auf mögliche Kritik am Kritiker oder ihm nahestehenden Personen bzw. Umständen zu reagieren, ist altbekannt, kam aber für mich von unserem Papst völlig unerwartet.
Im Zusammenhang mit dem Islam bzw. allem Nichtchristlichem oder -katholischem ist es allerdings eine bekannte Ablenkung. "Was ist mit den Kreuzzügen? Gibt es nicht auch christliche Terroristen? Schon den Irlandkonflikt vergessen? Das waren alles Christen."
Oder, wenn es weiter greifen soll:
"In Myanmar werden Muslime verfolgt. Es sterben viel mehr Menschen an allergischen Reaktionen. Auch Deutsche verüben Verbrechen / morden / töten ihre Familien" usw. usf.

All dem ist gemein, dass man Äpfel mit Handgranaten vergleicht. Und auch unser Papst geht hier so weit. Verbrechen, welche von Christen bzw. Katholiken verübt werden gibt es in der Tat. Und niemand kommt auf den Gedanken, die Taten der Mafia, der mexikanischen Drogenkartelle oder irgendeines Familienvaters, der einen sog. erweiterten Suizid begeht, klein zu reden. Aber anders als die Terroristen gibt es von solchen Menschen keine Berufung auf unsere Religion. Eine katholische Mutter, die ihre Kinder tötet kann sich in NICHTS auf das Christentum berufen. In unseren dunkelsten Stunden gab es keine Rechtfertigung. Im Gegenteil, in der Diskussion um Abtreibung ist vielen Gegnern nicht bewusst, dass auch die katholische Kirche das Wohl der Mutter im Notfall vorzieht und eine Abtreibung erlaubt, wenn ihr Leben in Gefahr ist und durch die Abtreibung gerettet werden kann. Das dies nicht bekannt ist, liegt an der Tatsache, dass wir Leben wertschätzen.
Unsere Märtyrer sterben für den Glauben - aber ohne jemandem zu schaden. Sie opfern sich. Sie gehen in den Tod und akzeptieren ihr Schicksal. Im Islam sind die Schahid auch jene, die im Kampf oder dem Bemühen die "erklärten Feinde" zu töten. Daher die Selbstmordattentäter. Daher das verbreitete Wissen um den sofortigen Einzug ins Paradies und die dortigen Belohnungen. Darum die Angst einiger Märtyrer vor Verstümmelung ihrer Genitalien - denn die Zeichen der Selbstopferung gelten als Eintrittskarte und bleiben dort erhalten.... so zumindest einige Texte der sunna, der islamischen Religionslehre.
Wie der Papst darauf kommt, dies zu vergleichen ist nicht nachzuvollziehen.
Vielleicht meinte er aber eher die alltägliche islamische Gewalt. Also die Unterdrückung der Frau in Form von Entmündigung, Zwangsheirat und ehelicher Gewalt. Wie weit unser Heiliger Vater im Islam gebildet ist, weiß ich nicht zu beurteilen. Ich habe es nicht studiert, sondern lediglich Koran, ahadit und die ein oder andere Abhandlung gelesen sowie einen historischen Vergleich. Ich kann spielend Diskussionen innerhalb der Umma, der islamischen Gemeinschaft, im Internet nachlesen (sie werden an verschiedenen Orten in verschiedenen Sprachen geführt, also ist arabisch zum Glück nicht unbedingt nötig) und ich kann verschiedene Stellungsnahmen und Publikationen von Imamen und Gemeinschaften durchlesen.
In der Tat finden sich da eben auch jene, auf die wir Rücksicht nehmen wollen und müssen - die Moderaten. Diese haben selbstredend eine völlig andere Meinung als die Radikalen. Aber selbst unter diesen gibt es eine erstaunliche Bandbreite. So einig sich die meisten bspw. sind, dass man seine Frau schlagen darf, wann und wie dies zu geschehen hat ist teilweise heiß diskutiert.
Wie also das Oberhaupt der katholischen Kirche eine theologische Debatte des Islam entscheiden will, ist mir wiederum ein Rätsel. Und dies tut er, wenn er uns diese klare Botschaft vermittelt.
"Was ihr seht, hört und lest ist nicht richtig. Wenn solcherlei passiert, dann hat es nichts damit zu tun."

Was mich zum weiteren Kreis führt. Kreuzzüge, Inquisition und Hexenverfolgung. Diese drei Vorwürfe bekommt man als Christ, vor allem als Katholik ständig zu hören, sobald es um Gewalt und / oder Geschichte geht. Hat dies alles dann auch nichts mit dem Christentum zu tun? Während ich bei der Hexenverfolgung in der Tat konsequent auf die Haltung der Kirche durch die Jahrhunderte verweise, so kann ich doch die Taten der Puritaner genausowenig leugnen, wie den Aufruf des Papstes in Clermont. Wie man diese Dinge bewertet ist eine andere Sache, aber eine generelle Verbindung kann man erstmal nicht leugnen. Und sollte man auch nicht - denn sonst kann man nicht lernen und nichts ändern.

Natürlich sind bereits viele Interpreten auf den Plan getreten, welche die Äußerung des Papstes auf diese oder jene Ebene schieben und umständlich interpretieren. Was mich sehr fasziniert, denn sonst ist man sich einig, dass der Papst das unternimmt und spricht, was ihm am Herzen liegt. Wieso dann nicht in diesem Fall?
Eine völlig unpassende Relativierung und Schutzbehauptung, theologisches Wissen welches so den Erfahrungen völlig widerspricht.
Ob Lepanto, Wien, Otranto, Konstantinopel, Tour, Poitiers, Alexandria, Jerusalem oder immer wieder die Küsten Europas - friedlich war die Expansion des unter einer Fahne mit Krummschwert heranpreschenden Islam nicht. Sein Prophet befahl zahllose Hinrichtungen und kommandierte selbst über 40 Feldzüge, wie Islamwissenschaftler wie Tilman Nagel in ausführlichen Biographien und Fachwerken ausbreiten und erst seit wenigen Jahren auch von sog. Populisten aufgegriffen wird.
Stellt man diesen "Propheten" neben Christus, so könnte der Widerspruch zueinander und zur Aussage unseres Papstes nicht größer sein. Wie soll dann die Frucht daraus dem nicht entsprechen?

