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Freitag, 5. Februar 2016

Begrifferaten

Flüchtling. Asylant. Asylsuchender. Nordafrikaner. Südländer. Schwarzhaariger. Junger Mann. Migrant. Schutzsuchender. Notleidender. Einwanderer. Kriegsflüchtling. Refugee. Neubürger.
Das Offensichtliche als Slogan...
Diese und viele Begriffe mehr werden dieser Tage genutzt, um zu unterscheiden, was noch vor etwas mehr als einem Monat insgesamt unter "Flüchtling" fiel.
Flüchtling, so sollte die Interpretation lauten, sind eigentlich alle. Also Menschen, denen Tod, Haft oder gesundheitliche Folgen angedroht werden. Da denkt man an politische, soziale oder religiöse Verfolgung. Aber natürlich auch Menschen, deren Heimat durch den Zusammenbruch der Gesellschaft lebensbedrohlich wurde. In der Art von marodierenden Banden und Warlords. Und nicht zuletzt Menschen aus Ländern, die durch Bürgerkrieg und Krieg zerrissen und zerstört sind.
Neu ist dann die Argumentationslinie, dass Menschen auch vor Armut fliehen. So wurde auf den Hinweis, dass die Mehrheit der "Refugees" ja vor gar nichts fliehe nicht nur mit dem üblichen, völlig neben der Argumentation vorbeischreiendem "Kein Mensch ist illegal" (sehr oft gehalten von Personen die pro Abtreibung sind - und dies meist ohne Gedanken über Entwicklungsstadien), sondern auch mit "vor Armut und Hunger zu fliehen ist ein Grundrecht" geantwortet.
Und wer arm ist, das bestimmen diejenigen, die am offensten sind für Neuankömmlinge. Und diese verlassen sich auf das Urteil derjenigen, die da ankommen - kurzum, alle hier Ankommenden sind eigentlich Flüchtlinge.

Gewesen.

Denn die tonangebenden Medien sahen sich nach der Silvesternacht, in der es in 12 Bundesländern und dutzenden von Städten zu sexueller Belästigung, Vergewaltigung und Raubdelikten kam zu einer weiteren Differenzierung gezwungen, die vordem erst unterhalb dieser Kategorisierung, dieser Pauschalisierung zulässig war. Dann wurde erst von "Nordafrikanern und Arabern" gesprochen - eine Unterscheidung, die sich ziemlich schwer erklären lassen dürfte, sind doch die meisten Nordafrikaner Araber oder die mit ihnen eng verwandten Mauren und Berber.
Flüchtlinge waren, vom Moment der Bekanntmachung auf Weisung der Bürgermeisterin Reker, auf keinen Fall beteiligt. Denn Flüchtlinge, dass waren ab diesem Zeitpunkt auch nur diejenigen, die in 2015 kamen und in den Flüchtlingsunterkünften untergebracht waren.
Asylsuchende - also Menschen, die vor Verfolgung oder Krieg in unserem Land einen sicheren Hafen suchten, die vorher hier ankamen waren nunmehr davon ausgenommen. Und Nordafrikaner ebenfalls. Von Marokko bis Ägypten - plötzlich scheint die Welt dort voller Sonnenschein und tollen Verhältnissen, also fast wie die Utopie des arabischen Frühlings.
Darum kein Vergleich mit Syrern und Irakern oder Afghanen, die ja wirklich aus den kriegsgebeutelten Zonen dieser Welt kommen, wenn man unsere moralischen Imperativen so hört.
Warteraum Registrierung - immerhin ein paar Familien
Das der IS dabei den Süden des Irak bislang durch Anschläge in Unruhe versetzt, aber nicht durch Invasionen, dass Obama die irakische Armee im Süden und die Milizen im Norden des Landes als Verbündete im Kampf gegen den IS bezeichnet, die Sicherung der nördlichen Enklaven durchaus möglich wären, wenn auf die Türkei mehr Druck ausgeübt würde oder die Großmächte Russland und USA sich zu koordiniertem Eingreifen bringen ließen - kein Thema.
Auch, dass es in Afghanistan an den jungen Männern ist, den Taliban bei ihrer Rückeroberung mit Mut und Kampfstärke entgegen zu treten, statt überzulaufen oder zu fliehen. So wird Afghanistan nur wieder zu dem, was es vor der Invasion schon war.
Gleiches gilt in Syrien. Solange die sogenannten Rebellen und der mörderische Diktator Assad ihren unseeligen Kampf nicht zurückstellen oder endgültig entscheiden, solange wird der IS von (geographisch) westlicher Seite keinen Gegner zu fürchten haben.
Vor einer Erstaufnahmestelle - Familien sind Ausnahmen
Die Flucht der jungen Männer, und solche sind es entgegen aller Behauptungen immer noch
meistens, ist also genau das Gegenteil von Menschlichkeit. Es ist ein Fluch für die Länder. Spätestens wenn doch irgendwie Frieden einzieht werden die Arbeitskräfte ebenso schmerzlich fehlen, wie die Ernährer der Familie in einem patriarchalen Land.




 

Offene Fragen die kein Journalist und kein "Helfer" stellen will

Auf die Hintergründe angesprochen wird ohnehin keine Frage so wirklich beantwortet. Wieso "fliehen" vor allem junge Männer? Wo sind ihre Familien untergebracht? Wieso fliehen sie wochen- und monatelang, nehmen z.T. gefährliche Bootspassagen in Kauf statt den sicheren Landweg zu wählen oder statt nahe ihrem Land zu bleiben und dort für sich und ihre Familien zu sorgen. Nachdem ihnen keine Kugeln um die Ohren pfeiffen und ein Knall höchstwahrscheinlich nicht von einer Autobombe stammt würde man meinen, beendete man seine kopflose Flucht und die Strapazen zugunsten eines Neuanfanges.
Wieso fliehen die Menschen nicht von Syrien mit dem Boot? Immerhin hat auch dieses Land eine Küste. Oder vom Süden der Türkei, dem nächstgelegenen Streifen Sicherheit, statt sich erst durch dieses sichere Land zu begeben?
Besetzen das Schiff ihrer Retter - Flüchtlinge aus Syrien
Warum weigerten sich gerettete Flüchtlinge 2014 das Kreuzfahrtschiff, welches sie vor dem Ertrinken gerettet hatte zu verlassen, nachdem dieses für sie extra einen außerplanmäßigen Stop in Griechenland einlegte? Nunja, diese Frage haben betreffende "Flüchtlinge" selbst beantwortet: sie wollten nicht nach Griechenland, sondern so nah wie möglich an Zentraleuropa. Also Norditalien
oder Spanien.




Flucht in der Geschichte

Flucht ist kein neues Phänomen. Menschen sind seit den ersten erhaltenen Schriften als Flüchtlinge bekannt. Homers Ilias und die daran anknüpfende Odyssee sind nicht nur mit die ältesten schriftlichen Werke Europas sondern auch das genau passende Beispiel für die sich darstellende Frage.
In der Ilias wird Troja belagert. Das belagernde Heer ist riesig, der Krieg währt geradezu ewig (10 Jahre liegen die Griechen bereits vor der Stadt), bevor es mit der bekannten List gelingt, die Befestigungen zu durchdringen und ein für damalige Kriege typisches Gemetzel in der Stadt anzurichten und die Überlebenden zu versklaven und zu verteilen. Klingt sehr vertraut, oder?
Der Unterschied: die Trojaner werden beschrieben als Menschen mit Mut und einem Selbstvertrauen, welches sich auf die eigene Verteidigungsfähigkeit bezieht und nicht auf das individuelle Auftreten.
Der verwundete Aeneas mit Sohn und Erscheinung
Als die Stadt fällt, gelingt einigen die Flucht, darunter Aeneas, dessen Flucht von Vergil einige Jahrhunderte später besungen wird. Dieser trug seinen Vater auf seinen Schultern, seinen Sohn an der Hand, die Hausgötter (als Statuetten) im Gepäck und das seine Frau Kreusa im Getümmel verloren ging wurde ihm nur deshalb nicht zur immerwährenden Last, weil sie ihm im Traum erschien und berichtete, von einer Göttin errettet worden zu sein und so nicht das Schicksal der übrigen
Trojanerinnen zu teilen. Sie nimmt in einer rührenden Szene Abschied. Aeneas wird zum Gründervater der Gründer Roms. Aus seinem Geschlecht erwachsen später Romulus und Remus.

