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Freitag, 15. Juli 2016

Wieder und wieder und wieder - kranker Terror, kranke Gesellschaft

Natürlich ist es wieder passiert. Wer wirklich davon überrascht ist, der muss so naiv sein zu glauben, dass sich mit unserer bisherigen Verhaltens- und Vorgehensweise irgendetwas ändern oder auf Dauer verhindern lässt.
Und wieder hat es Frankreich getroffen. Diesmal fällt es sogar unseren Medien auf. Wenn auch die FAZ scheinbar mit einem Gedächtnis in der Größe eines Reiskornes gesegnet ist und die Liste erst 2015 beginnt.
Die Tat macht mich betroffen, ängstlich, wütend, mitleidig. Und es ist diese ständige Wiederholung, die mich zermürbt - so unbedeutend dies angesichts des Leides in Nizza und bei den Familien ist.

1. Heuchelei
Mitleid ist ein Wort, dass sich schnell in den Mund oder auf die Finger nehmen lässt. Ich glaube den Journalisten und Politikern nicht und auch den meisten Organisationen und Einzelpersonen nicht. Selbst jene, die vielleicht Mitleid bekommen, wenn sie das Leid anderer erleben, bleiben in Wirklichkeit eher unberührt von dem, was nun in den Medien so detailliert und doch so distanziert berichtet wird.
Alle jene würde ich gerne zwingen, sich das Video anzusehen, welches die Opfer unmittelbar nach der Tat zeigt. Eine Strasse voller Toter und Verletzter. Diese Worte sind bildlich, geben aber nicht wieder, was man zu sehen bekommt, was die Menschen erlebten und eben durchlitten.
Es ist nicht wie in den Filmen. Da liegen nicht einfach Menschen und sind still, atmen nicht mehr und das ist es. Da liegen Menschen, ihre Gliedmaßen sind zerfetzt und liegen in blutigen Klumpen um die ehemaligen Besitzer. Da zucken, stöhnen, schreien Sterbene und Verletzte. Leises Weinen, als wollten diejenigen, die da Tränen vergießen niemand stören, bis man registiert, dass es Verletzte, vielleicht eben auch gerade Sterbende sind. Kleine Kinder sind im Hintergrund in Agonie, Panik und Verzweiflung zu hören. Sie schreien und weinen ebenfalls und man hofft und betet, dass sie nicht zu den Opfern zählen.
Dieses Video MACHT betroffen, selbst wenn man sich eine Distanz angewöhnt hat. Es sich anzusehen, bevor man eines der üblichen Kondolenzschreiben aufsetzt oder eine Betroffenheitsrede schwingt, in denen von "Bedauern" und "Opfern" die Rede ist, nur um direkt anzuhängen, dass man "nicht überreagieren" solle oder trotzdem "differenzieren" müsse.
Hier ein Link zu einem Video. Wer sich oben durchgelesen hat, weiß jetzt wohl, ob er es sich ansehen will und kann oder nicht. Link zum Video - clicken auf eigene Verantwortung.


Andere Videos zeigen, wie die Menschenmenge erst kurz von einem Unfall ausgeht - um dann das sich schnell wiederholende Geräusch auftreffender Körper richtig einzuordnen und in Panik zu verfallen.

 2. Ignoranz und Ablenkung
Statt sich nun aber allen Vorgängen der letzten Jahre zu stellen und rational zusammen zu zählen, wird wieder spekuliert oder ignoriert. So kommt die FAZ, nachdem sie darauf verwies, dass Kritiker die Sicherheitsvorkehrungen Frankreichs für zu lasch hielten, zum Schluss, dass es die hohe Zahl an Radikalen ist, die aus dem Irak-Syrienkonflikt zurückgekommen sind.
Das diese "Rückkehrer" überhaupt erst aus Frankreich aufgebrochen sind ist scheinbar nicht so problematisch, ebensowenig wie die hohe Zahl an Funden während der massiven Durchsuchungen in der Folge des Anschlages vom November. Die Zahlen, die da kursieren sind erschreckend hoch und machen dem Begriff "Minderheit" keine große Ehre.

Die Sicherheitsvorkehrungen zu kritisieren ist legitim - aber geht am Kern des Problems vorbei und will nur so wirken, als ginge es um die Sicherheit der Menschen. Frankreich unternimmt deutlich mehr als jedes andere europäische Land im Kampf gegen den Terror und im Versuch den Islamismus in seinen Grenzen zu stoppen. (Ich erinnere bspw. an die peinliche Nachahmung eines Videos aus den USA, welches England als "Vorbereitung" verkaufte.) Der Ausnahmezustand wurde verhängt, das Militär ist im inneren im Einsatz, die Polizei hat mehrere Sonderkomissionen und Abteilungen und schiebt einen riesigen Berg an Überstunden und Sonderleistungen. Gleichzeitig schrumpft auch ihr Personal.
Sowohl das Militär als auch die Polizei haben Verluste im Kampf gegen Terror zu beklagen. Mohammed Merah tötete 2012 mehrere Soldaten und während des Angriffes auf Charlie Hebdo und den jüdischen Supermarkt wurden Beamte getötet, verletzt und beschossen.
Die Kommunikation mag fehlerhaft sein - aber angesichts der starken Einschränkungen, welche gesellschaftliche und juristische Richtlinien den Behörden vorgeben ist die Kritik angesichts der immer wieder aktiv werdenden Terroristen auf den Überwachungslisten lächerlich. Kein Staat mit diesen Einschränkungen kann auf Dauer tausende Verdächtiger rund um die Uhr im Auge behalten. Stichproben und, so man sie mitbekommt, ein genauerer Blick bei Auffälligkeiten - mehr kann ein solcher Staat nicht unternehmen. Alles andere überfordert seine Kräfte und überschreitet die Kompetenzen. Man erinnere sich an die hierzulande geführten Diskussionen um die Dauerüberwachung von Kinderschändern und Vergewaltigern, welche vorzeitig entlassen werden oder die Datenschutzdebatten. Das Burka-Verbot, essentiell zur Personenerkennung und Vermeidung unterkannter Transporte und Schleusungen, ist bei uns schwer in der Kritik und wird in Frankreich nur an wenigen Orten de facto durchgesetzt. Es fehlen sowohl Mittel als auch gesellschaftlicher Rückhalt und Wille.

Und wenn dann die Haltung von Politik, Medien und Gesellschaft auch noch aus Verleugnung und Schönrederei besteht, dann ist jede Prävention undenkbar.
So schreibt die FAZ nicht nur "was wir bisher wissen" sondern auch gleich noch "was wir nicht wissen". Es ist für mich immer etwas besonderes, wenn mir Nachrichten erklären, was ich nicht weiß, wissen kann oder darf.
Und natürlich steht dort im Absatz des Unwissens nichts über die Bezugsquellen seiner Anscheinswaffen, warum er sich keine Echten besorgte (was in Nizza nach allem was man so hört sehr einfach ist)  oder über seine Kontakte.
Was dort steht:
Bisher ist nichts über das Motiv für die Tat bekannt. Präsident Hollande sagte, das ganze Land sei vom islamistischen Terror bedroht. Ob der Täter einen islamistischen Hintergrund hat, ist aber unklar. Der Mann sei nur durch allgemeine Vergehen zuvor kriminell auffällig gewesen, heißt es in französischen Medien unter Berufung auf Ermittler. Der Mann sei den Geheimdiensten nicht als politisch und islamistisch radikalisiert bekannt gewesen, hieß es weiter. 
3. Verleugnung und Schuldzuweisung
Wie auch bei den vergleichbaren Vorfällen der letzten Jahre (ja, dass Personen mit islamischen Migrationshintergrund in Menschenmengen gefahren sind, kam in den letzten Jahren mehrfach vor, vor allem im Rahmen von Weihnachtsmärkten) wird erstmal in Frage gestellt, ob es einen islamisch-religiösen Hintergrund gibt. Selbst wenn die Täter von mehreren Zeugen laut den bekannten Schlachtruf schreien gehört werden, wurden sie bislang am Ende als "Geisteskrank" bezeichnet.
Es ist wohl die Wahl des Mordwerkzeuges, die unsere Politiker und Medienschaffenden dazu bewegt, hier anders zu urteilen, als bei Akten mit Schusswaffen und Sprengstoff.
Angesichts der erfolgreich geschürten Angst vor Schusswaffen wäre eine Panik angesichts von Millionen von Fahrzeugen die spielend leicht in die Hände zu bekommen sind nicht völlig auszuschließen.
Und 84 Tote, 50 Schwerverletzte, dutzende weiterer Verletzte - das ist ein überaus erfolgreicher Anschlag, der sich angesichts des massiven Aufgebotes im November als Fanal herausstellen könnte. Bislang tröstete man sich damit, dass automatische Waffen und Sprengstoff angeblich nicht so leicht zu bekommen wären, was nicht nur falsch ist sondern sich auch als unnötig entpuppt.
Die Terroristen mussten damit umgehen, trainiert sein. Ein Plan musste erarbeitet werden.
Das dies alles nicht so ist, wurde nun bewiesen.
Jedenfalls, wenn die Menschen darüber nachdenken. Sich ein Fahrzeug zu besorgen und in eine Menge zu rasen, jedes Kind kann das. Ganz spontan.
Die EU wird vermutlich in Kürze das europäische Waffenrecht verschärfen. Die Novelle wurde nach den Anschlägen vom November forciert (sie war bereits in Vorbereitung) und trifft ausschließlich gesetzestreue Bürger. Sammler, Jäger und Sportschützen. Nicht ein Terrorist wird davon beinträchtigt werden, nicht eine der benutzten Waffen wäre so von der Nutzung während der Teilnahme betroffen - sie waren bereits illegal. Aber man kann damit die Waffen und nicht die Menschen oder ihre Religion zur Verantwortung ziehen und zeigen, dass man etwas unternimmt.
Selbst die zuständigen Kammern der EU haben die Novelle als unsinnig und irreführend abgelehnt - aber die Vertreter der Linken, die Sozialisten und Grünen Parteien aus Frankreich, England, Italien und den Niederlanden haben es trotzdem durchgesetzt, dass die Überarbeitung fast durch ist.
Aktionismus und Ablenkung. Beruhigungsmittel und ein Wollknäuel für die Bevölkerung. Und diese schluckt die Pille und spielt mit.
In Nizza war es ein LKW und es war angeblich ein mutiger Mann, der versuchte den LKW zu stoppen, der schließlich den Terroristen Mohamed Lahouaiej Bouhlel zum anhalten bewegte und der Polizei den Zugriff durch massierten Beschuss ermöglichte.
 
