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Donnerstag, 21. Juli 2016

20. Juli.

Gestern war wieder der Jahrestag, den ich mir nach Weihnachten (und noch vor Ostern und meinem eigenen Geburtstag) als erstes gemerkt habe. Der Jahrestag des misslungenen Attentates auf Hitler.
Der Name Stauffenberg ist vielen bekannt, war dieser Frontveteran mit seinen vielen Verkrüppelungen (so nennt man es, das ist keine Bewertung des Menschen) doch der ausführende Attentäter.
Namen wie Oster, Brauchitsch und Boeselager sind weniger bekannt, und doch waren dies alles Militärs, die vor oder während des Krieges Hitler zu stoppen - aus den unterschiedlichsten Motiven. Sie alle hätten möglicherweise manches Leid verhindern können.
Haben sie nicht. Entweder wurden sie verraten, ihr Plan scheiterte oder war zu halbherzig.

Heute ist der militärische Widerstand als solcher völlig vergessen und Militär bedeutet in den Herzen vieler nichts anderes als Nazi oder Handlanger.
Gerade die Vorgänge in der Türkei sollten da zum Nachdenken anregen. So aktuell war das Thema lange nicht und so ähnlich wie die Bahnen in unserem Lieblingsurlaubsland sind brennt es unter den Nägeln aufzustehen wie in einem Horrorfilm und zu rufen: Geh dort nicht lang!

Aber so ist es nicht. Der Tag bedeutet vielen, wenn nicht den meisten Deutschen nichts oder wird zu eigenen Zwecken instrumentalisiert.
Wie der Papsttreue schrieb: als man von Stauffenberg erschoß starb er mit einem "Es lebe das Heilige Deutschland" auf den Lippen.
Wir werden heute erschossen, überfahren und in die Luft gesprengt mit einem "das hat überhaupt nichts mit gar nichts zu tun".
Was für Zeiten. Purer Wahnsinn.

Samstag, 21. Mai 2016

Autos - Waffen der Strasse?

Als wäre der Artikel gestern über den couragierten Bürger mit seiner Schreckschusswaffe aus Hagen um eine tragische und traurige Antwort erweitert worden, meldet der Spiegel heute, dass in der gleichen Staat zwei Männer ein illegales Autorennen mit ihren Fahrzeugen fuhren. Dabei rammten einer der beiden das Auto einer Mutter in welchem sich auch deren zwei kleine Kinder befanden. Alle drei wurden schwer verletzt, das fortgeschleuderte Fahrzeug (hieran sieht man, mit welcher Wucht die Fahrzeuge aufeinander prallten bzw. welch hohe Geschwindigkeit einer der Täter hatte) prallte in ein weiteres Auto, dessen Insasse ebenfalls schwer verletzt wurde.

Meine Gebete sind bei den Verletzten. Mein Mitgefühl gilt den Betroffenen und deren Angehörigen.

Beide Täter flüchteten, keiner von beiden leistete Erste Hilfe. Der Betreffende stellte sich später mit seinem Anwalt.
Nach den beiden getöteten Radfahrern aus Köln, einem getöteten Rentner in Berlin uvm. sollte nun die Öffentlichkeit bemerkt haben, wie oft die tonnenschweren Automobile völlig rücksichtslos eingesetzt werden. Ein Gegenstand, der einem völlig anderen Zweck dient wird hier missbraucht und Menschen kommen um oder verlieren ihre Gesundheit.

Die Rufe nach strenger Limitierung einer Erwerbserlaubnis oder eingehenderer Prüfungen der Anwärter ist trotzdem gering, im Gegenteil werden bestimmte Käufe staatlich gefördert und das Führerscheinalter heruntergesetzt.

Wie verdreht muss eine Gesellschaft sein, um bei nahezu gleichen Verhältnissen einmal den benutzten Gegenständen und einmal dem eigentlichen Täter die Schuld zuzuschieben?

