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Donnerstag, 28. Juli 2016

Gelebte Märchenwelt

Drei Märchen bzw. Geschichten scheinen dieser Tage wahr zu werden - oder müssten dringend den Kleinsten vermehrt vorgelesen werden.
Des Kaisers neue Kleider
Die drei kleinen Schweinchen (man sehe mir die Disney Version nach, ich fand keine andere auf die Schnelle)
 Kleider machen Leute

Alle drei Geschichten sind wohlbekannt und werden oft verfilmt, vorgelesen und vertont. Aber die darin enthaltenen Lehren werden nicht umgesetzt. Darum gehe ich davon aus, dass sie nicht verstanden werden.
Gemein ist allen Dreien die Bedeutung der Taten. Was unternehmen die Menschen gegenüber dem, was sie von sich geben.
Die Betrüger im Märchen um des Kaisers Kleider behaupten, sie seien in der Lage, das beste und schönste an Kleidung herzustellen, dass man sich nur vorstellen könne und darüber hinaus, aber nur Intelligente Menschen könnten es sehen.
Natürlich wird dies auch so verbreitet und nicht etwa als geheimer Intelligenztest genutzt, und so will keiner dumm da stehen. Alle spielen mit und den Betrügern somit in die Hände. Das Märchen endet gut, die Unschuld überzeugt in Gestalt eines Kindes, der Kaiser geht gegen niemanden vor und das Volk unternimmt trotz des Sturkopfes des Kaisers nichts. Am Ende ist der Schaden zwar da - dieser aber längst nicht so schlimm, so scheint es.

In den drei kleinen Schweinchen bauen zwei Schweinchen ihre Häuser aus billigem, schnell zu verarbeitendem Material - und werden von dem nach ihrem Leben trachtenden Wolf obdachlos gemacht. Erst beim dritten Schwein finden sie Sicherheit, der hatte sein Haus mit viel Mühe und Aufwand und unter dem Gelächter der anderen aus Stein erbaut. Beim Versuch trotzdem an seine Beute zu kommen gerät der Wolf in eine Falle und wird von seinen vermeintlichen Opfern getötet.

Kleider machen Leute ist eigentlich eine Verwechslungs- und weniger eine Betrugskomödie. Ein Schneider wird irrtümlich für einen Grafen gehalten. Da er sich kurz vor der Aufklärung der Lage verliebt, lässt er alle in dem Glauben. Weder mangelndes Benehmen noch die unzureichende Sprache spielen angesichts der Verbreitung seiner vermeintlichen sozialen Stellung eine Rolle.
Er wird verraten und flieht. Doch seine Geliebte und Verlobte findet ihn, stellt ihn zur Rede und kämpft für und um ihn. Am Ende geht auch diese Geschichte gut aus, der Schneider beweist aufrechte Gefühle und Talent in seinem Beruf.

Alle Geschichte könnten direkt aus unserer Zeit und unseren Verhältnissen stammen. Der Gruppenzwang - keiner will als Rechter dastehen und die wenigen die trotzdem etwas tun werden entsprechend angefeindet.
Äußerlichkeiten und Gruppenbindung, die trotz mangelnder Eignung für den Stand dazu führen, dass man in Amt und Würde bleibt. Damit meine ich keineswegs nur die Fälle von Anmaßung, wie jüngst bei einer SPD-Abgeordneten. In Politik und Medienlandschaft scheint es oft zu genügen, nach Außen erfahren, intelligent und vorbereitet zu erscheinen - auch wenn man absolut inkompetent, faul, dumm oder verdorben ist - oder gar mehreres bis alles zusammen. Das sich ein Haufen Laien mit lebenswichtigen Dingen unseres Alltages beschäftigt und darüber bestimmt ist das Eine - dass diese aber weder Sorgfalt noch Gewissen an den Tagen legen etwas völlig Anderes.

Und schließlich wird viel Aufhebens gemacht um Gesetze und Behörden zu schaffen, die unser Leben besser machen sollen, aber in Wirklichkeit nichts als Strohhütten  und grob zusammen genagelte Bretterbuden sind. Solche, die lieber auf Nummer sicher gehen wollen und dafür auch bereit sind etwas auf sich zu nehmen werden verlacht. Am Ende wird die Bedrohung  vermutlich so weit gediehen sein, dass die Lachenden sich zu ihren Opfern flüchten. Ob diese ihnen dann helfen (können) wird sich zeigen.

Ein hervorragendes Beispiel ist der Anschlag von München.
Ein deutsch-Iraner lockt nach einem Jahr Planung seine Opfer zu einem McDonalds und erschießt neun Opfer und verletzt mindestens 14 weitere. Er wird gefilmt, u.a. wie er mit einem ziemlich unverblümt redenden Mann über zwei Dächer hinweg streitet. Kurz nach der Tat wird ein junger Afghane verhaftet, der scheinbar über Tat und Vorhaben informiert war.

I. Rechtsextremer

Heute erschien nun in der FAZ die Nachricht, es handelte sich bei dem Täter um einen Rechtsextremisten.
Aha.
Mal sehen, was das bedeuten soll. Nach der Bundeszentrale für politische Bildung (BpB)
Rechtsextremisten lehnen die freiheitlich-demokratische Grundordnung ab und wollen − auch unter Anwendung von Gewalt − ein autoritäres oder gar totalitäres staatliches System errichten, in dem nationalistisches und rassistisches Gedankengut die Grundlage der Gesellschaftsordnung bilden sollen. 
und weiter
Das rechtsextreme Weltbild ist gekennzeichnet durch Nationalismus, Fremdenfeindlichkeit, völkische Ideologie, Antisemitismus, Geschichtsklitterung, einhergehend mit der Verherrlichung des NS-Regimes und Relativierung bis zur Leugnung des Holocaust, Diffamierung und Ablehnung des demokratischen Rechtsstaats und seiner Institutionen. Nach einer Definition des Bundesverfassungsschutzes ist ''Rechtsextremismus in Deutschland nicht ideologisch homogen. Eine Überbewertung ethnischer Zugehörigkeit und eine gegen den Gleichheitsgrundsatz gerichtete Fremdenfeindlichkeit sind allerdings bei allen Rechtsextremisten festzustellen.'

Der Verfassungschutz bietet etwas ausführlicher an:

 Vielmehr tritt er in verschiedenen Ausprägungen nationalistischer, rassistischer und antisemitischer Ideologieelemente und mit unterschiedlichen, sich daraus herleitenden Zielsetzungen auf. Dabei herrscht die Auffassung vor, die Zugehörigkeit zu einer Ethnie, Nation oder Rasse entscheide über den Wert eines Menschen.
Neben diesen Ideologiefragmenten verbindet Rechtsextremisten in aller Regel ihr autoritäres Staatsverständnis, in dem der Staat und das nach ihrer Vorstellung ethnisch homogene Volk als angeblich natürliche Ordnung in einer Einheit verschmelzen. Gemäß dieser Ideologie der „Volksgemeinschaft“ sollen die staatlichen Führer intuitiv nach dem vermeintlich einheitlichen Willen des Volkes handeln.
Unverzichtbare Ideologieelemente für die überwiegende Mehrheit der deutschen Rechtsextremisten stellen der – offen, unterstellend oder verbrämt geäußerte – Antisemitismus und der Geschichtsrevisionismus dar. Letzteres steht für eine ideologisch motivierte Umdeutung historischer Tatsachen, die eine verfälschende Geschichtsbetrachtung propagieren. In den vergangenen Jahren hat das Aktionsfeld der „Islamfeindlichkeit“ als eine moderne Form der Fremdenfeindlichkeit für die rechtsextremistische Szene an Bedeutung gewonnen.

Und nun legen wir diese Merkmale, die selbst das nach linksneigende Laienlexikon Wikipedia anführt, an den Täter aus München an.