Umfragen und Studien quer durch Europa ergeben immer wieder ein ziemlich ähnliches Bild. Die Mär von der kleinen Minderheit von Gefährlichen passt nicht so richtig. Sprechen Medien und Politiker gerne von einigen Wenigen oder Hunderten, so präsentieren die Studien eine Zustimmung zur Scharia, dem Kalifat, der auch gewaltsamen Ausbreitung des Islam in Prozenten von 15 bis 30% unter der Bevölkerung. Die Frage nach der Sympathie mit Muslimen, die nach Syrien in den Krieg ziehen lag bei 20% - und nach dieser Veröffentlichung wurde sofort relativiert. So versuchte es die BBC mit Kritik an der Umfrage. Sie merkte an, dass in den vier Antwortmöglichkeiten (große Sympathie, Sympathie, Keine Sympathie, Keine Ahnung) das Wort "Jihadi" nicht vorkam und somit missverständlich sei. Eine fadenscheinige Argumentation um die Glaubwürdigkeit zu untergraben. Die Zahl der Muslime, die nach Syrien zieht, um auf der Seite der "Freien" oder "Rebellen" zu kämpfen ist zum einen verschwindend klein und praktisch in niemandes Gedanken verankert und zum anderen sind auch Al Nusra und manche andere "Rebellengruppe" nichts anderes als Islamisten. Nur eben auch verfeindet mit dem IS.
In diese Reihe der Apologeten (und ich bin mir des ursprünglichen Titels bewusst) reiht sich unser Oberhaupt ein. Vergessen die Opfer, vergessen die Eroberung, vergessen die Fatwas, ignoriert die ewiglangen theologischen Begründungen welche die Muslimbruderschaft, Hamas, Al Quaida und auch der IS herausgeben.
Es hat nichts damit zu tun, und jeder der etwas anderes behauptet muss damit leben mit einem Vergewaltiger verknüpft zu werden, der katholisch Getauft ist...

Dies wäre mal eine Rede gewesen, für die ich wirklich gerne eine ausführlichere Stellungsnahme gelesen hätte....


Nachtrag: nach den wenigen Minuten, die der Beitrag steht bekam ich bereits die erste Anschuldigung alle Muslime in einen Topf zu werfen. Also mal wieder:
Weder sezte ich alle Muslime mit ihrer Religion gleich, noch schreibe ich über irgendwelche Maßnahmen, die ohne Ansehen des Individuums vorgehen. Im Text verwende ich Zahlen, Daten und verweise auf moderate Muslime. In anderen meiner Texte verweise ich auf Muslime, denen wir dringend zuhören sollten und dazu beitragen müssen, diese als Vorbilder der islamischen Gemeinde zu installieren.
In keiner Weise werfe ich alle Muslime in einen Topf. Allerdings bin ich gegen Relativierung, Verharmlosung und Kleinrederei - und liefere dazu Fakten. Den Kommentar veröffentliche ich genau darum nicht (abgesehen von den Vorwürfen bestand er nur als Beleidigungen).

Mittwoch, 8. Juni 2016

"Degeneriert und inzestiös"

Unser Finanzminister ist kein netter Mensch, und auch kein guter. Das liegt nicht nur am Amt und schon gar nicht an seiner durch einen feigen Anschlag eines "geistig Verwirrten" verursachten Behinderung. Das liegt einzig und allein an ihm selbst.
Unvergesslich ist sein bösartiges Lächeln, kurz bevor er seinen Sprecher zu Beginn einer Pressekonferenz vor versammelter Medienwelt runterputzte und wegen einer Nichtigkeit demütigte, so dass dieser kurz danach auch den Posten aufgab. Dadurch kam aber immerhin heraus, dass Schäuble das Ministerium insgesamt auf diese Weise führt. Das Arbeitsklima muss grausig sein.
Eiskalt, berechnend, intelligent, mitleidlos und zynisch - so wird er von seinem Umfeld und Autoren beschrieben.
Ausgerechnet dieser Mann nutzt nun ein Vokabular, welches normalerweise wegen seiner Nähe zur Nazi-Demagogie vermieden wird - um die Ziele der Kanzlerin und der Pro-Flüchtlingsbewegung "näher zu bringen".
„Die Abschottung ist doch das, was uns kaputt machen würde, was uns in Inzucht degenerieren ließe“
sagt er mit Blick auf die langsam in ganz Europa fahrt aufnehmende Gesetzeswelle zur erschwerten Immigration. Womit eigentlich die (fort)laufende Völkerwanderung gemeint ist, die gerade die westliche Welt in Atem hält - oder halten sollte.
Als wären die 740 Millionen (!) Einwohner Europas alle miteinander verwandt und würden nur im nächsten Umfeld heiraten.
Natürlich wird er den Satz eher metaphorisch gemeint haben, also dass Europa durch mangelnde Einwanderung zu sehr auf der Stelle tritt, sich nicht weiterentwickelt. Das war zwar in den letzten 2000 Jahren nur dann ein Problem, wenn Völkerwanderungswellen wie die Germanen oder Hunnen Druck auf die Völker ausübten und die Menschen im Anschluss viel zu sehr damit beschäftigt waren zu überleben als die Zivilisation voran zu bringen und Kultur auszuleben, aber woher sollte ein Finanzminister dies wissen? 