Dienstag, 22. März 2016

Brüssel - die neue alte Realität

Ein Terroranschlag, nur kurz nachdem einer der Verantwortlichen für den Anschlag in Paris im November 2015 unter Steinwürfen, Protesten und Hochrufen auf den Mörder aus dem stark marokkanisch,
muslimisch geprägten Viertel Molenbeek in Handschellen abgeführt wurde, erschüttert Brüssel. Eigentlich sind es mehrere, denn eine ganze Reihe von Bomben wird gelegt und die meisten detonieren "erfolgreich", töten oder verletzen zahlreiche Menschen.
Und wieder sind die Medien scheinbar "überrascht", werden "Experten" hinzugezogen, Bilder von mit Langwaffen ausgerüsteten Polizisten gehen durch alle Kanäle und es dauert nur Stunden bis erst in den sozialen Netzwerken und dann den Nachrichtenseiten die ersten Relativierungen einsetzen. Zwar bekennt sich der IS umgehen zur Tat und droht, wie im November und Januar 2015 weitere Anschläge an - eine Drohung, die er bislang auch umgesetzt hat), aber natürlich hat dies nichts mit dem Islam zu tun, wir müssen, anders als bei anderen Gruppen, differenzieren.

Gewöhn Dich dran, Europa. Die Anschläge hören auf diese Weise nicht auf. Solange wir uns vor unseren eigenen, durchaus möglichen, dunklen Seiten mehr fürchten als vor dem, was Einzelnen von uns angetan wird, sei es in Madrid, London, Paris, Kopenhagen und vielen, vielen weiteren Orten mehr, solange wird es weiter gehen. Weitere Anschläge, weitere Opfer.
Brüsseler Metro nach dem Anschlag
Die Angst vor einer Überreaktion, vor Übergriffen oder Diskriminierung Unschuldiger ist berechtigt. Aber das sollte kein Grund sein, nicht endlich kritisch mit dem Islam und den muslimischen Gemeinschaften ins Gericht zu gehen. Es gibt viele Muslime, die das ebenso sehen, die bereits aufgestanden sind gegen Extremisten und Mörder, die durchaus auch Kritik an der eigenen Religion üben und eine Reformation anstreben.
Madrid 2004
Diese Menschen lassen wir mit den Extremisten im Stich, weil wir aus Angst vor uns selbst darauf verzichten ähnlich deutliche Worte und Handlungen zu finden und zu verlangen.

Fehlgeschlagener Anschlag Glasgow Airport 2007




Was ist das bitte für eine Gesellschaft, der es am Allerwertesten vorbeigeht, wenn immer wieder Züge voller Unschuldiger, Menschen jeden Alters, vom Kleinkind bis zum Greis, in die Luft gesprengt werden, der aber wutgeifernd über "racial profiling" schwadroniert, wenn mehr Muslime als Christen von den Geheimdiensten überwacht werden?
Eine Gesellschaft, die einen christlichen "Marsch für das Leben" unter Hohn des ZDF einen Spießrutenlauf absolvieren lässt, aber jede 
Moskauer Flugplatz 2011
Forderung an die muslimischen Vertreter vehement und mit Programmen aus Eigenleistung gegen den Extremismus der eigenen Reihen aufzutreten.
Wo sind die tausenden gemäßigten Muslime während hunderte Mohammed Merah huldigen oder die muslimischen Bewohner Abdeslam, den Terroristen von Paris durch Molenbeek lotsen und vor der Polizei vier Monate lang verstecken?

Immer wieder wird abgestritten, dass unser heutiges "aufgekärtes" Europa nicht trotz sondern wegen dem Christentum da ist wo es steht. Die Verfechter behaupten, es wäre dem Christentum mit Kritik und im Kampf abgerungen worden, was heute besteht. Diesen Kampf aber nun auf etwas auszuweiten, dass sich wirklich tödlich, wirklich gefährlich erwiesen hat und immer wieder erweist - das bleibt aus.