- Nationalist. Wissen wir nicht. Sein Vater ist Iraner, bislang haben wir von keinen Fahnen oder Devotionalien gehört, keine Zeugenaussagen und kein Video welches übermäßigen Nationalismus belegen würde
- Antisemitismus. Wissen wir nicht. Das gleiche wie im Fall des Nationalismus.
- Islamfeindlichkeit. Wissen wir nicht. War er selbst Muslim? Nicht bekannt, aber eine naheligende Möglichkeit angesichts der familiären Herkunft. Bleibt aber Spekulation. Bislang wurde nichts über Moscheebesuche bekannt und entsprechende Ausrufe finden sich ebenfalls nicht in den Zeugenaussagen.
- Faschismus. Wissen wir nicht. Aber es kommen Erkenntnisse an die Öffentlichkeit, nach der er Hitler verehrte. Er rühmte sich wohl damit am gleichen Tag geboren worden zu sein. Wie weit er sich mit einem autoritären und omnipräsenten Staat anfreundete ist nicht bekannt.
- Geschichtsrevisionismus. Wissen wir nicht. Auch bei der Pressekonferenz des bayrischen Innenministers Hermann kam dazu keine Information.
- Rassismus. Im Video hört man ihn auf Türken fluchen und sagen, er sei Deutscher und hier geboren. Die FAZ berichtet über Zeugenaussagen, er habe sich als Arier bezeichnet und gegenüber Türken und Arabern darum ein rassistisches Höherwertigkeitsgefühl aufgebaut. Seine Opfer stammen aus Albanien, der Türkei und scheinbar aus Europa (die Herkunft zweier Opfer wird interessanterweise nicht angegeben). Dies wird als Beleg angeführt, er hätte noch mehr Menschen töten können. Ausgelassen wird hier die Herkunft seiner überlebenden Opfer. Diese scheinen nicht zu zählen - auch nicht der Mordversuch an ihnen, denn die FAZ schreibt zynisch:
Für die Annahme, dass S. aus rassistischen Motiven heraus tötete, spricht auch, dass er mehr Menschen hätte umbringen können – er führte 300 Schuss Munition bei sich.
Auch die Betonung seiner Geburt in Deutschland im Abgleich mit den Geburtsorten seiner Opfer scheint die Journalisten, Politiker und Polizisten nicht zu beschäftigen. 
Rassismus ist kein Alleinstellungsmerkmal deutscher Rechtsextremisten (so heilsam dies für manchen Flecken dieser Erde wäre). Im Orient geht es da heiß her. Es folgen Pauschalisierungen - sie sind nicht allgemeingültig sondern beziehen sich auf stark verbreitete Denkweisen - oder besser Gefühle.
Türken hassen Kurden, Armenier, Araber und Israelis. Auch die Palästinenser sind nicht wirklich beliebt. Umgekehrt betrachten viele Araber die Türken mit Abscheu, blicken auf die Perser und Jemeniten herab. Unter Arabern wie den arabischen Nordafrikanern ist "Abu" noch immer verbreitet um Menschen dunkler Hautfarbe zu umschreiben - kürzer gesagt, Rassismus gegen Schwarze ist noch immer verbreitet und konnte während des arabischen Frühlings u.a. bei Lynchkommandos gegen Gastarbeiter beobachtet werden.
Wir wissen außerdem, dass der Täter von München als Mitwisser einen  jungen Afghanen hatte. Und an der Schule seinerseits inbesondere von Türken und Arabern gemobbt wurde. Dies klingt nicht nach dem bekannten ausländerfeindlichen Rassismus deutscher Extremisten.
Die Iraner (ich schreibe bewusst nicht Perser) haben sich auch in Sachen Hitler und Geschichtsrevisionismus hervorgetan. Längst vergessen der eindeutige Ausdruck dessen bei einem Freundschaftsspiel der iranischen gegen die deutsche Fußballnationalmannschaft 2004.
Zwar bemühte sich das deutsche Fernsehn, die speziellen Grüße so wenig als möglich zu zeigen und zu marginalisieren, ab 1:20 aber sind sie deutlich zu sehen.

Sind die Iraner Rechtsextremisten? Oder begegnen sich hier zwei Ideologien in einigen Gemeinsamkeiten, welche sie zu Verbündeten macht? Letzteres darf nicht besprochen werden. Vergleiche mit den Nazis sind außerhalb deutscher Reihen nicht erlaubt. Das machte die ARD klar, als sie im Kommentarbereich zu den Meldungen bzgl. Erdogans derzeitigen Aktion ankündigte, alle Vergleiche zu zensieren.


Angesichts dieses sehr differenzierten Hintergrundes ist die Bezeichnung Rechtsextremist für den Amokläufer von München mindestens so vorschnell, wie der Islamist. Doch gegen den wehren sich deutsche Medien und die "Aufrechten" deutlich, egal wie eindeutig die Sachlage ist.

Und das soll keineswegs die Gewalt- oder Tötungsbereitschaft Rechtsextremer in Frage stellen. Ob NSU, totgeprügelte Einwanderer, Bomben am Oktoberfest oder Brandstiftung an bewohnten Häusern - wir haben genug Beweise gesehen, dass Rechtsradikale zu mehr bereit sind, als erhobene rechte Arme und Revisionismus.


II. Schusswaffenmorde

In Nizza wurde ein LKW benutzt um 84 Menschen zu töten, dutzende weitere zu verletzen. Wie immer bei diesem Hintergrund der Anschläge erfahren wir wenig über das weitere Schicksal der Opfer. Sind alle durchgekommen, werden sie wieder vollständig gesund...?
Schon die Tatsache, dass dieses Tatmittel nicht zum ersten Mal benutzt wurde, sondern es eine ganze Reihe vorhergehender, nicht annähernd erfolgreicher Angriffe mit Fahrzeugen bspw. auf Weihnachtsmärkte gab wird kaum erwähnt und ist nahezu allen Menschen mit denen ich spreche unbekannt.
Die unmittelbar vorhergehende Tat, der Mord an einem Polizistenehepaar vor den Augen ihres kleinen Kindes mit Messer und Beil ist schon verdrängt. Die Bomben vom Flughafen Brüssel und den Tätern von Paris sind zur Nebensache verkommen, ebenso wie Axt und Messer des Würzburger Terroristen. In München wurde eine einzelne Pistole benutzt.
An dieser Stelle muss ich auch erneut auf den obigen Absatz zurückkommen.
Die Gesinnung des Täters könne man auch an den Opfern ablesen.
Für die Annahme, dass S. aus rassistischen Motiven heraus tötete, spricht auch, dass er mehr Menschen hätte umbringen können – er führte 300 Schuss Munition bei sich.
Meines Wissens führte der Täter diese 300 Schuss in seinem Rucksack mit. Je nachdem welche Pistole der Firma Glock bzw. welche Magazine er für diese Waffe besaß, konnte er bis 17 Schuss in die Waffe einführen und hintereinander verschießen. Ob er mehr als ein Magazin besaß und wenn ja, wie viele konnte ich bislang nicht herausfinden. Daher gehe ich von zweien aus. Das heisst, er hatte ca. 34 Schuss, von denen er 17 erst durch ein schnelles nachladen zuführen musste. Jeder, der glaubt, so ein Magazinwechsel sei eine naturgegebene Fähigkeit hat offensichtlich keine Ahnung - zumal unter Stress. Hier ein paar Videos von Profis und Semi-Profis des Schießsportes wie es geht, was man alles beachten muss, und wie es auch schief gehen kann. Bitte beachten: die Ausrüstung dieser Leute ist auf schnelle Magazinwechsel ausgelegt - der Täter von München hatte nichts dergleichen.
Trotzdem gelang es ihm, 9 Menschen, die meisten davon jung und vor ihm fliehend, zu erschießen und mindestens 14 weitere zu verletzen - die meisten vermutlich durch Treffer, darunter mindestens ein Kopfschuss.
Das Video, welches ihn vor dem Schnellrestaurant einfing, zeigt, wie er sehr schnell hintereinander mehrere Schüsse abgibt und davon treffen nach Rekonstruktion mehrere, auch tödlich.
Hatte er nicht mehr als zwei Magazine, so hätte er diese erst wieder befüllen müssen. Ein durchaus aufwendiger Vorgang, der am besten in Ruhe vollzogen wird. Ober dies bei seinem Rückzug vorhatte oder schon tat ist mir nicht bekannt.
Wären alle 300 Schuss in Magazinen gewesen, so hätte er  etwa 18 Magazin gebraucht. In seinem Rucksack wären diese trotzdem nur umständlich zu erreichen gewesen.
Es ist ausgesprochen zynisch, welt- und sachfremd zu behaupten, er hätte trotz der großen Zahl an Munition in seinem Rücksack darauf verzichtet, mehr Menschen umzubringen und dies als Beweis für seinen Rassismus anzuführen.

