Heute war es endlich soweit. Der Völkermord an den Armeniern wurde offziell und ein für alle Mal als Genozid, als das organisiertes Morden an Armeniern und anderen, zumeist christlichen, Minderheiten mit dem Zweck ihrer Auslöschung benannt. Durch unseren Bundestag, dem ich so viel Rückgrat gar nicht mehr zugetraut habe. Nunja, ein Bundestag, der betonte, es ginge bei der Resolution nicht um die Türkei, sondern die deutsche Verantwortung an den Vorgängen...
Armenier und deutsche Armenier im Bundestag
Aber immerhin, die Wahrnehmung liegt anders.
So weit, so für mich als Historiker befriedigend. Theoretisch hätte dieser etwa 100 Jahre zurückliegende Völkermord gar nichts mehr mit unserer Zeit zu tun und wäre eben ausschließlich für die historische Betrachtung und die Analyse von Menschenrechten im globalen Kontext interessant. Denn die Türkei hat sich seit den Zeiten des Osmanischen Reiches grundlegend verändert, von den Verantwortlichen lebt keiner mehr und selbst von den zehntausenden ausführenden Mördern dürfte keiner mehr auf Erden wandeln. Mir sind auch keine Fälle von Familien bekannt, die sich brüsten "mein Urgroßvater hat daran teilgenommen" - aber das könnte auch schlicht mangelndes Wissen meinerseits sein.
Es gab sogar kurz nach den Geschehnissen Prozesse gegen die verantwortlichen Paschas.
Die Erinnerung der überlebenden Opfer und die Folgen sind noch da und könnten nur durch einen gemeinsamen Bewältigungsprozeß gemildert werden. Viele Türken behaupten, man erkenne ja an, dass Unrecht geschehen sei, dies aber kein Völkermord gewesen war - meist mit dem nachgestellten Anlaß, dass die Osmanen sich lediglich selbst geschützt hätten, weil die Armenier sie verratten hätten.
Und hier brökelt die Theorie und weicht der Realität. Dort ist der Völkermord noch immer ein gestaltendes, ein wirkendes, ein spaltendes und sogar gewalttreibendes Element. Armenier (wie mehrere andere Minderheiten) haben noch immer in der Türkei einen schlecht stand, wie der Mord an Hrand Dink 2007 ausgesprochen deutlich demonstrierte - und dem ausbleibenden Terrorismusprozeß bzw. der Verfolgung der Hintermänner.
Insbesondere aber die Leidenschaft vieler Türken (ja, längst nicht aller), die sie nicht nur leugnen lässt sondern sie in einen regelrechten Hass auf Armenier und alle "Sympathisanten", alle die jene Bezeichnung der Vorgänge in den Mund nehmen erhält den feindseeligen Geist am Leben und lauert im Hintergrund um die Lage zu verschlechtern.
Dies gilt natürlich umso mehr für die Politiker der Türkei, allen voran Erdogan, welcher sogar ein Zeichen der Versöhnung, aufgestellt durch einen Bürgermeister einer Grenzstadt nahe Armenien hatte einreißen lassen. Diese eskalieren derzeit mit politischen Mitteln. Der deutsche Botschafter in der Türkei wurde (schon wieder) einbestellt, der türkische in Deutschland zumindest kurzfristig zurückgerufen.
Aber auch die türkischen Auswanderer tragen dazu bei, wie wir aktuell erleben müssen.
Bundestagsmitglieder, Journalisten und Vertreter armenischer Verbände meldeten in den letzten Tagen, dass sie Drohungen und Massenanschreiben erhalten hätten. Letztere, aufgesetzt von hunderten von türkischen Vereinen und Verbänden, drohten damit, dass ein solcher Beschluss "das friedliche Zusammenleben" gefährde.
Mitten hinein in die Debatten von Integration und Miteinander werden solche Mails und Briefe verschickt. Und die Stimmen der Republik reagieren in Nebensätzen verwundert und enttäuscht.
