Dienstag, 23. August 2016

Regierung rät zur Bevoratung

Manch Kind des Kalten Krieges wird sich erinnert fühlen: die Regierung rät in ihrem neuen Zivilschutzkonzept zur Vorbereitung auf den Katastrophenfall. Konkret soll das heissen, dass sich die Menschen einen kleinen Vorrat an Wasser und Getränken für etwa 10 Tage anlegen sollen.
Am Rande sollte man vermerken, dass der aktuelle "Merkzettel" für den Notfall der Behörde aus dem Jahr 2013 stammt und hier die Medien, allen voran wohl die FAS, wohl ein Sommerloch füllen. Aber sei es drum, ich springe auf den Zug auf.
Natürlich wettert die Opposition, die sich auch in der Regierung selbst befindet, gegen diese "Panikmache" und "Aufforderung zu Hamsterkäufen". Und beweist damit ihre weltfremde Ideologie der heilen Welt wie auch die Verantwortungslosigkeit gegenüber dem Bürger. Ein Notvorrat ist immer eine gute Idee und das Gegenteil von Hamstereinkäufe - die dann stattfinden, wenn nicht vorbereitete Bürger glauben, sich schnell eindecken zu müssen und tausende zeitgleich in die Supermärkte und Lebensmittelgeschäfte strömen.
Das Beste hoffen und auf das Schlimmste vorbereitet sein ist eine alte Lebensweisheit und hat nichts mit Panik zu tun. Geplante Einkäufe in übersichtlichen Zeiträumen machen die Versorgungslage nicht enger als nötig.
Es ist etwa ein Jahrzehnt her, da kappte ein überraschend strenger Winter (den es dank Klimawandel ja gar nicht mehr geben dürfte) die Stromversorgung im Münsterland und weiten Teilen Niedersachsens. Seitdem ist die Belastung im deutschen Stromnetz gewachsen und Winters besonders groß. Mehrfach wurde in den letzten Jahren gewarnt, dass die Strombetreiber, auch wegen des Austieges vom Ausstieg vom Atomausstieg (hach, deutsche Zeitgeschichte...) in Folge der Katastrophe in Fukushima, an der Grenze fahren und Kontingente nachträglich nachkaufen müssen.
Sollte die Nord-Südtrasse irgendwann fertig werden, wird es dadurch nur riskanter, denn dann versorgt sich ein guter Teil des Landes über eine einzige Verbindung. Ein Risiko vor dem Forscher warnen.
Und dann sitzen die Menschen im Dunkeln und wissen nicht weiter, verlassen sich aber darauf, dass der Staat und die Gemeinde schon irgendwie alles geregelt bekommen. Und seit den Hungerwintern von 46/47 und 47/48 war dies auch so. Wer darauf aber baut, der sollte sich zwei Fragen stellen:
1. Will ich mich so abhängig machen und ausliefern?
2. Ist das auch heute und in Zukunft der Fall?

Die erste Frage muss jeder für sich beantworten. Mein Rat hier lautet: besprechen sie dies mit ihrer Familie. Sprechen Sie über Worst-Case-Szenarien, so schlimm wie sie dies für eben möglich halten und dann über reale Ereignisse der Vergangenheit.

Die Zweite aber haben einige verantwortungsbereite Köpfe in der Regierung indirekt beantwortet. Die Botschaft ist deutlich: selbst Mitglieder der Regierung zweifeln oder glauben es nicht. Andernfalls wäre der Notfallplan, eine Maßnahme, die seit der Wiedervereinigung und dem Niedergang der SU erst vernachlässigt und schließlich nahezu eingestellt wurde, nicht wieder von Interesse geworden. Es ist m.W.n. seit über 20 Jahren die erste umfassende Reform des Konzeptes. Was hat sich also geändert?
Sind es mehr Erdbeben, mehr Fluten? Stehen mehr Naturkatstrophen ins Haus?
Ich kann auch nur spekulieren, aber diese Bedrohungen sind es wohl nicht. Zwar kämpfen wir immer wieder mit Fluten, sei es im Norden oder an den Flüssen, aber eine dramatische Zunahme seit der Flut von Hamburg oder dem Oderdammbruch kann ich als Laie auf diesem Gebiet nicht feststellen.
Die Strombelastung ist sicherlich eines der Themen, aber auch die Destabilisierung unserer östlichen Nachbarn, die spürbare Zunahme des Expansionsgedankens aus russischer Richtung, die Schwäche der USA als Hauptverteidigungspartner, der Flüchtlingsstrom und vor allem die spätenstens in der Silvesternacht offenbarte Ohnmacht unserer Polizei gegenüber kriminellen Zuwanderern bei gleichzeitiger Zunahme bestimmter Delikte dürften da Signale gegeben haben. Unsere Gesellschaft baut rasant ab. Und dies nicht nur wegen der Flüchtlingskatastrophe oder verfehlter Politik, sondern auch, weil seine Mitglieder sich den Radikalen aller Richtungen zunehmend beugen und dabei drastisch von einer Demokratie, von Gleichheit vor dem Gesetz in Rechten und Pflichten abrücken.