Statt also zu fragen: was können wir tun, damit nicht bald wieder unschuldige Menschen ihr Leben verlieren, ihre Angehörigen, ihre Gesundheit, debattieren wir lieber wieder darüber, womit dies ja alles auf keinen Fall etwas zu tun hat und das man auch nicht verallgemeinern dürfe.
Wir haben Angst davor, die Rechte einer bestimmten Minderheit einzuschränken.Wir haben Angst vor einer Eskalation nach dem ersten Schritt, was sein könnte und was vielleicht so werden würde, wie es bereits einmal verlief. Und dafür nehmen wir hin, dass die Zustände rapide schlechter werden und Mittlerweile Jahr für Jahr Europäer ihr Leben oder ihre Nächsten verlieren. Wir nehmen nicht nur hin, dass es "no go areas" in unseren Städten gibt, wir demenetieren trotz Verletzten und Videoaufnahmen diese Tatsache. Wir nehmen hin, dass die verletzten Gefühle einer Minderheit unsere Meinungs- und Kunstfreiheit einschränken. Wir nehmen hin, dass im Namen der Toleranz gerade für diese Minderheit Radikale einer anderen Richtung freie Fahrt bekommen, selbst das Gesetz und die Gewalt in die Hand zu nehmen.
Wir nehmen hin, dass wir Milliarden aufwenden müssen, um die Sicherheit bei öffentlichen Veranstaltungen zu gewährleisten. Wir nehmen übergriffe auf andere Minderheiten hin und machen dabei lieber unsere hauseigenen Radikalen dafür verantwortlich.
Vor allem aber nehmen wir die Opfer hin. Wir nehmen hin, dass Menschen aus unserer Mitte herausgerissen werden. Wir sehen zu, wie sie versklavt werden, wenn man sie zu einer Ehe zwingt, die sie nicht wollen in der sie einem Mann hörig sein müssen, den sie nicht kennen und der sie nicht liebt. Wir nehmen hin, dass Zugreisende auf herrenlose Gepäckstücke und merkwürdige Geräusche aus der Zugtoilette achten müssen, um nicht zerfestzt, erschossen oder erstochen zu werden.
Das Besucher eines jüdischen Museums unbeweint erschossen werden können.
Das Das Rockkenzerte Todesfallen unserer demilitarisierten Gesellschaft werden.
Wir lesen, dass über 50 Kinder von einem LKW überfahren wurden, wir lesen, dass zwei kleine Kinder während der OP gestorben sind. Wir bekamen ein Video zu sehen, in welchem ein 8jähriges kleines Mädchen, welches gerade den Tod seiner beiden Brüder und des Vaters miterleben musste von ihrem Peiniger, Mohammed Merah, gequält und terrorisiert wird, bevor er ihr aus nächster Nähe in den Kopf schießt und diese Tat als großes Werk preist - weil sie Jüdin war.
Wir nehmen hin, dass sich ein junger Mann nur durch Videos aufgerufen fühlt, eine Pistole zu greifen, in den Bus von US Militärs zu steigen und diese zu erschießen.
Wir nehmen hin, dass Menschen unter qualen der Kopf abgeschnitten wird und behaupten entschuldigend, dies sei "Köpfen wie im Mittelalter".

Es gibt diesen berühmten Absatz. "Als sie die Kommunisten abholten, habe ich geschwiegen, denn ich war kein Kommunist. Als sie die Juden abholten, habe ich geschwiegen, denn ich war kein Jude."
Der Absatz endet mit dem Verweis, dass keiner mehr da war, als der Erzähler selbst abgeholt wurde.
Seit jene Weisheit verfasst wurde, sind wir einen Schritt weiter. Menschen glauben, "nicht zu schweigen", wenn sie jede Kritik am Islam, jedes kritische oder auch harsche Wort in Richtung der Muslime mit scharfem Aktionismus ablehnen.
Dabei schweigen sie dabei nur zu dem, was Menschenleben kostet. Bis es irgendwann sie selbst trifft. Und manchmal selbst dann.
Das macht mich krank.


Wir müssen einen Weg finden, uns zu schützen. Und das geht nur, wenn wir offen und ehrlich diskutieren. Wenn wir unser Utopiedenken als solches erkennen und einordnen. Das dabei Grenzen erhalten bleiben, steht ebenso außer Frage. Sicherheit und Freiheit stehen sich öfter unversöhnlich gegenüber. Aber Sicherheit UND Freiheit zu opfern, das ist so unglaublich, dass es sich selbst Orwell nicht ausdenken hätte können.

Samstag, 21. Mai 2016

Autos - Waffen der Strasse?

Als wäre der Artikel gestern über den couragierten Bürger mit seiner Schreckschusswaffe aus Hagen um eine tragische und traurige Antwort erweitert worden, meldet der Spiegel heute, dass in der gleichen Staat zwei Männer ein illegales Autorennen mit ihren Fahrzeugen fuhren. Dabei rammten einer der beiden das Auto einer Mutter in welchem sich auch deren zwei kleine Kinder befanden. Alle drei wurden schwer verletzt, das fortgeschleuderte Fahrzeug (hieran sieht man, mit welcher Wucht die Fahrzeuge aufeinander prallten bzw. welch hohe Geschwindigkeit einer der Täter hatte) prallte in ein weiteres Auto, dessen Insasse ebenfalls schwer verletzt wurde.

Meine Gebete sind bei den Verletzten. Mein Mitgefühl gilt den Betroffenen und deren Angehörigen.

Beide Täter flüchteten, keiner von beiden leistete Erste Hilfe. Der Betreffende stellte sich später mit seinem Anwalt.
Nach den beiden getöteten Radfahrern aus Köln, einem getöteten Rentner in Berlin uvm. sollte nun die Öffentlichkeit bemerkt haben, wie oft die tonnenschweren Automobile völlig rücksichtslos eingesetzt werden. Ein Gegenstand, der einem völlig anderen Zweck dient wird hier missbraucht und Menschen kommen um oder verlieren ihre Gesundheit.

Die Rufe nach strenger Limitierung einer Erwerbserlaubnis oder eingehenderer Prüfungen der Anwärter ist trotzdem gering, im Gegenteil werden bestimmte Käufe staatlich gefördert und das Führerscheinalter heruntergesetzt.

Wie verdreht muss eine Gesellschaft sein, um bei nahezu gleichen Verhältnissen einmal den benutzten Gegenständen und einmal dem eigentlichen Täter die Schuld zuzuschieben?

Montag, 14. Dezember 2015

Krieg gegen den Islam, Krieg mit Islam, Krieg im Islam?

Der IS, also der "Islamische Staat" oder, wie ihn viele unserer Politiker und Journalisten mittlerweile nennen, "der sogenannte islamischen Staat" (dsIS?), hat derzeit laut CIA zwischen 20 000 und 35 000 Kämpfer - laut BILD lediglich 17 000. Die Schwankung von 15 000 Personen in der CIA Schätzung zeigt bereits, wie niedrig der Wissensstand ist.
Festzuhalten ist aber, dass es deutlich unter 40 000 Krieger sein sollen, die in Syrien und dem Irak für den IS Kämpfen und unter Waffen stehen.
Zum Vergleich: die türkische Armee hat rund 630 000 aktive Soldaten, Saudi-Arabien 230 000, Syrien hatte vor der massiven Fahnenflucht 300 000 Soldaten und nach mehreren Jahren Kampf und besagter Verweigerung liegt die Zahl bei etwa 100 000. Die kurdischen Peschmerga sollen zwischen 190 und 250 000 Soldaten stark sein und der Libanon hat ca. 50 000. Jordanien könnte mit weiteren 100 000 auftrumpfen.
Israel lasse ich bewusst außen vor.

Nun dürfte die numerische Übermacht in diesem Spiel der Zahlen klar sein - wenn die Angaben über den IS stimmen.
Allerdings können die Staaten selbstredend nicht ihre gesamten Truppen in Marsch setzen. Bei rund 20 000 Feinden sollte aber bereits ein Kontingent von insgesamt etwa 50 bis 70 000 Mann reichen - welches leicht zu erreichen sein sollte. Dazu kommen ja noch die angeblich moderaten Rebellen in Syrien, die uns in neueren Videos immer wieder erklären, dass sie den IS bekämpfen, die US und russische Luftunterstützung.

Aber wo sind die moderaten Muslime? Immer wieder wird betont, dass es keine breite Unterstützung für den IS gibt, im Gegenteil die meisten Muslime ihn als unislamisch ablehnen würden. Nun müsste man meinen, dass diese Mehrheit der Muslime den Missbrauch ihrer Religion mindestens ebenso ablehnt, wie Mohammedkarrikaturen oder die Beschädigung eines Korans - was in der Vergangenheit zu um sich greifenden Protesten und Gewaltakten von Muslimen von Ägypten über Indonesien bis nach China geführt hat. So wie der IS die Radikalen und Extremisten anzieht, da würde man doch erwarten, dass sich mittlerweile auf der anderen Seite Freiwillige zuhauf finden würden, die ihren Glauben, den sie so leben wie er "richtig verstanden" und "im richtigen Kontext gelesen" es vorgibt verteidigen wollen.
Das würde man dann Konfessionskampf oder -krieg nennen. Eine Gruppe interpretiert die eigene Religion anders als der Rest oder andere Gruppen und gerät mit diesem dadurch aneinander. Das kennen die Muslime vom Todestag Mohammeds, als sie sich in Sunniten und Schiiten, später noch im Sufis und Ahmadiyya teilten. Auch Christen, Buddhisten und Juden kennen innerkonfessionelle bzw. konfessionelle Kämpfe wegen verschiedener Interpretationen von Texten, Überlieferungen und Glaubensvorstellungen. Wenn diese gewaltsam wurden fanden sich stets Menschen die den jeweiligen Seiten zustrebten und für sie töteten und starben. Momentan ist dies im Fall des IS ziemlich einseitig.
Dabei fehlt es nicht an engagierten Menschen mit medialer Reichweite, die sich bemühen das Mantra zu wiederholen "Islam ist Frieden. Alle Gewaltaufrufe welche zitiert werden, sind aus dem Kontext gerissen. Mohammed hat sich stets nur verteidigt. Der IS hat nichts mit dem Islam zu tun und pervertiert, missbraucht, zerstört die Religion." Diese müßten doch Interesse haben, dem IS dann die Vorherrschaft der Interpretation abzunehmen. Vielmehr aber sind diese Verbände und Personen daran interessiert, uns die Schuld für die Radikalisierung in die Schuhe zu schieben, während sie den Hintergrund verleugnen.