Lee Rigby, 2013 auf offener Strasse in London abgeschlachtet
Solange Samthandschuhe angezogen werden, solange die Kritik und die Aktion gegen die eigenen Stimmen der Vernunft gerichtet ist und sie sofort mit anderen Radikalen auf eine Stufe stellt, solange wird das weitergehen. Und während Anschläge wie in Paris durch selbstbewusste Bürger mit eigenem Verteidigungspotential wenigstens schnell beendet werden könnten, so sind gegen Bomben wie in Madrid, London oder Brüssel keine Mittel zu finden. Die Bomben sind billig, leicht zu bauen und noch leichter zu verstecken und zu transportieren. Umso mehr, wenn der Polizei die Hände gebunden werden.
Paris, November 2015
Und wenn wir "Westler", wir "Europäer", wir "Humanisten" und "Christen" erst dann wirklich merken, was vor sich geht, wenn es uns trifft, dann stimmen nicht nur die Bezeichnungen nicht, dann ist uns nicht mehr zu helfen, bevor alles zu spät ist.

Freitag, 4. März 2016

Begrifferaten 2 - was ist ein Nazi?

Ein Begriff der in Deutschland inflationär benutzt wurde, bis er heute fast in jeder Diskussion auftaucht, ist "Nazi". Wer sich online ein paar Diskussionsforen, Kommentarfunktionen oder den Kommentarbereich (mitunter auch Artikel) mancher Zeitung ansieht, stößt schnell und häufig auf diesen Begriff und manchmal auch eine Definition.
Und hier beginnt das unerträgliche. Wie viele Menschen nicht den leisesten Hauch einer Ahnung haben, was "Nazi" wirklich bedeutet, wo das Wort herkommt und was damit gemeint ist (bzw. war) ist erschreckend.

Und weil es wie immer der Klarheit bedarf: es geht hier nicht darum "einen Ruf zu retten" - weder der Beschimpften noch der ursprünglichen Nazis. Erste sind eine extrem heterogene Gruppe von denen es vielleicht mancher "ist" aber nach meinem dafürhalten die Meisten nicht - was die Gesamtheit wiederum weder zu Heiligen noch "guten Menschen" oder "den einzigen Intelligenten" macht - sondern lediglich nicht zu Nazis per se. Kein Nazi zu sein, bedeutet nicht, kein Antisemit, kein Fremdenhasser usw. sein zu können. Mehr dazu aber unten.

Mal ein kurzer, anonymer und wertungsfreier Überblick über Definitionen, denen ich in den letzten Monaten über den Weg las oder diskutierte.
Nazis wären dementsprechend (teils kombiniert angetroffen, selten mehr als zwei): Judenhasser, judenhassende Fremdenfeinde, Islamophobiker, Faschisten, Einwanderungsgegner, Flüchtlingskritiker, Klimawandelzweifler, Militaristen, Anhänger oder Leiter deutscher Großkonzerne, Skinheads, Hooligans, Nationalisten, Konservative, konservative Katholiken, verschiedene Päpste, Christen, Schusswaffenbesitzer (Zitat: ihr Schusswaffennazis), AfDler, Pegida-Teilnehmer, Sachsen, Dresdner, Deutsche, Kontrolleure, Türsteher, Discobetreiber, Zollbeamte, Polizisten usw. usf.
Nur zwei Mal bin ich auf Stimmen gestoßen, die darauf hinwiesen, dass der Begriff etwas mit dem Nationalsozialismus zu tun hat - allerdings ohne hier weiterführende Definitionen oder hilfreiche Anmerkungen zu machen.