Nach dem Sieg über Troja versucht einer der Helden, Odysseus, nach Hause zu seiner geliebten Frau zurück zu kehren und nimmt erneut zehn Jahre Gefahren und Abenteuer dafür auf sich, obwohl sich ihm mehrfach die Gelegenheit zur Ansiedlung in Wohlstand und Luxus anbieten. Seine Frau wartet in Treue auf ihn und erwehrt sich aufdringlicher Freier, die ihren Mann für tot halten.
Am Ende erreicht Odysseus die Heimat - allerdings allein. Alle seine Männer sind auf dem Heimweg umgekommen.

Natürlich handelt es sich um Mythologie, um Sagen. Aber sie zeigen den Anbeginn des Verständnisses von Flucht. Wann ist sie angebracht und nötig, wie läuft sie dann ab und wie steht es um Heimat, Treue und Familie. Die Familie blieb auch den Fliehenden in einer Sklavereigesellschaft das Zentrum ihres Denkens. Undenkbar, dass zehntausende sich ohne ihre Kinder und Frauen auf den Weg machten. Undenkbar, dass man einem Feind einfach so das Land, seine Besitztümer und Nachbarn überließ, solange es eine Chance gab, sich zu wehren.
Auch jene, die Flüchtende aufnahmen hatten diese Haltung im Blick. Misstrauen erweckten solche, die man der Feigheit verdächtigen musste. Was für Bürger sollten diese werden, waren sie ja nicht mal in ihrer Heimat bereit gewesen, für dessen Verteidigung aktiv zu werden. Wie sollte man sich da ihrer Loyaltät und der Ergebenheit gegenüber der Gemeinschaft, den Gesetzen und Kulten sicher sein?



Die deutsche Flüchtlingsgeschichte

Aber so wird Geschichte ja nicht genutzt. Viel oberflächlicher und natürlich viel naheliegendere Beispiele werden da aufgegriffen. Vor allem natürlich die üblen 12 Jahre und ihr Nachspiel. Die vertriebenen Intellektuellen, die gejagten Juden, die verfehmten Andersdenkenden in den frühen Jahren und schließlich die Ostdeutschen, Ungarn, Rumänen und Kollaborateure, welche aus Polen, Böhmen, der Tschechei vor der Roten Armee reißaus nahmen.
Wie diese Schicksale gerade uns verpflichteten, als Deutsche, mit offenen Armen zu empfangen.
Dies ist ein unbezahlter Blog, und leider eignet er sich nicht, noch kann ich so viel Zeit in einen einzelnen Beitrag stecken, dass ich hier jetzt in ganzer Breite auf die Situation, die Vertriebenen und Fliehenden der Jahre 1944 bis 49 eingehen kann. Es ist aber nicht schwer, sich darüber Wissen anzueigenen. Die Zahl der publizierten Biographien, Tagebücher und Berichte ist riesig und selbst Massenmedien berichteten bis vor wenigen Jahren zwar verantwortungsrelativierend aber detailliert. Ebenso sind ganze Archive an Bildern vorhanden und z.T. digitalisiert. Eine recht ergiebige Quelle ist das Lastenausgleichsarchiv des Bundes.
Nachlesen lässt sich darin, welche Zustände herrschten.


Wie immer an solcher Stelle: das Folgende ist keine Relativierung der Verbrechen durch Wehrmacht, SS, und allgemein das Deutsche Reich, seine Bewohner und Stellen. Die verlinkten Seiten enthalten nicht zwangsläufig Stellungsnahmen die mit meiner Meinung übereinstimmen.
 
Wovor die Menschen flohen war handfest. Rache der einheimischen Bevölkerung in besetzten Gebieten - auch wenn sie dort schon vor dem Krieg lebten oder selbst Ungarn und Rumänen waren. Sie flohen vor den Sowjets, die dokumentiert Massenvergewaltigung und Massenmord begingen. Niemand konnte in den Ostprovinzen sicher sein, nicht einfach totgeschlagen und zum vermodern in einen Graben geworfen zu werden. Nemmersdorf ist eines der bekanntesten Schicksale. Solche Taten sind heute viele bekannt, die Tschechei kämpft seit Jahren mit der Aufarbeitung - u.a. weil mittlerweile viele Beweise veröffentlicht wurden, wie dieses Video, welches sogar die Bildzeitung brachte und sich nur starke Gemüter ansehen sollten.
Hier handelte es sich nicht um Menschen, die erst ein paar Monate oder Jahre unter fremder Herrschaft lebten und dann wegen eines realen oder inszenierten Vorwurfes bestraft wurden. Das waren Massaker an Menschen, weil sie Deutsche waren oder man ihnen Zusammenarbeit vorwarf. Wie im Video gesagt wurde auch mancher ermordet, der zwar Ausländer aber weder Deutscher noch Nazi war - aber diese Unterscheidung im Blutrausch gar keine Rolle mehr spielte.
Wer sich (zu Recht) über die Vorgänge und Taten im Islamischen Staat in Syrien und Irak hilflos und entsetzt fühlt, der sollte sich vor Augen führen, dass bei aller Grausamkeit und allem Schrecken die Dimension im Vergleich zu dem, was 44 bis 49 passierte nicht mal ein winziger Teil ist.

Auf welche Weise und wohin die Menschen flohen lässt sich bestenfalls begrenzt mit den Bootsflüchtlingen vergleichen. Anders als aus Nordafrika, Mazedonien, dem Balkan, Albanien oder eben vielen (nicht allen!) aus Syrien und Irak flohen die Menschen. Wer hatte, spannte einen Wagen ein, belud ihn mit dem wichtigsten und wertvollsten - vor allem aber der Familie bis zum Großmütterchen, und suchte Zuflucht im Westen.
Dabei wurde man permanent Opfer von Gewalt. Vornehmlich durch Truppen des Gegners, aber auch durch Räuber, die sich an wie mitunter auch eigene Soldaten, an den Fliehenden bereicherten oder schadlos hielten. Die Menschen flohen über zugefrorene Seen, wissend, dass Tiefflieger jederzeit über sie kommen konnten und die Eisfläche zerstörten, sie zum Tod in eisigen Wassern verdammten.

Eine Ostpreußin schildert ihre Flucht:"Erst in letzter Minute bekamen wir Nachricht, dass wir fliehen mussten. Vater bekam eine Panzerfaust in die Hand gedrückt, dann sahen wir ihn nie wieder. Mutter und ich waren mit den kleinen Kindern allein. Tag und Nacht ging die Fahrt. Sie hatten unsgesagt, über das Eis ginge es schneller. Am dritten Tage lag die ungeheuere Fläche des Frischen Haffs vor uns. Wir hörten die feindlichen Jäger von weitem und waren ihnen hilflos ausgeliefert. Der dunkle Treck auf dem hellen Eis war für sie ein Scheibenschießen. Die Szenen, die sich dabei abspielten, sind nicht zu schildern. Ein ungeheueres Durcheinander, Todesschreie von Menschen und Vieh, in Brand geschossene Wagen, von Splitterbomben geborstenes Eis, eingebrochene und verwundete Pferde. Ich hieb auf meine Pferde ein, bis ihre Rücken blutig waren, und es half. Doch als wir uns von dem Überstandenen erholt hatten, kam das größere Unheil. Denen, die es sahen, versagte die Stimme. Wir fuhren in vier bis sechs Reihen nebeneinander, und dann versanken plötzlich hinter uns und neben uns die Wagen; ohne Schrei, völlig ohne Krachen und Bersten, als nähme eine unsichtbare Hand sie weg. Diejenigen, die durchkamen, hatten verzerrte Gesichter, die niemand mehr kannte."


Andere bestiegen Boote und Schiffe in Zahlen, welche diese gnadenlos überlasteten, um dann in der erbarmungslosen Ostsee von U-Booten, Flugzeugen, Kriegsschiffen und dem Wetter gehetzt zu werden. Das bekannteste Beispiel dürfte hier die Wilhelm Gustloff sein.
Dabei waren ihre Fluchtwege nicht ewig lang. Meist hieß es, der Front hinterher, hauptsache auf Boden hinter den deutschen Linien. Es gab keinen anderen Ort, an den man konnte. Die neutrale Schweiz war dicht - von beiden Grenzseiten aus. Alles andere war Feindesland oder noch von den eigenen Leuten besetzt. Die Flucht über den Atlantik war aussichtslos, zum Mittelmeer schaffte man es nicht. Es blieb nur das Reichsgebiet. Oder dort bleiben wo man war.
Viele hofften, von den Westalliierten besser behandelt zu werden, und flohen daher in deren Richtung. In Stuttgart, Pforzheim und Freudenstadt finden Verbrechen statt, die angesichts dieser Hoffnung wie Hohn erscheinen. Stuttgarter Ärzte notieren ihre Eindrücke in Tagebüchern und Patientenakten - viele davon können nicht glauben, was da passiert. In Freudenstadt werden die Frauen ausgerechnet marokkanischen Truppen tagelang ausgeliefert. Ein Zeitzeuge zieht den Vergleich zu antiken Plünderungen.



