Momentan fragen mich viele Leute, mit denen ich diskutiere oder die meine Ansichten kennen, ob ich nun zufrieden wäre, da Trump der Kandidat würde (und nunmehr ist), den die Republikaner in den USA als Kandidaten aufstellen.
Meine Antwort lautet: Nein. Ich kann mir keinen größeren Aufschneider vorstellen, keinen widerlicheren Schmutzwerfer, kein solches Großmaul und kaum einen unberechenbareren Menschen als Trump.
Ich hatte auf Carly Fiorina gehofft. Eine vernünftige Frau, die ebenso zuhören kann wie Entscheidungen nach eingehender Beratung treffen. Sie wurde nie laut, nie unverschämt. Sie hat Würde und Verantwortungsbewusststein. Leider ist sie schon in der zweiten Runde ausgeschieden.
Auch mit Ben Carson hätte ich gut leben können. Ein ebenso leise und bescheiden auftretender wie mitfühlender Mensch.
Unter den "wenigen" Kandidaten" der Demokraten gab es keinen und Clinton ist für mich eine Verbrecherin und Lügnerin der schlimmsten und gefährlichsten Sorte.
Auf die Frage, ob ich nun zufrieden bin muss ich antworten: Nein, diesmal habe ich Angst, was aus den USA wird. Sie wählen zwischen Pest und Cholera.
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Donnerstag, 5. Mai 2016
Sonntag, 21. Februar 2016
Von Päpstlichen Wänden und deutschen Brücken
Der Heilige Vater hat mal wieder eines dieser Interviews gegeben, welches mich mit offenem Mund vor meinem Schreibtisch sitzen lässt. Donald Trump so sagte er, sei kein Christ (nach anderer Übersetzung, "es sei nicht christlich, wenn jemand nur Mauern baue und keine Brücken"), weil Christen keine Mauern sondern Brücken bauten. Damit wolle er aber nicht in die amerikanische Politik mischen / er sei froh kein politischer Mensch zu sein. Vor der Wahl.
Als Pontifex Maximus - sicher eine plausible Argumentation. Irgendwo.
Historisch-sachlich gesehen ist es unwahr und unsinnig. Es klingt halt schön, das mit Mauern und Brücken.
Nicht so sehr das mit "kein Christ sein." - falls er das so gesagt hat. Und so titeln erwartungsgemäß manche Zeitungen: "Papst exkommuniziert Trump." Nun ist Trump m.W. Presbyterianer und kein Katholik, somit dürfte selbst das ihn nicht kümmern. Aber das Oberhaupt unserer Kirche ging ja weiter. Der Heilige Vater, welcher mit seinem Satz auf Versöhnung und Miteinander hinauswollte, der vor kurzem das Oberhaupt des Iran mit freundlichen Worten und "offenem Herzen" empfing obwohl dieser Homosexuelle, Vergewaltigungsopfer, Konvertiten hinrichten lässt und in seinen Worten Trumps Tiraden wie ein Aufruf zum Gruppenkuscheln aussehen lässt (zurecht regt sich Henryk Broder hier darüber auf), eben dieser Papst spricht einem Menschen sein Christsein, mindestens sein christliches Handeln ab.
Er stellt voran, dass er keinen Einfluß nehmen will - aber als geistiges Oberhaupt auch der US Katholiken ist ihm bewusst, dass so eine Äußerung eine klare Ansage an eben diese potentiellen Wähler ist. Er nimmt Einfluß. Oder er versucht es zumindest, denn die meisten lateinamerikanischen US Bürger, welche ja die Mehrheit der Katholiken dort stellen, werden ihn ohnehin nicht wählen - aber vielleicht einige der "Iren" und "Franzosen" unter ihnen.