In Deutschland trügen Muslime zu Offenheit und Vielfalt bei: „Schauen Sie sich doch mal die dritte Generation der Türken an, gerade auch die Frauen. Das ist doch ein enormes innovatorisches Potenzial.“
 Das ist, und ich bitte die Wortwahl zu entschuldigen, der heuchlerischste Scheissdreck den ein Minister momentan erzählen kann - und der ausbleibende, faktenbasierte Protest schreit Bände über den Zustand unserer Gesellschaft.
Schon 2010 wurde festgestellt, dass die aktuellen türkischen jugendlichen Mädchen doppelt bis vier Mal (!) so häufig Selbstmord verüben, wie ihre autochthonen oder aus anderen Kulturen eingewanderten Altersgenossinnen. So toll geht es dieser Generation Mädchen und junger Frauen, dass 6 bis 8000 Mädchen in Deutschland von der Verstümmelung ihrer Genitalien bedroht sind.
Und wo wir bei "bedroht" sind: bevor die "Flüchtlingskrise" über uns hereinbrach waren zwischen 3 und 9000 meist türkische, aber auch arabische (inklusive palästinensische) und "nordafrikanische" Mädchen pro Jahr von einer Zwangsehe bedroht - kurz im Urlaub bei der Familie vorbeigesehen und zurück kam man als Ehefrau eines Menschen, den man noch nie zuvor gesehen hatte. Aus den Heimen und Auffanglagern hört man Schreckliches was dieses Verbrechen angeht, die Zahlen dürften drastisch gestiegen sein.
Und jüngst urteilte ein Gericht, eine Kinderehe eines "Flüchtlings" aus dem Irak zwischen Cousin und Cousine (was dabei nicht selten ist) sei rechtens.
Von Ehrenmorden (die eben NICHT identisch mit Familientragödien sind) ganz zu schweigen.
Ja, junge türkische und muslimische Frauen haben Potential - genau wie alle Frauen dieser Welt. Aber in der muslimischen Kultur, auch der dritten Generation türkischer Einwanderer, sind sie keine Hoffnungsträger der Innovation sondern der Vermehrung.
Womit wir bei "Offenheit und Vielfalt" wären. Länge Mäntel und Kopftücher oder gar schwarze Ganzkörperverhüllung ist weder das eine noch das andere. Sein Haar unter Tuch zu verbergen, weil es nach islamischer Überlieferung sittsam sei und (wie es die Salafisten und Wahabiten offen aussprechen) stets die Frau ist, die den wehrlosen Mann verführt, ist nicht offen. Ein paar Blumenmuster auf einen Burkini zu drucken während man die Geschlechter in den Schwimmbädern wieder trennt ist keine Vielfalt.

Die Bedrohungslage hat sich in den letzten 15 Jahren dramatisch verschlechtert, die Zahl der Ermordeten, Verstümmelten und ihr Lebtag gezeichneten geht mittlerweile auch in Europa in die Tausende. Stadteile werden selbst für Polizisten zu gefährlich und in Frankreich wird man in dutzenden wenn nicht hunderten der durchsuchten Moscheen fündig was Hetze und Propaganda angeht, alles andere als selten auch Waffen.
Das ist kein Ergebnis von Einwanderung, das ist ein Ergebnis zwanghafter Augenwischerei, wie sie Schäuble betreibt. Es gibt Muslime und Einwanderer die eine Bereicherung sind, die unserer Kultur neue Elemente hinzufügen können, die es für alle besser und schöner werden lassen. Dabei darf man aber die Realität und die Relationen nicht verleugnen und aus den Augen verlieren.
So wie es bislang lief wurde es dramatisch schnell schlechter - und wir legen seit letztem Jahr eine Schippe drauf.
Wer jetzt nicht offen und ehrlich die Probleme anspricht und scharf angeht, der riskiert die Offenheit, die Menschlichkeit, die wir der Geschichte abgetrotzt haben. Umso mehr, wenn man dafür Worte benutzt, die normalerweise zu "Nazi"-Rufen geführt hätten.



Nebenthema: auch Schäuble generiert sich als großer Kenner der Geschichte und Kultur - und zeigt dabei mindestens ebensowenig Wissen wie unsere frühere Justizministerin.
Man habe erst nach 1990 angefangen, sich ernsthaft mit der Tatsache zu beschäftigen, dass es außerhalb der westlichen Welt noch etwas anderes gibt. „Hart gesagt, hat uns der Mittlere Osten Afrika vom Hals gehalten.“
Ich vermute stark, er verwechselt hier den "Mittleren Osten" mit Nordafrika. Denn in den letzten Jahrzehnten waren es Marokko, Libyen, Tunesien und Algerien, die eine Art Wall gebildet haben. Nicht zuletzt der dort zu findende Rassismus gegenüber Schwarzen (sichtbar bspw. während der Jagden auf "Gastarbeiter" aus Afrika in Libyen während des Umsturzes) trug dazu bei. Nun aber ist der Druck aufgrund vervielfachter Bevölkerung in manchen Ländern derart groß, die Lage in den nordafrikanischen Staaten derart konfus, dass dieser Wall nicht mehr hält und die Devisen von illegal Reisenden gerne angenommen werden.
Der Mittlere Osten, also Israel, Syrien, Libanon usw. haben damit eher wenig zu tun. Gerade Israel ächzt moment selbst unter einer Einwanderungswelle vor allem aus Äthopien u.a. Die Spannungen in der Bevölkerung werden heftiger - als wären sie nicht bereits schlimm genug gewesen.

Wie man es auch dreht und wendet - Europa war sich seit Jahrhunderten bewusst, dass es da "mehr" gibt. Denn zuerst erwehrte man sich über Jahrhunderte der Angriffe der Osmanen und der Plünderungszüge der Barbarbeskenstaaten mit Millionen von Opfern, um die sich heute kein Mensch unserer "Nie wieder" Kultur bemüht. Danach zog der dämonische "Imperialismus" mit seinem kleinen Bruder, dem Kolonialismus ein, und man zog in die Welt, um dort alles besser werden zu lassen. Diese Überzeugung scheint heute ja ein heimliches Comeback zu feiern...
Wie viele Briten, Franzosen, Belgier, Holländer und deutsche in der ferne, besonders in Afrika und dem Orient, gefallen sind, ist unklar. Aber neben brutalen Verbrechen wie jenem an den Herero (welches ja Dank der Armenienresolution des Bundestages wieder Konjunktur als Vorwurf hat) gab es auch eine ganze Reihe von Schlichtungen, Friedensschließungen, medizinischen Verbesserungen usw. usf. Obwohl in Afrika an den meisten Orten (auch an jenen des Kolonialismus) afrikanische Kultur weiterlebt, die Nomaden umherziehen, die Stämme in Grals leben, usw. wird der europäische Einfluß nicht als "Bereicherung" und "Diversität" verstanden und ausgegeben, sondern als eine Art Erbsünde der Moderne.

Viele Kriege und Kämpfe wurden durch die Europäer in Afrika geführt aber eben auch verhindert. So zu tun, als seien die heutigen Zustände durch Europäer entstanden oder zu verhindern gewesen ist erneut Augenwischerei. Wir können den Nigerianern in ihre Familienpolitik ebensowenig eingreifen, wie den Türken, denen Erdogan gerade die Verhütung versagen will um möglichst fruchtbare Menschen zu regieren.