Die Waffe selbst wird thematisiert und besonders unser ehemaliger Umweltminister Gabriel, der jetzt den Vizekanzler mimt, fordert schärfere Gesetze.
Die Waffe wurde illegal reaktiviert.
Die vorausgehende Deaktivierung erfolgte nicht nach deutschen Maßstäben, die seit mehreren Jahren gelten und irreversibel sind.
Die Waffe wurde illegal über das Darknet besorgt.
Die Munition wurde auf dem gleichen Weg ebenso illegal besorgt.
Auch hier gilt: jemand ohne Ahnung will lediglich so tun, als wäre er besorgt um unser Wohl und würde aktiv. In Wahrheit ist dies nur Aktionismus, der absolut nichts bringt, außer den Legalwaffenbesitzern, die nach allen Polizei- und Geheimdienstberichten keine Gefahrenquelle sind,  das Leben zu erschweren und ihre Freiheit zu beschneiden.
Mehr deutsche Gesetze verhinderten diese Tat bestimmt nicht.

 

III. Islamist? Nicht doch....

In Nizza, Würzburg und Ansbach wurde jedesmal jeder der kurz nach der Tat von Islamisten sprach als islamfeindlicher, vorurteilsbehafteter Rechter dargestellt. Journalisten bemühten sich in allen Fällen Entschuldigungen und andere Motive aufzutun oder sogar zu kreieren. Ob Petra Sorge im Cicero den Schlachtruf des Massenmörders von Nizza versuchte zu leugnen und dabei die Glaubwürdigkeit der Tatzeugen (durch das Trauma selbst Opfer) absprach, Artikel in allen größeren Zeitungen und Zeitschriften über "was wir nicht wissen" oder die vielen Schreiber, welche dem Attentäter von Würzburg selbst nach einer riesigen Latte an Beweisen lieber eine Geisteskrankheit als Ursache unterjubelten nur um unmittelbar darauf durch ein Bekennervideo auf einer IS Plattform als Entschuldiger und Verharmloser entlarvt zu werden. Oder die Versuche u.a. der heute show u.a. durch den #ISbekenntsich die Beanspruchungen des Terrorstaates lächerlich und unglaubwürdig zu machen - nur um in besagte Bekennervideofalle zu laufen und selbst den letzten Rest Glaubwürdigkeit zu verlieren.
Anders als dargestellt beansprucht der IS eben keineswegs alles, was derzeit an Anschlägen passiert. Fast alle von ihm beanspruchten Attentate konnten auch zu ihm zurückgeführt werden. Viele davon durch Bekennervideos. Zum Anschlag von München erfolgte ebenfalls schnell eine Reaktion - aber keine Beanspruchung, sondern "lediglich" Glückwünsche.
Auch die Beschäftigung mit dem IS dabei fällt unter den Tisch. Ich halte die Diskussion rund um die Beanspruchungen darum für eine weitere Ablenkung. Ob islamistisch aus eigener Radikalisierung, ob für Al Quaida, Al Nusra oder eben den IS - der Hintergrund bleibt gleich.
Angesichts der langen Reihe gelungener islamistischer Anschläge in den letzten Jahren ist der zynische Humorversuch der Medien dementsprechend widerliche Ablenkungs- und Entschuldigungspolitik, um sich der Diskussion und den sicherlich ebenfalls aufziehenden extremen Haltungen entgegen zu stellen.
Auch das Credo "das hat nichts mit dem Islam zu tun" war zu hören - allerdings erst als letzte Ausweichsstrategie, wenn die Verleugnung der Morde selbst versagt hatte.
Der youtuber "Kraut and Tea" legt (auf englisch aber mit deutschen Screenshots bzw. in einem leider sehr von Tonproblemen geplagten Gespräch mit einem anderen youtouber) sehr ausführlich dar, wie die lokale Presse nach der Explosion von Ansbach erstmal versuchte, "harmlose" Erklärungen zu finden. Dünger- und Gasexplosion wurden aufgefahren. Auf Twitter hofften unterdessen die Realitätsfremden, dass es sich um einen rechtsradikalen Anschlag gehandelt haben möge.