Aber was ist nun mit Brücken und Mauern? Mal abgesehen davon, dass Mauern im Laufe der Christentumsgeschichte sehr wohl gebaut wurden, existierten und mehr als einmal als sehr nützlich
empfunden wurden - Mauern haben Tore. Diese erfüllen die gleiche Funktion wie Brücken. So wie wir Flüsse umleiten und einfrieden, an seinen Seiten Flutschutzwälle (ein naher Verwandter der Mauer) errichten, so bauen wir Brücken um überzusetzen und andere zu uns zu lassen. So wie wir die Tore einer Mauer verschließen können und
manchmal müssen, so können wir Brücken sperren oder einreißen, wenn es sein muss.
Ich halte nicht viel von Trump, seiner Rhetorik und seine geäußerten Überzeugungen kaufe ich ihm z.T. nicht ab. Aber für seine Rhetorik gegenüber Schutzversuchen gegen illegale Einwanderung ihm seine Christlichkeit abzusprechen...
Nebenbei: Clinton, Bush und Obama haben alle drei ihren Anteil an der Befestigung der Grenze und dem Ausbau der Überwachungsanlagen. Alles keine Christen über den Bau der Zäune?
In Israel ist das mit der Christlichkeit ja eine Minderheitenangelegenheit - aber eine Mauer wurde dort auch gebaut. Seitdem ist die Zahl der Anschläge (bis zur aktuellen Messerattackenwelle) dramatisch zurückgegangen und damit auch die Zahl der Todesopfer. Ist das eine schlechte Sache?
Und eine zweite Mauer spielt bis heute eine zentrale Rolle - eine der Mauern des Tempels, die berühmte Klagemauer.
Ohne Mauern wäre Konstantinopel früher, wäre Wien schon beim ersten Mal, wäre Europa in der Folge, und am Ende wäre der Vatikan gefallen. Gut möglich, dass es dann heute gar keinen Katholizismus mehr gäbe, oder dass unser heutiges Christentum in dieser Form gar nicht mehr existieren würde.
Vielleicht meinte er es anders als er es sagte. Allerdings habe ich den Satz im Zusammenhang mit dem Heiligen Vater schon so oft in so vielen Zusammenhängen gehört, dass er seinen Effekt verliert.
Vielleicht war die Übersetzung übertrieben.
Wenn es ihm um Brücken ginge, warum mauert er hier? Um Sun Tzu zu bemühen: eine öffentliche Kritik an einem Anführer wird nicht fruchten, aber unter vier Augen kann manches Wort das Herz berühren.
Als Pontifex Maximus - sicher eine plausible Argumentation. Irgendwo.
Historisch-sachlich gesehen ist es unwahr und unsinnig. Es klingt halt schön, das mit Mauern und Brücken.
Nicht so sehr das mit "kein Christ sein." - falls er das so gesagt hat. Und so titeln erwartungsgemäß manche Zeitungen: "Papst exkommuniziert Trump." Nun ist Trump m.W. Presbyterianer und kein Katholik, somit dürfte selbst das ihn nicht kümmern. Aber das Oberhaupt unserer Kirche ging ja weiter. Der Heilige Vater, welcher mit seinem Satz auf Versöhnung und Miteinander hinauswollte, der vor kurzem das Oberhaupt des Iran mit freundlichen Worten und "offenem Herzen" empfing obwohl dieser Homosexuelle, Vergewaltigungsopfer, Konvertiten hinrichten lässt und in seinen Worten Trumps Tiraden wie ein Aufruf zum Gruppenkuscheln aussehen lässt (zurecht regt sich Henryk Broder hier darüber auf), eben dieser Papst spricht einem Menschen sein Christsein, mindestens sein christliches Handeln ab.
