Sonntag, 2. Juni 2013

Christ Obama?

In den USA wurden von Konservativen bis extrem Rechten immer wieder Fragen zur Person Obama gestellt die uns im gewohnheitswählenden und lethargischen Europa mitunter überzogen erscheinen, nicht selten als krude Verschwörungstheorien. So stand lange die Frage ob Obama überhaupt geborener US-Bürger sei im Mittelpunkt. Daraufhin veröffentlichte der Präsident seine Geburtsurkunde.  Als die Datei, die 2011 ins Netz gestellt wurde, jenes Dokument aber mit mehreren Bildebenen wiedergab, wurden sofort Spekulationen über Fälschung laut. Unsere Medien berichteten darüber mit der Erklärung, es handele sich um einen Scan inklusive Texterkennung, so dass dieses Ergebnis ganz normal sei.
Ich habe viel zu wenig Ahnung von Technik, um das einschätzen zu können, glaube aber den Erläuterungen mit einer verbleibenden Skepsis ob so viel Schlampigkeit.
Danach war Obamas Religionszugehörigkeit dran. Er selbst erklärte, er sei in den frühen 80ern einer schwarzen Gemeinde von Christen beigetreten und habe darin ein soziales Element erlebt, dem er seitdem folge. Viel Wert wird darauf gelegt zu betonen, in welche Gemeinde er gehe oder nicht mehr gehe, welche Priester mit ihm in Kontakt stünden und zu welchen er den Kontakt abbrechen würde.
Zuletzt wurden fünf "Reverends" benannt, mit denen Obama verkehre. Dabei wurde sich scheinbar bemüht keine Konfession zu bevorteilen - m.W. ist aber kein Katholik unter den akzeptierten Geistlichen. Es gehe eher "progressiv zu", teilte man mit.
Und auch hier entwickelten sich Zweifel. Schon vor seiner Wahl recherchierten Journalisten, Blogger und Neugierige über Obamas Vergangenheit. Einige hielten fest, was Obama über seine Religion verlautbarte und überprüften diese Aussagen. In der Folge wurden Obamas Statements immer wieder den neuen Informationen angepasst - von "ich war immer schon Christ, ich bin und war nie ein Muslim, ging nie in die Moschee" zu "ich war kein praktizierender Muslim und war nur der Freunde wegen in der Moschee, entdeckte das Christentum in den 80ern für mich".
Nur ein paar Ausschnitte: 2007, also noch vor seiner Wahl zum Präsidenten zitierte Obama für einen Journalisten der NY Times den Gebetsruf der Muslime in arabisch und ohne größere Probleme. Der Ruf ist nicht ohne Bedeutung in der islamischen Kultur, sein Inhalt soll allen, ob Muslim oder nicht, vor Augen führen, wer nach islamischem Recht "der Chef" ist.
2008 kam ihm in einem Interview ein "mein muslimischer Glaube" über die Lippen.
Es wird ihm nachgesagt bei Reisen nach Kenya und in die Türkei zwar Moscheen aber keine Kirche besucht zu haben.
Eine Liste mit Argumenten, Verdächtigungen bis hin zu schlichtem oder paranoidem Quatsch findet sich im Netz.
Als Präsident beließ Obama es nicht nur bei Besuchen islamischer Länder. Er betreibt die Politik der ausgestreckten Hand - bspw. durch die Entschärfung der Sicherheitsvorkehrungen in Botschaften und Konsulaten - eine der potentiellen Folgen, die Attacke auf das Konsulat in Benghasi wird noch immer heftig diskutiert.
Besonders sein Besuch und seine anhaltende Unterstützung der Muslimbrüder in Ägypten stach dabei hervor - einem Land stetig wachsender Christenverfolgung und Diskriminierung seit es unter der gewählten Fuchtel der islamistischen Muslimbrüder und ihrer noch fanatischeren Verbündeten, den Salafisten, steht. Seine Unterstützung für die Muslimbrüder drückte sich dabei nicht nur in Geldzusagen aus.
Dazu kommt, dass eine seiner Beraterinen, Dalia Mogahed, von den Medien oft als Expertin und Kennerin der islamischen Welt präsentiert und auf diesem Gebiet Obama unter die Arme greifend, nicht nur einen überraschend häufigen Kontakt zur Muslimbruderschaft oder von dieser aufgebauten Organisationen hat - völlig ohne Kritik von Obama oder seiner Regierung, sondern auch die Scharia als "missverstanden" und "kompatibel" mit westlichen Werten propagiert.
 