Soweit also die Verweigerung des Offensichtlichen. Die Presse tritt nackt zur Parade an, das Volk wagt kaum etwas zu sagen, auch wenn es nur allzu deutlich ist, dass der Kaiser ungleidet auftritt.
Lediglich gegen Künast, die MdB, welche der Polizei vorwarf, den sie angreifenden Terroristen nicht "kampfunfähig" geschossen zu haben, traf ein wenig Widerstand.
Natürlich treten auch wieder allerhand Experten auf. Gewandet in die vermeintliche Reputation, ihre Ämter, welche sie ohne jeglichen Eignungsnachweis bekommen konnten oder einfach ihrer Bekanntheit erklären sie uns, wie die Welt funktioniert. Warum wir selbst schuld sind, dass wir unser Leben nicht verändern lassen dürfen, dass jede Angst und jede Äußerung, etwa die von Comedian Mario Barth direkt "fischen am rechten Rand ist".
 Auch hier blamiert sich die Presse gnadenlos. Mario Barth hatte einen Text gepostet. Wer den Komiker kennt, weiß, er behauptet nicht von sich gebildet oder besonders intelligent zu sein. Im Gegenteil. Seine Art ist recht einfach gehalten. Nun schrieb er
Es wird immer schwieriger zu schreiben, wie man etwas empfindet, da man entweder dann ein "Hetzer", ein "Angstverbreiter", ein "Natzi", ein "Publizist" oder ein "Idiot" ist. Ich versuche es trotzdem. Ich verstehe die Welt momentan nicht!!! Unserer Innenminister, der sehr "sympathische" Thomas de Meiziere, sagt so etwas wie"...alles soweit in Ordnung bla bla..." oder so etwas wie "...wenn ich Ihnen alles sagen würde, würde Sie das beunruhigen bla bla" Erst Würzburg, jetzt München, vorher Nizza. Was kommt denn als nächstes?? Ich weiß ich bin eigentlich für Comedy zuständig. Ich werde immer wieder gefragt, ob es auch andere Momente gibt. Ja, dieser!!! Ich bin sprachlos.
Über Form und Rechtschreibung kann man diskutieren (irgendwann werde auch ich meine Text korrektur lesen bevor ich sie absende...) - inhaltlich ist es eine klare Bestandsaufnahme die von der Reaktion seines Kollegen Michael Mittermeiers und der Presse denn auch prompt bestätigt wird.
Mittermeier
 Ich bin auch sehr geschockt von den aktuellen schlimmen Ereignissen der letzten Wochen, und ich teile mit Euch diesen Post von Mario Barth, weil er gut zur Diskussion „Wo sind die Grenzen in der Comedy?“ passt. Nämlich für mich hier! Danke, dass sich Mario selbstlos zur Verfügung stellt – es könnte auch heißen: „Mario Barth deckt sich auf.“ Wie dieser Post geschrieben ist, gespickt mit Best-Of-Besorgte-Bürger-Floskeln, das nennt man Fan-Fischen am billigen Rand. Damit ist er in einer romantischen Linie mit Horst Seehofer: „Es soll keinen Komiker rechts von mir geben.“ (...)
Er rät seinem Kontrahenten u.a. einem Spruch seiner eigenen Marke zu folgen und "die Fresse zu halten".
Er macht also genau das, was Barth beklagt - er macht aus dessen offen geäußerten Gefühlen eine Rechte, eigentlich Rechtsradikale Gesinnung.
Die Presse bejubelt ihn dafür. Die Huffington Post zeigt ihrerseits die Geisteshaltung ihrer Redakteure. Unter dem Titel "Nach Mario Barths Hetz-Post: So genial weist ihn Michael Mittermeier zurecht" bezieht sie Stellung.
Barth "hetzt" und Mittermeier "weist zurecht". Früher hätte eine Belehrung unter Komikern vielleicht eine Debatte darüber ausgelöst, ob dies unter erwachsenen Menschen nicht eine arrogante Haltung wäre - heute ist es Grund zu jubeln, zumindest wenn die "richtige" Meinung vertreten wird.
Das auch Mittermeier nicht faktenfest ist und in all seinem Bemühen Barth als dumm darzustellen selbst neben dem ein oder anderen Fehler im Text dann sich widerspricht und von einer durchtriebenen Marketingstrategie ausgeht - Nebensache.
Mich persönlich stört der mangelnde Widerspruch gegen Mittermeiers Behauptung unser Innenminister kämpfe an vorderster Front. Das ist die wirkliche Menschenverachtung. Die Frontlinie, das ist dort, wo Terroristen Menschen massakrieren. Die Opfer und die potentiellen Opfer, DIE stehen an der Frontlinie. Die Polizisten, die den Terroristen "kampfunfähig schießen" sollen und Wohnungen mit möglichen Sprengfallen stürmen, die damit leben müssen ein Leben genommen zu haben oder selbst dem Tod ins Auge blicken, die durch Ströme aus Blut und über Berge aus Leichen und Verletzten ins Bataclan klettern um gegen Schwerbewaffnete zu kämpfen; Rettungskräfte die ein weinendes kleines Mädchen auf der Leiche seiner Mutter im Brüsseler Flughafen sitzen lassen müssen, während sie denen helfen, denen noch zu helfen ist - DAS sind die Menschen an vorderster Front.
Vor wenigen Tagen wurde ein interner Bericht veröffentlicht, nachdem die Beamten, die das Bataclan stürmten sich übergeben mussten. Die Opfer der Terroristen wurden nicht einfach ermordet. Die Beamten fanden verstümmelte Leichen (Menschen mit schwachem Magen bitte zum nächsten Absatz springen, ich lasse Raum). Die Mörder hatten nicht, wie anfänglich berichtet, sich stundenlang mit Exekutionen aufgehalten. Sie hatten gefoltert. Die Beamten fanden herausgepulte Augen. Männern waren die Geschlechtsteile abgeschnitten und in den Mund gestopft worden. Frauen waren mit scharfen Gegenständen vergewaltig worden oder ihre Genitialien wurden mit scharfen Gegenständen verstümmelt. Darum wurden verschiedene Leichen den Familien nicht übergeben bzw. gezeigt, bevor man sie beerdigte.
Mittermeier (l.) und Barth. Quelle: Focus




Dieses Bild verfolgt mich, seitdem ich davon las. Ich habe Bilder ähnlicher Vorgänge aus verschiedenen Kriegen und den aktuellen Ereignissen in Syrien und Irak gesehen. 
Diese Opfer und diese Beamten, die Sanitäter und die Familien - das sind die Menschen an der Front. Wer das negiert, wer diese Menschen so ignoriert, dem sind Leben in Wirklichkeit egal. Dem geht es um eine bestimmte Klientel, wie den anderen Extremen auch.
Wie sich da jemand hinstellen kann und behaupten, unser Innenminister stünde an vorderster Front ist entweder unglaublich zynisch oder in einer arroganten Weise uninformiert und desinteressiert, dass es mir die Haare zu Berge stehen lässt.
Und damit sind wir bei den Schweinchen. Die Frage nach der Sicherheit wird entweder beantwortet mit "wir dürfen uns durch den Terror nicht unser Leben bestimmen lassen" - der Hütte aus Stroh über "wir müssen die Waffengesetze verschärfen und strengere Kontrollen an öffentlichen Plätzen einführen" - dem Haus aus Holz.
Wie das Haus aus Stein aussieht, dass kann ich nicht genau sagen. Aber das der Eingang dazu aus der ehrlichen Diskussion ohne Verfehmung auf der Basis der Meinungs- und Redefreiheit sein muss, dass weiß ich genau.



Donnerstag, 21. Juli 2016

Mit dem Terror leben

Eine Phrase, oder besser, einige Varianten, dominieren die "Expertenmeinungen". Man dürfe sich dem Terror nicht unterwerfen.
Dem stimme ich restlos zu - aber scheinbar verstehe ich den Satz völlig anders.
Die Terroristen versuchten, unseren Alltag zu zerstören. Uns von unserer Lebensgestaltung abzubringen. Das dürften wir nicht zulassen. Wir sollten weitermachen, wie bisher, um es ihnen richtig zu zeigen.

Wer wirkliche Abneigung gegen Schimpfworte pflegt, überspringt bitte den folgenden Satz.
So eine gequirrlte, hirnlose, verkopfte, lebensfremd-gepamperte Scheisse zu verbreiten grenzt an fahrlässige Tötung.

So, mir gehts besser - ich habe das heute mehrfach laut vor mich hingeflucht. Meine nächste Beichte wird etwas länger...

Im ernst: die Absicht der Terroristen ist erstmal: zu töten und verletzen. So viele und so grausam und so medienwirksam wie möglich. Darauf folgt die Absicht, mit diesen Akten zum einen ihrem Auftrag zu wollen - den Kampf zu den Ungläubigen zu bringen, in das "Haus des Krieges", das "dar al-Harb".
Zum anderen aber auch zu signalisieren: wir haben die Macht. Wir können euch töten und wir werden euch töten. Wer nicht dem relativierenden, verfälschenden Unsinn in Radio und TV lauscht, nicht die Meinungsjournalisten in den Zeitungen liest sondern sich die Botschaften anhört, welche die Terroristen selbst versenden, der weiß, um was es ihnen geht. Ein klares Ziel. die Ausdehnung des Kalifats, die Bekehrung aller die sich bekehren lassen zum Islam, die Herrschaft der Scharia und der Tod aller, die sich nicht bekehren lassen.
Es ist völliger Schwachsinn zu behaupten, den Terroristen ginge es darum, dass Kevin Sorglos nicht mehr ins Bataclan nach Paris fährt oder der 14. Juli nicht mehr gefeiert würde. Natürlich will man diese Dinge auch loswerden, aber über die Herrschaft und nicht über den Terror. Der ist Teil asymetrischer Kriegsführung - in ihren Augen.