Dabei ist es offensichtlich und eigentlich auch Inhalt des Schulunterrichtes. Die Nationalsozialisten, also Mitglieder der NSDAP, wurden, weil der Begriff recht sperrig und lang ist, durch den Volksmund schlicht als "Nazis" bezeichnet.
Mitglieder der NSDAP also als Nazis zu bezeichnen - per definitionem absolut richtig.
Nun gibt es diese Partei nicht mehr, und auch offen bekennende oder verdeckt entsprechend handelnde Anhänger ihrer Ziele (die man dazu nebenbei auch kennen müsste) finden sich ebenfalls mehr selten als so häufig, wie es der Gebrauch des Kürzels vermuten ließe.
Auf der anderen Seite haben viele Alliierte während des Weltkrieges "Nazi" angefangen, als Pseudonym zu nutzen. Erst für die Soldaten, schließlich die Bewohner des Reiches. Das dürfte den Rufern aber ebenfalls nicht genehm kommen - denn dann wären auch sie Nazis.
Wenn wir nun nach den Inhalten der NSDAP fragen, also dem, was ihre Anhänger glaubten wünschten und verfolgten, so müssen wir erstmal jede kleinliche Differenzierung wegbügeln. Also völlig außer acht lassen, dass es lediglich rund 900 000 Mitglieder gab, bis sie die Macht ergreifen konnte. Dann stiegen die Zahlen aber rasant und um das Jahr 1943 verzeichnete sie ihren höchsten Mitgliederstand von fast 8 Millionen. Man kann sich also denken, dass weniger Übereinstimmung mit Inhalten als Opportunismus die Menschen zur Mitgliedschaft trieb. Umso mehr, als das bestimmte Vergünstigungen oder Möglichkeiten mit einem Eintritt verbunden waren.
Dies müssen wir also ignorieren, wenn wir über die Inhalte reden. Und ja, dadurch wird das Bild zentriert und gleichzeitig unscharf.

Was hinter den Nazis und dem Nationalsozialismus steckt, kann sich jeder anhand des Namens, des Parteiprogrammes, der durch Fahnder und Historiker erarbeiteten Absichten, der Reden und privaten Gespräche der Führer der Partei (bei Hitler angefangen über Goebbels und Göring bis hin zu deren Stellvertretern (Heß, Heydrich, Bormann usw.) und schließlich natürlich der historischen Fakten, Ereignisse, Gegebenheiten usw. selbst erschließen.
Antijudaismus aus dem Antisemitismus erwuchs gehörte mit Sicherheit zur Partei - aber war sie essentiell für die Partei, für die Mitgliedschaft? Gab es Nazis, die nicht nur Mitglied der NSDAP waren sondern auch keinen Hass auf Juden pflegten?
Allerdings. Mindestens ein Nazi hat es sogar auf die Wand der Gerechten unter den Völkern in Yad Vashem geschafft. Jener Gedenkstätte in Israel, welche die Namen der Menschen ehrt, die Juden halfen, als sie in den Holocaust geschickt werden sollten.
Karl Plagge war sein Name. Als Mitglied der NSDAP weigerte er sich, die Rassenlehre zu akzeptieren und weiter zu verbreiten. Als er im Krieg zum Kommandeur und hochrangigen Offizier wurde, nutzte er diese Position, um die Juden des Ghettos von Vilnius zu unterstützen. Er gab ihnen größere Rationen, erlaubte allerlei eigentlich alltägliche Dinge die aber unter Todesstrafe verboten waren und ließ ihnen warme Kleidung und Brennstoff für ihre Wohnungen zu kommen. Er versuchte die SS von Mordaktionen abzuhalten oder die betreffenden zu warnen. Als er nach dem Krieg über diese Taten bei seinem Tribunal Unterstützung von Überlebenden erhielt, die zu seinen Gunsten aussagten, verweigerte er die Einstufung als "entlastet" und bestand darauf als "Mitläufer" gelistet zu werden. Er begründete dies damit, dass er nicht mehr unternahm, um die Menschen zu retten.
Er wurde sogar auf der berühmten Wand der Gerechten unter den Völkern in Yad Vashem eingetragen. Ein Nazi auf der Ehrenwand der Juden in Israel.
Auch der berühmte Oskar Schindler war (wenn auch spät eingetretenes) Mitglied der NSDAP, Kriegsgewinnler und zeitweise sogar Spion für das Reich gewesen. Aber auch er bemühte sich für die Zwangsarbeiter eine Überlebensschance zu schaffen und machte sich Vorwürfe nicht mehr getan zu haben.