Meine Vermutung ist: ein großer Teil der europäischen Muslime liegt zwischen den Extremen. Die Muslime, die sich mehr als Gewohnheit und Tradition, vielleicht auch aus familiären Gründen zum Islam bekennen und in Wirklichkeit weder Koran noch Hadithe gelesen haben, eine Moschee bestenfalls zum Zuckerfest besuchen usw. Also das Gegenbeispiel zum typischen deutschen Christen. Denen ist es völlig egal, was da passiert. Sie identifizieren sich nicht mit dem Islam. Weder mit dem der Verbände welcher betroffen bei jeder Kritik aufschreit und die Kritiker diffamiert, noch dem des IS, der die Geschichte des Islam noch einmal aufleben lässt.
Warum sollten diese in den Krieg ziehen wollen?
Wenn meine Vermutung stimmt, so sollte diese Haltung nach vorne getragen werden und die Macht der Verbände brechen - auf dass wir Kritik am Islam und an Muslimen äußern können, ohne darum gleiche unter den Generalverdacht gestellt zu werden, den wir angeblich äußern. Nur so können wir dann offen über das Problem Islamismus, inklusive dem IS, Boko Haram und all den vielen anderen sprechen.

Wenn das aber nicht der Fall sein soll, dann sind die Verbände und diejenigen, die den Islam immer und immer wieder verteidigen, in Schutz nehmen, nun an der Reihe der damit aufgenommenen Verantwortung gerecht zu werden und etwas zu unternehmen.
Denn der IS IST zu besiegen - und warum das durch den Irak, Saudi-Arabien, Türkei, Iran und Hisbollah und Co. nicht klappt - das sollte mal dringend analyisiert werden.


Sonntag, 6. Dezember 2015

Unterschied zwischen einem Terroristen und einem Wahnsinnigen UPDATE ZUM ABLAUF

Vermutlich überschreite ich die Grenzen, wenn ich von "Wahnsinnigen" spreche,  also entschuldige ich mich bereits im Vorfeld. Ich meine selbstverständlich im folgenden Text ausschließlich jene Wahnsinnigen, welche mörderische Absichten haben und diese versuchen zu verwirklichen. Sozusagen die Wahnsinnigisten. Die Radikalisierten.

Soviel vorweg. Gestern habe ich kurz meinen Frust über die unterschiedliche Behandlung, die pure und schreiende Ungerechtigkeit in der Medienbetrachtung zu zwei aktuellen tragischen Anschlägen, "Schießereien", "Massenmorden" und wie immer es genannt wird, herausgelassen.
Mit etwas weniger Wut im Bauch, möchte ich an einem bestimmten Punkt anknüpfen. Während es lange angezweifelt wurde, dass jenes muslimische Ehepaar in Californien wirklich einen Terroranschlag (14 Tote, 21 Verletzte) beging, wurde in Colorado Springs (3 Tote, 12 Verletzte) sofort aufgrund des Ortes geäußert, scheinbar beschlossen, dass es sich um einen weißen, christlichen, "domestic" Terroristen handeln musste, welcher natürlich auch bereits in der Vergangenheit Einrichtungen der Abtreibungsorganisation Planned Parenthood, welche hierzulande gerne als "Frauenklinik" beschrieben wird, verwüstet hätte.

Mittlerweile kommen mehr und mehr Details zum Vorschein, in beiden Fällen.

Diese machen eindeutig klar: bei dem Täter aus Colorado handelt es sich um einen gewaltätigen Menschen, welcher scheinbar stets an der Grenze des gesunden Menschenverstands lebte. Journalisten und Aktivisten bemühen sich seit nunmehr über einer Woche, Beweise zu sammeln, dass der Mann ein "Anti-Abtreibungs-Aktivist", ein "fundamentaler Christ" und überhaupt das inkarnierte Problem der US Gesellschaft war. Wer sich den englischsprachigen Wikipediabeitrag durchliest, erhält bspw. die Information, seine Ex Frau habe ihn 1993, während der Scheidungsverhandlung, als jemanden bezeichnet, der sich selbst als evangelikalen und bibelkundigen Christen bezeichnet, der es aber ablehne die Regeln des Christentums zu befolgen, da er "nur durch das Bekenntnis" bereits errettet sei und "machen könne, was er wolle".
Auch habe sie von früheren Attacken auf Planned Parenthood Einrichtungen berichtet - er habe die Schlösser eines Gebäudes mit Klebstoff verkleistert.

Bislang gibt es in Wirklichkeit kein klares Statement dieses "Terroristen". Er hatte seinen großen Fernsehauftritt bereits, bei der Verkündung der Anklage. Das Gericht war via Internet mit dem Zellentrakt in dem er sich derzeit u.a. unter medizinischer Überwachung befindet verbunden, als ihm erklärt wurde, was ihm vorgewirfen wird, welche Folgen das haben kann und was weiter geschieht.
Im Gesicht des Mannes ist keine Befriedigung, kein Triumph, keine Freude, aber auch kein Schrecken, keine Angst, keine Reue zu erkennen. Auch keine Ablehnung, kein Hass, keine Wut. Eher eine große Gleichgültigkeit, fast schon Müdigkeit. Eine gewisse Langeweile. Wer sich fragt, was er da trägt: er gilt als suizidgefährdet und diese Westen sind konzipiert, dass sie die meisten üblichen Selbstmordmethoden unmöglich machen sollen oder erschweren.

Robert Lewis Dear
Auch der Ablauf ist nunmehr von der Polizei klar ausgegeben worden - aber die Medien wiederholen nur, was zu ihrer bereits etablierten Geschichte passt. Offenbar hat der Täter, Robert Lewis Dear, bereits außerhalb des Planned Parenthood angefangen zu schießen. Eines der Opfer brach etwa 200 m von besagtem Gebäude entfernt zusammen - also in der Mall.
Erst als die Polizei eintraf, zog sich Dear scheinbar schießend in die Abtreibungsklinik zurück und lieferte sich dort eine über fünf Stunden andauernde Belagerung mit der Polizei. Zu diesem Zeitpunkt befanden sich Mitarbeiter, Kunden und Besucher der Organisation im Gebäude - bislang wurde keine Information bekannt, nach der Dear in den fünf Stunden versuchte, an diese Geiseln heranzukommen.
Nachdem es Polizisten gelungen war, ins Gebäude zu kommen, redeten sie auf ihn ein und überzeugten ihn, aufzugeben.

Mir ist es nicht gelungen mehr über seine Bewaffnung zu erfahren, als dass er eine "Langwaffe", also ein Gewehr dabei hatte und Jagdkleidung trug.

Mehr an Informationen, abseits von den Statements dutzender Politiker aller Größenordnung, u.a. auch Obama, sind kaum zu bekommen. Er solle viel geredet haben - u.a. über "Baby parts" - also über Teile von abgetriebenen Babies, auf einen Skandal anspielend, der herausbrachte, dass Planned Parenthood bei der Abtreibung von vollentwickelten Babies darauf achtete "Körperteile zu ernten" - also unbeschädigt abzusagen oder auszukratzen - ein unwürdiger Vorgang der nach Ansicht der Gegner dem Profit und der Verteidiger der Forschung dient.
Aber er soll auch über Präsident Obama und vieles mehr gesprochen haben - und trotzdem gab es bislang keine Aussage über sein Motiv von offizieller Seite.
Was man weiß ist, dass er viel Zeit in seiner Hütte verbrachte. Diese hier.

Dears Hütte
Diese Hütte besitzt keinen Wasseranschluss, keinen Strom und wie es aussieht wohl auch kein TV oder Internet. Aber immerhin eine Tür. Die für die Nachbarn scheinbar stets verschlossen blieb. Dear lebte allein und bevorzugte es wohl auch so.


Nachdem man nun diese Dinge gesehen hat - ist das ein Terrorist? Ein Mensch, der möglichst vielen Menschen das Leben nehmen will um damit noch viel mehr Menschen in Angst und Schrecken (also in "Terror") zu versetzen? Oder ein Terrorist, der mit seinem Anschlag ein größeres Ziel verfolgt? Folgt er einer religiösen oder politischen Weisung wie die Anhänger des IS, der RAF oder der ETA? Ist er vernetzt mit Anderen die so denken wie er, hat er wenigstens eine Terrororganisation "geliked"? Hat er sich in die Gesellschaft eingepasst, so dass er keiner Sicherheitsbehörde ins Auge stach die nicht gezielt nach den kleinsten Auffälligkeiten suchte? Hat er sich vorbereitet auf ein Gemetzel mit allen Mitteln? Hat er die Taten genutzt um eine Botschaft zu übermitteln?
Soweit wir wissen - und das dieses Wissen ist sehr begrenzt: nein. Er hat nicht versucht, die Leute in Planned Parenthood bis auf den letzte Anwesenden zu töten oder wenigstens als Schutzschilde zu nutzen. Er ging nicht kämpfend und "Deus vult" rufend unter. Wir haben keine Ahnung über sein genaues Motiv und was ihn dazu trieb, aber bisher scheint er keine Komplizen gehabt zu haben, es fanden sich scheinbar keine Aufzeichnungen die über ablehnende politische Statements und Verfolgungswahn hinaus gingen. Die Behörden hatten ihn wegen vorherige Probleme bereits auf dem Schirm und seine Nachbarn wussten um ihn und seine Exzentrik. Von Anpassung kann keine Rede sein. Sein Erscheinungsbild vor Gericht spricht Bände - im Gegensatz zu ihm.


Bislang klingt das für mich eher nach einem Wahnsinnigen, einem Durchgeknallten als einem Terroristen. Der "grande terreur" verzichtete nie darauf, die Köpfe der Hingerichteten der Menge zu präsentieren und Statements zu platzieren, die sagten: seht her, jeder der gegen uns ist, endet so; ihr wolltet den Tod dieses Menschen, hier habt ihr ihn usw.


