Sonntag, 13. September 2015

Der Rat der christlichen Kanzlerin - oder das N Zeichen an unserer Tür

Eine Weile hat dieser Blog nun geschlafen. Zum Teil lag das, wie bei vorherigen Zwangspausen, an meiner gesundheitlichen Verfassung, zum anderen aber daran, dass ich meine Frustration durch völlige Nachrichtenabstinenz im Griff hatte.
In den letzten Monaten aber war es nahezu unvermeidlich, "informiert" zu werden. Das gesamte soziale Umfeld wie sämtliche Medien, selbst solche mit dem reinen Unterhaltungszweck, besprechen nichts anderes als bestimmte Nachrichten. Also bin ich zurückgekehrt an meinen Schreibtisch um wieder Fakten zu recherchieren und zu überprüfen, was man so liest und erzählt bekommt.
Prompt ist mein Frustrationsfaktor wieder so hoch, dass ich mich äußern muss.

Besonders hoch wurde diese Frustration bei den Meldungen über die Denkweise unserer Kanzlerin.
 Laut kath.net sagte sie auf die Islamisierung Europas bzw. Deutschlands angesprochen:
„Ich muss Ihnen ganz ehrlich sagen: Wir haben doch alle Chancen und alle Freiheiten, uns zu unserer Religion, sofern wir sie ausüben und an sie glauben, zu bekennen. Und wenn ich etwas vermisse, dann nicht, dass ich jemandem vorwerfe, dass er sich zu seinem muslimischen Glauben bekennt, sondern dann haben wir doch auch den Mut zu sagen, dass wir Christen sind, haben wir Mut zu sagen, dass wir da in einen Dialog eintreten. Haben wir dann aber auch bitteschön die Tradition, mal wieder in den Gottesdienst zu gehen oder ein bisschen bibelfest zu sein oder vielleicht auch mal ein Bild in einer Kirche noch ein bisschen erklären zu können.“

Als gläubiger und praktizierender Katholik ist diese Aussage für mich zwar im ersten Augenblick absolut lesenswert und ein frohes Nicken will sich einschleichen. Beim zweiten Gedanken aber, wird mir regelrecht schlecht.
Der Autor und aus Ägypten stammende Imamsohn Hamed Abdel-Samad verweist in einer Wortmeldung zu Merkels Aussage (und einer gleichlautenden Botschaft von Frau "Nichts ist gut in Afghanistan" Käßmann) darauf, dass es im Orient, in Ländern wie Syrien und Irak, aber aber eben auch in Ägypten, der Türkei und dem Iran, Gemeinden praktizierender Christen gab - ganz im Sinne der merkelschen Forderung. Was es diesen Menschen gebracht hat, sich öffentlich zu bekennen, regelmäßig die Messe zu besuchen und grundfest in ihrem Glauben zu sein ist eben nicht der Dialog.
Vielmehr wird fast wöchentlich bekannt, dass IS, Al Quaida, Boko Haram aber auch Staaten wie der Iran und die Malediven und viele uns völlig unbekannte Staaten, Organisationen und Einzeltäter bekennende Christen, Juden, Bahais, Buddhisten und generell Andersglaubende die sich weigern zu konvertieren (und manchmal auch jene die konvertieren) verfolgen, foltern und umbringen. Wer einen Ländernamen wie Libyen und das Stichwort enthaupten eingibt, wird selbst bei den stark gefilterten Ergebnissen unserer Suchmaschinen sofort fündig. Noch drastischer werden die Ergebnisse, sucht man nach Christen enthaupten. Ich verlinke an dieser Stelle nichts, denn nur solche mit sehr starken Nerven sollten sich auf diese Bilder und Videos einlassen
Das ist auch der Kanzlerin bekannt, die Christenverfolgung und der bestehende Judenhass vor allem in muslimischen Ländern bis nach Indonesien ist kein Geheimnis. Die Aktion des IS an die Türen der bekennenden oder denunzierten Christen ein N zu malen oder von den Nachbarn malen zu lassen um die Verfolgung systematisch ablaufen zu lassen, hat eine Welle der bildhaften Solidarität hervorgerufen - aber offensichtlich auch nur das.

Dies zu ignorieren und zu behaupten, dass eigene Frömmigkeit gegen massenhaft importierte und hierzulande fast ungehindert verbreitete Denkweise dieser Art helfe verkauft uns regelrecht für dumm. Schlimmer, es leugnet die Millionen existierenden Opfer unter praktizierenden Christen, die es bislang bereits gab.