Wie wurden diese Menschen behandelt?
Vor allem ist es mir wichtig festzuhalten, dass ihre Schicksale in den letzten Jahrzehnten der Republik und gerade von jenen, die heute so vehement "offene Arme" für die "armen Flüchtlinge" einfordern verleugnet wurden und jeder Interessensvertreter in den Ruch des Rechtsradikalismus, des Nationalismus und anderer schlimmen -ismen gestellt wurde. Die AntiFa ergeht sich bis heute in Loblieder auf die Täter an ihnen und bringt nicht einen Funken Menschlichkeit auf. Heute sind die meisten Opfer der damaligen Zeit nicht mehr, aber vor zwei Jahrzehnten sah dies anders aus - nicht aber die Haltung der Linken und der AntiFa.
Eines der prominentesten Opfer war wohl Hannelore Kohl, die Ehefrau von Kanzler Kohl, welche am Ende ihren Depressionen durch Selbstmord zu entfliehen suchte.
Die hunderttausenden Vergewaltigungen (nicht nur an den Vertriebenen sondern auch an unzählbaren Frauen, Mädchen und Kindern in Städten der späteren BRD und DDR) wurden totgeschwiegen. Niemand half den Opfern, die Täter wurden nicht gesucht und bestraft, bis auf wenige Ausnahmen. Auch kein Aufschrei der internationalen Gemeinschaft, keine Ächtung, keine tatenlosen Empörungswellen der Medien. Schweigen, vertuschen und später relativieren, rechtfertigen.

Was aber mit den Überlebenden geschieht ist ebenfalls kein Ruhmesblatt - kann aber mit der heutigen Zeit nicht verglichen werden, obwohl genau das versucht wird. Deutschland lag am Boden. Infrastruktur, Städte, Industrie, Landwirtschaft und Verwaltung ausgelaugt, zerbombt, zerstört, zerschlagen und abtransportiert. Die wehrtauglichen Männer, zugleich die Arbeitskraft, in Kriegsgefangenschaft, tot oder verletzt an Leib und Seele und verkrüppelt. Wohnraum war knapp, Heizmaterial schwer zu bekommen ("Kohle bunkern") und essen musste gesucht und erhandelt werden. 1946/47 und 1948 brachen dann noch sogenannte "Hungerwinter" über Europa herein. In Deutschland starben geschätzt zwei Millionen Menschen direkt oder an den Folgen des Winters.
In dieser Situation versuchten die Alliierten und die provisorischen Regierungen bzw. Verwaltungen die Flüchtlinge wie die Bevölkerung unterzubringen und zu versorgen. In dieser Notlage wurden die "Fremden" als zusätzliche Belastung empfunden. Viele berichten von Hass, Beschimpfungen und Gewalt, von Missgunst und einer "wir zuerst" Mentalität. Es gibt auch andere Berichte von Mitgefühl und Hilfsbereitschaft - aber eine gute Tat kann schwerlich eine böse aufwiegen.
Es gibt aber keinen Weg aus dieser Situation. Deutsche aufzunehmen ist so kurz nach dem Krieg, den Besatzungen und den damit verbundenen Grausamkeiten der deutschen Besatzer nicht denkbar. Nazigrößen fliehen nach Südamerika, sie bringen aber Devisen und Verbindungen mit, welche diese Länder gerne sehen. Manch einer, der es sich trotz des Krieges und der Zahlungen bzw. Plünderungen leisten kann, folgt. Die absolute Mehrheit aber muss ausharren, die Trümmer beseitigen und den Wiederaufbau beginnen. Dabei bleiben sie aber, den USA sei Dank, nicht allein. Großzügige Geldanleihen und Förderprogramme, auch manche Spende aus den USA und sogar England erreicht im Laufe der Nachkriegsjahre die Bevölkerung.  So großzügig und hilfreich dies ist - es fordert Eigeninitiative und Wille. Ein Wohnungsbauprogramm, bei dem die Flüchtlinge und Heimatlosen selbst mit anpacken ist ein Beispiel dafür. Es werden nicht Jahr für Jahr Millionen (in heutigen Verhältnissen Milliarden) verpulvert.


Die polnische und französische Geschichte

Eine Mahnung sollte das Schicksal, der Mut und die Initiative der Polen sein. Ich bin nun wahrlich kein Freund der Guerillakriegsführung und sehe in den Widerständlern angesichts zahlreicher Verbrechen und den Racheakten keineswegs nur Helden - aber nach der militärischen Niederlage fliehen Polen und Franzosen nicht in die Staaten, die ihnen die besten Perspektiven bieten, sondern dorthin, wo sie den Kampf weiterführen können und jene unterstützen können, die aktiv am Krieg teilnehmen. Dies sind vor allem England und die Sowjetunion - je nach politischer Ausrichtung oder der reinen Möglichkeit der Fliehenden. Polen, Tschechen und Franzosen bilden im Ausland eigene Einheiten aus, erhalten Waffen und Lehrer. Besonders die Exilpolen erkämpfen sich durch die Teilnahme an der Luftschlacht um England wie auch an der missglückten Luftlandeoperation um Arnheim einen Platz in der Geschichte. Auch der Warschauer Aufstand 1944, angesichts der vor den Toren stehenden russischen Armee ein lange ersehnter Versuch sich selbst zu befreien, ist hier dringend als Vergleich geboten. Dazu gleich noch mehr.
Der tschechische Präsident Zeman hat in seiner Weihnachtsbotschaft ausdrücklich auf dieses Missverhältniss hingewiesen, statt lediglich mit Phrasen um sich zu werfen.
Die Résistance wie verschiedene Gruppierungen auf dem Balkan haben viele jahrelang im Rahmen des ihnen Möglichen unter großem Einsatz und Verlusten gekämpft und sehr häufig vergleichen sich zu Unrecht Hamas und Hisbollah mit diesen Widerständlern. Der Orient ist also durchaus vertraut mit dieser Denk- und Kampfweise.

Das für mich eindrucksvollste Beispiel ist aber der bereits erwähnte Aufstand in Warschau. Schon zuvor hatten die Menschen erleben müssen, mit welcher Macht und Gewalt die deutschen Besatzer auf den Ghettoaufstand in ihrer Stadt reagierten, als die völlig ausgemergelten, unterversorgten Juden beschlossen, um ihr Leben zu kämpfen, da sie nichts mehr zu verlieren hatten (wer immer Gaza mit Warschau vergleicht, der soll bitte den Bildband "A day in Warsaw Ghetto - a birthday trip to hell" durchsehen). Der Aufstand endete in einem Blutbad und einer Trümmerlandschaft. Mit aller Härte hatte das deutsche Militär reagiert und den Aufstand niedergeschlagen - und nebenbei alle ermordet, die ihnen in die Finger kamen.
Ein Jahr später wagte nun, angesichts der anrückenden vermeintlichen Hilfe von Außen, die polnische Bevölkerung trotzdem das Gleiche. Die Bevölkerung. Frauen und Jugendliche zusammen mit Männern jeden Alters. Die Waffen waren entweder selbst hergestellt, eingeschmuggelt oder Beutegut von ermordeten oder besiegten deutschen Soldaten. Es gibt eine große Zahl an Bildern und Videos davon.
Die Menschen kämpften um ihr Leben, ihre Stadt, ihre Freiheit. Und verloren nach langem und hartem Kampf. Denn die Sowjets waren stehen geblieben, verweigerten die Hilfe und befahlen auch den polnischen Divisionen in ihren Verbänden nichts zu unternehmen.
Die Aufständischen kämpften tapfer. Der deutsche Kommandeur, der schließlich ihre Kapitulation entgegen nahm vermerkte in seinem Schreiben, dass die Polen wortwörtlich bis zur allerletzten Patrone gekämpft hatten.
Aus militärischer Sicht war es zwar eine Niederlage, aber für die Sowjets, die gar nicht beteiligt waren, eine große Hilfe. Denn auch die deutschen Truppen hatten schwere Verluste, die ihnen an der Front fehlten. Dies tröst natürlich nicht über die Toten Menschen, die schweren Verluste unter den Zivilisten der Stadt hinweg und auch nicht über die nicht errungene Freiheit der Polen, die später under sowjetischer Herrschaft leiden mussten. Aber es zeigt, dass solche Kämpfe nicht aussichtslos sind.