Und auf der anderen Seite haben wir das Ehepaar Farook. Die beiden haben die Weihnachtsfeier des Arbeitgebers (Inland Regional Center) gestürmt. Syed Rizwan Farook arbeitete dort als "county helth inspector" - ein Posten mit Verantwortung. Sie stürmten dort mit automatischen Gewehren und selbstgebauten Bomben hinein und richteten ein Blutbad an. Da sie dabei auch die Feuermelder trafen und somit die Sprenkler aktivierten wie auch die Notrufzentrale, zogen sie sich gerade rechtzeitig zurück, denn die Polizei war nach nur vier Minuten da. Die beiden suchten NICHT die Konfrontation, nicht das Gefecht. Statt dessen ließen sie mindestens einen Sprengsatz zurück, der jedoch nicht zündete.
Noch vor zwei Tagen titelte die deutsche Bildzeitung dazu:

Amoklauf nach Streit in Behinderteneinrichtung

Diese Überschrift ist mittlerweile verschwunden, findet sich jedoch noch über google. Aber sie verwundert nicht, denn auch in den US Medien wurde versucht, zuerst die Meinung in diese Richtung zu lenken und zu beteuern: auch wenn Syed und seine Frau Muslime seien, handele es sich hier nicht um ein religiöses Attentat sondern einen Amoklauf. Syed sei ein gut integrierter, moderater Muslim, der lediglich durch die Umstände zum ausrasten gebracht worden sei, und weil die Waffengesetze so lasch seien, hätten ihn die Waffen regelrecht gezwungen so zu handeln (im Artikel unter diesem Link ist ein Verweis "woher die Attentäter ihre Waffen hatten" - welcher lediglich behauptet, mindestens zwei der Waffen seien legal erworben worden - und glatt auslässt, dass die einzigen benutzten, die Gewehre, es eben nicht waren - und ansonsten die Schusswaffen einer Reihe anderer Massenmörder vorstellt).
Mittlerweile verbreitet die Familie der beiden sogar, dass die beiden Sündenböcke für etwas völlig anderes wären und nur dazu dienten, die amerikanischen Muslime schlecht zu machen. 
Einer der Überlebenden des Massakers, Patrick Baccari berichtete statt dessen aber, das es da nichts gab. Keinen Streit, keinen Rauswurf, kein böses Wort. Statt dessen sei Syed einfach verschwunden und zwei Stunden später wieder aufgetaucht.
Im Haus und Auto des mörderischen Ehepaares, welches ihren sechs Monate alten Nachwuchs bei der Familie an diesem Tag unter einem mittlerweile als falsch herausgestellten Vorwand abgegeben hatten, fand man später tausende Schuss Munition und mindestens ein dutzend Rohrbomben, wie jene in der Anlage.
Spätestens hier war klar: das war vorbereitet. Und zwar nicht zwei Stunden, nicht zwei Tage sondern über Wochen, vielleicht Monate. Angesichts der Tatsache, dass die Eheleute Farook erst ca. ein Jahr verheiratet waren, eine bedeutende Zeit. Derzeit wird nun darüber spekuliert, wer von beiden wen radikalisierte. Als wäre das von Bedeutung. Syed wurde in den USA geboren, seine Eltern waren eingewanderte Pakistanis, seine Frau ist wohl eine Pakistanerin. Die beiden haben sich in Saudi-Arabien getroffen, als er dort zum zweiten Mal war. Wohl auf der Hadsch, auf der Pilgerfahrt der Muslime nach Mekka.

Zurück zum Ablauf: die beiden flohen also vom Tatort. Eine Verfolgungsfahrt schloss sich an, an
deren Ende sie gestellt und in einem nicht gerade kleinen Feuergefecht beide erschossen wurden. Nochmal deutlicher: sie kämpften auf verlorenem Posten gegen eine Übermacht bis zum Tod.
Moment des Zugriffs unmittelbar nach dem Schusswechsel
Auf dem Bild gut zu erkennen ist die große Zahl von Einschusslöchern an der Frontscheibe. Schon allein die Übermacht hätte die Sinnlosigkeit der Gegenwehr jedem nicht-Fatalisten verdeutlicht und zur Aufgabe überredet.
Die Erschossene unmittelbar nach Sicherung

Nicht so diese beiden. Es ist für mich absolut unklar,wie Behörden noch Tage später behaupten konnten: ja, da waren Kontakte zu Extremisten, ja da war eine strengere Auslegung des Islam als die meisten Muslime, die wir als "moderat" bezeichnen, da war eine erkennbare Veränderung, da waren Waffen und Sprengstoffe, die nicht typisch für einen Wutanfall oder spontanten Amoklauf sind und da war ein "stand off", eine abschließende Schießerei die nur auf eine Art enden konnte - aber wir sind uns noch immer nicht sicher, ob das Motive wirklich Terrorismus sein könnte.


Für Obama spielt das alles gleich gar keine Rolle. Seit Dears Tat wiederholt er wieder einmal die Phrase von Waffengesetzen. Als wären Rohrbomben und vollautomatische Gewehre in Kalifornien legal - oder das umbringen von Menschen irgendwo in den USA.


Diese zutiefst unterschiedliche herangehensweise zeigt für mich deutlich, wo Vorurteile, wo Rassismus und wo Missbrauch von Opfern wirklich zu finden ist. Wie seinerzeit die Medienwelt beim Breivik-Attentat jubelte, endlich einen "christlichen" Terroristen, und gleich noch so einen schaurig erfolgreichen, zu haben, so triumphierte das "progressive" Amerika als es endlich sein Feindbild vor die Kamera ziehen konnte. Hier gab es keinen Aufruf, ruhig und besonnen, ohne Verallgemeinerungen und Vorverurteilungen an die Sache heranzugehen und abzuwarten, was die Behörden rausfinden.
Die kamen erst, als es in Kalifornien noch viel mehr Opfer gab und nur dank der schnellen Beamten und der Hilfe des Zufalles noch ein solcher Anschlag verhindert werden konnte.

Es stehen sich gegenüber: ein Außenseiter, der schon seit vielen Jahren durch Verschwörungstheorien und einen erbärmlichen Lebensstil sowie soziale Disfunktion auffiel und ein Ehepaar, welches vermutlich über Monate einen massiven Anschlag plante und dabei mit einer der schlimmsten extremistischen Organisationen sympathisierte, die seit Monaten eine Reihe von Anschlägen in Europa, den USA und Australien zu verantworten haben.

Für mich steht hier deutlich ein Wahnsinniger, der dringend weggeschlossen und behandelt werden muss einem Paar von Terroristen gegenüber - bei denen geklärt werden muss, woher sie Waffen und Sprengstoff hatten und wie viele Menschen wie sie ticken.
Aber das wird wohl nicht geschehen. Das Feindbild ist auch in den USA klar. Der konservative, christliche Republikaner, der womöglich auch noch Waffenbesitzer und am allerschlimmsten Mitglied in der NRA ist. 
Und dieses Weltbild ist bei uns noch dramatischer.



Sonntag, 22. November 2015

EU-Waffenrechtsverschärfung als Antwort auf den Terrorismus und eine Petition dagegen

Die EU hat in Reaktion auf die Anschläge von Paris nur fünf Tage danach eine Reihe von Vorschlägen als Maßnahmen gegen solche Terrorakte und die vermeintlich leichte Verfügbarkeit dabei eingesetzter Waffen verabschiedet. Dabei wurde betont, dass der im Thalys im Oktober gescheiterte Terrorist eine AK benutzte, die er aus Einzelteilen zusammen gesetzt hatte. Diese soll er angeblich via Internethandel in Europa bestellt haben.
Davon ist der Öffentlichkeit bislang nichts bekannt, vielmehr ist in den Nachrichten und offiziellen Meldungen zu lesen, dass die Waffen in Belgien auf dem Schwarzmarkt besorgt wurden - wie die Mehrheit der bis dahin benutzten AKs und Raketenwerfer.
Dabei soll das Vorhaben innerhalb von wenigen Monaten in Gesetze der jeweiligen Mitgliedsstaaten umgesetzt sein - wobei die übliche Frist drastisch eingeschränkt wird. Es soll schnell gehen - nicht demokratisch.
Sie es drum. Die aktuellen Vorschläge laufen nicht darauf hinaus, die ohnehin in Europa verbotenen Kriegswaffen (vollautomatische Waffen fallen in (fast?) allen europäischen Staaten unter das Kriegswaffengesetz, d.h. sie sind bis auf im militärischen und polizeilichen Bereich völlig verboten, ohne jede Ausnahme) besser oder schneller aufspüren und verfolgen zu können. Nein, die Maßnahmen treffen ausnahmslos wiedermal die Waffenbesitzer, die sich nach Recht und Gesetz anmelden.
Zu den Maßnahmen zählen:
  1. Ein Verbot bestimmter halbautomatischer Schusswaffen.
  2. Strengere Regeln für den Umgang mit Signal- und Starterpistolen, von denen ein Gefahr durch Umbau ausgehe.
  3. Strengere Regeln für den Verkauf an Sammler, um den Weiterverkauf an Kriminelle zu unterbinden.
  4. Strengere Regeln für den Handel und Besitz von deaktivierten, also unbrauchbar gemachten Schusswaffen. Faktisch sollen solche aus der Kategorie A verboten werden.
  5. Verknüpfung bestehender nationaler Waffenregister und Austausch der Informationen über Waffenkäufer.
  6. Strengere Regeln im Internethandel um den Kauf von Schusswaffen, Waffenteilen und Magazinen im Internet zu verbieten.
  7. Gemeinsame Markierungsregeln, um die Rückverfolgung zu vereinfachen.
Zur Erläuterung: Halbautomatisch bedeutet, dass bei jedem betätigen des Abzuges ein Schuss abgegeben wird. Im Gegensatz zu vollautomatisch. Dort wird solange geschossen, wie der Abzug gedrückt bleibt.


Diese Planung bestand zu einem Teil bereits im April dieses Jahres, wurde nun aber wieder hervorgezaubert und eindeutig mit den Anschlägen verknüpft.
Auch wenn Sie, geneigter Leser, nichts mit Schusswaffen am Hut haben oder diese neuen Regeln plausibel finden, bitte ich Sie, mir ein paar Erwiderungen zu den Punkten zu erlauben.

zu 1. Die von den Terroristen benutzten Waffen, seien es die Anschläge auf Charlie Hebdo und den jüdischen Supermarkt, Kopenhagen, Thalys oder eben erneut Paris fanden unter Verwendung von völlig verbotenen und auf keinem Weg legal zu erhaltenen vollautomatischen Waffen statt.Nicht eine oder zwei, sondern dutzende solcher Waffen wurden verwendet oder in den folgenden Razzien aufgefunden. Inklusive Sprengmittel - die ebenfalls absolut verboten sind.
Die Annahme, man könnte also durch Verbote irgendeiner Art diese Anschläge verhindern ist aufgrund der Tatsache, dass es ja bereits entsprechende Verbote gibt einfach nur hirnrissig.
Außerdem bezieht sich das Verbot auf Waffen, die dabei keine relevante Rolle spielten. Halbautomaten finden sich heute vor allem im Sport, den Behörden und der Jagd. Das Verbot würde also lediglich den Sport (und Sammler) treffen und den Jägern das Leben noch schwerer machen.
Terroristen und Kriminelle, das beweisen sämtliche Statistiken, die nicht einfach alle Daten in einen Topf (Schusswaffen verursachen dies und jenes) werfen, sondern auch mal schauen, wie hoch der Anteil der legal erworbenen und besessenen Schusswaffen an Verbrechen und Terror ist, diese Statistiken also beweisen, dass Terroristen und Kriminelle sich schneller, einfacher und besser über den Schwarzmarkt versorgen - und dies auch umsetzen.
Die Rechtschaffenen werden entwaffnet und den bösen Jungs ein Vorteil verschafft. Wie schon in Paris müssen sie sich keine Sorgen um Gegenwehr machen.