Und zum anderen lässt Frau Merkel die doch recht große Zahl an Deutschen außer acht, die entweder gar keine Christen sind oder sich anders als das konventionelle Christentum verstehen.
Atheisten, Agnostiker, Deisten und die Mitglieder anderer Religionen und Esoteriker werden bestimmt nicht erfreut sein, aufgefordert zu werden, Kirchen zu besuchen und sich mit dem Christentum zu beschäftigen um der Islamisierung zu begegnen.
Und, egal wie wenig christlich oder religiös ich das empfinde, es gibt nicht wenige Menschen in Deutschland, die sich als Christen bezeichnen und ihre Abstinenz vom Christentum damit begründen, dass sie keine Kirchen und keine Gottesdienste brauchten, um Gott nahe zu sein, und erst recht keine dicken Bücher in veralteter Sprache die einem merkwürdige Geschichten erzählen.
Wie gesagt, das mag einem Katholiken, Protestanten oder Evangelikalen nicht einleuchten, aber diese Menschen sehen sich selbst wirklich oft als Christen - und wenn die Kanzlerin sie belehrt oder ihnen vorschreiben will, wie sie ihren Glauben zu leben haben, dann überschreitet sie nicht nur ihre Kompetenzen, etwas worin sie wirklich gut ist, sondern versucht sich an einer merkwürdigen Interpretation der Religionsfreiheit.
Insgesamt aber ist es wiedermal ein Akt heuchlerischer Appeasement-Politik, welches mich unsagbar frustriert.

Mittwoch, 26. März 2014

Islamismus kein Thema mehr! Hurra?

Vor zwei Tagen ging diese Meldung durch die Medien:
Ein Neustart der Islamkonferenz, Offenheit ganz oben.

Die WELT schreibt dazu u.a.
Neu ist damit, dass allgemeine Themen der Integration oder der öffentlichen Sicherheit künftig in anderen dafür zuständigen Gremien außerhalb der DIK erörtert werden. Damit will man ein Zeichen setzen: Muslime sollen nicht mehr als Sicherheitsrisiko behandelt werden, sondern als gleichberechtigte Bürger der Bundesrepublik.
Die Islamkonferenz wurde 2006 ins Leben gerufen, um bestehende Probleme und Sorgen im Dialog zu lösen. Von Beginn an gab es aber schon Probleme mit der Konferenz selbst. Einer der Höhepunkte davon war die Ausladung der kritischen Stimmen Kelek und Ates, wobei Letztere sich 2009 aufgrund von Morddrohungen und erlebter Gewalt für drei Jahre aus der Öffentlichkeit zurück zog.
Kelek hatte mehrfach ziemlich deutlich Thematiken angesprochen, deren Lösung eigentlich die Aufgabe der Konferenz gewesen wäre. Es darf kaum überraschen, dass sie aufgrund der Entwicklungen dann zu einem eindeutigen Urteil kam: Experiment erfolgreich gescheitert. Bereits letztes Jahr ahnte sie, und teilte diese Ahnung uns mit, wohin die Konferenz gehen würde und äußerte Sorge um diejenigen, für welche die Konferenz Besserung bringen sollte.

Nun also der Schwenk, und der Deutschlandfunk teilt uns daraufhin die Meinung einer jungen Muslima aus der "jungen Islamkonferenz" mit:
Grundsätzlich ist erst mal sehr positiv zu sehen, dass Bundesinnenminister de Maizière nun offen in die Gespräche gehen möchte. In der Vergangenheit hat nämlich, muss man dazu wissen, das Bundesinnenministerium die Agenda der Deutschen Islam-Konferenz bestimmt, und dies hat für besonders viel Kritik gesorgt, da somit auch Sicherheitsfragen dieses Gremium dominiert haben. So mussten muslimische Mitglieder erst einmal sich formell zum Grundgesetz bekennen und sich später dann auch gegen Islamismus und häusliche Gewalt aussprechen. Im Rahmen des heutigen Treffens soll es anders werden. Der Innenminister beteuert, dass nun die Agenda gemeinsam verabschiedet werden kann.