Seit dem Ende der Kolonialzeit versucht eine spanische Enklave in Nordafrika, sich illegale Einwanderer fern zu halten und die europäischen Staaten zahlen und helfen. Vielleicht nicht immer angemessen oder so stark wie es nötig wäre. Aber was in den letzten 50 Jahren an Hilfen und Programmen für Afrika gefahren wurde, sprengt den Rahmen eines kleinen Buches.
Es wäre unser Finanzminister also gut beraten, bei seinen Leisten zu bleiben und an sich selbst zu arbeiten.

Freitag, 5. Februar 2016

Barbara Vinkens "milchweiße, deutsche Frauen"

Ich dachte, ich höre nicht richtig. Und das, obwohl ich genau wegen dieser Stelle einem Link folgte, der mich zu einem Interview im Deutschlandfunk führte.
Ab Sekunde 40 in diesem Audiobeitrag ergeht sich Barbara Vinken, ihres Zeichens Professor_inX für Literaturwissenschaft in München (und somit bar jeden Bezuges oder fachlichen Wissens rund um das Thema Karneval, Köln oder Vergewaltigung und Migration), in Behaupten, Definitionen und einer offen und unkritisierten Unterstellungsarie, die in meinen Augen zum sofortigen Debattenwechsel führen müssen.

Nicht als das es tatsächlich zu mehr Gewalt oder zu 'ner anderen Form von Gewalt gegen Frauen kam und die schon gar nicht von Flüchtlingen ausging sondern eigentlich von Leuten die schon länger in Deutschland leben. Zum anderen aber deswegen weil dieses Szenario unsere deutschen,  milchweißen Frauen fremde, dunkle Männer, also im Prinzip ein Szenario eine Angstphantasie bei allen Staatsgründungen eingesetzt wird und auch mitschwingt und auch immer wenn es darum geht sich gegen das Fremde abzusetzen. Und insofern würde ich sagen hat sie Deutschland verändert als hier ein sehr fremdenfeindliches und sehr patriarchales Szenario wiederbelebt worden ist.

Vinken widerspricht hier sämtlichen Fakten - ohne dass ihr dies vorgehalten wird. Sie konstruiert, quasi ex cathedra, ihre eigene Realität und Version der Vorgänge.
Es wäre nicht zu einer anderen Form oder "mehr" an Gewalt gekommen. Als ich zuletzt nachsah waren weit über 700 Anzeigen zu den Vorfällen am Bahnhofsvorplatz eingangen - mittlerweile dürften es noch mal viel mehr gewesen sein.
Wann in der Geschichte des Kölner Silvesterfestes hat es das bereits gegeben, dass dies nicht mehr sein soll?
Der Vorfall fand vor den Augen der Polizei, des WDR, vor vielen Zeugen statt und war nichts anderes als ein Mob von dutzenden oder hunderten von Tätern, die über hunderte von Opfern herfielen - wann außer im Krieg fand soetwas jemals statt? Wann in der Geschichte der BRD hat es diese Form schon gegeben?

"schon gar nicht von Flüchtlingen ausging" usw. Nicht nur, dass sie an dieser Stelle erneut eine Zweiklassengesellschaft unter Flüchtlingen aufmacht (also Leute, die Asyl vor Sommer 2015 gestellt haben, sind keine Flüchtlinge, nur die danach) und zum anderen widersprechen die Ermittlungsergebnisse dem völlig. Es SIND Menschen aus der Einwanderungswelle der letzten Monate festgenommen und / oder identifiziert worden und Diebesgut, sprich Handys, wurden in Flüchtlingsunterkünften geortet oder sichergestellt.

Was dann aber fällt ist eine maßlose, hassgeifernde Unterstellung. Nicht mal Rechtsradikale und wirkliche Fremdenfeinde hat die überwältigende Mehrheit der Empörten nicht ein einziges Mal behauptet, ausschließlich "arische Mädels" - und diesen Terminus meidet Vinken mit ihrer "milchweißen" Umschreibung gerade so, seien Opfer. Mancher sprach von "deutschen Frauen" - wie man dies interpretieren mag bleibt jedem selbst überlassen, aber ich wette, nur die Extremsten hatten dabei "milchweiße Blondinnen" im Kopf, während ich wohlmeinend den Meisten folgendes Unterstelle: angesichts der "Diversität" die in Köln herrscht, bin ich mir sicher, dass auch Frauen mit Migrationshintergrund zum Opfer wurden und auch kopftuchtragende deutsch-Türkinnen nicht verschont worden wären oder sind.
Vinken konstruiert hier einen Rassismus bei denjenigen, die sie anklagt, während sie den realen Opfern in ihren Schilderungen wie den Polizeiberichten widerspricht.
Es handele sich bei den Vorfall um einen Mythos, ein Szenario, eine Angstphantasie. Nichts Reales. Nichts passiert, gehen sie weiter!
Hier sind nur Fremdenfeinde und misogyne (also frauenhassende) Machos am Werk, welche die Vorherrschaft der Männer sichern wollen.

Wer das Gespräch bis hierhin verfolgen konnte, ohne vor Zorn rot zu werden, dem gratuliere ich über die Selbstbeherrschung. Als Verfechter gesitteter Debattenkultur steht es mir schlecht an, aber ich glaube, ich hätte an dieser Stelle die Beherrschung verloren.

Leider ging es weiter:


Frage der Interviewerin: Würden sie denn sagen, diese Debatte wird zu Unrecht geführt?

Ja! Ich würde nicht sagen, dass die Debatte zu Unrecht geführt worden ist, aber ich würde  sagen die Art wie sie geführt worden ist ruht eben auf diesem Mythos der Vergewaltigung am Anfang von Republiken. Ruht auf dem Mythos, dass ein Land um geinigt zu werden den fremden Mann braucht der auf die einheimischen Frauen übergreift. Insofern ja fnde ich die Debatte extrem unglücklich extrem fremdenfeindlch extrem unbarmherzig und wie ich letzten Endes finde auch extrem misogyn  geführt worden.
Diskussionsverbote und Denkvorschriften. Die Literaturwissenschaftlerin als 1984-Umsetzerin...
Unbarmherzig ist diese "Frau" selbst, wie misogyn. Der Vorfall wird von ihr negiert um dann als Aufhänger ihrer Staatstheorie instrumentalisiert zu werden und gleich noch gegen alle "Nichtflüchtlingsmänner" auszuteilen.


