Freitag, 28. Juni 2013

Rotzfrech...

...nannte man es früher, wenn jemand zerknirscht seine Reue beteuerte um, sobald er Vergebung oder eine mildere Strafe erhalten hatte lachend losrannte, spottete und Wiederholung versprach.
Genau das ist jetzt passiert. Die drei Femenaktivistinnen, welche in Tunesien für ihren Nacktprotest zur Freilassung der meines Wissens immer noch inhaftierten Femen Amina ihre Brüste zur Aufmerksamkeitserzeugung nutzten, waren vor ca. einem Monat verhaftet und zu vier Monaten verurteilt worden. Die Strafe hatte das Gericht nach Bezeugung von Reue zur Bewährung ausgesetzt.
Diese Bezeugung liest sich recht kleinlaut.
"Wir wollten die Tunesier nicht schockieren und werden es bestimmt nie wieder tun", sagte Pauline Hillier.
Kaum in Paris angekommen, verkünden die Damen dagegen:
"Femen bedauert nie seine Aktionen."
Und ihre Organisation schlachtet dies mit den Worten aus:
"Unsere Brüste waren stärker als ihre Steine"
und
"Unsere Aktivistinnen scheinen in Haft einem beispiellosen psychischen Druck ausgesetzt gewesen zu sein"

Dabei ging es in diesem Fall nicht um Steine, bzw. höchstens die Steine der Mauern die sie vier Monate umgeben sollten. Aber diese waren wohl doch stärker, denn eine der betroffenen sagte:
"Wir wussten, wenn wir länger als einen Monat geblieben wären, hätten sie uns komplett zerstört" 
Dabei berichten sie von "erzwungener Nacktheit" vor ihren Wärtern, von Schlägen, unhaltbaren hygienischen Zuständen und mangelhafter Verpflegung. Als ich dies las erwartete ich grün und blau leuchtende, abgemagerte Frauen, deren Gesundheit zumindest angegriffen wirkt.
Tja, da hatte ich mich geirrt, wie man in diesem Video (hier clicken) oder während der Pressekonferenz sieht. Wohlgenährt und ohne einen Kratzer, geschweige denn einer Entzündung sind die Frauen anscheinend diesem "Folterlager" entkommen. Nur um ihre Rücksicht auf die Tunesier mit dem auch schon damals lautstark verkündeten "F*** your morals" auf dem Transparent zu demonstrieren.










Selten ist jemand für so viel offene Verlogenheit und Menschenverachtung bewundert worden.  Nicht nur, dass diese Mädchen, und als Erwachsene vermag ich sie nicht zu sehen, lügen und betrügen wie gedruckt, sie offenbaren eine Doppelmoral hinter der sich das radikale "alle Mittel recht" verbirgt und überziehen dabei gnadenlos. "Beispielloser Druck" sei auf sie ausgeübt worden um Geständnis und Reue zu erhalten - und dabei sitzen von China über Kairo bis Kuba Menschen hinter schloss und Riegel, die für ihre Meinung, ihren Glauben, ihre Haltung oder das Leben ihrer menschlichen Rechte Dinge ertragen müssen, die sie bereits nach wenigen Tagen seelisch und körperlich brechen oder ganz zerstören. Man denke dabei etwa an Hoang Van Ngai, von dem berichtet wird, dass er sich nicht mal zu den in Vietnam weit verbreiteten Bestechungsgeldern herabließ und dafür inhaftiert wurde. Er starb in Haft, man darf vermuten aufgrund seiner "Behandlung". Oder die Norkoreanerin Soon Ok Lee, die zu berichten weiß:
Einige (Christen, Anm. Theodred) wurden stark misshandelt, damit sie nie wieder zum Himmel aufblicken können. Andere wurden niedergemetzelt oder starben für ihre Mitgefangenen. Doch viele sangen, während sie verprügelt wurden. Ich sah nie einen Christen, der seinen Herrn verleugnete.
Oder Nadia Mohamed Ali, eine Mutter von sieben Kindern, die aufgrund der Rückkehr zur christlichen Religion zu 15 Jahren Haft verurteilt wurde, ebenso die Beamten die ihr halfen.
Es ließen sich tausende Beispiele allein aus den letzten Monaten finden, die eindrucksvoll belegen, wie Menschen zu ihren Überzeugungen, ihrem Glauben oder ihren Rechten stehen unter "Druck" der alles was diese Mädchen wohl wirklich erlebt haben wie einen Kindergeburtstag aussehen lässt.

Diesen Menschen wird keine große Medienaufmerksamkeit gewährt. Sie kämpfen unbeachtet um Freiheit, Gesundheit oder ihr nacktes Leben - ohne alles zu verraten um nach geglückter Flucht sich als Helden aufzuführen.
Den Funken Respekt, den der Mut dieser Frauen in einem islamischen Land zu protestieren bei mir entfachte, diesen Funken haben sie durch diese Doppelmoral wieder verlöscht.

Kommentare:

  1. Am schlimmsten ist, dass es FRAUEN sind! Die doch still und bescheiden mit den Kindern in der Küche, allerhöchstens noch in der Kirche sein dürfen!

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    1. Ihre Vorurteile machen Ihre ironische Bemerkung möglich, aber nicht wahr. Ich würde ebenso reagieren, wenn es Männer wären die sich derart doppelmoralig benehmen würden oder in ihren Manifesten Gewaltaktionen ankündigen.
      Und nebenbei: meine Frau arbeitet vermutlich härter, länger und für weit weniger Geld mit mehr Verantwortung als Sie und ich zusammen besitzen, tragen und erhalten - und derjenige der sich engagiert für "Gleicher Lohn für gleiche Arbeit" bin ich.
      Sie, der mich weder kennt noch versucht kennen zu lernen, können also Ihre Vorurteile nehmen und sie getrost auf ihren Oberkörper schreiben - egal ob Sie männlich oder weiblich sind.

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  2. Während einer Bahnfahrt wurde ich vor längerer Zeit unfreiwillig Mithörer einer Unterredung "unter Linken", die ein Sitzgruppe vor mir saßen. Einer berichtete von seiner Reise zu irgendwelchen G8-Protesten, bei denen "die Bullen gekesselt" hätten. Die Stimmung im Kessel sei super gewesen; nachher habe man das aber natürlich ganz anders dargestellt.

    Seither verstehe ich klassische Agitprop-Formulierungen der Linken ("Alles Lüge!") viel besser ... ;-)

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    1. Das sind allerdings Äußerungen die gar nicht gehen. Nicht, weil diese Lügerei an sich schon ausreichen würde, sondern weil es dadurch schwerer wird reale Ereignisse von inszenierten oder hochgepushten zu unterscheiden. Wann sprechen wir von Polizeigewalt? Schon beim festhalten oder erst bei schwerwiegenden Verletzungen?
      Faszinierenderweise geht bei diesem Thema die Behandlung der "Le Manif pour Tous" Bewegung völlig unter, die sich mittlerweile so starken Übergriffen und Willkür ausgesetzt sieht... kein Wort in unserer Presse und nur wenig in der französischen.

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