zu 2. Wie wir ja wissen, finden die meisten Verbrechen mit umgebauten Signalpistolen und Starterrevolvern statt.... hier gilt das gleiche wie unter 1. Das ist reiner Aktionismus, der mit der Realität in keiner Weise in Verbindung steht.

zu 3. Sammler in Europa müssen sich, wie alle anderen Waffenbesitzer auch, registrieren, bzw. ihre Waffe. Deren Seriennummern werden mit den Namen der Sammler verknüpft. Sollte er sie privat weiterverkaufen muss er, m.W. in allen Ländern Europas, dies melden. Geschieht mit der Waffe ein Verbrechen und er hat sie verkauft ohne das zu melden steht die Polizei bei ihm auf der Matte. Ganz ohne neue Gesetze. Dann gibt es so oder so Ärger.

zu 4. Unbrauchbar gemacht Waffen sind genau das. Unbrauchbar. Wichtige Teile sind nicht mehr zu benutzen. So werden Löcher in den Lauf gebohrt und der Verschluss verschweisst oder verplombt. Da man an diese wichtigen Teile, mindestens aber an einen neuen Lauf nicht kommt, da der Handel damit in Europa ohnehin bereits Verboten oder unter strengsten Auflagen steht, ist die Sache eine reine Augenwischerei. Wenn es hier Lücken gibt, so sind die in einzelnen Landesgesetzen - da muss nicht die Gesamtheit verboten oder nahezu unmöglich gemacht werden. Auch ist mir bisher kein Fall bekannt, in welchem Terroristen solch eine Waffe benutzt hätten - wozu auch. Sie bekommen funktionierende und vollständige AK47 / 74 massenhaft ins Land geschmuggelt.

zu 5. Waffenregister zu verknüpfen ist der einzige sinnvolle Punkt in der Liste - der generelle Austausch von Informationen über Käufer hingegen ist nach meinem Denken eher etwas, dass einer richterlichen Anordnung Bedarf.

zu 6. Wie gesagt gibt es hier bereits relativ strikte Regeln. Sie funktionieren bisher gut und sind in den vergangenen Vorkomnissen ebenfalls nicht Teil des Problems gewesen.

zu 7. Bisher werden Seriennummern erfasst und beim Kauf zusammen mit dem Namen des Käufers vermerkt bzw. registriert. Wenn die nationalen Register sich verknüpfen, dann ist die Thematik bereits erledigt. Hier wird nur so getan, als habe man noch Nützliches beschlossen.


Bei der Aktion handelt es sich um pursten, reinsten Aktionismus einer Fraktion, die Sportschützen, Jägern und Sammlern das gleiche Schicksal angedeihen lassen will, wie zuvor bereits solchen, die Willens waren sich und ihr Umfeld zu verteidigen - das Verbot.
Ein großer Teil des modernen Schießsportes, vielleicht sogar die Mehrheit, setzt auf halbautomatische Schusswaffen. Seit Jahrzehnten. Diese Waffen tauchen extrem selten einmal bei Verbrechen auf. Sie haben aber auch gar nichts mit dem Terrorismus unserer Tage zu tun.
Daher meine Bitte: auch wenn Sie selbst kein Schütze sind aber verstehen, dass es Menschen gibt die damit einen Sport ausüben oder generell einem Hobby frönen und diese Menschen für etwas bestraft werden, dass sie gar nicht getan haben, dann unterzeichnen Sie bitte die Petition.
Sollten Sie selbst Luftgewehr oder Einzellader schießen, bitte ich Sie, zeigen Sie Solidarität. Auch wenn Sie es diesmal noch nicht trifft, sollten es Ihnen doch nicht gleichgültig sein, wenn solcher blinde Aktionismus andere trifft. Und bedenken Sie: beim nächsten Mal könnten Sie es sein.

>>>>>>>>>>Hier der Link zur Petition<<<<<<<<<<<<<.
Sie können auch Unterschreiben und ihre Unterschrift wird nicht öffentlich gezeigt.

Vielen Dank für Ihre Zeit und Aufmerksamkeit und sollten Sie Verständnis haben auch dafür.
Aber natürlich ein riesiges Danke schön und vergelt es Gott an alle Unterzeichner.

Donnerstag, 19. November 2015

Waffen - Glauben, Fakten und Kriminalität

Eines der häufigsten Gegenargumente gegen weniger strenge Waffengesetze ist die Behauptung, Kriminelle kämen dann leichter an Waffen. Heutzutage wird dies auch über Terroristen behauptet.

Aber was steckt denn hinter dieser Behauptung?
Deutschland hat seit den RAF-Anschlägen der 70er Jahre ein "strengeres" Waffengesetz, welches sich nach den Amokläufen von Erfurt und Winnende nochmal verschärfen ließ. Dabei waren bereits die Waffen der RAF illegal beschafft und geschmuggelt und auch der Erfurter Schütze musste tricksen und hatte das Glück, dass die Behörde auf die gemeldete Inaktivität des "Sportschützen" nicht reagierte und auch dessen Dokumentenfälschung nicht auffiel, mit der er sich eine Waffe besorgte, die er nicht besitzen durfte.
Kurz gesagt: selbst wenn es leichter ist, legal an Waffen zu kommen, ziehen es Kriminelle vor, sich illegal zu versorgen.

Und dabei können sie in einen riesigen Topf greifen. Heute geht man in der BRD von offiziell bis zu 20 Millionen illegaler Waffen aus. Natürlich nur eine Schätzung - und eine illusorische oben drein. Als die besagte erste Waffenrechtsverschärfung erfolgte wurden quasi über Nacht 20 Millionen Schusswaffen in deutschen Haushalten illegal. Davon wurden in den folgenden Jahren mittels Amnestieprogrammen aber nur ca. zwei Millionen eingesammelt.
Während der Wiedervereinigung blühte der Schwarzmarkt mit Waffen der abziehenden SU-Truppen. Hinter vorgehaltener Hand oder in der Anonymität des Netzes wird von automatischen Waffen zu Spottpreisen gesprochen. Kurz darauf boomte der Schwarzmarkt dank des Yugoslawienkrieges - und das ist bis heute so. Der kürzlich in Bayern gestoppte IS Sympathisant hatte acht AK 47 bzw 74 aus Montenegro dabei.
Man darf also ohne Zweifel annehmen, dass wir weit über 20 Millionen illegale Schusswaffen im Land haben - und diese stehen 5,5 bis 7 Millionen legalen Waffen in den Händen von ca. 3 Millionen zivilen Sport- und Jagdschützen gegenüber.

Nachdem im Januar der Angriff auf Charlie Hebdo bereits mit Kriegswaffen (Sturmgewehre und einer RPG, ein Granatgeschoss mit Raketenantrieb) erfolgte, machten Polizei und Medien mal den Test und waren selbst schockiert. Innerhalb weniger Stunden waren vom Sturmgewehr über Maschinenpistolen kleine Mengen an Schusswaffen zu bekommen - sowohl in Frankreich als auch in Deutschland. Journalisten staunten schon vor drei Jahren, dass man in Berlin "über 1000 Euro für eine Kalaschnikov zahlen muss". Nicht nur, dass diese Waffen für Zivilisten gar nicht zu bekommen sind - diejenigen, die mit viel Zeit und Geld als Sportschützen oder Jäger eine Langwaffe, also ein Gewehr, erwerben dürfen, welches nur jeweils einen Schuss abgeben kann zahlen für ihre Waffen dann noch einmal deutlich mehr. So kostet die zivile Version des G36 mindestens 1500 Euro - den behördlichen Aufwand ebensowenig mitgerechnet, wie das Geld welches man für den vorgeschriebenen Safe und die Transportmaterialien aufwenden muss.

Die Folge daraus wäre: wenn Irre und Kriminelle an Waffen kommen wollen, so ist das für sie bereits kein Problem und eine Legalisierung würde es ihnen nicht erleichtern - nur die potentiellen Opfer in die Lage versetzen sich zu wehren.
Und die Beispiele für solche Ereignisse sind vorhanden. Meist hören wir allerdings nur in spektakulären Fällen, wie im Januar und November aus Paris davon. Davor und dazwischen gab es bereits, ich verweise nochmal auf meine Liste, mehrere Anschläge und stets waren die Mörder gut bewaffnet - meist weit besser als die Polizei. Sturmgewehre sind in Frankreichs Bandenkriegen mittlerweile Dauergäste.
Selbst im fernen Schweden tauchen sie mittlerweile in beängstigender Regelmäßigkeit auf. Etwa bei einem Juwelierraub in der kleinen Stadt Södertälje vor zwei Jahren - direkt neben einer Polizeiwache. Es war vermutlich Glück und nicht bessere Ausrüstung oder Ausbildung, die alle Beamten unverletzt ließ und einen der Angreifer zu Boden schickte. Oder im März diesen Jahres bei einem Mord in einem Restaurant mit über einem dutzend Verletzter neben zwei Toten.
So ist dieser Terror der französischen Polizei nicht neu. Schon 2009 wurde über fast schon militärische Aktionen inklusive der passenden Bewaffnung gegen die Polizei in den Vororten berichtet - und ignoriert.

Halten wir also fest: Terroristen von Islamisten über die Mörder der NSU haben genausowenig Probleme an Waffen zu kommen wie Kriminelle oder solche Geisteskranken, die planen einen Mord zu begehen.
Dabei greifen sie i.d.R. auf jene Waffen zurück, die unter gar keinen Umständen für Zivilisten legal sind, und deren Legalisierung nicht mal gefordert wird. Oder sie nutzen Alltagsdinge wie Autos und Schnellkochtöpfe. So geschehen beim Königinnentag 2009 in Holland, letztes Jahr zu Weihnachten in Frankreich und kurz danach in Graz und im September in Bern.