In seinem Bemühen zu gefallen präsentierte er sich als Kenner der Sitten und Gebräuche - und so möchte ich es sehen, wenn er einem Saal voller Muslime einen Gruß äußert, der nach religiöser Vorschrift ausschließlich unter Muslimen erlaubt ist.
Es gibt, wie oben ein Beispiel aufgeführt, einige Internetpräsenzen welche seitenweise Äußerungen, Vorkommnisse und vermeintliche Belege aufführen, dass Obama zum Islam konvertierte bzw. ihm angehört(e). Eine Auseinandersetzung mit diesem Thema lohnt durchaus, mehren sich doch die Widersprüche und Seltsamkeiten, die zumindest daran zweifeln lassen, dass Obama ein gläubiger Christ ist. Und in meinen Augen disqualifiziert es einen Politiker, umso mehr den "leader of the free world", wenn er sich aus reinem Opportunismus als Christ bezeichnet.
Eine dieser Merkwürdigkeiten ist jener Auftritt Obamas, bei welchem er Gottes Segen auf die Organisation "Planned Parenthood" aussprach, einer Organisation die Abtreibungen in großer Zahl durchführt und als legitimes Mittel der "Verhütung" betrachtet - nach Informationen investigativer Journalisten sogar in späten Monaten der Schwangerschaft - und das während gegen einen Abtreibungsarzt wegen mehrfachen Mordes an Neugeborenen und unterlassener Hilfeleistung verhandelt wurde. Gleichzeitig zwingt das von Obama eingeführte neue Gesundheitssystem auch katholische Kliniken und christliches Krankenhauspersonal jeder Konfession auch Abtreibungen vorzunehmen und Nachverhütungsmittel auszugeben. Eine Weigerung sollte rechtliche Konsequenzen nach sich ziehen - dagegen lief ein Teil der US-Gesellschaft Sturm.
Obama erklärt seine zurückhaltende und unterstützende Politik in islamischen Ländern wie auch seine Befürwortung einer Moschee unweit des berühmten "Ground Zero" mit dem Versuch eines Dialoges mit den Muslimen, gleichzeitig scheint ihm die Kriminalisierung von Katholiken in Sachen Verhütung und Abtreibung keine Sekunde Kopfzerbrechen bereitet zu haben.
Das klingt für mich nicht wirklich nach einem gläubigen und praktizierenden Christen.



Kommentare:

  1. Offengestanden klingt mir auch Frau Merkel nicht wie ein "gläubiger und praktizierender Christ" und aus katholischer Sicht halte ich auch viele Tea Party Anhänger, die mit dicken Bibeln um sich schlagen, nicht für praktizierende Christen: in den USA herrscht in dieser Hunsicht eine große Heuchelei. Ich halte Obama für einen ganz normalen "Liberalen". Die Moslem - Geschichte ist eine alte Propaganda - Geschichte. Es gibt eine gute Dokumentation über seine Schwester Auma Obama (deutsch), die lief auf Arte: da kann man Milieu und Zeit seines afrikanischen Vaters und das Klima in der Familie etwas studieren.

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    1. Danke für den Hinweis auf die Doku, die kannte ich auch noch nicht. Ich muss gestehen, dass ich auch wenig auf die Herleitung irgendwelcher Konstrukte aufgrund familiärer Verbindungen gebe und auch das meiste gerade für den Versuch der Diffamierung halte. Trotzdem bleiben einige Merkwürdigkeiten, die man nicht einfach vom Tisch wischen sollte - ohne darum gleich von "Beweisen" zu reden. Es sind eben genau das: Merkwürdigkeiten.
      Und gerade, wenn Stimmen mit vorgehaltener Christlichkeit "erkauft" werden während man auf anderer Seite in geradezu verachtender Weise dagegen vorgeht sollte man Kritik üben und offen darüber sprechen.
      Vielleicht bekommt er dann trotzdem genau die gleichen Stimmen, aber wenigstens nicht unter Nutzung der Religion.

      Was die Heuchelei bzgl. der eigenen Christlichkeit angeht, so ist das nicht nur in den USA weit verbreitet, wobei wir, denke ich, über die "God hates fag" Fraktion wirklich nicht zu schreiben brauchen. Menschen die andere mit so viel Bösartigkeit und Hybris verletzen können meinethalben die ganze Bibel auswendig aufsagen, als Christen werde ich sie nie sehen können.
      Wie Sie sagen: auch bei Merkel und vielen anderen ist die eigene Bezeichnung als Christ bewusste oder unbewusste (Selbst-)Täuschung. Noch immer fassungslos bin ich über das Verhalten unseres Bundespräsidenten.
      Umso wichtiger ist es darüber zu sprechen. Kirchenkritische Bücher sind voller Taten, die zwar mit dem Christentum nichts zu tun haben, aber in dessen Namen verübt und darum diesem oder den Kirchen angerechnet werden.

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