"Du bist Deutschland" und die vielen Talkshowstunden, in denen uns Kaddor und andere erklärten, wie der "neue Deutsche" aussehe liegen hinter uns - und nun bekommen wir ein klares Signal von einer der auffälligsten Einwanderungsgruppen. "Wir sind nicht Deutschland - wir sind die Türkei IN Deutschland".
Wenn eine Einwanderungsgruppe anfängt, die Außenpolitik im Sinne ihres Herkunftslandes zu gestalten, dann sollte man meinen, würde dies Anlaß zu Sorge und Kritik geben.
Hier wird offensiv gedroht, von eben jenen Vereinen und Verbänden die so oft herhielten als Beispiele gelungener Integration und Miteinander. Als Bereicherung.
Wir hatten dies in Frankreich bereits gesehen. Als dort beinahe die Bewertung verabschiedet wurde, übte die Türkei, übten die Türken und auch die in Frankreich lebenden Türken imensen Druck aus und schreckten auch vor Drohungen und Hackerangriffen wie Massenkundgebungen nicht zurück.
Dabei skandierte Parolen dürftenden wabernden Hass, die unreflektierte Zurückweisung verdeutlichen.
Es ist ein weiterer Stein in der pottenhässlichen Mauer, welche die Türkei und viele, wenn auch dankenswerter Weise längst nicht alle Türken umgibt.
Aber, wie gesagt, wir Deutschen mauern da kräftig mit. Nicht nur, dass unsere Kanzlerin um eines fragwürdigen Deals halber kuscht und sich nahezu jede mögliche diplomatische Frechheit gefallen lässt. Sie tut es auch noch demonstrativ in dieser Angelegenheit.
Weder die Kanzlerin noch ihr Stellvertreter noch Steinmeier waren heute im Haus bei diesem Ereignis zugegenen.
Die fast einstimmige Verabschiedung (eine Enthaltung, eine Gegenstimme) kommt wohl von dem, was Özdemir in seiner Rede betonte. Es geht um "deutsche Verantwortung". Er ließt sogar ein Zitat des damaligen Reichskanzlers vor, welches belegt, dass die Untätigkeit des deutschen Reiches der Überlegung geschuldet war, den Verbündeten nicht zu verschrecken, und dass man darob bereit war, Massaker und Unmenschlichkeiten zu akzeptieren.
Die Tatsache, dass sich unzählige Deutsche, auch offizielle, anders verhielten, dass dieses Zitat auf wiederholte und dringende Eingaben erfolgte, dass wir Beweise sicherten und Prozesse zuließen wie führten - all dies zählt an diesem Tag nichts.
Und der gut geölte Schuldkomplex scheint seine Wirkung zu tun. Anders kann ich mir dieses zwar im Grunde positive doch in seiner Einstimmigkeit verwirrende Ergebnis nicht erklären.
Sei es wie es sei. Mein Dank an alle Zustimmenden, ich teile die Freude der armenischen Gemeinden und Organisationen und den türkischen Verbänden und Vereinen wie Einzelpersonen die meinen, über eine ihnen unliebsame Bewertung eines 100 Jahre zurückliegenden Ereignisses nicht nur ignorant sein zu müssen sondern auch noch zu drohen: kehrt zurück. Euer Herz, euer Hirn und eure Hand sind offensichtlich nicht bereit hier anzukommen und die Werte zu teilen. Ihr seht etwas anders als die Gemeinschaft der Historiker (die sich bis auf wenige Ausnahmen einig ist), glaubt ihnen nicht, weil es eure Nationalisten anders darstellen. So weit so euer Recht. Aber den Frieden darüber aufzukündigen ist das allerletzte und ihr erklärt euch damit selbst zu Feinden. Wir werden euch nicht so behandeln, bis ihr handelt - aber ein Miteinander wird es so bestimmt nicht geben.
Es ist eure Wahl. Umkehr und Reue sind noch immer möglich.
und verlinkt dabei auf einen Telepolis-Artikel. Dieser macht mit großen Zahlen auf.