Nach einem Beispiel für solch einen Mythos gefragt führt sie die Sabinerinnen an.
Wer den Mythos nicht kennt, hier zum nachlesen (jeweils unter den lateinischen Textabschnitten die deutsche Übersetzung).
Wer sich auch nur ein kleines bißchen auskennt in Sachen römischer Mythologie wird hier die Haare raufen.
1. ist zugleich das Lächerliche, das Entlarvende an der Theorie, welches bei einem Verteidigungsgespräch unweigerlich zur Sprache käme. Die Raubenden (und, wir unterstellen trotz einer leicht anderen Sichtweise des überliefernden Livius, Vergewaltiger) in diesem Szenario sind nicht die Fremden. Es sind die Eigenen. Der Mythos stammt , wie verlinkt, von den Römern selbst und handelt über ihre Gründungsväter, die als Flüchtlinge ankommen und dann zu Tätern werden. Somit passt er nicht im Kleinsten bißchen zu dem "das Fremde abgrenzen um das eigene zu definieren" und schon gar nicht passt er zum Fremdenhass. Denn:

2. Die Sabinerinnen werden geraubt - nicht "nur" vergewaltigt. Hier geht es eben nicht um Ausgrenzung sondern um Integration. Romulus hält an sie gewandt eine Rede, in der dies klar gestellt wird und ihnen Ängste und Trauer genommen werden soll (aus realistischer Sicht natürlich verklärter Unsinn):
die Frauen würden dennoch in der Gemeinschaft aller Güter und der Stadtzugehörigkeit und dessen, was das Teuerste für das Menschengeschlecht sei, der Kinder, verheiratet:
in societate fortunarum omnium civitatisque et quo nihil carius humano generi sit liberum fore
die Frauen würden dennoch in der Gemeinschaft aller Güter und der Stadtzugehörigkeit und dessen, was das Teuerste für das Menschengeschlecht sei, der Kinder, verheiratet
So schwer verständlich und nach unserer Ethik und Moral falsch dieses Verhalten war - die Frauen wurden geraubt - heute würde man sagen entführt, damit sie Teil der römischen Gesellschaft würden und damit diese eine Zukunft hätte. Es ging um Eheschließungen, nicht um Bereicherung und erzwungenen Geschlechtsverkehr. Wäre es den Römern darum gegangen wären Plünderungen und Versklavungen ihr Weg gewesen (den sie durchaus ebenfalls zu gehen bereit waren und gingen).


3. Die Abgrenzung wird in diesem Mythos sogar aufgelöst. Die Römer wurden vorher ausgegrenzt - hinterher vereinigten sie sich mit den umliegenden Gemeinden, bis "die sieben Hügel" von Rom bedeckt waren. Wer sich mit den Theorien rund um das frühe Rom auseinandersetzt, stößt auch auf die Vermutung, dass "die Fremden" in Form der Etrusker die Dörfer der Hügellandschaft eroberten und aus dieser Herrschaft die mythologisch umrissene Königszeit inklusive des etruskischen Königs Lars Porsenna hervorging. Und selbst dieser Mythos ist enorm ambivalent - er grenzt nicht nur aus, er schließt auch ein.

An dieser Stelle kann man Der Professorin nur zurufen: Schuster, bleib bei deinen Leisten. Wer in der Geschichte wildert, sollte wenigstens grundlegendes Wissen besitzen.

Aber sie macht weiter. Als bekannter nimmt sie die "Hermannsschlacht" von Kleist an. Und zeigt, dass sie nicht nur auf historischem Feld mehr projeziert als interpretiert und einfach Dinge ignoriert, die ihr nicht ins Bild passen.
Angefangen mit der Behauptung, dieses Werk sei hierzulande wohl bekannter als der Raub der Sabinerinnen. Ich bin mir keineswegs sicher was den Bekanntheitsgrad beider Werke angeht - aber selbst die Akademiker aus meinem Umfeld haben kaum Kleist gelesen noch kennen sie den Inhalt. Das solch ein Eindruck bei ihr entstehen konnte ist für mich ein Beweis für Betriebsblindheit. Wer sich tief in sein Arbeitsumfeld vertieft, bekommt einen verschobenen Blick auf die Außenwelt. Andersherum könnte ich bspw. anführen, dass besagte Akademiker meines Umfeldes bis auf wenige Ausnahmen den Raub der Sabinerinnen kennen, Autor und etwaige Entstehungszeit benennen können - was auch kein Wunder ist, sind die meisten von ihnen entweder Historiker, Archäologen oder der Stadt Rom in der ein oder anderen Weise verbunden... eine Aussage über den allgemeinen Verbreitungsgrad kann man davon nicht ableiten.
In meinem gesamten Umfeld aber sind beide Geschichten eher unbekannt - mit einer Tendenz zu den Sabinerinnen, was ich allerdings eher auf meine Freundeswahl zurückführe, als auf die Verbreitung.