Er stellt voran, dass er keinen Einfluß nehmen will - aber als geistiges Oberhaupt auch der US Katholiken ist ihm bewusst, dass so eine Äußerung eine klare Ansage an eben diese potentiellen Wähler ist. Er nimmt Einfluß. Oder er versucht es zumindest, denn die meisten lateinamerikanischen US Bürger, welche ja die Mehrheit der Katholiken dort stellen, werden ihn ohnehin nicht wählen - aber vielleicht einige der "Iren" und "Franzosen" unter ihnen.
| Vatikanisches Museum von außen. Quelle:viel-unterwegs.de |
empfunden wurden - Mauern haben Tore. Diese erfüllen die gleiche Funktion wie Brücken. So wie wir Flüsse umleiten und einfrieden, an seinen Seiten Flutschutzwälle (ein naher Verwandter der Mauer) errichten, so bauen wir Brücken um überzusetzen und andere zu uns zu lassen. So wie wir die Tore einer Mauer verschließen können und
| Engelsburg - eigentlich ein Grab, lange befestigter Wohnsitz des Papstes |
Ich halte nicht viel von Trump, seiner Rhetorik und seine geäußerten Überzeugungen kaufe ich ihm z.T. nicht ab. Aber für seine Rhetorik gegenüber Schutzversuchen gegen illegale Einwanderung ihm seine Christlichkeit abzusprechen...
Nebenbei: Clinton, Bush und Obama haben alle drei ihren Anteil an der Befestigung der Grenze und dem Ausbau der Überwachungsanlagen. Alles keine Christen über den Bau der Zäune?
In Israel ist das mit der Christlichkeit ja eine Minderheitenangelegenheit - aber eine Mauer wurde dort auch gebaut. Seitdem ist die Zahl der Anschläge (bis zur aktuellen Messerattackenwelle) dramatisch zurückgegangen und damit auch die Zahl der Todesopfer. Ist das eine schlechte Sache?
Und eine zweite Mauer spielt bis heute eine zentrale Rolle - eine der Mauern des Tempels, die berühmte Klagemauer.
Ohne Mauern wäre Konstantinopel früher, wäre Wien schon beim ersten Mal, wäre Europa in der Folge, und am Ende wäre der Vatikan gefallen. Gut möglich, dass es dann heute gar keinen Katholizismus mehr gäbe, oder dass unser heutiges Christentum in dieser Form gar nicht mehr existieren würde.
Vielleicht meinte er es anders als er es sagte. Allerdings habe ich den Satz im Zusammenhang mit dem Heiligen Vater schon so oft in so vielen Zusammenhängen gehört, dass er seinen Effekt verliert.
Vielleicht war die Übersetzung übertrieben.
Wenn es ihm um Brücken ginge, warum mauert er hier? Um Sun Tzu zu bemühen: eine öffentliche Kritik an einem Anführer wird nicht fruchten, aber unter vier Augen kann manches Wort das Herz berühren.
Donnerstag, 28. Januar 2016
Ein Platz für Historiker
Selten äußern sich Historiker derzeit zu den Entwicklungen der Gesellschaft und Politik, die ja unser Berufsstand abgleichen könnte mit den Entwicklungen der Vergangenheit - oder vielmehr unserem Forschungsstand darüber. Mitunter ist das ganz gut so, sind sie ja auch allzu oft instrumentalisiert worden oder haben sich mit einer Sache gemein gemacht und darauf ihre Ergebnis hinarbeiten lassen. Auch heute findet sich dieses Verhalten oft genug.
Auf der anderen Seite sind Historiker wie Demandt und Baberowski dringend nötig, die in einer rein emotionalen Debatte versuchen mit sachlicher Argumentation die Definitionen wieder richtig zu stellen und vor eventuellen Folgen, mittels der Lektionen der Geschichte zu warnen. Oft eher mit kassandrischem Erfolg. Während Zweiterer aber einen offensiven Schritt ging und sein Anliegen in der breiten Öffentlichkeit vertrat, hat ersterer schlicht seine Arbeit im Rahmen eines kaum gelesenen Blättchens tätigen wollen und erst auf die Missachtung der Grundregeln wissenschaftlichen Arbeitens, seiner Zensur (anders lässt sich die geäußerte Kritik die zur Ablehnung führte nicht nennen), einen weiteren Schritt gemacht.