In den USA starben 2014 mehr als 1.300 Minderjährige durch Schusswaffen
1 300 Minderjährige verloren ihr Leben im Jahr 2014 durch Schusswaffen.
Unter der Überschrift "USA: Waffenindustrie wirbt für Sturmgewehre für Kinder".
Da stockt einem der Atem - nicht zu Unrecht. Also wirbt die Waffenindustrie in den USA dafür, den Kindern vollautomatische Waffen zu überlassen, und in der Folge starben 1 300 Kinder?
Mitnichten, denn danach kommt die Information, dass 1 231 davon durch Morde und Selbstmorde zustande kamen.
Moment. Selbstmorde? Ja, laut dem Artikel 532 Selbstmorde von "Minderjährigen". Nun gibt es auch bei uns wie in den USA selten aber immer mal wieder kleine Kinder, die sich wirklich umbringen "wollen" und das dann auch tun - aber eigentlich ist das ein Teenie-Phänomen. Teenager, im Alter der Pubertät meist eher 16 als 6 Jahre alt. Die Selbstmordrate ist in den USA ungebremst hoch, quer durch alle Altersstufen, wobei erwachsene Männer mit vielfachem Vorsprung vor sämtlichen anderen Gruppen rangieren. Das Schusswaffen hier keine maßgebliche Rolle spielen, selbst wenn sie benutzt werden, zeigen Zahlen als Estland, Japan, Südkorea, Grönland, Belgien, Frankreich usw. usf. in denen die Zahlen gleich wenn nicht höher liegen - und dabei Schusswaffen meist stark reglementiert (Frankreich, Belgien, Estland) oder total verboten (Südkorea, Japan) sind.
Es gilt das gleiche wie beim Mord: will ein Mensch Leben nehmen, dann findet er einen Weg.
Warum aber stehen Länder wie Estland bei Selbstmorden noch vor den USA? Selbst bei Teenagern? Die direkten Zahlen tun es ja nicht. Können es gar nicht. Denn das ist ein weiterer wichtiger Fakt. Fast 320 Millionen Menschen leben derzeit in den USA, Tendenz weiter steil steigend (Einwanderung und Geburtenrate). Estland lediglich 1,3 Millionen. Wir reden hier also über Relationen. Würde Estonia über 320 Millionen Einwohner verfügen (logischerweise auf größerer Fläche...), so wären die Zahlen deutlich über dem, was die USA derzeit anbieten.
In Japan wird das noch deutlicher: pro Jahr bringen sich ca. 4 600 junge Menschen zwischen 10 und 24 um - bei 1aufgerundet 130 Millionen Einwohnern (bei sinkender Tendenz, also ein drittel der Bevölkerung aber mehr als doppelt soviele Selbstmorde unter Kindern und Jugendlichen).
In Japan gibt es faktisch keine Schusswaffen und sie spielen bei Selbstmorden faktisch keine Rolle.
Was bleibt sind also 69 tote Kinder und Jugendliche durch Schusswaffen aus anderer Kategorie. Haben alle diese Kinder ihr Leben durch Unfälle verloren, als sie mit Waffen, womöglich ihren eigenen spielten? Oder, wie der weiterführende Text dann impliziert
Wirklichkeitsausschnitte, wie die Nachricht aus dem Jahr 2013 von einem
Fünfjährigen, der seine zweijährige Schwester aller Wahrscheinlichkeit
nach versehentlich erschoss, zeigen grell auf, welche Tragödien hinter den Zahlen stecken.
durch die Hand anderer Kinder, die mit (ihren eigenen?) Waffen umgingen?
Nein, denn "durch Schusswaffen" bedeutet u.a. auch, dass der Waffeneinsatz durch Polizei, bei Selbstverteidigungsfällen oder Unfälle am Arbeitsplatz gezählt werden müssen. Nicht zuletzt Telepolis berichtet z.B. über Fälle durch die Polizei erschossener schwarzer Jugendlicher, wie Tamir Rice, welcher zwar "unbewaffnet" war, aber zu seiner Spielzeugpistole griff, als die Polizei auf einen Notruf reagierte, weil er zuvor auf Passanten gezielt hatte. Tamir war 12 Jahre alt.