Das kann nur bedeuten, die Themen, die uns, wie man bereits an der Wortschöpfung "Islamismus" und der steten Beteuerung der Unvereinbarkeit mit dem Islam erkennen kann, so erschrecken nunmehr geklärt sind. Es gibt keinen Grund mehr, über Terrorismus, häusliche Gewalt, Parallelkultur, Zwangsheirat, Ehrenmorde usw. zu sprechen. Muslime sollen "nicht mehr als Sicherheitsrisiko behandelt werden".
Ich stimme zwar zu, dass jedem Individuum als solches zu begegnen ist. Jeder Mensch ist ein Mensch und als solcher sollte man auf ihn zugehen. Aber sind die Probleme wirklich aus der Welt?
Im Gegenteil.
Bevorzugung in der Justiz. (der Fall Jolie / Raman ausführlicher)
Zahl der Extremisten steigt sprunghaft an.
Neue Zielgruppe der Extremisten.
Schulen als Rekrutierungszentren.
Ehrenmorde an den Rand öffentlicher Aufmerksamkeit gedrängt. Aber es gibt sie, öfter als berichtet.
Selbstmordrate unter jungen Muslima in Deutschland angesprochen, aber weder thematisiert noch gelöst.
Terrorismus in Deutschland.
Ablehnung von Seiten der Minderheit.
50 000 Mädchen in Deutschland von Genitalverstümmelung bedroht.
Antisemitismus im Aufschwung.
u.v.m.


Die Islamkonferenz tat sich groß in Erklärungen, in Ablehnung bestimmter Probleme und in der Erklärungsflut bestimmter Studienergebnisse und Statistiken. Mir ist nicht bekannt, dass sie auch nur ein Problem davon gelöst oder wenigstens verbessert hat. Eher im Gegenteil: als eine Werbekampagne muslimischen Familien Hilfe im Fall der Radikalisierung anbieten wollte, wurde die Kampagne von Mitgliedern der Konferenz scharf attackiert und als rassistisch gebrandmarkt erfolgreich verhindert. Und wie man an den Zahlen zu den Problemen sieht: sie verschärfen sich. Mehr Radikale, mehr Gewaltpotential, mehr Eskalation, mehr Ablehnung beider Seiten, mehr Misstrauen.


Und darum sollte die Konferenz diese Themen eigentlich noch verstärken, und jedes mangelnde Verständnis für diese Sorgen sollte als ein Signal verstanden werden, denn das ist es. Verschweigen, schönreden und das Verbieten der Diskussion sind nur Schritte in die gleiche Richtung wie dramatisieren und erfinden.

Mittwoch, 19. März 2014

Gemeinsame Aktion - Aufruf zur Zusammenarbeit

e. (irgend ein Pseudonym sollten wir finden, e. ist irgendwie komisch...) hatte vorgeschlagen, dass katholische Blogger sich den "heißen Eisen" denen sich Katholiken und gerade "konservative" Katholiken ausgesetzt sehen gemeinsam widmen sollten.


Am besten schreibt sie es selbst:
Darum lade ich ein zu einer Blog-übergreifenden Aktion zum Thema "Steine des Anstoßes". Die Idee ist, wöchentlich ein Thema vorzuschlagen, wozu teilnehmende Blogger dann etwas posten oder auf bereits vorhandene Inhalte verweisen. Zusätzlich könnten die teilnehmenden Blogger auf den einschlägigen Kommentarseiten gemeinsam auftreten und zu den genannten Themen Aufklärung leisten. Letzeres ist aber kein notwendiger Teil der Aktion.
Diese Blogger habe ich für die Aktion gewinnen können.
Ich schlage als erstes Thema "Der Reichtum der Katholischen Kirche" vor. Wer Lust hat, sich dazu zu äußern oder dazu schon gearbeitet hat: Ein kurzer Kommentar wäre super! Ich weise dann auf alle Beiträge nochmal hin.

Also los, liebe Blogger. Gemeinde heisst gemeinsam :)
Ich habe dazu noch nichts geschrieben, nur eine Faktenkarte in meiner Sammlung und werde mal sehen, wie ich diese am besten umsetze.

Bislang hat Psallite Deo auf einen Beitrag verwiesen --- LINK

Dienstag, 18. März 2014

Der Fall Zimmermann in einer Variation

Vor etwa vier Monaten, am 1.12.20013 wurde der Feuerwehrmann Anthony Bruno von dem Polizeibeamten  Donald Hubbard auf offener Strasse in Kansas City erschossen.
Es gibt drei Arten darüber zu berichten (die deutsche Presse hat darauf gänzlich verzichtet, also eigentlich vier).