Ob diese letzten Überlegungen natürlich den Auftraggebern des Rates im Kopf herumging wage ich zu bezweifeln, aber wenn man ehrlich ist, dann spürt man diese Sorge oder gar Angst deutlich.
Von daher begrüße ich den Rat. Sich vorzubereiten kann nicht schaden, und viel zu verlieren gibt es nicht.
Der erste Link oben führt zu einem Merkzettel des staatlichen Katstrophenschutzes. Was man alles so braucht. Sie können aber auch schlicht den gesunden Menschenverstand benutzen. Gehen Sie Ihre Bedürfnisse durch. Nahrung, Obdach, Wärme, Hygiene, medizinische Versorgung.
Der simpelste Notfall ist dabei der Stromausfall, wie 2005 vorgekommen. Machen Sie sich klar, was dann alles nicht mehr funktioniert und wie Sie wichtige Dinge ersetzen können. Heute funktioniert fast alles mit Strom. Ihr Handy wird die Akkuleistung verbrauchen (daran denken das Wlan auszuschalten, das funktioniert ohnehin nicht), verschwenden Sie also keinen Strom. Schaffen Sie sich rechtzeitig eine Fibel, ein kleines Lexikon des Überlebens an. Als Buch. Denn ihr eBookreader wird bald den Geist aufgeben und keine Tipps mehr geben können. Lagern Sie Lebensmittel kühl, der Kühlschrank wird abtauen, ebenso die Gefriertruhe. Beide halten die Kälte noch einige Zeit, aber nicht lange.
Haben Sie etwas zum kochen? Mikrowelle, Elektroherd und -ofen funktionieren nicht mehr. Ein Campingkocher ist jetzt Gold wert, ein offener Kamin sehr nützlich.
Denken Sie daran, dass Sie ausreichend Flüssigkeit zu sich nehmen müssen, und auch ausscheiden. Bei einem Stromausfall wird das zwar nicht sofort zu einem Problem, aber es kann bei längeren Ausfällen zu einer Reihe von Problemen kommen. Versorgungsengpässe sollten dann nicht erst durchdacht werden.
Öllampen und Kerzen ersetzen elektrisches Licht, aber gehen Sie sparsam damit um. Das letzte Kapitel ihres Buches wird auch auf Tageslicht warten können - wenn alles Öl verbraucht und alle Kerzen niedergebrannt sind, wird die nächtliche Suche nach wichtigen Dingen zur Qual.
Desinfektionsmittel, Verbandsmaterial u.ä. zur Hand zu haben ist ebenfalls empfehlenswert. Ohne telefonische Verbindung kann ärztliche Versorgung auf sich warten lassen. Und wer während eines Stromausfalles das erste Mal in seinem Leben Holz für den Kamin hackt wird mindestens ein paar Blasen versorgen müssen.
Vor allem aber Getränke und Lebensmittel sind von Bedeutung. Supermärkte müssen aufgefüllt werden, also selbst, wenn sie einen in Reichweite haben, wird er nicht ewig Quelle der Nahrung sein - zumal die Mitarbeiter in der gleichen Lage stecken wie Sie und vielleicht nicht zur Arbeit erscheinen werden.
Hier ein Auszug aus den Anweisungen des BBK (Bundesamt für Bevölkerungsschutz und Katastrophenhilfe)

Das sollte im Haus sein

Können Sie sich vorstellen, dass Lebensmittel und Trinkwasser einmal nicht jederzeit verfügbar sein könnten? Was ist, wenn ein Hochwasser die Straßen unpassierbar macht? Lawinen ein Dorf von der Außenwelt abschneiden? Starker Schneefall die Versorgung von Geschäften unmöglich macht? Oder ein Stromausfall die öffentliche Versorgung
lahmlegt?
Mit einem Vorrat an Lebensmitteln und Getränken für zwei Wochen sind Sie hierfür gerüstet.