Diese Menschen, sei es die Flüchtlinge, die vor den Nazis gezwungen oder in "freiwilliger" Flucht ihre Heimat verließen und andernorts neu anfangen mussten, seien es die Vertriebenen aus dem Osten in den späten Kriegsjahren oder seien es die Widerständler aus den deutsch besetzten Gebieten, die ihre Heimat und Familien verließen um sie zurückzuerobern und zu befreien, mit jenen zu vergleichen, die hierher kommen um noch die helfenden Hände anzuzeigen, weil unsere Bürokratie angesichts dieser Völkerwanderung völlig überfordert ist und langsam arbeitet, mit jenen, die mehrheitlich nicht vor Krieg und Verfolgung fliehen sondern schlicht einer Armut, die sie nicht mit dem Hungertod sondern mit einem veralteten Handy bedroht, jene Menschen, die oft genug vor Kriegsdienst und dem Kampf für oder gegen verbrecherische Gruppen entkommen wollen und dafür ihre Familien zurücklassen.

Man verstehe mich bitte nicht anders, als ich es meine. Unter den Flüchtlingen sind sicher auch Menschen, die wirklich vor Krieg und Gewalt fliehen und die Asyl verdienen. Da stimme ich völlig zu und sehe es als unsere Pflicht. Aber der Vergleich mit jenen Menschen von damals verbietet sich auch für diese und alle ankommenden mit diesen in einen Topf zu werfen ist ebenso eine Pauschalisierung, wie sie alle mit den Vergewaltigern und Kinderschändern aus ihren Reihen gleich zu setzen.
Meinen Respekt haben jene asyrischen Christen, jene Kurden und die vielen anderen Gruppen, die sich der Verteidigung ihrer Heimat, ihrer Familien und ihres Hab und Gutes stellen.
Das ist eine enorme Leistung, von der ich hoffe, dass ich dazu auch in der Lage wäre, aber keineswegs behaupten will, dass ich es könnte. Vielleicht würde ich auch mein Heil in der Flucht suchen - aber dann wäre der nächste sichere Ort / Staat mein Ziel und meine Familie würde ich weder alleine lassen noch einer Gefahr aussetzen, wenn es Alternativen gäbe.
Warum dies bei anderen nicht so läuft wäre die Frage, die sich mir am dringendsten stellt.


"Wir sind die Guten" - oder glauben es.
 Mit narzistischem "wir sind die Guten und wir sind menschlich - Refugees Welcome, keine Stimme der Nazi-AfD" Gehabe werden wir die entstandenen Probleme nur eine kleine Weile kaschieren können.
Gewalt in Lagern und Aufnahmeeinrichtungen.
Frustration der Bevölkerung über falsch verstandene Toleranz und Hilflosigkeit gegenüber kriminellen Einwanderern.
Einwanderung islamistischer Terrorzellen.
Schmuggel und Menschenhandel.
Unregistrierte Einwanderung.
Ausbeutung und Überlstung der Sozialsysteme.
Unwürdige Lebensverhältnisse in völlig überfüllten Unterkünften.
Drastisch steigende Wohnkosten.
Massive Mehrausgaben im sozialen Bereich in vielfacher Milliardenhöhe (Krankenversorgung, Transportkosten, Mehrarbeit in der Bürokratie, Versorgungskosten, Integrationskosten, Öffentlichkeitsarbeit etc.)
Import von Konflikten (ethnische Spannungen, religiöse Verfolgung und Vorstellungen, Clanfehden, Rechtsempfinden und Rechtssprechung etc.)
Integrationsproblematik verschärft sich drastisch, ebenso wie Ghettoisierung und Islamisierung.
Außer Kraft gestellte Gesetze (Landessicherung etc) und Aufgabe der Grundrechte (angedrohte oder vollzogene Enteignung, Verweigerung der Versammlungs- und Meinungsfreiheit, Neutralitätsgebote ignoriert usw. usf.)

Wer das Video aus Schlema gesehen hat, in welchem der Bürgermeister auf die Frage eines Rentners nach Maßnahmen gegen die wiederholte Belästigung seiner zur Schule gehenden Enkelin durch die auf dem Schulweg untergebrachten Flüchtlinge antwortet, man möge nicht provozieren (durch freizügige Kleidung) und einen anderen Weg gehen, der ahnt, welche weiteren Probleme sich entwickeln.

Ich finde Differenzierung prima. Wenn wir sie aber benutzen, dann bitte nicht nach gusto sondern immer. Bei "Flüchtlingen", bei "Vertriebenen", bei der AfD, bei Pegida und bei Migranten.
Die jetzt angelaufene Unterscheidung aber ist unter aller Kanone, entspricht nicht den vorliegenden Fakten und dem Verhalten gegenüber den Neuankömmlingen.
Flüchtlinge zweier Klassen also?







Dienstag, 26. Januar 2016

Was wurde aus den Sklavinnen? (Link zu einem englischen Artikel)

Vor einigen Monaten rollte eine Welle von Berichten durch Europa, welche die Sklavenmärkte des IS besprachen. Ein besseres Wort fällt mir gerade nicht ein. Denn weder wurde ehrlich über die historisch-islamische Begründung dieser Versklavungen, des Sklavenhandels (der erst durch die europäischen Mächte massiv verkleinert, nie aber ganz beendet wurde), und der Vergewaltigungen geschrieben noch wurde eine Konsequenz daraus gefordert.
So konnten nunmehr jahrelang nicht-muslimische Mädchen und Frauen gehandelt und immer und immer wieder vergewaltigt werden.
Schon beim Schreiben dieser Zeilen kocht es in mir unchristlich hoch und Rachephantasien klopfen an meine Vorstellungskraft. Und das als Althistoriker, der sich fast ausschließlich mit Gesellschaften auseinander setzt, die Sklaven hielten - vor einer erheblichen Zeit.

Statt also nunmehr alle Differenzen beiseite zu legen und für die Unterschreitung des untersten Limits an Kriegsführung und Staatsbildung einzustehen, dem IS die Lichter in einer großen Offensive auszublasen und seine Mitglieder in Massenprozessen abzuurteilen, war man damit beschäftigt, irgendwelchen Realitätsverweigerern und Friedensaktivisten zuzuhören, welche sich einen Dialog mit dem IS wünschten.
Als hätte der Heilige Georg mit dem Drachen verhandelt.

Und so wenig die meisten Menschen von der Klatschpresse Daily Mail halten, mitunter leuchtet da mehr Menschlichkeit durch, als bei katholisch.de im Jahr aufgebracht werden kann.
So auch in diesem Artikel, in welchem eine irakische Photographin entkommene Überlebende suchte und ihre Geschichte niederschrieb sowie, für meinen Geschmack etwas zu künstlerische, aber doch eindringliche Bilder von Ihnen anfertigte.
Sollte jemand den Artikel nicht oder nur mit Schwierigkeiten lesen können, bitte melden.

Donnerstag, 14. Januar 2016

Die militärische Großmacht Türkei schlägt zu

Als ich die Schlagzeilen las, dachte ich ein wenig an Nordkorea. 500 Stellungen des IS will die türkische Armee als Rache für den Bombenanschlag vor der Hagia Sophia angegriffen haben und dabei über 200 Kämpfer des IS getötet.
Neben der erstaunlichen Tatsache, dass von den geschätzten 20 - 30 000 Kämpfern nach den Erfolgsmeldungen aus dem Irak, Russland der Türkei, Syrien und von Seiten der Rebellen eigentlich kaum noch jemand leben dürfte, klingt das in jeder Beziehung gewaltig.

Die Türkei hielt sich in den letzten Jahren erstaunlich zurück- es tauchten vielmehr immer wieder Hin- und Beweise auf, dass Geschäfte getätigt wurden. So wurde u.a. Erdogans Sohn abgelichtet, wie er mit einigen Anführern des IS sprach und sympathisierte (so nennt man es wohl, wenn man sich lachend und schulterklopfend bei einem gemütlichen Tee in kleiner Runde trifft, ohne einen diplomatischen Auftrag vorweisen zu können).
Als Zivilisten direkt vor der Grenze von IS Truppen angehalten und zurück gezwungen wurden griff die Türkei nicht ein.
Als eine Grenzstadt, vor allem von Kurden bewohnt, belagert wurde, musste zäh verhandelt werden, bis kurdische Verstärkungen durch die Türkei durften.
Als die Amerikaner Luftangriffe begannen, mussten sie erstmal zäh mit der Türkei verhandeln und einiges an Geld auf den Tisch legen.
Vor kurzem marschierte die Türkei in den Irak ein - auf kurdisch-assyrischen Boden. Den IS ignorierten sie.
Als eine kurdische Demonstration auf türkischem Boden angeblich durch IS Attentäter in ein Blutbad verwandelt wurde, unternahm die Türkei keinen Angriff oder Racheakt.
Und nun hat ein Selbstmordattentäter vorwiegend Touristen getötet - und die Türkei lässt offensichtlich eine Offensive los, wie es sie seit Korea oder der Ted-Offensive nicht mehr gegeben hat. In Rekordzeit wurden offensichtlich ganze Divisionen in Stellung gebracht, ein Plan ausgearbeitet und losgelegt.