1. Ein Polizeibeamter, der einer Nebentätigkeit als Wachmann eines Hotels nachging, erschoss den unbewaffneten Feuerwehrmann nach einem kurzen Handgemenge. Anwesende Zeugen filmten die Szene, man hört sie ihre Abscheu gegen die aggressiven Art des Polizisten äußern, kurz bevor die tödlichen Schüsse fallen. Bruno feierte seine kurz zurückliegende Hochzeit.

2. Ein Polizeibeamter erschoss einen Feuerwehrmann, als sich dieser einer Verhaftung wegen einer kurz zuvor erfolgten Schlägerei widersetzte und den Beamten schwer verletzte.

3. Man berichtet die ganze Geschichte.

Kurz vor der Konfrontation waren Anthony Bruno, dessen Frau und sein Cousin /Freund(?) von einem Essen zur Feier der zwei Wochen vorher erfolgten Vermählung der beiden durch ein Taxi vom Restaurant zum Hotel des Ehepaares gefahren worden. Dort kam es zum Streit mit dem Taxifahrer Ahmed Alomari über den Preis, den es kosten sollte den scheinbar zu betrunkenen Cousin zu dessen Heim zu fahren, und dieser Streit wurde handgreiflich. Die Witwe sagte aus, ihr Mann sei ausgerastet, als der Fahrer ihr das Geld ins Gesicht warf und sie mit einem verbreiteten Wort für das weibliche Geschlechtsorgan betitelte. Photos aus einem Krankenhaus dokumentieren, dass Alomari mehrere Schläge abbekam.
Die Ehefrau des Erschossenen sagte später aus, der Cousin sei betrunken gewesen, sie beide nur etwas angeheitert.
Mehrere herbeieilende Passenten und die Hotel-Security, inklusive dem uniformierten aber außer Dienst in einem Nebenjob dazuverdienende Polizist Hubbard wollten jedenfalls dem Taxifahrer beispringen und die Situation auflösen. Bruno nutzte das anfängliche Chaos und geht schnell und zielgerichtet weg, nicht in sein Hotel sondern die Strasse herunter und um eine Ecke. Hubbard bemerkte dies und folgte ihm, um ihn fest zu nehmen.
Die Festnahme sahen die Traumakrankenschwester Ashley Janzen und Jason Reinhard, welcher die Szene mit seinem Handy aufnahm, weil, wie er später sagte, er die vorgehensweise sehr aggressiv empfand und Material bereitstellen wollte, wenn es später zur Untersuchung käme. Man hört ihn zu Beginn dieses Videos auch laut Kritik äußern, ebenso wie Ashley Janzen.
ACHTUNG, DAS VIDEO ENTHÄLT DRASTISCHE GEWALT UND SOLLTE NICHT MIT   SCHWACHEN NERVEN GESEHEN WERDEN
Beide sagten hinterher, von den vorhergehenden Vorgängen hätten sie nichts mitbekommen.
Im Video ist zu sehen, wie Hubbard Bruno versucht die Handschellen anzulegen. Dabei ist klar zu hören und zu sehen, dass der fast ununterbrochen Bruno auffordert zu kooperieren und ihm die Hände zu geben, dieser das aber verweigert. Rheinhard sagt in einem Interview später, die Familie Brunos und er stimmten überein, dass Anthony Bruno kooperierte, bis der Polizist seinen Kopf mit dem Knie traf.
Das Video Rheinhards zeigt von Beginn an, dass Bruno am Boden kniet, Hubbard versucht seine Hände auf dem Rücken zusammen zu bringen, um ihm Handschellen anzulegen. Nach 24 Sekunden wälzt sich Bruno auf die Seite und entzieht dem Beamten seine bis dahin einzig von ihm erreichte Hand. Hubbard lässt daraufhin mehrere Sekunden von ihm ab, bevor er erneut die Hand greift und versucht sie auf dem Rücken zu arrettieren, woraufhin Bruno sie mit Nachdruck erneut wegreißt (0:36 / 0:38).  