Vinken spricht auch bei Kleists Werk von inszenierter Vergewaltigung und nutzt dies als Beispiel für "Abgrenzung durch den fremden, dunklen Mann". Das auch Kleist bereits die germanischen Stämme unter Marbod und Arminius (also Hermann) historisch durchaus korrekt als sich eher Fremde darstellt, die nicht als eine "Volkseinheit" existieren lässt sie unter den Tisch fallen.
Ebenso die gegenseitigen Intrigen zwischen den germanischen Anführern und Varus, die sich gegenseitig zu übervorteilen suchen und eigentlich Feinde sind. Es geht um Herrschaft - nicht um Volksbildung.
Und schließlich den Vorwurf der inszenierten Vergewaltigung. Da scheint die Literaturwissenschaftlerin den Kern überlesen zu haben. Denn nicht nur dringen römische Truppen gegen die germanischen Dörfer vor und verbreiten dabei sehr wohl Gewalt und Vergewaltigung (wie gesagt gehörte dies damals zum Krieg und ist auch zu Kleists und zu unseren Zeiten nicht verschwunden) - etwas, das unvermeidlich im Raum stand und nur eine Frage der Zeit war - auch der Raub der Locke der Thusnelda durch einen römischen Offizier, der sie verehrte und mehrfach bedrängte wird von ihr offensichtlich nicht als der schwerwiegende Übergriff verstanden, der er für Kleist und sein Verständnis der Vergangenheit war begriffen.
Auch hier der Text zum nachlesen.
Im siebten Auftritt raubt Ventidius, der römische Offizier eine Locke gegen den Willen von Thusnelda.
Ventidius
. Nichts, nichts, als diese Locke!
Doch selbst der Tod nicht trennt mich mehr von ihr.
Er beugt ehrfurchtsvoll ein Knie vor ihr und geht ab.
Thusnelda
steht auf
. Ventidius Carbo, du beleidigst mich! –
Gib sie mir her, sag ich! – Ventidius Carbo!
Ein Vorfall, der nicht inszeniert ist, von Thusnelda als Übergriff und schwere Beleidigung empfunden, von ihrem Mann aber leicht genommen und ausgenutzt wird.
Hermann
. Was wollt er dir, mein Herzchen, sag mir an?
Thusnelda
. Er kam und bat, mit einer Leidenschaft,
Die wirklich alle Schranken niederwarf,
Gestreckt auf Knieen, wie ein Glücklicher,
Um eine Locke mich –
Hermann
. Du gabst sie ihm –?
Thusnelda
. Ich –? ihm die Locke geben!
Hermann
. Was! Nicht? Nicht?
Thusnelda
. Ich weigerte die Locke ihm. Ich sagte,
Ihn hätte Wahnsinn, Schwärmerei ergriffen,
Erinnert ihn, an welchem Platz er wäre –
Hermann
. Da kam er her und schnitt die Locke ab –?
Thusnelda
. Ja, in der Tat! Es scheint, du denkst, ich scherze.
Inzwischen ich auf jenem Sessel mir
Ein Lied zur Zither sang, löst er,
Mit welchem Werkzeug weiß ich nicht, bis jetzt,
Mir eine Locke heimlich von der Scheitel,
Und gleich, als hätt er sie, der Törichte,
Von meiner Gunst davongetragen,
Drückt' er sie, glühend vor Entzücken, an die Lippen,
Und ging, mit Schritten des Triumphes,
Als du erschienst, mit seiner Beut hinweg.
Hermann
mit Humor.
Ei, Thuschen, was! So sind wir glückliche
Geschöpfe ja, so wahr ich lebe,
Daß er die andern dir gelassen hat.
Thusnelda
. Wie? Was? Wir wären glücklich –?
Hermann
. Ja, beim Himmel!
Käm er daher, mit seinen Leuten,
Die Scheitel ratzenkahl dir abzuscheren:
Ein Schelm, mein Herzchen, will ich sein,
Wenn ich die Macht besitz, es ihm zu wehren.
Thusnelda
zuckt die Achseln.
– Ich weiß nicht, was ich von dir denken soll.
Hermann
. Bei Gott, ich auch nicht. Varus rückt
Mit den Kohorten morgen bei mir ein. –
Thusnelda
streng.
Armin, du hörst, ich wiederhol es dir,
Wenn irgend dir dein Weib was wert ist,
So nötigst du mich nicht, das Herz des Jünglings ferner
 Mit falschen Zärtlichkeiten, zu entflammen.
Bekämpf ihn, wenn du willst, mit Waffen des Betrugs,
Da, wo er mit Betrug dich angreift;
Doch hier, wo, gänzlich unbesonnen,
Sein junges Herz sich dir entfaltet,
Hier wünsch ich lebhaft, muß ich dir gestehn,
Daß du auf offne Weise ihm begegnest.
Sag ihm, mit einem Wort, bestimmt doch ungehässig,
Daß seine kaiserliche Sendung
An dich, und nicht an deine Gattin sei gerichtet.
 Wie schwer dies für Thusnelda wiegt erkennt man an der Rache, welche sie im 15. bis 17. Auftritt nimmt. Sie lockt den Römer mit dem Versprechen seinem Werben nachzugeben in eine Falle - genauer gesagt in einem Raum mit einer hungrigen Bärin, dessen Tür sie hinter ihm verschließt.

Wir haben also plündernde und marodierende römische Truppen, deren Taten von Hermann lediglich übertrieben werden, um die Empörung noch stärker als ohnehin zu erwarten zu treiben. Bereits im zweiten Auftritt.

Drei Hauptleute treten eilig
nach einander auf. Die Vorigen.
Der erste Hauptmann
indem er auftritt.
Mein Fürst, die ungeheueren
Unordnungen, die sich dies Römerheer erlaubt,
Beim Himmel! übersteigen allen Glauben.
Drei deiner blühndsten Plätze sind geplündert,
Entflohn die Horden, alle Hütten und Gezelte –
Die unerhörte Tat! – den Flammen preisgegeben!
Hermann
heimlich und freudig.
Geh, geh, Siegrest! Spreng aus, es wären sieben!
Damit haben wir reale Fälle. Der Kampf der Cherusker gegen Sueben wird nur am Rande thematisiert. Und zuletzt der "gut gemeinte" Übergriff auf Thusnelda.
Viel ist in diesem Theaterstück inszeniert - das liegt in der Sache selbst, aber auch in dem für damalige Dramen nicht untypischen Ränkespiel um Macht und Einfluß. Am Ende wird Hermann bei Kleist "König der Germanen" und dies war das erste Ziel - das zweite wird am Ende genannt. Hermann will Rom erobern. Die "fremden Sueber" schließen sich mit den eigenen Cheruskern zusammen, die "fremden Römer", welche, wie Vinken vergisst zu erwähnen, nunmal die gewaltsamen Invasoren sind, werden zurückgeschlagen.

Also auch hier ein so unwürdiger und unpassender Vergleich auf jeder Ebene, dass meine Zähne sich aufrollen und meine Fußnägel knirschen...


Sonntag, 31. Januar 2016

Grenzsicherung mit Waffen - nur in der DDR?

Sowohl die AfD Vorsitzende als auch ihre Stellvertreterin haben mit Aussagen zum Schusswaffengebrauch negative Schlagzeilen gemacht.
Frauke Petry antwortete auf die Frage, wie ein Bundespolizist einen illegalen Grenzübertritt verhindern soll:
Er muss den illegalen Grenzübertritt verhindern, notfalls auch von der Schusswaffe Gebrauch machen. So steht es im Gesetz.  
(...)
Ich habe das Wort Schießbefehl nicht benutzt. Kein Polizist will auf einen Flüchtling schießen. Ich will das auch nicht. Aber zur Ultima Ratio gehört der Einsatz von Waffengewalt. Entscheidend ist, dass wir es so weit nicht kommen lassen und über Abkommen mit Österreich und Kontrollen an EU-Außengrenzen den Flüchtlingszustrom bremsen.

Kurz darauf schrieb Beatrix von Storch auf Facebook:

Bereits die Reaktionen auf Petrys Worte waren deftig. Von "antidemokratisch" wurde ebenso geschrieben wie (mal wieder) von rassistisch und fremdenfeindlich, menschenverachtend und den üblichen Sermon.