Bei uns wird betont, dass es keine absolute Sicherheit geben kann, man sich aber bemühe. Wie dies dann endet, zeigten uns prompt die Terroristen. Aus Angst, ein Stadion könnte, wie seinerzeit die Olympiade in München, live vor den Kameras zum Schauplatz eines Anschlages werden, wie im November in Paris geplant und in Deutschland vermutlich knapp verhindert, wurde ein riesiges Sicherheitsaufgebot aufgefahren.
In Nizza und den meisten anderen Städten wurde wenige Tage nach Ende der Veranstaltung dann der Nationalfeiertag begangen und die Sicherheitsvorkehrungen waren bestenfalls makulatur. Mit dem bekannten tödlichen Ausgang.
Die Polizei fordert mehr Beamte, die Innenminiserien schaffen Sonderheiten und Abteilungen. Und trotzdem kann es keine absolute Sicherheit geben. Die letzten Jahre haben das gezeigt. Wir verdrängen und vergessen um uns nicht klar zu machen, wie oft es schon geknallt hat.
Die Gewerkschaften betonen, dass man die Beamten nicht rund um die Uhr verheizen kann, die Innenrevisionen haben diverse Male bereits Radikale in den eigenen Reihen entlarvt.
Die Völkerwanderung hat nun doch manchen Terroristen ins Land gebracht, obwohl stets behauptet wurde, dem sei nicht.

In meinen Augen würde "wir ergeben uns nicht" bedeuten, wir lernen uns zu wehren. Wir fokussieren uns auf unsere Werte und Errungenschaften. Und fokussieren bedeutet, wir sehen es und wir verteidigen es. Sowohl gegen Angriffe als auch gegen Missbrauch. Bestes Beispiel wäre unser Asylwesen. Unsere Errungenschaft war hier das Menschenrecht, ausgeübt am Individuum. Jeder wurde als solches begrüßt, aufgenommen und überprüft. In einem stetigen Prozeß dieses Verfahren zu verbessern, menschenwürdiger zu machen. 2015 haben wir dies aufgegeben und ein Pauschalurteil verhängt. Turnhallenweise wurden echte Flüchtlinge mit Menschen zusammen gepfercht, die sich nur bessere Lebensumstände wünschen, viele davon am besten ohne Arbeit und auf Kosten anderer. Und zusammen mit "Flüchtlingen", denen der IS zwar zu Radikal war - aber nur, weil er auch sie aus irgendwelchen Kleinigkeiten aufs Korn nahm. Sonst teilen sie viele der Ansichten und leben sie auch aus. Mit Kinderschändern und Menschen die glauben, das man Mädchen nicht früh genug an einen Mann vermitteln kann.

Wehren, dass hieße für mich, die Bevölkerung vorzubereiten. Wie in Israel, wo der Terror zum Leben gehört und Beschützer nie viel weiter als einige dutzend Meter weg zu sein scheinen. Wo sich Menschen verteidigen dürfen und von klein auf beigebracht bekommen, wie man sich verhält. Bei einer Explosion, bei einem Alarm, bei einer Attacke. Ob Israel oder die USA, die Bürger haben das Recht sich zu wehren und üben dies auch aus. Jene, die es tun, stehen besser da, egal wie sehr an den Statistiken rumgefälscht und -interpretiert wird.
Ein bestimmter Teil unserer Politiker gerät in Panik und schwadroniert von Selbstjustiz, wenn die Bürger den letzten Strohhalm der Selbstverteidigung ergreifen und sich den "kleinen Waffenschein" geben lassen, um Schreckschusswaffen und Sprühgeräte mit sich führen zu dürfen, die einen Taschendieb abschrecken, aber gegen Terroristen und Bandenterror völlig nutzlos sind.

Mit dem Terror leben lernen, dass heisst Selbstverteidigung, Vorbereitung, Schutzmaßnahmen und Ausbildung. Wir werden wieder mehr Retter brauchen, die bei einem Anschlag den Verletzten helfen können. Wir werden Menschen brauchen, die ihre Ortskenntnis nutzen, um Fliehenden zu helfen.
Die Menschen müssen wieder lernen, ihre Umgebung im Auge zu behalten und Auffälligkeiten zu registrieren und ruhig melden zu können, ohne Panik auszulösen oder selbst zu erliegen.
Der Täter vom Frankfurter Flugplatz wurde von den unbewaffneten Soldaten überwältigt. Der Thalys-Terrorist wurde von urlaubenden amerikanischen GIs und einem mutigen Helfer zu Boden gebracht und entwaffnet. Der Täter von Nizza wurde von einem mutigen Mopedfahrer zum Anhalten gebracht. Der Kopenhagener Täter wurde von einem Sicherheitsmann in seinem tun behindert, als dieser die Menschen rettete und dafür sein Leben opferte.

In Texas waren es private, schwer bewaffnete Sicherheitsleute, die eine volle Wagenladung Islamisten stoppten.
Der Würzburger Täter traf durch einen für ihn unglücklichen Zufall auf ein SEK, die Täter von Paris mordeten bis nach Stunden die Polizei stürmte. Der entkommene Täter musste von einem Einsatzkommando Wochen später aus den Reihen seiner Sympathisanten abgeholt werden.

Den Bürgern zu vertrauen, wie man es mit den Völkerwanderern wagt, und ihnen die Verantwortung für ihr Leben zu lassen wäre ein Anfang. Das die Staaten versagt haben, das ist kaum noch zu leugnen. Nicht angenommene Notrufe, lange Anfahrtszeiten der Polizei, Kostenübertragung bei "Fehlalarmen" selbst anderer, Überalterung, Überarbeitung, Überlastung, Unfähigkeit, mangelnde Vorbereitung und Planung usw. usf .... diese Polizei kann nur noch aufnehmen, aber nicht mehr schützen, was ohnehin immer schon die schwierigste Aufgabe war.
Wir müssen unser Leben ändern. Denn es wird nicht aufhören. Egal wie oft die Presse mitteilt, der IS liege am Boden, er tut es nicht. Er ist in Nigeria, in Libyen, Yemen, Somalia, Irak und Syrien aktiv und sehr lebendig. Seine Attentäter verüben einen Anschlag nach dem nächsten. Charlie Hebdo, der jüdische Supermarkt, Thalys, die ermordete junge Tänzerin, der Novemberanschlag, das vor den Augen des Kindes abgeschlachtete Polizistenpaar, der Flughafenanschlag, Kopenhagen, Würzburg, der Angriff eines jungen Mädchens mit einem Messer auf einen Polizisten, Nizza usw. usf. Und das sind nur die letzten einer langen Reihe.
Muß das öffentliche Leben erliegen? Darf es das? Beide Male: Nein. Aber die Sorglosigkeit ist vorbei. Man kann seine Kinder nicht mehr Abends allein vom Konzert nach Hause laufen lassen (Godesberg als ein Beispiel von vielen). Jedem wildfremden die Tür aufzumachen empfiehlt sich nicht. Schon lange warnen sogar die Ersthelferkurse davor, allein auf dunkler Strasse anzuhalten. Vor allem als Frau.
Die wenigsten Menschen sind in der Lage extreme Situationen heute noch einzuschätzen. Im Bataclan legten sich die Opfer zum größten Teil auf den Boden, ergaben sich den Terroristen. Mit den bekannten Folgen.
Das ist keine Erpressung der Terroristen, es geht nicht um Geld, Freilassungen oder Politik. Sie wollen unser Leben. Alles aufgeben müssen wir nicht - aber ein wenig ändern müssten wir schon. Damit wenigstens mehr von uns und unseren Kindern eine Chance erhalten, die großartigen Errungenschaften wie Meinungsfreiheit, freie Religionswahl, freie Partnerwahl und körperliche Selbstbestimmung zu erleben und nicht in Zuständen wach zu werden, wie sie in den meisten der ca. 55 islamischen Staaten herrschen.