Jetzt mag mancher behaupten, dass dies keine "richtigen Nazis" waren, wenn sie nicht an der Judenverfolgung teilnahmen, und dass mindestens Plagge von der Partei auch abgestraft wurde. Dies ändert aber nichts daran, dass sie Mitglieder der Partei waren und erst eintraten, als deutlich war, wohin die Reise dieser Partei geht (1931 und 1939).
Kurz gesagt, ja, man konnte Nazi sein und dabei Antisemitismus ablehnen, auch wenn dies manchmal nur zugunsten des kleineren Bruders Antijudaismus war. Leider wird Antisemitismus heute fast synonym mit "Nazi" in einer sehr weiten Auslegung verwendet, was dazu führt, dass wir ihn bei Personen, die völlig unverdächtig sind Nazis, Rechtsradikale oder auch nur ansatzweise so bezeichenbar zu sein, negieren. In der Linkspartei, in der "progressiven Medienwelt" wie auch unter unseren exotischen Einwanderern bei denen so gar nichts deutsch ist, wird er deswegen ausgeblendet bis zu einem auf Wahnsinn deutenden Grad. Wenn in allen deutschen Großstädten tausende unserer Einwanderer aufmarschieren und eindeutig antisemitische Parolen gröhlen und unsere Gesellschaft bis zu unseren "Meldern" des Journalismus darüber höchstens am Rande die Augenbrauen heben, dann sollte dies die Frage nach dem "Warum" aufstellen.


Fremdenfeindlichkeit? Ist das definierend oder wenigstens wichtig um Nazi zu sein? Wie stand es um die Einwanderung ins "Nazi-Reich", wie standen die Führer und Mitglieder "Fremden" gegenüber?
Um es kurz zu machen, das Programm der Partei sagte von Anfang an, dass Einwanderung gestoppt, eingewanderte Personen ausgewiesen werden sollten.
Und in der Realität fühlten sich offensichtlich nur wenige Menschen angezogen. Aber es gab Immigration und es gab "Integration" - auch wenn sie sich erschreckend darstellt. So wanderten Faschisten aus anderen Ländern nach Deutschland aus, etwa der US-Ire Wiliam Joyce, welcher später als Propgandasprecher tätig war.
Die letzten Verteidiger Berlins 1945, die meist bis zum Tod kämpften (sie hatten allerdings auch nichts anderes zu erwarten), waren u.a. Soldaten der 33. Waffen-SS Division Charlemagne, einer Einheit aus freiwillig gemeldeten Franzosen. Eine Einheit wurde ausschließlich aus Muslimen gebildet, die SS-Division Handschar.
Hitler traf sich mit allerlei Fremden und bemerkte gegenüber Gesprächspartnern öfter, wie sehr er diesen oder jenen fremden Aspekt verehrte oder schätzte. So etwa den Islam, der ihm stärker und praktischer erschien, als das "schlaffe Christentum", welches nach abgeschlossener Eroberung und Auslöschun der Juden angegangen würde (s. Tischgespräche). Hinduistische Inder, die für die Unabhängigkeit von England kämpften waren ebenso Gäste, wie irische Unabhängigkeitskämpfer. Zwar ist hier auch eine Zweckgemeinschaft der Hintergrund und schließt den Hintergedanken der anschließenden "Trennung" nicht aus, aber aus dem Handeln selbst ist eine Fremdenfeindlichkeit nicht zu erkennen.