Zehn Sekunden hält der Polizist nun mit seinen Fingern die Fingerspitzen Brunos an dessen Seite bis er bei Sekunde 48 vergeblich versucht, ihn auf den Bauch zu rollen (die übliche Position in der potentiell oder eindeutig gefährlichen Personen die Handschellen angelegt werden), am Widerstand scheitert und sich versucht, mit einer schnellen Bewegung in eine überlegene Ringerposition zu bringen. Dabei trifft sein Knie den Kopf Brunos. Auf den ersten Blick mag es so wirken, als sei das Knie mit voller Wucht auf den Kopf des Feuerwehrmannes niedergegangen. Bei der späteren Autopsie wird von einer solchen Verletzung jedoch nichts erwähnt und das Knie landete gut sichtbar auf dem Boden neben dem Kopf, während der Polizist über Brunos Körper hinweg sich kurz abstützte um dann um den Körper herum zu greifen. Wer sich einmal Ringen oder ähnliche Kampfsportarten angesehen hat, der kennt diese Bewegungen, auch wenn sie hier nicht sauber ausgeführt wurden und das Knie den Kopf streifte.
Natürlich kann man dies auch anders interpretieren, als Akt der Aggression, ein Versuch, das Knie auf den Kopf knallen zu lassen und diesen wiederum auf das Pflaster. Warum dann allerdings keine weiteren heftigen Attacken erfolgen, kein vehementes nachgreifen, sodern einzig der Griff um den Körper.
Während der zehn Sekunden vor dem Positionswechsel meint die Krankenschwester Janzen, sie müsse jetzt eingreifen, Rheinhard hält sie zurück.
Und unmittelbar nach diesem Positionswechsel, bemühte sich der Polizist allein mit seinem Gewicht auf dem oberen Teil von Brunos Oberkörper, diesen unten zu halten. Nach seinem Bericht glaubte Hubbard, Bruno habe aufgegeben. Auf die zugrufene Frage der beiden, sich in diesem Moment als Bürgerrechtler verstehenden Zeugen, was der Mann getan habe, reagierte der Polizist, indem er seine Aufmerksamkeit ihnen einen Moment zuwendete und, laut Protokoll der Ermittler, sie bittet den Notruf zu tätigen und Hilfe zu holen.
Diesen Moment der Ablenkung nutzt Bruno, bringt Hubbard aus dem Gleichgewicht, dann einen Arm zwischen die Beine des Polizisten, helbelt diesen über seinen Körper aus (ein Griff, der so ähnlich ebenfalls beim Ringen gebraucht wird), wirft ihn so zu Boden. Dort wälzt er sich auf ihn, drückt dessen Kopf zu Boden, wechselt die den Kopf auf dem Boden haltende Hand, blickt die ihm zurufenden Zeugen kurz an und beginnt mit der frei gewordenen Faust weit ausholend und kräftig auf den Kopf des Polizisten einzuschlagen. Er kann mehrere Schläge landen, dann hört man zwei Schüsse fallen und das Video endet.
Janzen und Rheinhard hatten Bruno zugerufen, den "Bullen nicht zu bekämpfen" oder sinngemäßer "den Polizisten nicht zu schlagen".
Bruno blickt noch einmal auf, bevor er beginnt, auf den Polizisten einzuschlagen
Die Versuche Hubbards ihn von sich zu drücken wehrt der Mann spielend ab. Man kann gut erkennen, dass der Unterlegene bereits nach der Waffe greift, bei den ersten Schlägen aber seine Beine nach oben zucken.
Bruno beginnt auf den Kopf zu schlagen
Wie es weiterging und Details erfährt man aus den Protokollen. Hubbard werden der Knochen unter dem Auge und der Wangenknochen gebrochen, Verletzungen die operiert werden mussten, seine Augenbraue platzt auf und muss später genäht werden. Die Ärzte registrieren außerdem den Verlust von Gefühl auf der Gesichtsseite. Da er das Bewusstsein beginnt zu verlieren und Bruno nicht aufhört zuzuschlagen setzt er seine mittlerweile zu fassen bekommene Schusswaffe ein. Die zwei gehörten Schüsse bleiben die einzigen, aber beide treffen. Eine davon geht direkt ins Herz Brunos. Danach, so Hubbard, steckte er seine Waffe ein und verlor kurz das Bewusstsein.
Janzen läuft in den letzten Sekunden bereits am Rande des Videos auf die beiden zu, die Kamera scheint sich erst danach zu bewegen.