Da kommt von Storchs Äußerung leider nicht als Hilfe daher. Denn die beiden Positionen verstehe ich als in einem entscheidenden Punkt unterschiedlich.
Petry wird von zwei Journalisten interviewt und führt aus, wie sie sich Grenzsicherung vorstellt. Dabei spielen "Anlagen", vor allem also Zäune eine Rolle, aber eben auch Beamte, welche die Überwindung verhindern oder ahnden sollen - so weit, so alt. "Notfalls" sollen diese Beamte auch von ihren Waffen gebrauch machen dürfen. Auch das ist definitiv nicht neu. Wenn Beamte beim Vollzug ihrer Arbeit, sei es Knöllchen schreiben, die Verhaftung eines Kriminellen, Personenschutz oder eben Grenzsicherung von eben dieser gewaltsam abgehalten werden, einfacher gesagt angegriffen, dann dürfen sie sich mit den ihnen zur Verfügung stehenden Waffen verteidigen. Was angemessen ist und was nicht, dass haben die betroffenen Beamten und später ihre Vorgesetzten zu entscheiden bzw. zu beurteilen.
Das zu fordern ist richtig und wichtig - unsere Polizisten und mit ihnen unser Staat sind momentan für Kriminelle und weniger devote Bewohner unseres Landes ein schlechter Scherz, und dies gefährdet die Sicherheit aller, zuerst aber der Beamten selbst, wie ich kurz vor Silvester in Weimar zeigte. Dort wurde ein Beamter beim Versuch eine Personenkontrolle bzw. eine Festnahme durchzuführen von weiteren Kriminellen bedroht. Der betroffene Polizist wurde gedemütigt, geschlagen und durchlitt eine Scheinhinrichtung, bei der ihm der Eindruck vermittelt wurde, er würde erschossen. Er erlitt dabei Verletzungen durch eine Schreckschusspistole.
Zu diesem Zeitpunkt waren die Täter über seinen Beruf im Bilde.
Auch auf der Domplatte sahen Beamte bei Gewalttaten zu, weil sie nicht zu härteren Mitteln greifen konnten bzw. wollten.
Jeder Beamte fürchtet um seine Karriere und seine Freiheit, wenn er zur Waffe greift. Die Zurückhaltung ist viel zu groß und hat nur dank der noch moderaten Umstände im Land nicht zu schlimmeren geführt.
Wenn also Petry als "ultima ratio" - oder einfacher gesagt, als letztes und für den Notfall bestimmtes Mittel den Schusswaffeneinsatz fordert, dann wird dies in der Interpretation als "Schießbefehl" auf Flüchtlinge in meinen Augen bewusst falsch verstanden. Vielmehr geht es darum, dass die Beamten gestärkt werden in ihrem Einsatz und bei einer Eskalation, die sehr wohl erfolgen kann, wie man an den Grenzen anderer Länder sehen konnte, nicht um ihr Leben fürchten müssen, sondern sich darauf verlassen können, sich verteidigen zu dürfen - und so eher bereit sind, die Wege abzuriegeln und verschlossen zu halten.

Die Sätze von Storchs hingegen sprechen jedem illegalen Grenzübertritt welcher der Aufforderung anzuhalten nicht nachkommt einen Angriffscharakter zu. Das sehe ich nicht so.
Zwar handelt es sich um eine illegale Handlung bzw. eine Straftat, und wenn die Anweisungen der Polizei missachtet werden auch um Widerstand - dabei dann aber sofort mit der Schusswaffe zu reagieren ist drastisch überzogen. Es gibt viele nicht-tödliche Mittel, den Forderungen Nachdruck zu verleihen. Polizeiabsperrungen, direkte Festnahmen, Pfefferspray, Wasserwerfer, Polizeiketten usw. usf.
Die Schusswaffe sollte wirklich nur als allerletztes Mittel wahrgenommen werden - und nicht bereits bei einem Vergehen oder einer gewaltlosen Straftat.

Beispielhaft ausgedrückt: auf jemanden zu schießen, der trotz Anruf weitergeht und die Grenze überquert ist ein Verbrechen. Auf Leute zu schießen, die mit Fäusten und Zähnen, Latten und Steinen versuchen, durch eine Polizeikette zu brechen oder Beamte angreifen um der Verhaftung zu entgehen sollte hingegen als das Verstanden werden, was es ist: Notwehr.

Dienstag, 15. Dezember 2015

Nach Transgender noch Transage - Sechs oder 52 Jahre alt?

Stefonknee / Paul Walsch ist 52 Jahre alt, 1,87 m groß, Vater von sieben Kindern und war (ist?) seit mehr als 23 Jahren mit seiner Frau verheiratet.
Die hat ihn nun vor einiger Zeit rausgeworfen. Der Grund war, Paul, der Name auf den er/sie getauft wurde, hat sich als "Transgender" geoutet und dies auch ausgelebt - nachdem er offensichtlich über Jahre bereits Frauenkleidung besaß und trug (sogenanntes "cross dressing"). In seinem Fall heisst dies, er lebt nicht nur als Frau sondern zudem auch noch als "kleines Mädchen". Daher auch der Name "Stef on knee", was wohl in einer "kindlichen" Sprache soviel heissen soll wie "Stefanie auf dem Knie".
Seine Frau stellte ihn vor die Wahl, sich wieder zu benehmen wie der Mensch, den sie kennen und lieben lernte und der die letzten fast anderthalb Jahrzehnte ihr Mann und Vater der gemeinsamen Kinder, bekennender und praktizierender Katholik war oder eben zu gehen. Die Entscheidung war scheinbar klar - auch wenn Selbstmordgedanken die Konsequenz gewesen sein sollen.

Aber "Stefonknee" blieb nicht allein. Er/Sie fand in Toronto ein älteres ("nudistisches, polyamouröses, swingendes") Ehepaar, welches ihn /sie adoptierte und so nimmt, wie er/ sie sich fühlt. Im Interview erzählt Stefonknee, dass er/sie "dafür (den Lebenswandel) einen hohen Preis zahlte", aber nun mit den Enkeln der Adoptiveltern spielen kann und dort ebenso spielerisch das neue Alter bestimmt wurde - sechs Jahre.