Hinweise für die Vorratshaltung

Ein Mensch kann unter Umständen drei Wochen ohne Nahrung auskommen, aber nur vier Tage ohne Flüssigkeit.
  • Halten Sie pro Person ca. 14 Liter Flüssigkeit je Woche vorrätig.
  • Geeignete Getränke sind Mineralwasser, Fruchtsäfte, länger lagerfähige Getränke.
  • Keine Experimente. Halten Sie vor allem Lebensmittel und Getränke vorrätig, die Sie und Ihre Familie auch normalerweise nutzen.
  • Strom weg? Achten Sie darauf, dass Esswaren auch ohne Kühlung länger gelagert werden können und ein Großteil Ihres Vorrats auch kalt gegessen werden kann.
  • Alle Lebensmittel sollten ohne Kühlung längerfristig haltbar sein. Achten Sie auf das Mindesthaltbarkeitsdatum. Beschriften Sie Lebensmittel ohne Kennzeichnung mit dem Einkaufsdatum.
  • Sie sollten Lebensmittel kühl, trocken und dunkel aufbewahren. Achten Sie auf luftdichte Verpackung.
  • Neu gekaufte Vorräte gehören nach „hinten“ ins Regal. Brauchen Sie die älteren Lebensmittel zuerst auf.
  • Tiefgekühlte Lebensmittel zählen auch zum Notvorrat. Sie lassen sich bei einem Stromausfall problemlos verbrauchen. Frieren Sie einmal aufgetaute Lebensmittel nicht wieder ein.
  • Kochen ohne Strom und Gas? Im Handel gibt es viele Alternativen wie Campingkocher etc.
  • Denken Sie bei der Vorratshaltung auch an Spezialkost – z. B. für Diabetiker, Allergiker oder Babys.
  • Haben Sie Haustiere? Decken Sie deren Bedarf ab!
In der Checkliste finden Sie Tabellen, nach denen der tägliche Bedarf eines Menschen an Nahrung und Getränken wiedergegeben ist.
"Ratgeber für Notfallvorsorge und richtiges Handeln in Notsituationen"
Es gibt eine ganze Gruppe von Menschen, die sich auf Katstrophen vorbereiten. Aus dem englischen heraus nennen sie sich "Vorbereiter", also "Prepper". Schauen Sie ruhig mal dort vorbei. Das meiste Angebot besteht aus Ratschlägen und Listen, die kostenlos zur Verfügung stehen und deutlich weiter gehen und hilfreicher sind, als die der Regierung.
Was tun, wenn der Wasservorrat nicht reicht? Welche Lebensmittel halten sich lange (bei den aufgedruckten Mindesthaltbarkeitsdaten erwächst der Eindruck: nichts) und welche geben am meisten Energie, Vitamine usw.?
Anders als in den USA ist dabei an Selbstverteidigung nicht zu denken. Dort befürchten die Prepper nicht umsonst, dass Plünderer sie und ihre Familien attackieren, um an ihre Vorräte zu kommen. Angesichts der aktuellen Bilder aus verschiedenen US Großstädten in denen Unruhen entstanden eine absolut realistische Annahme.
So müssen wir uns darauf beschränken zu hoffen, dass wir Schlimmstenfalls ein paar Tage zu Hause festsitzen und alle Bürger, Einwanderer und Gäste diszipliniert und vorbereitet sind.

In diesem Sinne: gute Vorbereitung.




Kommentare:

  1. Also ob nun "prepper" oder nicht - folgender Widerspruch ist für mich nicht zu lösen: Entweder ist die Katastrophe in ihren Auswirkungen in ihren Auswirkungen so, dass sich die öffentliche Ordnung nicht auflöst, dann wäre auch eine Versorgung der Bevölkerung weiter gewährleistet. Oder die Katastrophe ist so schwerwiegend, dass es zumindest zur zeitweisen Auflösung der öffentlichen Ordnung käme, dann werden bewaffnete Banden die Häuser nach verwertbarem durchsuchen.

    Der Prepper wird dann ggf. gar nicht zu seiner Notunterkunft kommen, oder er wird für bewaffnete Plünderer vorgesorgt haben, es sei denn, er verfügt ebenfalls über waffen.

    Aus meiner Sicht mach ohne Waffen der Notfallvorrat wenig Sinn, es sei denn man lebt in wirklich schwer zugänglichem Gelände.

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    1. Da sind wir fast identischer Meinung. Es gäbe noch die Möglichkeit der "Verbunkerung", wie sie in den 50ern und 50ern den US Bürgern nahegelegt wurde. Also entweder im Garten (so man einen hat) einen Bunker anzulegen, oder sein Haus extrem abzusichern.
      Ohne geeignete Mittel sich und seine Mittel zu verteidigen bleibt aber auch dies alles eher provisorisch.
      Ansonsten bleibt das Kollektiv. Sich mit anderen zu wehrhaften Gemeinschaften zusammen zu schließen und die Vorräte zu teilen.
      Alles Szenarien die unsere Autoren und Drehbuchschreiber vielfältig durchgingen.
      Hoffen wir einfach, dass es nicht so weit kommt (was ich nicht glaube), und falls doch, dass wir das Beste daraus machen.

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