Officer Hubbard bei der Einlieferung ins Krankenhaus
Während die Krankenschwester den Verwundeten versorgt fordert sie Hubbard auf zu helfen. Der halb bewusstlose und selbst blutüberströmte Beamte mit den gebrochenen Gesichtsknochen kriecht dazu und versucht die Wunden abzudrücken, bis andere Feuerwehrmänner aus der Nähe diese Aufgabe übernehmen und schließlich Rettungskräften übergeben.
Rheinhard filmt unterdessen weiter, dieses Material ist jedoch nicht mehr freigegeben worden. Schließlich nimmt ein Polizeibeamter ihm das Handy ab und sichert es als Beweismaterial. Rheinhard zeigt die Aufnahmen später der Familie Brunos und versichert auch in ihrem Namen den Medien, dass der ausschlaggebende Punkt das Knie gegen den Kopf war.
Die Autopsy stellt 2,1 Promille Alkohol im Blut des Toten fest.
Ende Februar kam eine "Grand Jury" zum Schluss, es liege begründeter Einsatz tödlicher Gewalt vor.
Während Rheinhard dem Polizisten die Schuld an der Eskalation und den tödlichen Schüssen gibt, glaubt Janzen, dass es eine Verkettung unglücklicher Umstände war, die den Verlauf unausweichlich werden ließ, aber das ohne den Widerstand gegen die Verhaftung die Sache nicht tödlich ausgegangen wäre.

Wenn wir diesen Verlauf nun kurz zusammenfassen:
1. Bruno schlägt auf einen Taxifahrer ein und verlässt bei Ankunft eines Polizisten den Tatort.
2. Bruno verweigert dem Polizisten die Möglichkeit, ihn zu verhaften - umgänglich: leistet Widerstand.
3. Nachdem der Polizist durchgreift, ihn dabei mit dem Knie am Kopf streift, wirft er den Polizisten zu Boden und bricht ihm Knochen am Kopf.
4. In dieser Lage schiesst der Polizist und trifft tödlich.



Montag, 17. März 2014

Edathy und kein Ende 2

Man mag es rotzfrech, dreist oder chuzpe nennen, was Edathy sich da leistet. In einem aktuellen Interview betont er, alles sei legal gewesen und er selbst sei das Opfer in der aktuell laufenden Affäre. Bereits letzte Woche hatte er laut überlegt, ein Buch über sein "Martyrium" zu schreiben.
Kurz zur Erinnerung: der Bundestagsabgeordnete und Vorsitzende des Ausschusses zur NSU-Mordserie Edathy war auf der Liste der Käufer eines Kinderpornohändlerringes auftgetaucht, welchen die kanadische Polizei hatte auffliegen lassen und dabei u.a. mehrere hundert Kinder befreite. Als die Kanadier unserer Justiz diesen Kauf von Bildern nackter Jungen in nicht eindeutiger Pose mitteilten wurde Edathy, wie auch immer, darüber in Kenntnis gesetzt. Nach verstreichen einer ansehenlichen Zeit wurde dann endlich die Hausdurchsuchung genehmigt, aber da gab es keine intakten Festplatten mehr, die man hätte untersuchen können und auch der Dienstlaptop Edathy war auf wundersame Weise, angeblich auf einer Zugfahrt gestohlen, verschwunden. Edathy selbst setzte sich ins Ausland ab.
Da die gemeldeten Bilder keinen Sexualakt zeigten und angeblich auch nicht unmittelbar anzüglich erscheinen steht die Justiz nun vor dem Problem, keinen Anklagegrund in Händen zu haben. Dies weiß Edathy und beschwert sich nun, nach dem Gesetz völlig korrekt, über die Untersuchung.