Die vermeindliche und mitunter reale Fremdenfeindlichkeit, heute auch gerne als Xenophobie gebrandmarkt, ist entweder ein Nationalismus, der das "Fremde" lediglich nicht im eigenen Land haben will", eher aber im Rassismus begründet, der die "Arier" als "Herrenmenschen" definiert, alle anderen dementsprechend als "Untermenschen" (ein Begriff der zu meinem erschrecken ebenfalls sehr häufig von Aktivisten aller politischen Richtungen benutzt wird) und so begegnete man Menschen anderer "Rasse". Arrogant, herablassend usw. Die schlimmsten Auswüchse konnte man an der Behandlung russischer Kriegsgefangener sehen, die schlimmer als Tiere behandelt wurden, während Westalliierte zwar auch kein schönes Leben in Gefangenschaft führten, aber sich wenigstens nicht mit blanken Händen Löcher buddeln mussten, um darin zu leben. Ein Schicksal, welches sowjetische Gefangene mit manchem deutschen Kriegsgefangenen 45 teilten, aber das nur am Rande.
In den letzten Jahren sind die schlimmsten Beispiele solche, bei denen ein Mensch wegen anderer Hautfarbe oder kultureller Angewohnheiten angegriffen und in einigen Fällen schwer verletzt oder sogar getötet wurde. Ein Massenühänomen ist es bis heute, zu Zeiten eben von Pegida, HogeSa und Co. nicht.
Wie die oben genannten Beispiele gibt es aber auch hier eine Reihe von (historischen) Nazis, Mitgliedern der NSDAP, bekannten Verehrern der Anführer der Partei und Gläubige in deren "erneuernde Kräfte", die sich nicht dieser, ich fasse es mal unter einem Begriff zusammen, Menschenverachtung anschlossen. Selbst wenn diese Rassisten waren und sich aufgrund ihrer "Rasse" für etwas Besseres hielten, so begegneten sie darüber den "Untermenschen" nicht mit Hass oder Bösartigkeit. Die Abstufungen sind manigfaltig und diese Differenzierung ist schmerzhaft komplex. Ist Rassismus weniger schlimm wenn jemand, der glaubt aufgrund seiner Hautfarbe Schwarzen überlegen zu sein weniger schlimm, daraus ableitet ihnen helfen zu müssen (bspw. durch Schulen, medizinische Forschung etc.)?
Eine Antwort auf diese Frage erlaube ich mir nicht, stehe jedoch schnellen Eindeutigkeiten kritisch gegenüber.





Andersherum finden wir Antisemitismus, Rassismus und Fremdenfeindlichkeit sehr wohl weltweit vertreten. Auch bei solchen, die absolut zweifelsfrei keine Nazis sind - Zentralafrikaner, Indonesier, Malayen, Kubaner, Ureinwohner usw. usf.
Es sind also typische, aber nicht zwingende Elemente um ein "Nazi" zu sein und durch einzelne oder mehrere dieser Züge allein wird ein Mensch auch nicht zum Nazi.

Es täte der Gesellschaft gut, wenn wir unsere Wort wieder mehr nach ihrem Inhalt auswählten, und weniger nach Wunsch oder Emotion. Gerade im Umgang mit Gegnern haben wir den Hintergrund der politischen Korrektheit völlig aus den Augen verloren.
Nennt man die Dinge beim Namen, kann man den Vorwurf überprüfen - verfälscht man Definitionen und schmeisst polemische Beleidigungen um sich, wird die Lage nur stetig eskalieren. Sei es "Pack", "Nazi" oder "Gutmensch".






Mittwoch, 27. Januar 2016

Tolkiens Weisheit

Oft, wenn mich etwas besonders trifft oder aufwühlt, suche ich Trost oder Ablenkung in ein paar Zeilen von Tolkiens großartigen Werken, deren erreichbare Zahl dank seinem jüngsten Sohn in den letzten Jahren und Jahrzehnten noch einmal stark angewachsen ist.
Aber selbstverständlich ist sein zentrales Meisterstück der "Herr der Ringe".
Wer die Bücher noch nie gelesen hat, dem empfehle ich sie hiermit wärmstens. Wer sich mit der englischen Originalausgabe schwer tut (was keine Schande ist, hier sind teilweise sehr gute Sprachkenntnisse nötig), der sei darauf hingewiesen, dass es eine "literarisch-künstlerische" Übersetzung gibt, die der Form Geltung verschafft und eine eher profane, welche sich deutlich leichter und beschwingter liest, dafür oft die Stimmung und den Tonfall nicht korrekt einfängt. Letztere wiederum wurde noch einmal überarbeitet, da sie doch etwas arg platt daherkam.