Das meldet jedenfalls die türkische Regierung.
Also Erdogan. Derjenige, der behauptete, Christoph Kolumbus hätte in seinem Logbuch vermerkt, dass er eine Moschee in der Karibik vorfand, als er "Amerika entdeckte"...
Es bleibt spannend, was Assad, Russland und der Irak melden werden.

Mittwoch, 23. Dezember 2015

Syrer sagen Danke, Video der "Kirche in Not" aus Syrien

Kirche in Not kann man gar nicht genug loben. Sie helfen körperlich, seelisch und geistig.
Wer es noch nicht weiß, Kirche in Not hat neben den Spendenmöglichkeiten auf ihrer Internetseite auch einen Shop mit sehr lesenswerten Broschüren, Einführungen, Gebetskarten uvm.

www.kirche-in-not.de

Mittwoch, 16. Dezember 2015

Ein Video geht um die Welt

Eine der sogenannten gemäßigten Rebellengruppen hat ein Video veröffentlicht. Darin ist eine Szene wie aus den bisher veröffentlichten Videos des Islamischen Staates zu sehen, die im allgemeinen als Propaganda-Filme bezeichnet werden.
Eine Gruppe Gefangener in organenen Overalls wird, während im Hintergrund arabische Lieder gesungen werden, von vermumten Männern in militärischer Bekleidung an einen freien Platz geführt. Auf dem Weg sammeln die Uniformierten jeweils eine Pistole von einem Tisch.
Dann lassen Sie die Gefangenen niederknien, vor schwarzem Bildschirm hört man das Geräusch, welches man aus Filmen kennt, wenn eine Waffe durchgeladen wird. Als das Bild wieder erscheint richten die Stehenden kurz darauf ihre Pistolen auf die Hinterköpfe ihrer Gefangenen. Ausführlich werden deren Gesichter präsentiert. Doch dann erfolgt kein Schuss, die Waffen werden in die Tragegestelle gesteckt, die Henker drehen sich um und lassen die Knienden zurück.
Die letzten Szenen werden untermalt mit türkischen und englischen Schriftzeichen, die u.a. sagen: "Muslime sind keine Kriminellen".
Dann sieht man einen in weiß gekleideten Bärtigen mit Tragestell, der auf die Knienden einredet. Diese werden wieder ausführlich im Detail gezeigt. Manche lauschen scheinbar Aufmerksam, andere wirken leicht verwirrt. Ausblende.

Das Video stammt angeblich von der Gruppe Shamiya Front Fighters. Es soll zeigen, wie gefangene IS-Krieger, die während einer erfolgreichen Einnahme zweier Dörfer gemacht wurden, den Eindruck erhalten, man tue ihnen an, was sie so zahllose Male getan haben - nur um dann durch einen Akt der Gnade zu demonstrieren, dass man nicht wie sie ist. Man sei nicht böse, man sei nicht kriminell.
Ich verlinke das Video nicht. Wer es sich ansehen will, der hat nun den Namen und findet es sehr schnell, wer es noch nicht in den Medien gesehen hat.

Ich persönlich kann nur den Kopf schütteln. Aus folgenden Gründen:
1. Auch dieses Video ist für Außenstehende gedreht worden. Es ist inszeniert, mit "passender Musik" und einer Botschaft versehen worden. Wir haben nur sehr wenig Informationen über die Hintergründe und können die Behauptungen nicht nachprüfen. Punkte, die aus einem Kriegsgebiet, aus den Händen einer Kriegspartei die Beschreibung "Propaganda" abbekommen würden. Ob IS, Russland, USA oder Assad - all diese Gruppen haben Videos in den letzten Jahren rausgebracht, und bis auf die US erhielten sie alle regelrecht permanent besagte Beschreibung.
2. Wenn es stimmt, was dort gezeigt wurde, dann ist es nicht besonders gnädig Gefangenen, inklusive zweier Jugendlicher, mit viel Aufwand (neue Bekleidung, Transport, Sicherheitsmaßnahmen etc.) den Eindruck zu vermitteln, sie würden nun hingerichtet - und in der letzten Sekunde erst aufzulösen.
3. In meinen Augen gibt es Grund zum Zweifeln. Lassen wir den Eindruck, welchen die Gefangenen vermitteln mal außen vor - da kann ich mich sehr täuschen. Aber als die Henker zurücktreten und sich umdrehen - niemand sieht sich um. Kein Zucken aber auch keine Starre. Haben die Männer fatalistisch abgeschlossen - wieso sind sie dann nicht deutlich erstaunt und verblüfft? Hängen sie am Leben, wieso sind sie nicht erleichtert? Die gezeigten Mienen am Ende sind bestenfalls milde erstaunt - jedenfalls einige, während sie dem Imam vor ihnen zuhören. Andere wirken gelangweilt.
Aber auch das kann ja täuschen.
Die gezeigten Waffen hingegen sind nicht unbedingt typische Militärpistolen. Warum wird ausgeblendet, während durchgeladen werden soll? Oder wurde dieser Schritt ausgelassen? Die Männer stecken die Waffen ohne jede weitere Sicherheitsvorkehrung recht locker in einen Riemen über der Brust, welcher dafür nicht vorgesehen ist. Da die Waffen noch scharf geladen sind, ist das ein Risiko. Gerade bei alten Waffen, und darum scheint es sich teils zu handeln, ist eine unbeabsichtige Schussabgabe auf diese Weise sehr gut möglich.
Außer, es sind keine scharfen Waffen oder sie sind nicht (durch-)geladen. Für den europäischen Zivilisten mag das unwichtig sein - jemand der monate- oder jahrelang mit Schusswaffen täglich umging ist das ein Indiz.
Wie gesagt - Spekulation. Nichts genaues weiß ich nicht, aber es lässt mich mit Mißtrauen zurück.
Mißtrauen, welches sich durch die unkritische Aufnahme in unserer Gesellschaft verstärkt und auf diese überträgt.

Montag, 14. Dezember 2015

Krieg gegen den Islam, Krieg mit Islam, Krieg im Islam?

Der IS, also der "Islamische Staat" oder, wie ihn viele unserer Politiker und Journalisten mittlerweile nennen, "der sogenannte islamischen Staat" (dsIS?), hat derzeit laut CIA zwischen 20 000 und 35 000 Kämpfer - laut BILD lediglich 17 000. Die Schwankung von 15 000 Personen in der CIA Schätzung zeigt bereits, wie niedrig der Wissensstand ist.
Festzuhalten ist aber, dass es deutlich unter 40 000 Krieger sein sollen, die in Syrien und dem Irak für den IS Kämpfen und unter Waffen stehen.
Zum Vergleich: die türkische Armee hat rund 630 000 aktive Soldaten, Saudi-Arabien 230 000, Syrien hatte vor der massiven Fahnenflucht 300 000 Soldaten und nach mehreren Jahren Kampf und besagter Verweigerung liegt die Zahl bei etwa 100 000. Die kurdischen Peschmerga sollen zwischen 190 und 250 000 Soldaten stark sein und der Libanon hat ca. 50 000. Jordanien könnte mit weiteren 100 000 auftrumpfen.
Israel lasse ich bewusst außen vor.

Nun dürfte die numerische Übermacht in diesem Spiel der Zahlen klar sein - wenn die Angaben über den IS stimmen.
Allerdings können die Staaten selbstredend nicht ihre gesamten Truppen in Marsch setzen. Bei rund 20 000 Feinden sollte aber bereits ein Kontingent von insgesamt etwa 50 bis 70 000 Mann reichen - welches leicht zu erreichen sein sollte. Dazu kommen ja noch die angeblich moderaten Rebellen in Syrien, die uns in neueren Videos immer wieder erklären, dass sie den IS bekämpfen, die US und russische Luftunterstützung.