Jetzt hat sich ein anderer Historiker der deutschen Geschichte zu Wort gemeldet. Fritz Stern wird vielleicht dem ein oder anderen Leser bekannt sein, da er die jüngere deutsche Geschichte im Blick hat. Der mittlerweile fast 90 Jahre alte Gelehrte hat bis vor wenigen Jahren immer wieder Gastvorträge und Gastprofessuren in Deutschland gehalten, und wird allgemein als beruhigende Stimme während der Diskussion um die Wiedervereinigung 1989 gehandelt.
Aber er ist auch, dass sagt er selbst von sich, ein sehr emotionaler Mensch, der sich hinreißen lässt zu Schnellschüssen und Verallgemeinerungen. So hatte er nach der Zeit des Nazi Regimes, vor dem er und seine jüdische Familie flüchten mussten bzw. mehrere Mitglied der Familie in den KZs umgebracht wurden, einen generellen Hass auf Deutsche entwickelt.
Auf der anderen Seite ist er auch bereit, diese Sichtweisen in Frage zu stellen - so wich sein Hass durch die Teilnahme an der Gedenkfeier zum 10. Jahrestag des Attentats auf Hitler am 20.7. 1944 (das sog. Stauffenbergattentat). Dort sah er die zweite Reihe der Opfer der Vergeltung: die Familien und Hinterbliebenen der Verschwörer.
Man kann also sagen, Fritz Stern ist ein sehr menschlicher Historiker, was gerade in der Neuzeit zwar schön zu sehen, fachlich aber mitunter hinderlich sein kann. Umso frustrierender finde ich, dass angesichts der aktuellen und brennenden europäischen Themen (von der Ukraine und Griechenland über die Islamisierung hin zu Flüchtlingen und der EU als moderner Staatenbund) Fritz Stern sich in deutschen Medien zum US Wahlkampf äußert - und dies auch noch recht polemisch.
Nicht, dass ich ihm in dieser Bewertung Trumps widersprechen wöllte. Das entspricht sogar sehr meinem Eindruck - allerdings habe ich kaum Informationen über Trump als jene, die in den Zeitungen und Nachrichtensendern lanciert werden und kenne ihn weder persönlich, noch stehen mir Aussagen aus seinem direkten Umfeld zur Verfügung. Auch von Stern ist mir nicht bekannt, dass er zu den großen Trump Kennern zählen würde, aber sei es drum.
Der Rundumschlag, die "Verdummung der Amerikaner"und diese auch noch als belegt anzusehen ist allerdings eine Polemik, die eines Historikers zumindest auf dieser Ebene unwürdig bleibt. Zumal die Alternativen großteils ebenso erbärmlich abschneiden. Frau Clinton schneidet weder in Sachen Geld, Moral oder Respekt besser ab - vielmehr ist sie auch noch verschiedener Verbrechen verdächtig und Gegenstand von ihr massiv manipulierter Untersuchungen.
Die Bucherfilmung "13 hours", die am 4.2. in die Kinos in Deutschland kommt, thematisiert am Rande auch ihre Rolle beim Terroranschlag auf das Konsulat in Benghazi 2012 zum Jahrestag von 9/11, welchen sie dann als Reaktion auf die Billigproduktion "Innocence of Muslims" verkaufte.
Und diese beiden Kandidaten sind die medial meistbeachteten Vertreter ihrer Parteien - Cruz und Sanders die jeweiligen Alibi-Gegner. Dabei haben bzw. hatten auch beide Parteien sehr vernünftige Stimmen anzubieten und solche die vielleicht in dem ein oder anderen Punkt bemerkenswerte Positionen vertreten, aber insgesamt kompetent bleiben - so wie Obama, den Stern ob seiner Politik feiert.
Und hier gehen unsere Analysen weit auseinander: Stern ist von Obamas kriegsferne begeistert.
Andere Analysen gehen davon aus, dass Obama durch die Drohnen ebenso viel Mord und Leid hervorgebracht hat, wie die üblichen konventionellen Einsätze, sein Abzug aus dem Irak verfrüht und überhastet war, die Lage in Afghanistan den Abzug ebenfalls nicht rechtfertigte, seine Diplomatie der offenen Hand den "arabischen Frühling" mithalf zu einem Winter werden zu lassen, die Tatenlosigkeit in Syrien zur jetzigen Katastrophe beitrug und der Einsatz in Libyen ohne Einsatz von Bodentruppen und einer anschließenden Lösung zu dem Machtvakuum geführt hat, in welches Islamisten und Milizen so erfolgreich hineinstießen.