Tolkien war nicht nur ein literarisches, philosophisches und sprachliches Genie, er war auch tiefgläubiger und praktizierender Katholik, der dies in England auch auslebte, was gerade unter Akademikern eine Seltenheit war und ist.

Soviel als Vorinformation. Gestern habe ich bei meiner abendlichen Nachrichtenlektüre über die hier auch weiterverbreitete Meldung über das kleine Mädchen wieder einmal an unserer Gesellschaft und unserem Staat gezweifelt. Dabei kam mir dann auch noch der Artikel "In Deutschland herrscht eine >Diktatur des Guten<" unter. Zu dem Zeitpunkt hatte ich bereits einen Band besagter Trilogie in der Hand und wie von selbst suchte ich darin jene Stelle, wenn Frodo der Elfenkönigin Galadriel den Ring und somit die Macht überlassen will.
Sie antwortet:
Ich leugne nicht, dass mein Herz das sehr begehrt hat. Anstelle eines dunklen Herrschers hättest du eine Königin! Nicht dunkel aber schön und entsetzlich wie der Morgen! Tückisch wie die See, stärker als die Grundfesten der Erde! Alle werden mich lieben und verzweifeln! ... Die Prüfung besteh ich. Ich werde schwinden und gen Westen fahren, und Galadriel bleiben.

Hier die Stelle in der letzten Verfilmung - wie ich finde sehr gut gemacht.

Einzig der Hinweis darauf, dass dieser blendende Glanz u.a. durch den Ring der Elben, welchen Galadriel selbst trägt, angestoßen wird. Sie hat bereits ein Instrument, um Gutes zu tun. Dies reicht aber nicht mehr aus.
Die Stelle in der modernen Übersetzung in Gänze.

Im Grunde ist dies die Antwort auf die Frage, warum es "das Böse" überhaupt geben muss. Wenn nur die Sonne strahlt und hernieder brennt, so verdörrt auch davon das Leben. Wer es zu gut meint mit Pflanzen oder Schützlingen, und sie in die hell leuchtende Sonne stellt, riskiert damit auch etwas.
Galadriel ist sich dessen ebenso bewusst, wie ihrer beschränkten Macht. Sie versucht nicht etwas zu nutzen, dass unendlich viel Böses in sich birgt, obwohl sie damit auch unendlich viel Gutes erreichen könnte. Sie hat nicht genug Hybris in sich, die der Ring ansprechen kann, um wirklich zu glauben, ihre guten Ziele umzusetzen ohne dabei auf der anderen Seite Schaden anzurichten.

Ich denke, dies passt auf unsere Gesellschaft. Verfolgten und vom Krieg heimgesuchten Menschen zu helfen ist so wunderbar edel und gut, dass Millionen von Menschen ignorieren, was ihre Bemühungen sonst mit sich bringen (angefangen bei den Problemen der Völkerwanderung wie Unterkunft und Versorgung über Kriminalität und Verfolgung in den Heimen selbst bis hin zu Terrorismus und der Zerstörung bestehender Ordnung / sozialen Friedens). Die selbst wenn solche Ereignisse ausufern lieber weiter auf die Schöhnheit der Sonnenstrahlen verweisen, als das verursachte Feuer zu löschen.
Zurück zu treten, sich selbst und all dem, was man durch bittere Lektionen aus sich gemacht hat treu zu bleiben ist unendlich schwer und wirkt erstmal nicht wie der richtige Schritt. Aber er wäre es gewesen.