Aber wo sind die moderaten Muslime? Immer wieder wird betont, dass es keine breite Unterstützung für den IS gibt, im Gegenteil die meisten Muslime ihn als unislamisch ablehnen würden. Nun müsste man meinen, dass diese Mehrheit der Muslime den Missbrauch ihrer Religion mindestens ebenso ablehnt, wie Mohammedkarrikaturen oder die Beschädigung eines Korans - was in der Vergangenheit zu um sich greifenden Protesten und Gewaltakten von Muslimen von Ägypten über Indonesien bis nach China geführt hat. So wie der IS die Radikalen und Extremisten anzieht, da würde man doch erwarten, dass sich mittlerweile auf der anderen Seite Freiwillige zuhauf finden würden, die ihren Glauben, den sie so leben wie er "richtig verstanden" und "im richtigen Kontext gelesen" es vorgibt verteidigen wollen.
Das würde man dann Konfessionskampf oder -krieg nennen. Eine Gruppe interpretiert die eigene Religion anders als der Rest oder andere Gruppen und gerät mit diesem dadurch aneinander. Das kennen die Muslime vom Todestag Mohammeds, als sie sich in Sunniten und Schiiten, später noch im Sufis und Ahmadiyya teilten. Auch Christen, Buddhisten und Juden kennen innerkonfessionelle bzw. konfessionelle Kämpfe wegen verschiedener Interpretationen von Texten, Überlieferungen und Glaubensvorstellungen. Wenn diese gewaltsam wurden fanden sich stets Menschen die den jeweiligen Seiten zustrebten und für sie töteten und starben. Momentan ist dies im Fall des IS ziemlich einseitig.
Dabei fehlt es nicht an engagierten Menschen mit medialer Reichweite, die sich bemühen das Mantra zu wiederholen "Islam ist Frieden. Alle Gewaltaufrufe welche zitiert werden, sind aus dem Kontext gerissen. Mohammed hat sich stets nur verteidigt. Der IS hat nichts mit dem Islam zu tun und pervertiert, missbraucht, zerstört die Religion." Diese müßten doch Interesse haben, dem IS dann die Vorherrschaft der Interpretation abzunehmen. Vielmehr aber sind diese Verbände und Personen daran interessiert, uns die Schuld für die Radikalisierung in die Schuhe zu schieben, während sie den Hintergrund verleugnen.

Meine Vermutung ist: ein großer Teil der europäischen Muslime liegt zwischen den Extremen. Die Muslime, die sich mehr als Gewohnheit und Tradition, vielleicht auch aus familiären Gründen zum Islam bekennen und in Wirklichkeit weder Koran noch Hadithe gelesen haben, eine Moschee bestenfalls zum Zuckerfest besuchen usw. Also das Gegenbeispiel zum typischen deutschen Christen. Denen ist es völlig egal, was da passiert. Sie identifizieren sich nicht mit dem Islam. Weder mit dem der Verbände welcher betroffen bei jeder Kritik aufschreit und die Kritiker diffamiert, noch dem des IS, der die Geschichte des Islam noch einmal aufleben lässt.
Warum sollten diese in den Krieg ziehen wollen?
Wenn meine Vermutung stimmt, so sollte diese Haltung nach vorne getragen werden und die Macht der Verbände brechen - auf dass wir Kritik am Islam und an Muslimen äußern können, ohne darum gleiche unter den Generalverdacht gestellt zu werden, den wir angeblich äußern. Nur so können wir dann offen über das Problem Islamismus, inklusive dem IS, Boko Haram und all den vielen anderen sprechen.

Wenn das aber nicht der Fall sein soll, dann sind die Verbände und diejenigen, die den Islam immer und immer wieder verteidigen, in Schutz nehmen, nun an der Reihe der damit aufgenommenen Verantwortung gerecht zu werden und etwas zu unternehmen.
Denn der IS IST zu besiegen - und warum das durch den Irak, Saudi-Arabien, Türkei, Iran und Hisbollah und Co. nicht klappt - das sollte mal dringend analyisiert werden.


Montag, 7. Dezember 2015

Obamas Ansprache an die Nation über Terrorismus

Gestern hielt Obama seine dritte Ansprache aus dem "Oval Office", seinem Büro. Diese Ansprachen werden, im Gegensatz zu den regelmäßigen Ansprachen vom Presseraum oder dem Außenbereich des Weißen Hauses, im Falle von besondere Ereignissen oder Bedrohungen gehalten.
Nun hat Obama also aufgrund des Anschlages vom Mittwoch in Californien es für nötig erachtet, eine solche Rede zu halten.
Ich fand sie unerträglich. Verlogen, selbstgerecht und mit einer deutlichen eigenen Agenda, die Fakten einfach ignorierte.

Daher möchte ich sie hier Stück für Stück auseinander nehmen.
Zu Beginn der Rede betont der Präsident in einer außergewöhnlichen Ausführlichkeit, dass unter den Opfern des Anschlages Mitglieder aller Hautfarben seien, ebenso wie Migranten und US Geborene. Warum er dies so umfassend formuliert, dürfte klar sein. Einigkeit erzeugen, jeden Ansprechen. Aber natürlich auch, angesichts seiner Politik gegenüber den illegalen Einwanderern und dieser derzeit in den USA heiß diskutierten Thematik, um hier unterschwellig das "Einwanderer wie du und ich" zu betonen.
Umso erstaunlicher ist es, dass er nicht davon spricht, wen dieser Anschlag auch betrifft. Das getroffene Center kümmert sich um Entwicklungsgestörte, also um Menschen die bspw. unter Autismus leiden. Der Begriff "disabled", also "behindert" fehlt. Da es auch um die Schießerei rund um eine Abtreibungsklinik geht und Obama sich für das Recht auf Abtreibung auch von behinderten Kindern einsetzt (wenn auch nicht ausdrücklich sondern nur im Rahmen des "Selbstbestimmungsrechtes der Frau") könnte man hier Kalkulation vermuten. Dabei haben die vom Center betreuten Menschen Ansprechpartner, wichtige Helfer und Vertraute, vielleicht sogar Freunde verloren, tagelang mussten sie ohne die Hilfe des Centers auskommen, da dieses u.a. aus Sicherheitsgründen geschlossen blieben.

Was dann aber bereits kommt, verkauft den Bürger für dumm. "How to keep our country safe" - "wie halten wir unser Land sicher". Unter Barak Obama gab es eine Reihe von erfolgreichen wie erfolglosen Terroranschlägen in den USA.
Hier mal die bekannt gewordenen und eindeutig anerkannten erfolgreichen Anschläge 

Fort Hood (2009, 13 Tote, 31 Verletzte)


Waltham (2011, am 10 Jahrestag schneiden muslimische Terroristen 3 jüdischen Amerikanern die Kehle durch)
Buena Vista (2013, 2 Tote, Kopten die enthauptet wurden)
Boston (2013 4 Tote, 265 Verletzte)
West Orange (2014, 1 Toter)
Moore (2014 1 Tote, enthaupet, 1 Verletzte)
Chattanooga (2015, 5 Tote, 2 Verletzte)
San Bernardino (2015, 14 Tote, 17 Verletzte)