Um beim Militär einzutreten muss man 17 sein...
Ausbildung bei Waffenherstellern und Büchsenmachern (Handwerker in kleinen bis familiären Betrieben) beginnen in den USA oft um 16 Jahre).
Und natürlich die kriminellen Jugendlichen, die in Häuser einsteigen, Raubüberfälle begehen und Autos knacken (oder schlimmere Dinge) und dabei erschossen werden. Man erinnere sich an Trayvon Martin, den 17jährigen, der fast kultisch verehrt wurde, nachdem sein gewaltsamer Tod Präsident Obama ihn zu seinem Sohn ehrenhalber erklärte. Passiert war: Trayvon, der in seinem Spind in der Schule Diebesgut und Einbruchswerkzeug aufbewahrte, sich als Strassenschläger einen Namen gemacht hatte und gerade zwei von drei nötigen Zutaten für eine billige Droge mit sich führte, wurde von einem Nachbarschaftswächter, G. Zimmerman verfolgt, der es als verdächtig ansah, dass ein junger Mann im dunkeln, bei Regen durch eine unbefahrbare Nebenstrasse lief, ausgerechnet in einer von Einbrüchen gebeutelten Gegend. Trayon registrierte seinen Verfolger, versteckte sich, und als Zimmerman, der zuvor die Polizei informiert hatte und auf Verstärkung hoffen durfte, auf dem Rückweg war, griff er ihn an. Auf Zimmerman sitzend schmetterte den Kopf des um Hilfe Rufenden mehrfach auf den Boden, bis dieser zu seiner Waffe griff und um sein Leben fürchtend schoss - mit tödlichem Ausgang.
Die meisten dieser Fakten warteten noch ihrer Veröffentlichung oder Entdeckung, als Obama bereits verkündete, wen er hier für das Opfer hielt.
Fakt ist: am Ende wurde der Tod als Folge notwendiger Selbstverteidigung offensichtlich.
Davon gab es 2014 ebenfalls weitere. So starben etwa zwei von drei Teenagern (ein 19jähriger junger Mann und eine 17jährige junge Frau) als sie zusammen einen Hausmeister angriffen, festhielten und mit einem Baseballschläger traktierten. Diesem gelang es, zu seiner erlaubten Waffe zu greifen und zu schießen. Auch in diesem Fall wurde eindeutig auf Notwehr erkannt. Mindestens die 17jährige aber fiel in die Statistik.
Kein Mord, kein Selbstmord, kein Unfall.
Darum wechselt der Telepolis Artikel auch das Thema - leider aber auch den Inhalt.
Die Zahlen für die nicht beabsichtigten Todesfälle von Unter-18-Jährigen
durch Schusswaffen liegen deutlich niedriger - 74 im Jahr 2014.
Hatte es nicht im ersten Satz geheißen:
In den USA starben 2014 mehr als 1.300 Minderjährige durch Schusswaffen
oder war das etwas völlig anderes? Und falls ja, wie können bei 1 300 Schusswaffentoten - 699 Morde - 532 Selbstmorden - andere Ursachen (Selbstverteidigung, Polizeikonfrontation usw.) dann 74 Unfälle herauskommen?
Die Zahlen passen nicht zusammen.
Wir können dem Artikel also schonmal eine gewisse Tendenz, die Manipulation des Lesers nachweisen.
Zahlenspiele und unvollständige Informationen, schwammige Definitionen führen zu einer gewollten Wahrnehmung durch den Leser.
Aber vielleicht beruht dies auf Fachwissen. Schon in der Überschrift wird diese Vermutung genährt.