Montag, 18. Juli 2016

Sorge um Cicero

Petra Sorge, Redakteurin beim Cicero, habe ich bereits thematisiert. Ihre Haltung ist die eines besserwissenden (ja, ich weiß, dass mir dieser Schuh ebenfalls passt), störrischen und von sich selbst als "gutem Menschen" überzeugten Kindes im besten Trotzalter. Diese sehr persönliche Charakterisierung drängt sich mir auf, nachdem ich zahlreiche ihrer Artikel zu lesen bekam.
So schloß sie sich etwa der Haltung an, dass der Erfolg der AfD bei der letzten Wahl in Wirklichkeit eine Wahlschlappe war, weil alle anderen Parteien zusammen immer noch mehr Wähler hätten.
Sie verteidigte auch einen der europäischen Propagandamitarbeiter der Hamas und sprach von neutraler und humanitärer Berichterstattung, bis dieser schließlich mit der Verharmlosung bzw. dem Lob auf die Hinrichtung mehrerer "Kollaborateure" durch die Hamas allgemein auffiel. Nicht nur, dass die Todesstrafe für Handel oder häufige Kommunikation mit Juden bzw. Israelis nicht in Frage gestellt wurde, der grausame Akt wurde als "sozial" bezeichnet, weil die Familien, die Hinterbliebenen, ihres Mannes und Vaters Beraubten, nicht selbst an den Pranger gestellt sondern versorgt wurde.
Die Resolution zum Völkermord an den Armeniern war noch nicht zu Ende beklatscht worden, die Rede Özdemirs in der er betonte, dass es vor allem um unsere Verantwortung an den damaligen Vorgängen ginge noch nicht in den Medien vollständig widergegeben (bis heute übrigens nicht), da schien es Sorge nötig, auf den Massenmord an den Herero und Namba hinzuweisen, der in der damaligen deutschen Kolonie durch deutsche Streitkräfte verübt wurde.
In einem bemerkenswerten Artikel unter der Überschrift "auch Linksradikale genießen Meinungsfreiheit" ging sie ihren Kollegen Kissler an. Stellte die Forderung nach Schließung des Portals "indymedia", auf welchem die gestohlenen Daten, also Namen und Anschriften der Teilnehmer des AfD Parteitages veröffentlicht worden waren - zusammen mit der Aufforderung "Hausbesuche" zu machen, was in vielen Fällen auch geschah, dem Protest Kisslers im Fall Pirincci gleich, dessen Redebeitrag bei Pegida verfälscht und so als Hetze und Mordaufruf wiedergegeben worden war und der daraufhin vom Buchhandel boykottiert wurde, dessen jahrzentealten Katzenkrimis sogar vom Verlag und Rechtehalter zurückgezogen wurden.
Nicht nur ein interessantes Bild von Meinungsfreiheit, sondern angesichts der intensiven Suche des "was hat er wirklich gesagt" im Falle eines 84 Mörders und dutzendfachen Körperverletzers, eines Terroristen auch in Hinsicht auf Princci ein wahrhaft peinliches, ja demütigendes Bild deutscher Schreiberzunft.  Dazu gleich mehr.
Das Referendum zur Ukraine in  den Niederlanden nennt sie "eine Perversion der Demokratie".

Im Rahmen der Silvestervorfälle in Köln und dutzenden anderen deutschen Städten bezog sie ebenfalls Stellung. So stellt sie sich hinter den Pressekodex und behauptet pauschal, das die Nichtnennung der Herkunft zu debattieren völlig unnötig gewesen sei. Und auch sonst waren ihre Positionen und Informationen unvollständig, voreilig und schlecht recherchiert. Den Feministinnen, die ihre Sache plötzlich mit dem Kampf gegen (realen wie vermeintlichen) Rassismus vermengten und unterordneten hielt sie die Stange - immerhin leben wir in Deutschland ja ohnehin in einer "rape culture" und das Oktoberfest ist ein einziger großer Vergewaltigungsmarkt...
Die AfD ist für sie nah bei der NPD, während sie dem SWR für die Ausladung der AfD zu den Sendungen der Vorwahlen als "kluge Entscheidung" betitelt.

Genau diese Frau Sorge also ist es, die sich hinstellt und natürlich aus ihrem Redaktionsstübchen nicht nur dutzende von Menschen mit ihren Nachfragen weitere Arbeit aufbürdet sondern zielgerichtet auf ein bestimtes Ergebnis hin arbeitet. Kern ist dabei die Meldung, man habe den Mörder von 84 feiernden, nichtsahnenden Menschen "Allahu Akhbar" rufen hören. Jenen mittlerweile allseits bekannten Ruf, den Islamisten gerne zu jeder intensiven Gelegenheit von sich geben, der aber letztlich im Islam rituell verankert ist. So wird auch der adhan, der Gebetsruf mit diesen Zeilen ausgeführt - auch für moderate Muslime.
Und schon da hört es im Artikel auch auf. Denn, leicht nachzulesen und zu -recherchieren, der Ruf bedeutet nicht "Gott ist groß", er bedeutet "Allah ist größer". Der Komparativ also, die Steigerung im Verhältnis zu allem und jedem anderen. Eine Kampfansage in sich. Schon diese semantische Grundinformation gelingt den beiden Autorinnen nicht nachzuvollziehen, wohl aber dem ein oder anderen Leser. Eine falsche oder mangelhafte Übersetzung, zumal von zwei wohlbekannten Wörtern die dann auch noch das einzige Thema des Artikels sind - mir wäre das peinlich.
Was folgt ist ein quälend langer Bericht darüber, wie die beiden Frauen versuchen herauszubekommen, woher die jeweiligen veröffentlicher ihre Informationen bekommen. Und obwohl sie "jeden" gedenken anzurufen, bei der ersten Quelle, der DailyMail sind sie nur mit der Herabwertung des Mediums aufgrund des großen Klatschteiles großzügig. Nun ist die DailyMail nun wirklich kein Hort des qualitativen Journalismus, dass Niveau entspricht, bis auf die Quantität des Klatschteiles, aber in etwa deutschem Standart.
Auch die Tatsache, dass dies Sorges einziges Statement zum Anschlag ist, spricht Bände. Da sterben so viele Menschen, noch viel mehr werden verletzt. Darunter Kinder. Und was die beiden Frauen interessiert ist: hat der Täter Allahu akhbar gerufen oder nicht.
Der Artikel endet damit, dass eindeutig Zeugen benannt werden, die den Ruf gehört haben wollen.
Und da endet die Investigation.
Während man dies bis zu jenem offenen und dem gesamten Inhalt widersprechenden Ende liest, drängt sich der Eindruck auf, es geht nur um eine schnell zusammenzufassende Meinung:
Die beiden halten die Verbindung zum islamischen Terrorismus für vorschnell und rassistisch, darum lehnen sie anderslautende Zeugenmeldungen ab.
Auch die Tatsache, dass sich der IS bereits dazu bekannte wird schlicht vom Tisch gefegt. In seiner Absurdität wäre das witzig, wenn es nicht so viele unschuldige Leben gefordert hätte. Da planen, arrangieren und morden diese Terorristen um ein Zeichen zu setzen und Europa in Angst zu versetzen (und natürlich möglichst viele "Ungläubige" zu töten) und dann glaubt man ihnen nicht, wenn sie voller stolz sagen: das waren wir.
Damit ist auch der Titel eigentlich hinfällig - denn selbst wenn, so würden die beiden dies noch immer nicht als Beweis gelten lassen.

Der Artikel ist kein Artikel. Er ist Meinungsäußerung und Gezeter mit einem Anstrich von Journalismus. Es wird sich über mangelnde Recherche und vorschnelle Berichterstattung aufgeregt, während man selbst es bei einem dutzend Anrufen und eMails mit Quellenanfragen belässt. Kein Interview mit dem oder den Zeugen, die betroffenen Beamten und Opferfamilien kommen nicht zu Wort.
Cicero muss sich ernsthaft die Frage gefallen lassen, warum dieser Text, der für eine in Utopien denkende 14jährige als Aufsatz durchgeht aber mehr eben auch nicht, bei ihnen veröffentlicht wird. Und ich stelle angesichts der "Erfolgsgeschichte" und Arbeitsweise von Sorge die Frage, warum sie nicht schon längst wieder auf Jobsuche geschickt wurde. Linke Meinungen müssen im Cicero sein. Es ist ein Debattenmagazin. Aber es sollte eben als Debatte geführt werden, mit allen darin enthaltenen Notwendigkeiten wie plausiblen Argumentationssträngen.