Seit dem 11.9. gab es rund 30 anerkannte Anschläge und Anschlagsversuche in den USA, kritische Stimmen sprechen von bis zu 50. Dabei verschwimmen die Grenzen zwischen Ehrenmorden, Familiendramen, Geisteskrankheit usw. mitunter. Fakt bleibt: es sind viele. Und jeder Ermordete, jeder Verletzte und jeder traumatisierte Mensch kann bezeugen, dass es keine absolute Sicherheit gab, kein "sicheres USA".
Von der Frage aber geht Obama direkt in die Offensive. Er betont, dass der Angriff durch einen Mitarbeiter der Organisation und seine Frau ausgeführt wurden, und bislang kein Hinweis auf einen Befehl oder eine Planung von außen gefunden wurden oder teil einer inländischen Planung gewesen wären.
Sie hätten sich zwar radikalisiert, folgten dabei einer "pervertierten Auslegung des Islam welche nach Krieg gegen Amerika und den Westen ruft". Sie hätten "Angriffswaffen und Munition und Rohrbomben gehortet".
Dieser Absatz seiner Rede unterschlägt wieder Informationen. So die Tatsache, dass vor "Lone Wolfs", vor selbstständig aggierenden Terroristen seit Jahren gewarnt wird, in Europa wie den USA. Diese Form des Terrorismus bleibt Terrorismus und wird in nicht-islamischen Zusammenhängen auch nicht als solches in Frage gestellt.
Anschließend stellt er zwar fest, dass es sich doch um einen Terroranschlag handelte, nur um dann darauf zu verweisen, wie "erfolgreich" man nach 9/11 die "Grenzen gesichert" hätte und zahllose Pläne vereitelte. Nicht nur in den USA sondern auch "Übersee", also in Europa, dem Orient und Asien. Und dann kommt der Moment, man achte auf sein Gesicht, das ein kleines Lächeln umspielt, als bei den Erfolgen des Militärs in der Zerstörung "sicherer Häfen" und "Nestern" der Terroristen auch die Erschießung von Osama bin Laden aufzählt - etwas, dass er sich selbst gerne auf die Fahne schreibt.
Von hier leitet er über auf seine eigentliche Agenda - und wem hier nicht die Galle hochkommt, den kann ich nicht verstehen. Mit dem Tod bin Ladens verbindet er den Tod mehrer weiterer AlQuaida Führer und behauptet, aufgrund der aufgezählten Erfolge, vor allem der eigenen Grenzsicherung seien die Terroristen (er vermeidet Islamist als Begriff) dazu übergangen das zu tun, "was in unserem Land viel zu normal ist". Erst jetzt kommen einige der Vorfälle, die ich oben aufzählte. Vorfälle, die dem von Mittwoch ähnelten - als "mass shootings" von Obama in seiner Rede mal eben als etwas verortet wurden, dass auch ohne Islamisten in den USA üblich wäre.
Mal eben vergisst er die Bomben von Boston und verallgemeinert im gleichen Satz, in welchem er die "Terroristen" differenziert.
Kurz wird noch dem Internet die Schuld an innländischer Radikalisierung zugeschoben - denn Imame und Prediger können es ja nicht sein, bevor man sich dann wieder selbst feiert. Seit seinem ersten Arbeitstag habe er gezielte "Neutralisierungen" angeordnet. Und er stellt sich neben die Opfer. Er erkenne sich und seine Familie in den Opfern wieder, habe selbst solche Weihnachtsfeiern besucht und sieht in den Gesichtern der Toten von Paris seine Töchter.
Hier mag ihm glauben, wer will, ich nicht. Ich habe Angst um meine Familie, male mir ständig vom alltäglichen Unfall bis zum Terrorangriff aus, was ihnen passieren könnte - und glaube trotzdem nicht eine Sekunde, dass ich den Horror nachempfinden kann, den eine junge Frau empfindet, die verzweifelt versucht aus einer Menge von Zuhörern zu fliehen, während man auf sie schießt - und schon gar nicht den von Menschen, die versuchen sich zu verstecken, auf Rettung hoffen und am Ende hingerichtet werden. Wer sowas nicht selbst erlebt hat, der sollte nicht behaupten, er könne genau nachempfinden, wie es ihnen geht.

Und nach diesem "schaut her" Gerede präsentiert er sich als Wunderheiler. Auf die selbstgestellte Frage, wie man den Terror überwinden, los werden könnte antwortet er:
"Nun, hier ist, was ich Sie wissen lassen will. Die Bedrohung durch Terrorismus ist real. Aber wir werden es überstehen. Wir werden ISIL (>>gemeint ist der IS, der vormals die Bezeichnung Islamic State in Levante trug<<Anm. Theodred) zerstören und jede andere Organisation die droht uns zu verletzen." Die Lösung sei es," stark und schlau zu sein, robust und unerbittlich".
Dann kommt sein Plan ("and here is how"). Der im Grunde derselbe ist, wie bisher.  Luftangriffe sowie Training und Ausrüstung von Syrern und Irakern im Kampf gegen den IS. Kein Wort verliert Obama darüber, dass vor einem Monat eine Anhörung stattfand, in der herauskam, dass die wenigen Syrer (54), die bislang trainiert und ausgerüstet wurden in ihrem vor allen gegen Assad gerichteten Kampf in einen Hinterhalt gerieten, sich ergaben und die Ausrüstung an den IS fiel. Nunmehr kämpfen, so der betreffende General, nur mehr vier oder fünf der trainierten Syrer. Das Programm hat hunderte Millionen verschlungen.
Es folgt die lächerliche Behauptung, man würde seit den Attacken erfolgreich mit Franzosen u.a. zusammenarbeiten, um die Pläne des IS zu zerschlagen - lächerlich angesichts der vergangenen Ereignisse. Die Türkei sei der Partner, der die Grenze zu Syrien versiegele - etwas das nachweislich nicht der Fall war und ist. Im Gegenteil, der Waffen- und Ölschmuggel floriert, Rekruten der Terroristen passieren ungehindert die Grenze, nur auf politisches Drängen vereinzelt aufgehalten. Und nur Milliarden Gelder aus Europa, nicht von den USA, sowie weitere EU Aufnahmeverhandlungen trotz massiver Menschenrechtsverletzungen, bewegen die Türkei die Flüchtlinge nicht weiter durchzuwinken., zwischen denen sich IS Mitglieder verbergen können.

Er betont, dass Länder mit muslimischer Mehrheit und muslimische Gemeinden in den USA zusammenarbeiten würden.
Der vierte Punkt sei es, einen Waffenstillstand in Syrien zu erarbeiten, den Krieg zu beenden. Das dürfte den Rebellen gar nicht gefallen.
Nach diesem hoch effektiven und absolut neuen Plan den IS zu besiegen (und keinem Wort über AlQuaida, AlNusra, Islamiya und die vielen, vielen anderen, von Syrien nicht anbhängigen Terrororganisationen) erklärt Obama, was "der Kongreß tun sollte" um die "Herausforderung hier zu Hause" anzunehmen. Und natürlich heißt das Wundermittel: gun control. Waffengesetze.
So solle niemand auf den "No Fly" Listen eine Waffe kaufen dürfen - nur das die No-Fly Listen seit vielen Jahren unter Beschuss stehen, weil zehntausende Menschen darauf stehen, die völlig verdachtsfrei sind. So tauchten bereits Namen von zweijährigen Mädchen auf, ebenso wie 90jährige Rentner im Rollstuhl.
Weder die Boston Bomber, der Attentäter von Fort Hood oder die aktuellen St. Bernardino Mörder haben dabei auf legale Waffen gesetzt.
Es folgt die absolut gleiche Begründung, wie hier in Europa. Man müsse es den Terroristen schwerer machen, zu töten. Nochmal: die Waffen der Täter wie auch die Bomben sind in den USA ebenso verboten wie die der Terroristen hier in Europa. Die Gesetze haben es offensichtlich kein Stück schwerer gemacht. Sich dabei rotzfrech hinzustellen und zu behaupten, mehr Menschen Dinge zu verbieten, die nicht im Zusammenhang stehen oder dessen vorhergehende Verbote bereits nicht halfen würde dann diejenigen stoppen, die Geheimdienste und Polizei nicht identifizieren konnte ist pure Idiotie oder der Versuch, das Volk zu belügen.
Letzteres ist der Fall. Denn dann kommt als Lösung erst, die Erschwerung von Einreise und Aufenthalt ohne Visum (was die Ehefrau von Farook besaß....) und schlußendlich schiebt er den schwarzen Peter an den Kongreß (sie ahnen es, momentan durch die Republikaner dominiert), denen er vorwirft, sie hätten militärische Maßnahme nicht abgesegnet, obwohl er selbst die Nation im Krieg mit dem IS sähe.
Hier verschweigt er, dass er mehrfach öffentlich versprach "no US boots on syrian ground", also keine Bodentruppen in Syrien einzusetzen und erst vor wenigen Tagen das Budget des Militärs für das kommende Jahr freigab, welches er ca. 1 Monat zurückhielt. Geld und Zeit, die das Militär braucht, um jenen "Krieg" zu planen und zu führen.
Er selbst habe ja bereits vor einem Jahr tausende von Luftschlägen befohlen - warum diese Strategie bislang absolut nichts bewirkte und der IS weiter vorrückte, dazu sagt er nichts, die Bringschuld liege nun beim Kongreß. Lediglich die vormalige Irak-Strategie, die kritisiert er. Als Gegensatz zu seinem Vorgehen, welches einen "stabilieren Frieden" etablieren soll.


Es folgt der bekannte Sermon der Entschuldigungsphrasen, warum der IS nicht für den Islam steht und wie toll die muslimische Community integriert sei, gegen alles an Terror und Morden stehe. Darum sei der Kampf aller Amerikaner gegen Diskriminierung zu richten. Er betont, das muslimische Amerikaner in den Streitkräften mit ihrem Leben für den Staat einstehen.
Von den geschätzt rund 3,3 Millionen Muslimen mit amerikanischer Bürgerschaft dienen 3500 in den Streitkräften.


Kurzum: eine Rede der eigenen Agende, der ausgelassenen Information, der Lüge und der Selbstbeweihräucherung. Vielleicht spricht aus mir der frustrierte und enttäuschte ehemalige Obama-Begeisterte, der 2008 wirklich hoffte, dass da ein Mann mit Visionen und Plänen antritt, die Probleme zu beheben - und zu erleben wie ein überheblicher Nichtskönner die Krisen dieser Welt verschlimmerte und rein gar nichts löste.
Aber vielleicht ist es auch einfach nur die Reaktion auf das, was Obama da auf den Bildschirm bringen ließ.