USA: Waffenindustrie wirbt für Sturmgewehre für Kinder
Sturmgewehre. Der Begriff wird völlig korrekt definiert in der Zwischenüberschrift:
Eine Studie des Violence Policy Center wirft der Waffenlobby vor,
dass sie mit Methoden der Tabakindustrie Gefahren unterschlägt und
Kinder für automatische Waffen begeistert
Man muss ein wenig aufpassen, um die erste unfachliche Beschreibung greifen zu können. "Waffenlobby". Wer ist die Waffenlobby? NRA? Das ist ein Verein. Der macht Werbung, aber dazu unten mehr.
Die Hersteller? Trotz seit Jahren laufender Recherche wurde bisher nicht nachgewiesen, dass auf dem zivilen Markt die Hersteller von Waffen besonderen politischen Einfluß hätten. Hersteller wie Benelli, Walther, Smith&Wesson usw. werden sowohl in den USA wie in Europa mißtrauisch von Bürgern,Vereinen und Organisationen überwacht.
Einlegearbeiten
Da der Artikel ausdrücklich auf farbige Waffenteile verweist: seit einigen, wenigen Jahren gibt es einen Modetrend bei Waffen. Ja, einen Modetrend. Da besonders in den USA aber auch bei uns der Anteil an Frauen im Schießsport bzw. der Selbstverteidigung stetig zunimmt, begannen kleine Handwerksstätten aber auch der ein oder andere mittlere Betrieb sogenanntes "customizing" anzubieten. Das kennen wir aus dem Automobilbereich, wo besonders junge Männer aber auch manche Frau das jeweilige Auto durch Lackierung, Tieferlegen, Spoiler, Fenstfolien, Beleuchtung usw. "individualisiert". Bei Waffen war dies in den gehobeneren Gesellschaftsklassen der vergangenen Jahrhunderte ebenfalls üblich und hat sich in einigen sehr teuren Fällen bis heute gehalten. Verbreiteter waren da Handgriffe, in die man Initialien einlegte und / oder aus edlen Materialien herausarbeitete. Die eflfenbeinernen Griffe tauchen in vielen Filmen auf.
Beispiel 2
Preiswerter dagegen erschien es, einfach die Polymerteile einer Waffe anders zu färben. Der Werkstoff wird erst seit wenigen Jahrzehnten für Waffen benutzt, bietet sich aber an. Und so sind heute Pistolen und Gewehre in allen Farben des Regenbogens zu erhalten und auch in Mustern, wie Tarnfleck oder Schlangenhautoptik, mit Blümchen und Tieren.
Beispiel eines Dekors
Man mag von der Werbung halten was man mag - Jugendlichen und Kindern zu verbieten sich mit Schusswaffen auseinander zu setzen führt zu absolut nichts anderem. Alle Unfälle mit Schusswaffen in den Händen von Kindern (also den wirklich kleinen) sind auf fahrlässiges, verantwortungsloses Verhalten der Eltern zurück zu führen. Gerade die NRA bietet als einzige Organisation in den USA (vom Staat, den Bundesstaaten, dem Militär und den meisten Polizeidiensten anerkannte) Sicherheitsschulungen und Lizenzierungsprogramme an, ebenso wie jugendgerechte Lehrfilme, die betonen, wie wichtig Sicherheitsregeln im Umgang mit Waffen sind. Wie sieht das im Falle von Kindern aus?
So:
Für diejenigen, die der englischen Sprache nicht mächtig sind, der Refrain lautet:
Stop! Nicht anfassen! Lauf weg, erzähls einem Erwachsenen!
Zu den von Vertretern "der Waffenlobby" verbreiteten Sicherheitsgeboten (oberste, immer einzuhaltende Regeln) gilt: gehe immer von einer geladenen Waffe aus, ziele nie auf etwas oder jemanden, auf das oder den du nicht auch wirklich schießen willst uvm.
Eine geladene Waffe rumliegen zu lassen ist ein grober Sicherheitsverstoß.
Ändert das etwas daran, dass Kinder tot sind oder töteten, ohne das gewollt zu haben? Nein, und ich bestreite auch nicht, dass Waffen gefährlich sind, kleine Kinder nichts an der Waffe verloren haben.