In den letzten Tagen wurde jege Menge Waffen der Islamisten sichergestellt, vor wenigen Monaten präsentierten die Beamten stolz Waffenlager der organisierten Kriminalität in Deutschland, Anfang des Jahres waren es in Dänemark und Frankreich bereits mehrere Waffenfunde.
Statt sich zu fragen: warum wurden die bislang so "selten" genutzt, wird behauptet, weitere Gesetzesverschärfungen würden an den Funden bereits illegaler Waffen etwas ändern und unsere völlig überlastete Polizei wieder in die Lage versetzen Bürger in ganz Deutschland zu schützen.
Für mich ist das ein gut verpackter aber grober Täuschungsversuch.
Nochmal: Kriminelle, Terroristen und Soziopathen haben bereits Waffen oder kommen dank völliger Ignoranz gegenüber den Gesetzen spielend an Schusswaffen.
Der einzige, der dumm aus der Wäsche kuckt, ist der Gesetzestreue. Entweder, weil er viel Aufwand und Geld investieren muss, um sie zu Hause in einem dicken Safe liegen zu haben oder weil er Gewalt ohne jeden Schutz ausgesetzt wird.



Dienstag, 17. November 2015

Leben schützen - Zeit der Waffen

Wie schützen wir uns, was rettet uns vor Terroristen und Amokläufern?

 Die Konzerthalle Bataclan in Paris wurde von drei mit automatischen Waffen gerüsteten Terroristen gestürmt. Diese schossen von Beginn an um sich. Nach der derzeitigen Darstellung erreichten 20 Minuten (!) nach Beginn des Massakers zwei Beamte, ein Kriminalkommisar und sein Fahrer, die Halle und stürmten sofort. Entweder eine sehr mutige Tat, oder sie wussten nicht, was sie erwartet - oder beides.
Mit ihren Handfeuerwaffen erschossen sie einen der Täter, die beiden anderen gaben daraufhin Halle und Eingangsbereich auf, und zogen sich auf die Empore zurück. Für die zu diesem Zeitpunkt noch lebenden Geiseln wurde so Zeit gewonnen und ein Fluchtweg eröffnet.

Gleichzeitig zog eine bislang unbekannte Zahl, man geht von zwei bis vier weiteren Tätern aus, durch die Vergnügungsmeile von Paris und eröffnete das Feuer auf Cafe- und Restaurantbesucher, die in Panik versuchten durch die geraden und schmalen Gassen zu entkommen.

 
Elsalaska fragt in ihrem Kommentarbereich, wie man sich als unbewaffneter Zivilist gegen so etwas wehren kann, ihr Gesprächspartner gibt die Antwort: unbewaffnet gar nicht.
Dem kann ich mich nur anschließen. Wer keine Schusswaffen oder nur Schreckschusswaffen besitzt und führen darf, wird sich nicht wehren können, sondern sein Heil nur in der Flucht suchen können. Ich sage bewusst suchen.
Die Täter hatten überlegene Feuerkraft mit ihren militärischen Waffen. Das zwang die beiden ersten Beamten ihren heroischen Versuch zu zweit die Lage zu retten aufzugeben. Aber sie hatten etwas erreicht. Wie viele Leben sie damit gerettet haben, wird wohl nur zu schätzen sein.
In den vorherigen 20 Minuten und für diejenigen, die noch immer in Reichweite der Terroristen weitere zwei Stunden und 40 Minuten leiden und sterben mussten, ist das kein Trost. Erst dann stürmte die Polizei und tötete die beiden übrigen Massenmörder.
Schon eine bewaffnete Security, wie in Israel oder den USA möglich, hätte viel bewirken können. Von einer Verzögerung, welche koordinierte Flucht für die Besucher bedeutet hätte bis hin zur Beendigung des Anschlages unmittelbar nach Beginn sind die Szenarien denkbar.
Umso mehr kann eine bewaffnete Bevölkerung leisten. Vom Anschlag im Januar gibt es Videos von Anwohnern, die von nahegelegenen Dächern zusehen mussten, wie ein am Boden liegender Polizist ermordet wird und die Terroristen noch eine Weile umherstolzieren, auf die unbewaffneten Beamten die herbeigeilt kamen das Feuer eröffneten. Die Positionen der Filmenden wären für Gegenwehr mit Langwaffen perfekt gewesen. Aber sie hätten sich selbst und die Anwohner in ihrem Haus in Gefahr gebracht.
Anders beim aktuellen Anschlag oder im jüdischen Supermarkt im Januar. Die Terroristen sind nicht an Feuergefechten interessiert, sie wollen keinen Kampf. Sie wollen morden. Das ist ihr Ziel und darauf werden sie trainiert. Ob Mohammed Merah oder die Hebdo Mörder, in der direkten Konfrontation verloren sie die Nerven.

Israel gibt uns dieser Tage eine Reihe von Beispielen. Dort werden seit Wochen willkürliche Anschläge auf Sicherheitsbeamte aber auch Zivilisten und Kinder verübt. Die Wahl der Waffen ist hierbei der Alltagsgegenstand Messer. Die israelische Bevölkerung ist aber durch Krieg und Terror gezeichnet, und so gibt es sehr viele Sicherheitsbeamte, private Security, Militär aber eben auch bewaffnete Zivilisten. Und diese sind auf zahllosen Überwachungsvideos der letzten Wochen zu sehen, wie sie Attentäter kurz nach Beginn des Anschlages außer Gefecht setzen.
Und ja, es gibt auch den Fall, dass ein Mann niedergestochen wurde, der Täter seine Waffe nahm und damit das Feuer eröffnete. Kurz darauf wurde er selbst erschossen.

Feuerwaffen verhindern keine Attentate, denn sie ändern nichts an den Tätern. Sie sind auch kein Garant für Sicherheit oder das eigene Überleben. Kommt man nicht dazu die Waffe zu benutzen, wird ohne Deckung oder allgemein überrascht, verhält sich nicht richtig, zögert wegen Hemmungen, macht Fehler, versteht den Umgang nicht oder hat einfach Pech, dann ist man den Mördern doch ausgeliefert.
Aber Schusswaffen bieten eine Chance. Eine Chance sich zu wehren, die Bösen wenigstens aufzuhalten und vielleicht sogar auszuschalten.
Einer allein hat gegen drei Terroristen natürlich ebenfalls keine Chance - aber hätten die Security und 2% der Besucher eine Schusswaffe gehabt, dann wären über 30 Bewaffnete auf 3 Terroristen gekommen.
Vermutlich hätten sie dann nicht so viele Menschen umbringen können - oder sich gleich ein leichteres Ziel gesucht.

Wer Nachrichten liest wird nun einwenden: in den USA ist das der Fall, und doch gibt es dort Amokläufe.
Das stimmt - aber in Relation sind die Amokläufe dort nicht häufiger, als bei uns mittlerweile Terroranschläge wie jüngst in Paris. Dazu bitte einmal meine Liste ansehen.
Zum anderen geschehen diese Anschläge in den USA fast immer in sogenannte "gun free zones". Das sind Orte an die entweder vom Gesetzgeber oder vom privaten Besitzer / Betreiber vorgeschrieben keine Schusswaffe gebracht werden darf. Die (weit weniger als geglaubten) legalen Schusswaffenträger in den USA müssen also ihre Pistolen oder Revolver (und in seltenen Ausnahmen Gewehre) entweder zu Hause lassen oder, so das Areal nicht bereits den Parkplatz mit einschließt, im Auto einschließen.
Zu diesen Zonen zählen militärische Anlagen (hätten Sie es gewusst? Sei Bush jnr. dürfen Soldaten im Kasernengelände privat keine Waffen tragen, selbst wenn sie lizensierte Träger sind), Schulen, Colleges, Kirchen, Friedhöfe, Ikea... Fällt ihnen etwas auf? Das sind wirklich genau die Orte, an denen die Massaker passieren. Als in Pearl vor einigen Jahren ein junger Mann mordete, wurde er vom Vizedirektor gestoppt. Dieser musste nicht mal schießen. Er zeigte ihm lediglich seinen Revolver und schon gab der Täter auf. Im Jahr 2007 erschoss Jeanne Assam einen Massenmörder in einer Kirche - sie war dort entgegen den üblichen Regeln als bewaffnete Security eingestellt. Statt dutzender Tote, wie im Fall des Virginia Tech Massakers, blieb es bei drei getöteten Opfern - was immer noch schlimm genug ist.

Fälschlicherweise wird, auch von der derzeitigen US Regierung immer wieder behauptet, dass US Bürger legal Schusswaffen kaufen können, führe zu solchen Massakern. Das ist Unsinn. In Europa sind vollautomatische Schusswaffen nicht legal für Zivilisten zu bekommen. Die Terroristen stört es nicht. Mit absolut winzigem Aufwand kommen sie an Kriegswaffen, inklusive Bomben und Raketenwerfern. Mit dieser Ausrüstung können sie selbst gepanzerten Fahrzeugen gefährlich werden.
Die Gesetze halten sie nicht auf. Das können nur Menschen tun - und diese müssen sich bewaffnen dürfen.
Hätte ich die Wahl mich wehrlos abknallen zu lassen oder wenigstens die Chance mich zu wehren - ich würde die Chance bevorzugen. Ich bin Christ - aber ich bin kein Märtyrer und ich will auch keiner werden.




Die Einwände über Kriminalität, Waffengewalt, Unfälle und Suizid behandele ich in gesonderten Beiträgen. Ich würde mich freuen, wenn Sie dran blieben und die Thematik diskutieren.








Samstag, 14. November 2015

Demente Gesellschaft - oder wie gute Absichten Europa beenden

Vorweg: ich habs satt. Die Heuchelei, die Augenverschließerei, die Lügerei, die Denunziation Andersdenkender und die Ignoranz von Leiden außerhalb des eigenen Fokus.
Ein paar Beispiele:

1. In Paris gab es schon wieder einen Anschlag. SCHON WIEDER. Nicht "erneut", nicht "seit Charlie Hebdo" und nicht "zum zweiten Mal". Es muss heissen: schon wieder. Wieso regt mich das auf und was meine ich?
Ich meine damit zum einen die "Vergesslichkeit", die ich als "gutmenschliche Demenz mit der Absicht des Vergessens dessen, was nicht sein darf" bezeichnen möchte. Seit den Anschlägen auf das WTC am 11.9.2001 hat Europa eine Welle von islamischem Terror gesehen. Und ich schreibe bewusst "islamisch" und nicht "islamistisch".
Für alle, die es nicht mehr wissen, hier eine kurze Liste der letzten Jahre(aus der ich den palestinensischen Terror ebenso wie den tschetchenischen ausklammere, obwohl auch dieser maßgeblich auf Lehren des Islam aufbaut):

11.03.2004 Madrid. In 10 gut abgestimmten Explosionen töteten die muslimischen Terroristen 191 Pendler und Zugnutzer, verletzten weitere 1800 Menschen. Da sich viele nicht darüber im Klaren sind: Verletzungen durch Sprengmittel bedeuten oft Behinderung. Körperteile werden abgerissen oder unbrauchbar gemacht, Trommelfelle reißen, Augen werden beschädigt, Flammen eingeatmet, welche die Lungen dauerhaft schädigen usw. Von den traumatischen Eindrücken, die allen Anschlägen zwar gemein sind, bei Bombenattentaten aber nochmal eine andere Dimension erhalten, mal zu schweigen.