In Ägypten unterstützte er die Muslimbruderschaft, als diese an der Macht war und ignorierte deren Bestreben in die Verfassung die Scharia einzubringen und Frauen wie Andersgläubige und -denkende weiter zu diskriminieren. Zu seinem Beraterstab zählt mindestens ein Mitglied von CAIR, einer Organisation die von Muslimbrüdern in den USA gegründet wurde und noch immer dementsprechende Kontakte unterhält.
Die Sicherheitsbehörden in den USA mussten unter ihm eine Sprachpolitik erlernen, die schon weit jenseits von political correctness liegt. Obama ist der Präsident, der zwei Wochen nach den Novemberanschlägen von Paris dort stand und einen weiteren Terroranschlag in Kalifornien als Amoklauf darstellte und gegenüber den Medien behauptete: sowas gäbe es nur in den USA.
Wer behauptet, Historiker würden zwangsläufig aus der Geschichte lernen, der vergisst, dass wir auch nur Menschen sind.
Auf der anderen Seite sind Historiker wie Demandt und Baberowski dringend nötig, die in einer rein emotionalen Debatte versuchen mit sachlicher Argumentation die Definitionen wieder richtig zu stellen und vor eventuellen Folgen, mittels der Lektionen der Geschichte zu warnen. Oft eher mit kassandrischem Erfolg. Während Zweiterer aber einen offensiven Schritt ging und sein Anliegen in der breiten Öffentlichkeit vertrat, hat ersterer schlicht seine Arbeit im Rahmen eines kaum gelesenen Blättchens tätigen wollen und erst auf die Missachtung der Grundregeln wissenschaftlichen Arbeitens, seiner Zensur (anders lässt sich die geäußerte Kritik die zur Ablehnung führte nicht nennen), einen weiteren Schritt gemacht.
Jetzt hat sich ein anderer Historiker der deutschen Geschichte zu Wort gemeldet. Fritz Stern wird vielleicht dem ein oder anderen Leser bekannt sein, da er die jüngere deutsche Geschichte im Blick hat. Der mittlerweile fast 90 Jahre alte Gelehrte hat bis vor wenigen Jahren immer wieder Gastvorträge und Gastprofessuren in Deutschland gehalten, und wird allgemein als beruhigende Stimme während der Diskussion um die Wiedervereinigung 1989 gehandelt.
Aber er ist auch, dass sagt er selbst von sich, ein sehr emotionaler Mensch, der sich hinreißen lässt zu Schnellschüssen und Verallgemeinerungen. So hatte er nach der Zeit des Nazi Regimes, vor dem er und seine jüdische Familie flüchten mussten bzw. mehrere Mitglied der Familie in den KZs umgebracht wurden, einen generellen Hass auf Deutsche entwickelt.
Auf der anderen Seite ist er auch bereit, diese Sichtweisen in Frage zu stellen - so wich sein Hass durch die Teilnahme an der Gedenkfeier zum 10. Jahrestag des Attentats auf Hitler am 20.7. 1944 (das sog. Stauffenbergattentat). Dort sah er die zweite Reihe der Opfer der Vergeltung: die Familien und Hinterbliebenen der Verschwörer.
Man kann also sagen, Fritz Stern ist ein sehr menschlicher Historiker, was gerade in der Neuzeit zwar schön zu sehen, fachlich aber mitunter hinderlich sein kann. Umso frustrierender finde ich, dass angesichts der aktuellen und brennenden europäischen Themen (von der Ukraine und Griechenland über die Islamisierung hin zu Flüchtlingen und der EU als moderner Staatenbund) Fritz Stern sich in deutschen Medien zum US Wahlkampf äußert - und dies auch noch recht polemisch.