Freitag, 15. Juli 2016

Wieder und wieder und wieder - kranker Terror, kranke Gesellschaft

Natürlich ist es wieder passiert. Wer wirklich davon überrascht ist, der muss so naiv sein zu glauben, dass sich mit unserer bisherigen Verhaltens- und Vorgehensweise irgendetwas ändern oder auf Dauer verhindern lässt.
Und wieder hat es Frankreich getroffen. Diesmal fällt es sogar unseren Medien auf. Wenn auch die FAZ scheinbar mit einem Gedächtnis in der Größe eines Reiskornes gesegnet ist und die Liste erst 2015 beginnt.
Die Tat macht mich betroffen, ängstlich, wütend, mitleidig. Und es ist diese ständige Wiederholung, die mich zermürbt - so unbedeutend dies angesichts des Leides in Nizza und bei den Familien ist.

1. Heuchelei
Mitleid ist ein Wort, dass sich schnell in den Mund oder auf die Finger nehmen lässt. Ich glaube den Journalisten und Politikern nicht und auch den meisten Organisationen und Einzelpersonen nicht. Selbst jene, die vielleicht Mitleid bekommen, wenn sie das Leid anderer erleben, bleiben in Wirklichkeit eher unberührt von dem, was nun in den Medien so detailliert und doch so distanziert berichtet wird.
Alle jene würde ich gerne zwingen, sich das Video anzusehen, welches die Opfer unmittelbar nach der Tat zeigt. Eine Strasse voller Toter und Verletzter. Diese Worte sind bildlich, geben aber nicht wieder, was man zu sehen bekommt, was die Menschen erlebten und eben durchlitten.
Es ist nicht wie in den Filmen. Da liegen nicht einfach Menschen und sind still, atmen nicht mehr und das ist es. Da liegen Menschen, ihre Gliedmaßen sind zerfetzt und liegen in blutigen Klumpen um die ehemaligen Besitzer. Da zucken, stöhnen, schreien Sterbene und Verletzte. Leises Weinen, als wollten diejenigen, die da Tränen vergießen niemand stören, bis man registiert, dass es Verletzte, vielleicht eben auch gerade Sterbende sind. Kleine Kinder sind im Hintergrund in Agonie, Panik und Verzweiflung zu hören. Sie schreien und weinen ebenfalls und man hofft und betet, dass sie nicht zu den Opfern zählen.
Dieses Video MACHT betroffen, selbst wenn man sich eine Distanz angewöhnt hat. Es sich anzusehen, bevor man eines der üblichen Kondolenzschreiben aufsetzt oder eine Betroffenheitsrede schwingt, in denen von "Bedauern" und "Opfern" die Rede ist, nur um direkt anzuhängen, dass man "nicht überreagieren" solle oder trotzdem "differenzieren" müsse.
Hier ein Link zu einem Video. Wer sich oben durchgelesen hat, weiß jetzt wohl, ob er es sich ansehen will und kann oder nicht. Link zum Video - clicken auf eigene Verantwortung.


Andere Videos zeigen, wie die Menschenmenge erst kurz von einem Unfall ausgeht - um dann das sich schnell wiederholende Geräusch auftreffender Körper richtig einzuordnen und in Panik zu verfallen.

 2. Ignoranz und Ablenkung
Statt sich nun aber allen Vorgängen der letzten Jahre zu stellen und rational zusammen zu zählen, wird wieder spekuliert oder ignoriert. So kommt die FAZ, nachdem sie darauf verwies, dass Kritiker die Sicherheitsvorkehrungen Frankreichs für zu lasch hielten, zum Schluss, dass es die hohe Zahl an Radikalen ist, die aus dem Irak-Syrienkonflikt zurückgekommen sind.
Das diese "Rückkehrer" überhaupt erst aus Frankreich aufgebrochen sind ist scheinbar nicht so problematisch, ebensowenig wie die hohe Zahl an Funden während der massiven Durchsuchungen in der Folge des Anschlages vom November. Die Zahlen, die da kursieren sind erschreckend hoch und machen dem Begriff "Minderheit" keine große Ehre.

Die Sicherheitsvorkehrungen zu kritisieren ist legitim - aber geht am Kern des Problems vorbei und will nur so wirken, als ginge es um die Sicherheit der Menschen. Frankreich unternimmt deutlich mehr als jedes andere europäische Land im Kampf gegen den Terror und im Versuch den Islamismus in seinen Grenzen zu stoppen. (Ich erinnere bspw. an die peinliche Nachahmung eines Videos aus den USA, welches England als "Vorbereitung" verkaufte.) Der Ausnahmezustand wurde verhängt, das Militär ist im inneren im Einsatz, die Polizei hat mehrere Sonderkomissionen und Abteilungen und schiebt einen riesigen Berg an Überstunden und Sonderleistungen. Gleichzeitig schrumpft auch ihr Personal.
Sowohl das Militär als auch die Polizei haben Verluste im Kampf gegen Terror zu beklagen. Mohammed Merah tötete 2012 mehrere Soldaten und während des Angriffes auf Charlie Hebdo und den jüdischen Supermarkt wurden Beamte getötet, verletzt und beschossen.
Die Kommunikation mag fehlerhaft sein - aber angesichts der starken Einschränkungen, welche gesellschaftliche und juristische Richtlinien den Behörden vorgeben ist die Kritik angesichts der immer wieder aktiv werdenden Terroristen auf den Überwachungslisten lächerlich. Kein Staat mit diesen Einschränkungen kann auf Dauer tausende Verdächtiger rund um die Uhr im Auge behalten. Stichproben und, so man sie mitbekommt, ein genauerer Blick bei Auffälligkeiten - mehr kann ein solcher Staat nicht unternehmen. Alles andere überfordert seine Kräfte und überschreitet die Kompetenzen. Man erinnere sich an die hierzulande geführten Diskussionen um die Dauerüberwachung von Kinderschändern und Vergewaltigern, welche vorzeitig entlassen werden oder die Datenschutzdebatten. Das Burka-Verbot, essentiell zur Personenerkennung und Vermeidung unterkannter Transporte und Schleusungen, ist bei uns schwer in der Kritik und wird in Frankreich nur an wenigen Orten de facto durchgesetzt. Es fehlen sowohl Mittel als auch gesellschaftlicher Rückhalt und Wille.