Das Interview, vor allem darauf abzielend keine kritischen Fragen zustellen und den Interviewpartner im bestmöglichen Licht, die "Anderen" möglichst grausam dastehen zu lassen, enthüllt dann u.a. noch, dass Stefonknee / Paul einen Job als Schneepflüger gefunden hat (min 2:50) und in einer neuen Beziehung lebt - und das Interview darum führt, dass anderen Mut gemacht wird sich zu bekennen.

Wer jetzt mit ungläubigem Gesicht vor dem Bildschirm sitzt fühlt vielleicht auch ein wenig Verwirrung. Zumindest bei mir war es nach dem Interview so.
Immerhin wird ja gesagt, es ginge hier darum, dass ein Mensch durch die Natur zwar einen männlichen Körper bekam, sein psychisches Geschlecht aber weiblich sei und alles andere nur anerzogen.
Diese Diskussion sei mal stehen gelassen, denn in diesem Fall geht es ja weiter. Angeblich fühlt sich "Stefonknee" auch noch wie ein kleines Mädchen. Wenn nun der erwachsene Mann nicht wirklich ein Mann ist, sondern eine Frau und auch nicht erwachsen sondern ein Kind - so führt diese Logik in der Konsequenz, die von uns allen durch die Transgendergemeinde gefordert wird (Ausweiseintragung, Namensgebung, Pronomenwahl, Toilettennutzung etc.), zu einem Haufen Probleme.
Nicht nur, dass Sechsjährige schonmal nicht mit einem Schneepflug arbeiten sollten (das ich sowas mal schreiben muss....), eine Beziehung erfüllt den Tatbestand des Kindesmissbrauches.
Damit nicht genug - Steonknee / Paul beschreibt stolz, wie selbst Polizisten und Rocker ihn/sie unterstützen oder sich gar outen. Eine dieser Geschichten beschreibt, wie ein "Harley-Fahrer" sich seinen/ihren Schrank ansieht und fragt, ob er ein bestimmtes Kleid einmal anziehen und Stenonknee / Paul darin küssen dürfe.
Daran klingt für mich nichts nach "hoppla, da bin ich im falschen Körper" aber viel nach Fetischismus und dem Wunsch nach Intimität einer bestimmten Art. Dazu am Ende mehr.

Bedrückend ist dabei die Berichterstattung an sich aber das Verhalten dieses Menschen im Einzelnen.
An einer Stelle des Interviews berichtet er stolz, dass er mit dem alten Leben abgeschlossen habe und es hinter sich ließ. Ein "neuer Start". Es vergehe manchmal eine ganze Woche, ohne dass er auch nur einen Gedanken an die Vergangenheit verliere.
"Die Vergangenheit", dass ist seine Familie. Der "neue Start" betrifft nur ihn. So zu tun, als sei seine Veränderung, sein Verhalten und am Ende sein Rauswurf für die Kinder und Ehefrau kein Problem gewesen,  als stelle es keine tägliche Qual dar, den eigenen Vater zu etwas höchst seltsamen, unverständlichem und inkonsequentem werden zu sehen ist ... ja was eigentlich? Ich empfinde es als Gemeinheit, als egoistische, egozentrische Methode, Rache zu nehmen für das Unvermögen, mit seinem Wandel zu leben.
Nicht an seine Kinder zu denken, an seine Frau, an die Freunde und die Versprechen, Gelübde und Beteuerungen seiner Vergangenheit, als habe es sie nie gegeben - das ist nicht "aufarbeiten", das ist nur Ignorant und kehrt Menschen den Rücken, denen er etwas bedeutet hat.
Und genau das ist auch das Fazit, welches er offen bekennt. Er könne nicht "verleugnen, verheiratet gewesen zu sein, nicht leugnen Kinder zu haben", aber er habe sich "weiterentwickelt" und all das liege hinter ihm. Er "möchte derzeit kein Erwachsener sein". 
Das mag zwar kindisches Verhalten sein, aber ganz sicher ist er darum kein Kind. Er zeigt immer wieder, dass hinter der neu aufgebauten "Fassade" ein berechnender Erwachsener steht, der sehr bewusst und gezielt aggiert, seine Wünsche und seinen Willen umsetzt, die zudem auch das sexuelle umfassen.

Mit dem Interview beweisst der Sender und die Beteiligten Personen vor allem, dass es Ihnen nicht um Menschen geht. In diesem Fall gibt es viele Verlierer, einen vermeintlichen "Gewinner" und eine ganze Reihe offener Fragen.
Mir stellte sich bspw. auch die Frage, welche Menschen ihre kleinen Kinder mit einem sexuell aktiven Mann spielen lassen, der auch Kindlichkeit als Beitrag zur Sexualität lebt. Und ab hier wurde es noch schlimmer.

Auf der Suche nach weiteren Informationen stieß ich auf (folgenden Link nur unter Vorbehalt - explizite Schilderungen enthalten, englisch) ein weiteres Interview - in dem die beiden "Eltern" zu Wort kommen. Wie gesagt sind die beiden Nudisten, sie sind "polyamourös", was bedeutet, dass sie mehrere Beziehungen gleichzeitig führen und sind Organisatoren einer "Fetischcommunity". Der Vater erklärt im Interview u.a. auf Transsexuelle zu stehen und als er das Bild von Stefonknee / Paul als Mädchen sah, fühlte er sich sofort angezogen... und es folgt eine ausführliche Beschreibung des ersten (Sexual)Kontaktes, gefolgt vom Einzug. Ausführlich wird die Beziehung der drei zueinander beschrieben - die vor allem sexuell aber wenig familiär ist.
Solche Menschen lassen ihre achtjährigen Enkel mit ihrem Sexpartner spielen...

Nun bin ich ein Vertreter des "suum cuique", jedem das Seine, aber hier wird erst eine große Familie und Gemeinschaft geschädigt, dann das Ganze als "bewunderungswürdiger Kampf um Selbstfindung" herausgestrichen um sich dann als fetischistisches Sexexperiment herauszustellen, mit dem auch wirkliche Kinder in Berührung kommen. Und es scheint niemanden ernsthaft zu stören.

Da frage ich mich einmal mehr, in was für einer Welt wir mittlerweile leben.


Hier noch das Interview von Steven Crowder analysiert, einem US Moderator und Comedian der konservativen Ausrichtung - lediglich auf englisch zwar, aber relativ gut zu verstehen.
Er behandelt einige der vorgebrachten "Argumente" und klopft sie auf Plausibilität ab.