Der Historiker Fritz Stern sieht den amerikanischen Präsidentschaftsbewerber Donald Trump als Beleg für die Verdummung der Amerikaner. „Trump ist das beste Beispiel von der Verdummung des Landes und von der entsetzlichen Rolle des Geldes. Ein absolut amoralischer Kerl, der mit Geld und Ignoranz protzt“, sagte Stern der dpa.
Nicht, dass ich ihm in dieser Bewertung Trumps widersprechen wöllte. Das entspricht sogar sehr meinem Eindruck - allerdings habe ich kaum Informationen über Trump als jene, die in den Zeitungen und Nachrichtensendern lanciert werden und kenne ihn weder persönlich, noch stehen mir Aussagen aus seinem direkten Umfeld zur Verfügung. Auch von Stern ist mir nicht bekannt, dass er zu den großen Trump Kennern zählen würde, aber sei es drum.
Der Rundumschlag, die "Verdummung der Amerikaner"und diese auch noch als belegt anzusehen ist allerdings eine Polemik, die eines Historikers zumindest auf dieser Ebene unwürdig bleibt. Zumal die Alternativen großteils ebenso erbärmlich abschneiden. Frau Clinton schneidet weder in Sachen Geld, Moral oder Respekt besser ab - vielmehr ist sie auch noch verschiedener Verbrechen verdächtig und Gegenstand von ihr massiv manipulierter Untersuchungen.
Die Bucherfilmung "13 hours", die am 4.2. in die Kinos in Deutschland kommt, thematisiert am Rande auch ihre Rolle beim Terroranschlag auf das Konsulat in Benghazi 2012 zum Jahrestag von 9/11, welchen sie dann als Reaktion auf die Billigproduktion "Innocence of Muslims" verkaufte.
Und diese beiden Kandidaten sind die medial meistbeachteten Vertreter ihrer Parteien - Cruz und Sanders die jeweiligen Alibi-Gegner. Dabei haben bzw. hatten auch beide Parteien sehr vernünftige Stimmen anzubieten und solche die vielleicht in dem ein oder anderen Punkt bemerkenswerte Positionen vertreten, aber insgesamt kompetent bleiben - so wie Obama, den Stern ob seiner Politik feiert.
Und hier gehen unsere Analysen weit auseinander: Stern ist von Obamas kriegsferne begeistert.
Andere Analysen gehen davon aus, dass Obama durch die Drohnen ebenso viel Mord und Leid hervorgebracht hat, wie die üblichen konventionellen Einsätze, sein Abzug aus dem Irak verfrüht und überhastet war, die Lage in Afghanistan den Abzug ebenfalls nicht rechtfertigte, seine Diplomatie der offenen Hand den "arabischen Frühling" mithalf zu einem Winter werden zu lassen, die Tatenlosigkeit in Syrien zur jetzigen Katastrophe beitrug und der Einsatz in Libyen ohne Einsatz von Bodentruppen und einer anschließenden Lösung zu dem Machtvakuum geführt hat, in welches Islamisten und Milizen so erfolgreich hineinstießen.
In Ägypten unterstützte er die Muslimbruderschaft, als diese an der Macht war und ignorierte deren Bestreben in die Verfassung die Scharia einzubringen und Frauen wie Andersgläubige und -denkende weiter zu diskriminieren. Zu seinem Beraterstab zählt mindestens ein Mitglied von CAIR, einer Organisation die von Muslimbrüdern in den USA gegründet wurde und noch immer dementsprechende Kontakte unterhält.
Die Sicherheitsbehörden in den USA mussten unter ihm eine Sprachpolitik erlernen, die schon weit jenseits von political correctness liegt. Obama ist der Präsident, der zwei Wochen nach den Novemberanschlägen von Paris dort stand und einen weiteren Terroranschlag in Kalifornien als Amoklauf darstellte und gegenüber den Medien behauptete: sowas gäbe es nur in den USA.
Wer behauptet, Historiker würden zwangsläufig aus der Geschichte lernen, der vergisst, dass wir auch nur Menschen sind.
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