Mittwoch, 13. März 2013

Verbündete oder solche die es nicht sind

Es ist erst ein paar Tage her, da berichteten einige deutsche Zeitungen über Vorfälle und Zustände in der Türkei die deutsche Soldaten betrafen.
Kurze Auffrischung:
Im November 2012 bat oder forderte, je nachdem welcher Übersetzung man glauben mag, die Türkei ihre Verbündeten in der North Atlantic Treaty Organization, kurz Nato, ihr Unterstützung für den Fall eines Angriffes durch syrische Truppen zu senden. Dabei ging es in erster Linie um das Flugabwehrsystem Patriot. 

Exkurs: Das Patriot System.

An der Stelle kurz ein Ausflug, es wird während des Lesens deutlich, warum.
Warum braucht die Türkei das System?
Die Türkei hat während des fortlaufenden Bürgerkrieges in Syrien mehrer Granatenangriffe über die Grenze hinweg erlebt und führt diese als Angriffe durch die syrische Armee an. Zwar ist dies nicht offiziell bestätigt worden, anders als der Abschuss einer türkischen Militärmaschine im syrischen Luftraum, aber für die Türkei war dies Grund, die Nato an ihre Bündnispflicht zu erinnern.

Wer besitzt Patriot System.

Der MDR berichtete:
In der NATO verfügen neben den USA, Deutschland, die Niederlande, Griechenland, Spanien und die Türkei über Patriot-Raketen. Außerdem haben Ägypten, Israel, Jordanien, Kuwait, Saudi-Arabien, Japan, Südkorea und Taiwan Systeme.
Dem aufmerksamen Leser wird aufgefallen sein: die Türkei verfügt selbst über Patriot-Systeme. Diese sind zwar nicht verbessert worden, kampfwertgesteigert wie es im Fachjargon heisst, aber völlig sinnlos sind sie ebenfalls nicht, was die Raketenabwehr betrifft.
Die USA, Niederlande und Deutschland haben von ihren Systemen Teile in die Türkei verlegt.

Welchem Zweck dient das System?

Es handelt sich um eine Waffe zur Luftraumsicherung. Es soll ballistische Raketen, also Raketen mit größerer Reichweite die in einem hohen Bogen auf ihr Ziel geschossen werden, sowie Flugzeuge und Drohnen abfangen. Die Raketen selbst sind etwas über fünf Meter lang und ca. einen halben Meter breit.
Interessant ist zudem zu wissen, dass die Nato schon vor fast drei Jahren einen "Raketenschild" in der Türkei errichten wollte, ein starkes System zum Zwecke des Abfangens feindlicher Raketen und Flugzeuge. Damals allerdings verstand die Türkei das Bündnissystem keineswegs so konsequent wie heute und forderte Gegenleistungen für etwas, um das es heute bietet. Im verlinkten Artikel wird deutlich, dass der Gedanke Israel und den USA einen Schutz vor Raketen zu gewähren auf den Widerstand von Teilen der Bevölkerung stieß.

Macht der Einsatz Sinn?

In einem Artikel der Welt findet sich die Antwort bereits in der Überschrift. Sie lautet:
Die Raketen sind nicht in der Lage Geschosse von der Größe einer Granate abzufangen, immerhin ist auch bei Raketen und Drohnen ein Versagen möglich. Außerdem können die Raketen nur bestimmte potentielle Ziele wie Ballungsgebiete und militärisches Terrain beschützen. Um die gesamte Türkei abzudecken bräuchte es ein vielfaches an Systemen zu denen die nun verlegt wurden.

Fazit

Neben der Tatsache, dass die Bevölkerung den Bundeswehreinsatz ablehnt spricht also auch der mangelnde Sinn dagegen. Gegen die wenig wahrscheinlichen Angriffe sind die Verteidigungssysteme fast wirkungslos.
Die Türkei hatte vormals dabei Probleme mit der Bündnistreue, forderte sie nun aber ein.

Aber zurück zum Thema. Nachdem der Einsatz bewilligt wurde und die jeweiligen Länder ihre Unterstützung zusicherten wurde bekannt, dass der türkische Regierungschef Erdogan die Kontrolle über die Raketen haben wollte, die Türkei also den direkten Befehl erhielte. Nicht erstaunlich, dass dies von den Nato-Partnern abgelehnt wurde.
Als die ersten deutschen Soldaten dann in der Türkei ankamen und in der Stadt Iskanderun einkaufen gingen wurden sie von einer großen Gruppe türkischer Zivilisten attackiert.Erst in diesem Rahmen erfuhr man in einigen kleinen Medien, dass dies US Truppen bereits in der Vergangenheit wiederfuhr. Es sei eine Folge der Vorgehensweise amerikanischer Truppen im Irak, die Gefangenen vor dem Transport schwarze Säcke über den Kopf stülpten. Diese Massnahme sollte Gegenwehr ebenso wie eventuelle Befreiungsversuche durch Freigelassene erschweren, wurde in der islamischen Welt aber nur als schwere Demütigung verstanden. In der Türkei wurde daraufhin 2006 der Kinofilm "Tal der Wölfe: Irak" gedreht, seinerzeit der teuerste Film der in der Türkei bis dahin gedreht wurde. Als Handlung dient ein Rachfeldzug eines türkischen Helden, der US- Amerikaner umbringt. Grund der Rache: US-Truppen hatten mehrere Türken, darunter Soldaten in Zivil, im Irak aufgegriffen und für Terroristen gehalten, ihnen darum besagte Säcke aufgezogen. Der Film wurde zum Publikumshit, erst 2012 übertroffen von "Fetih 1453" der die Einnahme von Konstantinopel verherrlicht und in meinen Augen jetzt schon der schlimmste geschichtsklitternde Propagandafilm der letzten Jahrzehnte ist.

Nach diesem Vorfall folgte nicht etwa eine große Entschuldigung Seitens der Türkei. Das nächste, was man vernahm war vor wenigen Tagen die Meldung, dass eine deutsche Feldjägerin, die bei einem Ministerbesuch den Verkehr regelte, von einem türkischen General angegriffen worden sei, so dass ihr deutsche Kameraden zu Hilfe kommen mussten. Die Frau behielt dokumentierte Prellungen zurück, eine Person die u.a. eine Nahkampfausbildung für ihre Tätigkeit durchlaufen musste. Auch dass deutsche Beflaggung unerwünscht sei, die hygienischen Zustände unerträglich wären, Feldpost kontrolliert würde und Kontakt zwischen den Nationen nicht gerne gesehen sei kam zutage.
Natürlich folgte prompt ein Dementi der Türkei, bei dem auch gleich eine Entschuldigung der Bundeswehr für die Vorwürfe propagiert wurde. Egal, was deutsche Soldaten gesagt hätten, alles sei falsch. Und auch unsere Offiziellen bemühen sich, den Einblick zu negieren, indem sie alles klein reden und auf "kulturelle Unterschiede" verweisen. Einzig der Grüne-Politiker Omid Nouripour forderte klar und deutliche Aufklärung und stellte sich damit neben Königshausen (FDP), den Beauftragten der Bundeswehr, welcher den Fall ans Licht gebracht hatte. Die angebliche Schlichtung endete, und dies ist Grund und Einleitung der Schlussfolgerung, dann in der Meldung der Tagesschau vom 8.3.2013.
Unter der Überschrift
Türkei macht Afghanistan-Abzug komplizierter
wird kurz und knackig erklärt, die Türkei habe sich entschieden ihrem Verbündeten Deutschland nicht zu erlauben, schweres und bewaffnetes Gerät über ihre Häfen aus Afghanistan zurück nach Deutschland zu transportieren.

Für mich steht fest: jemand, der nicht erlaubt, dass ein Schutz für ihre Verbündeten im Land installiert wird aber den auf eigene Bitte gesandten Soldaten nur Respektlosigkeit und Antipathie entgegen bringt und schließlich die Zusammenarbeit großteils verweigert ist kein Verbündeter.
Also nicht wie nach Hause mit unseren Jungs und Mädels. Ihre Familien würden sich freuen.

Und dabei haben wir noch nichtmal über die türkische Besetzung Nordzyperns und dem Verlust der dortigen, zumeist christlichen, Kulturgüter oder die Drohungen gegen Griechenland und Zypern wegen deren Förderungsabsichten gesprochen...
Geschweige denn der Leugnung des Genozids an den Armeniern...