2.11.2004 Amsterdam. Der Künstler Theo van Gogh wurde auf offener Strasse abgeschlachtet, nachdem er ein islamkritisches Video, welches die Behandlung der Frau zum Thema hatte, veröffentlichte.

7.7.2005 London. Vier Selbstmordattentäter sprengen sich in öffentlichen Verkehrsmitteln in die Luft, töten 52 Menschen und verletzen 700 weitere.

31.07.2006 Zwei Kofferbomben in Zügen vom Kölner Hauptbahnhof detonieren nicht. Ein Konstruktionsfehler verhindert schlimmeres.

18.04.2007 Malatya, Türkei. Fünf Türken dringen in das Zirve Verlagshaus ein, ermorden einen türkischen Priester einer evangelikalen Bewegung, einen Konvertiten seiner Gemeinde und einen deutschen Missionar. Die Täter sollen Zettel mit entsprechenden Geständnissen bei sich gehabt haben. Ein Abteilungsleiter im Justizministerium der Türkei soll als Reaktion auf die Tat gesagt haben, dass Missionsarbeit leider nicht als Straftat angesehen würde.

29.06.2007 London. Zwei Autobomben wurden rechtzeitig entdeckt. Die Täter sollen am nächsten Tag in Glasgow zugeschlagen haben.

30.06.2007 Glasgow.  Zwei Attentäter versuchten mit einem mit Propangasflaschen gefüllten Fahrzeug in den Flughafeneingang zu rasen. Ein Sicherheitspoller stoppte sie am Eingang. Fünf Menschen wurden verletzt, einer der Attentäter starb später an seinen Verbrennungen.


4.09.2007 Die "Sauerland-Gruppe" wird vor dem von ihnen geplanten Anschlag verhaftet.
 
11.12.2010 Stockholm. Ein Selbstmordattentäter ließ zwei Sprengsätze explodieren. Der erste verletzte zwei Menschen leicht. Die Autobombe war mangelhaft konstruiert und darum in ihrem Sprengradius stärker eingegrenzt, als vermutlich geplant.
Der zweite Sprengsatz war eine Sprengweste - von dessen sechs Rohrbomben aber lediglich eine wirklich auslöste und den Träger tötete.

2.03.2011 Frankfurt. Ein 21jähriger bis zur Tat völlig unauffälliger Islamist, Arid Uka, dringt in einen Bus voller US Soldaten am Frankfurter Flughafen ein, erschießt zwei Soldaten und verwundet zwei weitere schwer, bevor seine Waffe eine Ladhemmung aufgrund unsachgemäßen Umganges hat. Er

11.-22.03.2012 Toulouse und Montauban. Der 23jährige Mohammed Merah ermordet sieben Menschen und verletzt fünf weitere. Er zielt auf muslimische Soldaten der französischen Armee und auf Juden. Als er einen Rabbiner und dessen zwei kleinen Söhne erschoss, filmte er sich. Besonders stolz war er bei diesem Angriff auf eine jüdische Schule auf den Mord an einem kleinen Mädchen, dass er an den Haaren festhielt und die Waffe wechselte, bevor er es in den Kopf schoss. Das Video stellte er mit ausdrücklichem stolz online und erhielt dafür manch ekelerregendes Lob. Der Täter liefert sich eine 30stündige Belagerung, an deren Ende er durch ein Fenster zu fliehen versucht und dabei erschossen wird. Seine Familie verklagt Frankreich wegen Mordes und Folter. Sein Grab muss von der Polizei bewacht werden, da es zur Pilgerstätte wurde und mehrmals wurden Wände mit Lobeshymnen auf den Mörder besprüht.

7.05.2012 Bonn. Zwei Beamte werden schwer verletzt, als ein Salafist, Teilnehmer einer Gegendemo, auf sie einsticht. Der Mann erkennt weder die deutsche Polizei noch das Gericht an, wie er bei seinen Verhandlungen aussagt.

10.12.2012 Bonn. Am Bonner Hauptbahnhof wird eine Bombe gefunden.

13.03.2013 Vier Salafisten werden wegen eines geplanten Attentats auf einen Politiker festgenommen. Ihnen wird auch die Bonner Bombe angelastet und weiterer Sprengstoff in ihrem Besitz gefunden.

22.05.2013 London. Zwei nigeriastämmige Konvertiten fuhren den außer Dienst befindlichen Soldaten Lee Rigby vor dessen Kaserne an. Der verletzt am Boden liegende wurden von ihnen vor den Augen dutzender Zeugen mit Messern und einem Hackbeil angegriffen und enthauptet. Die blutbesudelten Täter zerrten den Körper auf die Strassenmitte, unterhielten sich mit Zeugen und erwarteten die Polizei, welche sie angriffen und dabei verletzt wurden.

25.05.2013 Paris. Ein französischer Soldat auf Streifendienst wird an einer Metrostation mit einem Messer angegriffen. Der Angreifer, ein Konvertit, flieht, sobald die beiden Kameraden des Angegriffenen reagieren.

24.05.2014 Brüssel. Ein einzelner Attentäter eröffnet im Jüdischen Museum der Stadt das Feuer. Er tötet drei Menschen an Ort und Stelle, ein weiteres Opfer stirbt später im Krankenhaus. Der 29jährige Mehdi Nemouche wurde in Marseille verhaftet und als Anhänger des IS identifiziert.

20.12.2014 Joue les-Tours, Frankreich. Ein Mann sticht unter "Allahu Akhbar" rufen auf drei Beamte ein, nachdem er in die Wache gerannt kam. Diese erschießen den Angreifer, alle drei bleiben verletzt zurück. Der Mann hieß Bertrand Nzohabonayo und war Konvertit, dessen Facebook-Seite die Flagge des IS zeigt.

21.12.2014 Dijon, Frankreich. Ein Mann, dessen Namen nicht bekannt gegeben wurde, überfuhr unter dem o.g. Ruf 11 Menschen, alle überlebten, wurden aber verletzt. Er wurde vom Innenminister am gleichen Tag für "sehr instabil" erklärt.

22.12.2014 Nantes, Frankreich. Ein weiterer, namentlich nicht genannter Mann fuhr in eine Menschenmenge, verletzte 10 und tötet einen Menschen. Danach versuchte er mit einem Messer Selbstmord zu begehen. Mehrere Zeugen sagte aus, auch von ihm den Ruf gehört zu haben - der Innenminister erklärt den Täter für "unausgeglichen".

7.-9.1.2015 Paris. Eine Serie von insgesamt fünf Anschlägen, u.a. auf die Redaktion der Satirezeitschrift Charlie Hebdo und einem jüdischen Supermarkt kostet 17 Menschenleben und läßt weit über 20 Verletzte zurück. Die Täter werden am Tatort erschossen.


14.-15.02.2015 Kopenhagen. Omar Abdel Hamid El-Hussein verübt einen Anschlag auf eine Pressekonferenz von Medienleuten und Journalisten. Am Folgetag attackiert er eine Synagoge. Er tötet bei diesen Vorfällen jeweils einen Menschen, verletzt außerdem zwei Polizisten. Die zu seiner Verhaftung angerückten Beamten beschiesst er ebenfalls, worauf er erschossen wird.

19.04.2015 Villejuif & Paris, Frankreich. Aurélie Châtelain wird von einem Terroristen erschossen. Er brauchte ihr Fahrzeug um nach Paris zu fahren, wo er eine Kirche angreifen wollte, kurz vorher aber von Sicherheitskräften gestellt wurde.

26.06.2015 St. Quentin Fallevier, Frankreich. Ein Terrorist nordafrikanischer Herkunft, Yassine Sahli tötet seinen Chef, enthauptet ihn und fährt seinen Kurierwagen in einen Gastank eines örtlichen Energieanbieters. Die anschließende Explosion bleibt entgegen den Erwartungen des dem IS angehörenden Terroristen klein und verletzt lediglich zwei weitere Menschen. Er versucht noch mehrere Tanks zu öffnen um den Brand auszuweiten, wird aber überwältigt.

21.08.2015 Thalys auf dem Weg nach Paris. Ayoub El Khazzani, ein 25 Jahre alter Marokkaner versuchte mit einem Sturmgewehr, einer Pistole, einem Messer und einem Molotov-Cocktail ein Massaker im Zug anzurichten. Er wurde durch das beherzte einschreiten zweier Franzosen und dreier Amerikaner sowie eines Bedienungsfehlers des Gewehres daran gehindert. Er verletzte einen der Franzosen und zwei der Amerikaner, bevor er überwältigt wurde. Sein Anwalt behauptete in seinem Namen, er habe die Waffen lediglich "unter einem Busch gefunden" und wollte nur Geld rauben.

17.09.2015 Berlin. Ein irakstämmiger Mann versucht Polizisten mit einem Messer anzugreifen und wird dabei erschossen.

5.11.2015 Bayrische Autobahn. Bei einer zufälligen Kontrolle wird bei einem Mann aus Montenegro eine Waffensammlung von 8 Aks und mehreren Faustfeuerwaffen sowie große Mengen an Munition gefunden. Es wird ein Zusammenhang mit einem geplanten Anschlag vermutet.

13.11.2015 Paris. Sieben Angriffe in der Stadt hinterlassen mindestens 128 Tote.

Die Liste ist nicht vollständig. bspw. ist der Fahrer aus Graz, der drei Menschen überfuhr und mit einem Messer bewaffnet unter dem mehrfach erwähnten Ruf versuchte weitere zu verletzen als geisteskranker Gewaltäter eingestuft worden. Die Angriffe in Russland, wie jener auf das Moskauer Theater, den Flughafen oder die Schule von Beslan werden oft auf einen "nationalen Konflikt" geschoben. Dem Stimme ich zwar nicht zu, aber ich versuchte die Liste möglichst nicht kontrovers werden zu lassen.
Sollte ich jedoch ein wichtiges Ereignis vergessen haben, bitte melden.

Und dies sind nur die europäischen Anschläge. Die weltweite Zahl lässt sich nicht ohne tagelange Arbeit wiedergeben - wöllte ich gründlich sein vermutlich wochenlang. So fragte mancher Nigerianer, warum die Auslöschung eines ganzen Dorfes fast am gleichen Tag wie der Anschlag auf Charlie Hebdo die europäische Medienwelt fast gar nicht berührte oder veranlasste zu berichten.
Wer jetzt also überrascht tut oder von einer "neuen Dimension" oder einem "nun eröffneten Krieg" schreibt, der heuchelt, dass es mich ekelt.