Und wenn dann die Haltung von Politik, Medien und Gesellschaft auch noch aus Verleugnung und Schönrederei besteht, dann ist jede Prävention undenkbar.
So schreibt die FAZ nicht nur "was wir bisher wissen" sondern auch gleich noch "was wir nicht wissen". Es ist für mich immer etwas besonderes, wenn mir Nachrichten erklären, was ich nicht weiß, wissen kann oder darf.
Und natürlich steht dort im Absatz des Unwissens nichts über die Bezugsquellen seiner Anscheinswaffen, warum er sich keine Echten besorgte (was in Nizza nach allem was man so hört sehr einfach ist)  oder über seine Kontakte.
Was dort steht:
Bisher ist nichts über das Motiv für die Tat bekannt. Präsident Hollande sagte, das ganze Land sei vom islamistischen Terror bedroht. Ob der Täter einen islamistischen Hintergrund hat, ist aber unklar. Der Mann sei nur durch allgemeine Vergehen zuvor kriminell auffällig gewesen, heißt es in französischen Medien unter Berufung auf Ermittler. Der Mann sei den Geheimdiensten nicht als politisch und islamistisch radikalisiert bekannt gewesen, hieß es weiter. 
3. Verleugnung und Schuldzuweisung
Wie auch bei den vergleichbaren Vorfällen der letzten Jahre (ja, dass Personen mit islamischen Migrationshintergrund in Menschenmengen gefahren sind, kam in den letzten Jahren mehrfach vor, vor allem im Rahmen von Weihnachtsmärkten) wird erstmal in Frage gestellt, ob es einen islamisch-religiösen Hintergrund gibt. Selbst wenn die Täter von mehreren Zeugen laut den bekannten Schlachtruf schreien gehört werden, wurden sie bislang am Ende als "Geisteskrank" bezeichnet.
Es ist wohl die Wahl des Mordwerkzeuges, die unsere Politiker und Medienschaffenden dazu bewegt, hier anders zu urteilen, als bei Akten mit Schusswaffen und Sprengstoff.
Angesichts der erfolgreich geschürten Angst vor Schusswaffen wäre eine Panik angesichts von Millionen von Fahrzeugen die spielend leicht in die Hände zu bekommen sind nicht völlig auszuschließen.
Und 84 Tote, 50 Schwerverletzte, dutzende weiterer Verletzte - das ist ein überaus erfolgreicher Anschlag, der sich angesichts des massiven Aufgebotes im November als Fanal herausstellen könnte. Bislang tröstete man sich damit, dass automatische Waffen und Sprengstoff angeblich nicht so leicht zu bekommen wären, was nicht nur falsch ist sondern sich auch als unnötig entpuppt.
Die Terroristen mussten damit umgehen, trainiert sein. Ein Plan musste erarbeitet werden.
Das dies alles nicht so ist, wurde nun bewiesen.
Jedenfalls, wenn die Menschen darüber nachdenken. Sich ein Fahrzeug zu besorgen und in eine Menge zu rasen, jedes Kind kann das. Ganz spontan.
Die EU wird vermutlich in Kürze das europäische Waffenrecht verschärfen. Die Novelle wurde nach den Anschlägen vom November forciert (sie war bereits in Vorbereitung) und trifft ausschließlich gesetzestreue Bürger. Sammler, Jäger und Sportschützen. Nicht ein Terrorist wird davon beinträchtigt werden, nicht eine der benutzten Waffen wäre so von der Nutzung während der Teilnahme betroffen - sie waren bereits illegal. Aber man kann damit die Waffen und nicht die Menschen oder ihre Religion zur Verantwortung ziehen und zeigen, dass man etwas unternimmt.
Selbst die zuständigen Kammern der EU haben die Novelle als unsinnig und irreführend abgelehnt - aber die Vertreter der Linken, die Sozialisten und Grünen Parteien aus Frankreich, England, Italien und den Niederlanden haben es trotzdem durchgesetzt, dass die Überarbeitung fast durch ist.
Aktionismus und Ablenkung. Beruhigungsmittel und ein Wollknäuel für die Bevölkerung. Und diese schluckt die Pille und spielt mit.
In Nizza war es ein LKW und es war angeblich ein mutiger Mann, der versuchte den LKW zu stoppen, der schließlich den Terroristen Mohamed Lahouaiej Bouhlel zum anhalten bewegte und der Polizei den Zugriff durch massierten Beschuss ermöglichte.
 
Statt also zu fragen: was können wir tun, damit nicht bald wieder unschuldige Menschen ihr Leben verlieren, ihre Angehörigen, ihre Gesundheit, debattieren wir lieber wieder darüber, womit dies ja alles auf keinen Fall etwas zu tun hat und das man auch nicht verallgemeinern dürfe.
Wir haben Angst davor, die Rechte einer bestimmten Minderheit einzuschränken.Wir haben Angst vor einer Eskalation nach dem ersten Schritt, was sein könnte und was vielleicht so werden würde, wie es bereits einmal verlief. Und dafür nehmen wir hin, dass die Zustände rapide schlechter werden und Mittlerweile Jahr für Jahr Europäer ihr Leben oder ihre Nächsten verlieren. Wir nehmen nicht nur hin, dass es "no go areas" in unseren Städten gibt, wir demenetieren trotz Verletzten und Videoaufnahmen diese Tatsache. Wir nehmen hin, dass die verletzten Gefühle einer Minderheit unsere Meinungs- und Kunstfreiheit einschränken. Wir nehmen hin, dass im Namen der Toleranz gerade für diese Minderheit Radikale einer anderen Richtung freie Fahrt bekommen, selbst das Gesetz und die Gewalt in die Hand zu nehmen.
Wir nehmen hin, dass wir Milliarden aufwenden müssen, um die Sicherheit bei öffentlichen Veranstaltungen zu gewährleisten. Wir nehmen übergriffe auf andere Minderheiten hin und machen dabei lieber unsere hauseigenen Radikalen dafür verantwortlich.
Vor allem aber nehmen wir die Opfer hin. Wir nehmen hin, dass Menschen aus unserer Mitte herausgerissen werden. Wir sehen zu, wie sie versklavt werden, wenn man sie zu einer Ehe zwingt, die sie nicht wollen in der sie einem Mann hörig sein müssen, den sie nicht kennen und der sie nicht liebt. Wir nehmen hin, dass Zugreisende auf herrenlose Gepäckstücke und merkwürdige Geräusche aus der Zugtoilette achten müssen, um nicht zerfestzt, erschossen oder erstochen zu werden.
Das Besucher eines jüdischen Museums unbeweint erschossen werden können.
Das Das Rockkenzerte Todesfallen unserer demilitarisierten Gesellschaft werden.
Wir lesen, dass über 50 Kinder von einem LKW überfahren wurden, wir lesen, dass zwei kleine Kinder während der OP gestorben sind. Wir bekamen ein Video zu sehen, in welchem ein 8jähriges kleines Mädchen, welches gerade den Tod seiner beiden Brüder und des Vaters miterleben musste von ihrem Peiniger, Mohammed Merah, gequält und terrorisiert wird, bevor er ihr aus nächster Nähe in den Kopf schießt und diese Tat als großes Werk preist - weil sie Jüdin war.
Wir nehmen hin, dass sich ein junger Mann nur durch Videos aufgerufen fühlt, eine Pistole zu greifen, in den Bus von US Militärs zu steigen und diese zu erschießen.
Wir nehmen hin, dass Menschen unter qualen der Kopf abgeschnitten wird und behaupten entschuldigend, dies sei "Köpfen wie im Mittelalter".

Es gibt diesen berühmten Absatz. "Als sie die Kommunisten abholten, habe ich geschwiegen, denn ich war kein Kommunist. Als sie die Juden abholten, habe ich geschwiegen, denn ich war kein Jude."
Der Absatz endet mit dem Verweis, dass keiner mehr da war, als der Erzähler selbst abgeholt wurde.
Seit jene Weisheit verfasst wurde, sind wir einen Schritt weiter. Menschen glauben, "nicht zu schweigen", wenn sie jede Kritik am Islam, jedes kritische oder auch harsche Wort in Richtung der Muslime mit scharfem Aktionismus ablehnen.
Dabei schweigen sie dabei nur zu dem, was Menschenleben kostet. Bis es irgendwann sie selbst trifft. Und manchmal selbst dann.
Das macht mich krank.


Wir müssen einen Weg finden, uns zu schützen. Und das geht nur, wenn wir offen und ehrlich diskutieren. Wenn wir unser Utopiedenken als solches erkennen und einordnen. Das dabei Grenzen erhalten bleiben, steht ebenso außer Frage. Sicherheit und Freiheit stehen sich öfter unversöhnlich gegenüber. Aber Sicherheit UND Freiheit zu opfern, das ist so unglaublich, dass es sich selbst Orwell nicht ausdenken hätte können.