Aber der vehemente Ausschluß, die Isolation der beiden: Minderjährige und Waffen ist eine übertriebene Reaktion mit Schnappatmung. Sportler müssen früh anfangen - um bestmögliche Ergebnisse zu erzielen.
Am besten lernen und verinnerlichen wir Dinge, wenn wir noch jung sind.
Und zu glauben, dass Jugendliche nichts cool finden, was öffentlich beworben wird, ist doch nachvollziehbarer Unsinn. Oft übt gerade das Verbotene einen Reiz aus. Dann lieber den Kindern von Anfang die Gefährlichkeit vermitteln - wie bei Autos, Küchenmessern, Rohrreinigern und vielen anderen Dingen.
So wenig, wie man die Unfälle mit diesen Gegenständen jemals völlig vermeiden wird, so wenig wird man dies auch mit Schusswaffen schaffen - Reduzierung aber ist in einer waffenbesitzenden Gesellschaft nicht durch Tabuisierung sondern durch Aufklärung zu erreichen. Aufklärung der Besitzer (laßt die Waffen nicht in Reichweite herumliegen, nicht ge- oder durchgeladen, nicht entsichert).
Nur als ein Beispiel: selbst in den USA, wo 16jährige bereits den Führerschein machen dürfen, gibt es Kinder und Jugendliche, die sich mit ähnlichem Aufwand wie in Sachen Schusswaffen die Autoschlüssel ihrer Eltern besorgen, um, mit deutlich höherem Aufwand, eine "Spritztour" zu drehen. Meistens endet dies harmlos oder mit Sachschäden - aber häufig auch mit Personenschäden und tödlichen Unfällen. Zu vermeiden ist dies nicht. Stichwort "Crash kids".
Aber zurück zum Artikel. Der endet wie er begann - ohne Ahnung aber mit viel Emotion. Er verurteilt, dass ein Sportverband (der NSSF), welcher Schießen als Schulsport hilft zu organisieren, ein Magazin für jugendliche Schützen herausbringt. Der Autor des Artikels behauptet, die NSSF sei eine der NRA verbundene Organization. Was nicht stimmt. Die NSSF ist ein rein sportlich ausgelegter Verein mit momentan an die 8 000 Mitglieder. Nicht mehr, nicht weniger. In vielen Bundesstaaten gibt es Schulen, die als Sport Skeetschießen anbieten - wir kennen es als Tontauben. Das ist nicht so leicht wie es aussieht. Und es wächst rasant, bei winzigen Unfallzahlen (nahezu 0). Der Nutzen ist durch Sportwissenschaftler international belegt: die Konzentrationsfähigkeit wie die Reife der jungen Sportler wird gefördert.
Voraussetzung ist eine altersgerechte Betreuung.
Bislang ist keiner dieser Schüler durch Amokläufe und weit unter dem Durchschnitt durch kriminelles oder inakzeptables Verhalten aufgefallen. Wenn diese Schüler also Werbematerial von Herstellern erhalten und ihr Sportgerät ihnen dabei gefallen soll, oder ein in altersgerechter Sprache verfasstes Magazin sie über ihren Sport, Neuigkeiten und Veränderungen informiert - ist dies gleichbedeutend mit Verführung Minderjähriger zu etwas absolut Verbotenem und Tödlichem?
Wohl nur in den Augen des Journalisten.
Darum hier nochmal der Hinweis auf die damals 13jährige Katlyn Francis.
Und zu guter letzt: Sturmgewehr und vollautomatische Waffen sind auch in den USA in fast allen Bundesstaaten verboten. Ihr innländischer Verkauf ist stark reglementiert und nur wenige, volljährige, mehrfach überprüfte und strengen Auflagen unterliegende Bürger in einigen wenigen Bundesstaaten dürfen Sturmgewehre oder andere, vollautomatische Waffen (also solche, die mit einem Druck auf den Auslöser immer weiter schießen) erwerben und besitzen.
Kinder definitiv nirgends.
Ich denke, lieber Kreuzknappe, daß Du hier aufgrund Themenfremde hier einer Stimmungsmache aufgesessen bist.