Das gleiche gilt für die "Einzeltäter","Einzeltat" und "Das hat mit dem Islam nichts zu tun" Schreiber und Redner. Diesen Menschen muss ich eine Mitschuld geben. Mitschuld nicht an den Morden - aber daran, dass wir das Problem nicht zu lösen versuchen. Ich würde vorbehaltlos schlucken, was da behauptet wird, wenn die Liste nicht so Elend lang wäre. Wenn die Liste sich nicht auch auf vorhergehende Jahrzehnte und Jahrhunderte verlängern ließe. Wenn es nicht weltweit das gleiche "Spiel" wäre. Oder wenn irgendeine andere Weltreligion eine ähnliche oder auch nur ansatzweise vergleichbare Zahl solcher Täter hervorbringen würde. Wie oft behaupten diese Menschen, das wäre überall so. Ist es nicht. Ja, alle Religionen haben ihre Konflikte, und viele Religionen erleben dunkle Phasen. Aber auch nur genau das. Phasen. Das Christentum wurde zuerst jahrhundertelang verfolgt - und hat nicht ansatzweise etwas aus dieser Zeit aufzuweisen, was dem gerade passierenden Albtraum oder der gewalterfüllten Entstehungsgeschichte des Islam gleicht. Wir hatten unseren Konfessionskrieg und unsere konfesionellen Auseinandersetzungen - vom Konflikt der Arianer mit der Urkirche über die Spaltung der West- und Ostkirche über die Verfolgung der Katharer u.a. Aber wir haben unsere Märtyrer nicht aus dem Töten "Ungläubiger" geboren, sondern aus der kampflosen Hingabe des eigenen Lebens. Unser Ringen nach der Definition eines jus ad bellum, eines Rechtes Krieg zu führen oder eines bellum justum, eines "Gerechten Krieges" ist weit über 2000 Jahre alt und somit älter als das Christentum selbst - während diese Frage im 7. Jh. wie heute scheinbar keine Rolle für den Islam spielt.
Für mich zählt jedes Individuum als solches - aber ich vermisse die muslimischen Individuen, die mit ihren Familien und Freunden, ihren Glaubensgeschwistern in ähnlichen zehn- und hunderttausenden gegen den Terror, das Morden und das Krieg führen im Namen des Islams auf die Strassen gehen, wie im Sommer 2014 gegen Israel. Die Beschwerden, sie nicht wegen des Terrors zu diskriminieren sind größer, als die Beschwerden über den Terror. Die Gelder die fließen um den IS, Al Quaida und Co zu unterstützen scheinen bedeutend größer zu sein, als beispielsweise Hilfsgelder zur Befreiung yezidischer Sexsklavinnen.
Als in Berlin Anfang des Jahres eine "muslimische Mahnwache" gegen den Terror von Paris stattfand, war die Zahl der Anwesenden der betreffenden Gruppe unsäglich peinlich klein. Und die Kosten für Bühne, Technik und Sicherheit bezahlte dann nicht die DITIB oder eine türkische oder islamische Gemeinde, sondern SPD und CDU - am Ende also deren Mitglieder und der Steuerzahler. Sensibilität, ehrliches Bedauern oder Sympathie - das sieht anders.
Und so war nach Charlie Hebdo eine pro-muslimische Solidaritätskundgebung auf dem Marsch - aber die Synagogen und Juden der Stadt erhielten keine derartige Sympathiekundgebung, obwohl sie ja die Opfer zu beklagen hatten. Der Spiegel betonte, wie die Imame zum Frieden aufriefen - um im gleichen Atemzug der Überschrift die Angst vor Generalverdacht eben jener Imame zu betonen. Sollte der Friedensaufruf nicht ohne derartige Hintergedanken und Randbemerkungen auskommen, wenn man sich in der Verantwortung sieht?
So könnte ich noch Stunden weiter machen - und werde das wohl beizeiten auch tun, aber ich hoffe, mein Punkt ist klar: der Islam hat etwas damit zu tun, es sind keine Einzelfälle und Muslime sind hier sehr wohl in der Pflicht zu reagieren - individuell oder in Gemeinschaft. (und ja, es gibt solche, die dies tun. Ihnen sollte der Dank und die Unterstützung der muslimischen Gemeinden gelten und unsere Anerkennung)



2. Die FAZ schrieb "Paris erlebt seinen 11. September." Was für ein Quatsch. Am 11. September kaperten mehrere Terroristen in den USA, einem Land mit enorm hohem Sicherheitsdenken, mehrere Flugzeuge und steuerten sie in das WTC und das Pentagon - in einem weiteren Flieger verhinderten die Passagiere derartiges, indem sie das Flugzeug zum Absturz brachten. Dabei starben Tausende. Zuvor hatte es solche Anschläge "nur" von innländischen Terroristen gegeben (Oklahoma Bombing).
Der Anschlag von Paris ist nicht der erste Anschlag seiner Art, er ist nicht der erste Anschlag der zeigt, dass die Sicherheitsgesetze und -vorkehrungen nicht helfen und er hat bei weitem nicht so viele Opfer auf einmal gefordert.
Derart aber sind die Behauptungen, die derzeit durch die Medien wandern. Da sind wieder die "Experten" die behaupten, die Terroristen seien desillusionierte Kinder, die keine Zukunft und keine Alternative sähen, oder die vom Tod ihrer Mitgläubigen durch die Hand des Westens so traumatisiert seien, dass sie sich zu solchen Taten zum Handeln gezwungen sähen. Dieser Quatsch wird von vielen geglaubt - ohne zu fragen, warum warum dann die Desillusionierten Europäer und Nichtmuslime oder die Opfer des islamischen Terrors sich nicht derart radikalisierten.
Warum gibt es hierzulande zwar viel Aufmerksamkeit für den "christlichen Terror der Kreuzzüge" gibt - aber als der italienische Präsident im Februar an einen zweijährigen jüdischen Jungen gedachte, der bei einem Terroranschlag auf die Große Synagoge von Rom 1982 ermordet wurde und dessen Täter von Griechenland nicht ausgeliefert sondern freigelassen wurde diese berührende Rede nicht mal eine Zeile im deutschen Nachrichtenwald fand, das kann man nicht mehr rational erklären.
Der Vergleich mag hinken - aber vielleicht wird verstanden, worauf ich hinaus will. Wie der Islam in die Levante kam - kein Thema. Hape Kerkeling erklärt uns im ZDF "der Islam kam nach Spanien und ein goldenes Zeitalter brach an" - das davor erstmal dieser unerwähnte und unprovozierte Angriffskrieg tausende und abertausende Opfer kostete und die Bevölkerung aufgezwungen bekam, was sie gar nicht wollte - Nebensache.
Christentum darf man kritisieren und im Namen der Kunst seine Symbole entweihen - beim Islam aber hat die Kunst zu schweigen.


3. Waffen. Ja, richtig, Waffen. Wer die Liste weiter oben einmal durchgeht wird erstaunt feststellen, dass wir einen Anschlag nach dem anderen mit Kriegswaffen erleben. Waffen, die in Europa für keinen Zivilisten legal zu erwerben sind. Nie. Sie unterliegen strengsten Regeln, ihre Produktion und ihr Verkauf werden sogar mitunter von der Politik scharf angegangen, kontrolliert und teilweise auch verboten. Das hindert Terroristen nicht, die Waffen zu bekommen. Anfang des Jahres wurde dann mitunter auch mal die Frage gestellt: wo bekommen die Terroristen die eigentlich her. Die Antwort: auf dem Schwarzmarkt - in wenigen Stunden.
Für jeden Kenner des Themas ist das keine Überraschung. Die Waffen aus Libyen landen Containerweise in Südfrankreich. Die Briten haben seit dem generellen Waffenverbot von 1997 eine regelrechte Importschwemme - zuletzt über kleine Privatflughäfen. Und die Deutschen sitzen auf der Transitstrecke für Waffen aus dem Kosovo, Ex-Jugoslawien und dessen Nachbarn. Nicht zu vergessen die Zeiten des Abzuges der Sowjetarmee. Was da noch schnell an Waffen vertickt wurde, so munkelt man, sei schwerlich zu erfassen.
Allein in Deutschland sollen bis zu 20 Millionen illegale Waffen herumgeistern - freilich eine viel zu kleine Schätzung, sind doch allein 20 Millionen Waffen zu Zeiten des verschärften Waffengesetzes in Folge der RAF illegal geworden, aber nur ca. 2 Millionen wurden abgegeben. Wer glaubt, die übrigen seien verschwunden oder es seien keine neuen dazu gekommen, der muss schon recht gutgläubig sein.

Die Waffengesetze in Europa, von streng wie in England bis relativ locker wie in der Schweiz beziehen sich lediglich auf Pistolen, Revolver und Gewehre die mit jedem Druck auf den Abzug einen einzelnen Schuss abgeben. Diese sind in fast allen Staaten nur mit vorheriger Überprüfung, einem oder mehreren Tests und Qualifizierungen zu bekommen. Bei uns bspw. für Jäger und Sportschützen und, ohne Munition, für Sammler. Bis dahin muss man viel Zeit und Geld investieren. Kriminelle und Terroristen haben es da einfacher. Zumal die besagten Gruppen zwar Waffen besitzen, aber nicht mit sich führen, also dabei haben dürfen (vom Jäger während der Jagd einmal abgesehen).
Die Terroristen wissen also, abgesehen von Polizisten (und selbst da oft nicht, s. England), müssen sie mit keiner bewaffneten Gegenwehr rechnen.
Nachdem wir aber nun so oft gesehen haben, nicht nur durch Islamisten sondern auch durch jemanden wie Breivik und Verrückte wie in Erfurt oder Winnende, wie dies abläuft, uns die Polizei und das Gesetz nicht schützen können, sollten wir da nicht vielleicht mal unsere Haltung überdenken und die Berichte bspw. aus Russland, Mexiko und den USA überprüfen, vergleichen und überdenken?
Ich denke schon - denn zwischen den ersten Schüssen in der Konzerthalle am 13. und dem Eintreffen der Polizei bzw. der Erstürmung des Gebäudes lagen weit mehr als 40 Minuten - eine Zeit, welche die Terroristen sich mit Exekutionen vertrieben. Da hätte ich lieber die Chance, mich zu wehren....

Politik und Gesellschaft sind nicht in der Lage oder Willens eine Lösung zu finden - vielleicht verhindert auch unsere Menschlichkeit, unsere Ethik, Moral oder christliches Bewusststein, eine solche. Vieleicht sollte man dann wenigstens über Wege nachdenken, das Problem wenigstens zu verkleinern.