Mittlerweile rufen auch diverse Journalisten, Kommentatoren und Politiker dazu auf, "den gesunden Menschenverstand" zu benutzen und keine "Hexenjagd" zu veranstalten. Gemeint ist damit wohl, keinen Menschen vorschnell zu verurteilen und in der Öffentlichkeit schlecht zu behandeln.
So langsam bekomme ich von solchen Kommentaren an der Stirn blaue Flecken, so heftig muss ich meinen Kopf dabei in Richtung Schreibtischplatte bewegen. Gesunder Menschenverstand?
Ein Mann kauft bei einem Kinderpornohändler! Und was kauft er? Nacktbilder.
Schon da erlischt bei mir die Unschuldsvermutung.  Es wird so getan, als sei das völlig unverdächtig. Klar, ich gehe in eine Drogenhöhle und erkläre bei der Festnahme, ich hätte gar nicht mitbekommen, was die da schnupfen und hätte nur schnell von dem Mehl oder Puderzucker, das die da zum Strecken benutzen kaufen wollen, und das sei ja legal.
Dann wird alles an Beweismaterial in den Wohnungen zerstört und der Laptop verschwindet. Ganz zufällig. In den 20 Jahren, die ich Computer benutze, ist mir eine einzige Festplatte kaputt gegangen, und diese war danach vom Fachmann noch immer größtenteils auslesbar. Die Wahrscheinlichkeit, dass zwei gleichzeitig kaputt gehen UND noch ein Laptop des BUNDESTAGES mit möglicherweise wichtigen und geheimen Informationen gestohlen wird halte ich für ähnlich hoch, wie von einem Blitz getoffen zu werden, während man an einem U-Bahntunnel baut und ein Blackout, ein totaler Stromausfall herrscht.
Trotzdem reist der Verdächtige ins Ausland und hält seinen Standort verborgen. Klar, weil die Leiter von Rechtsausschüssen des Bundestages, die von hochrangigen Politikerkollegen gewarnt worden sind ja auch einen Lynchmob vor einer ihrer vielen Wohnungen und Büros und Hotels usw. fürchten müssen und unser Rechtssystem dafür bekannt ist, dass Unschuldige verschwinden...

Hätte Edathy zugegeben, dass bei jenem Händler zu kaufen ein monströser Akt der Ignoranz vor den dort gezeigten Verbrechen gewesen ist, sich dann der Polizei gestellt und seine Festplatten zur Auswertung übergeben hätte - DANN hätte ich gesagt, abwarten, was dabei rauskommt und in dubio pro reo. Wer sich aber so verhält - nein, da versucht ein schlimmer Verbrecher sich aus der Affäre mit möglichst geringen Verlusten zu ziehen, nachdem ihm klar ist, dass das Schlimmstmögliche bereits abgewendet wurde.
Und genau wegen sowas muss es illegal werden, Nacktbilder von anderer Leute Kinder zu erwerben oder solche zum Verkauf anzubieten. Und dabei ist nicht die Rede von barocken Putten, wie so viele dieser Tage behaupten. Dabei ist auch nicht die Rede von einer modernen Plastik, deren Formen nur mit LSD oder extrem aktiver Phantasie den angeblichen Knaben erkennen lassen - es dürfte nicht zu schwer sein, dies dabei herauszunehmen.

Mittwoch, 12. März 2014

Was Schweinchen Babe mit Bomber Harris zu tun hat

Mitunter zweifle ich, ob der eingeschlagene Weg überhaupt noch aufgehalten werden kann.
Wie jedes Jahr, wenn sich der Bomberangriff auf Dresden jährt, bei dem die Stadt mit Brandbomben eingedeckt wurde, welche ein solch starkes Feuer verursachten, dass es fliehende Menschen in sich hineinzog und die Schutzsuchenden  in ihren Bombenkellern erstickte, gibt es Gedenkveranstaltungen, rechtsradikale Klitterung und linksextremistische Menschen- und Rechtsverachtung. Die mindestens 20 000 Opfer werden dabei zu Objekten, zu Spielbällen der Politik. Ihr Leid wird weder verdeutlicht noch mit gefühlt. Das ist der Verdienst unserer Extremen, der Menschen, die aufrechnen wollen, in die eine oder die andere Richtung.

Dieses Jahr haben es zwei Vertreterinnen der Femen / AntiFa / Piraten  geschafft, das meiste bisher Dagewesene zu übertreffen. Sie ließen sich mit nacktem Oberkörper ablichten, was ja typisch für Femen ist. Auf diese pinselten sie "Antifa Action" und "Thanks Bomber Harris". Mit zweiterem ist ein Dank an den Oberkommandierenden der britischen Luftstreitkräfte, der Royal Airforce (RAF), gemeint, da dieser Mann für die Strategie der Flächenbombardements auf deutsche Städte mit dem Wunsch hohe Verluste und Psychoterror unter der Zivilbevölkerung zu erzielen mit verantwortlich ist. Auch die Strategie des Feuersturmes muss ihm angerechnet werden. Hierbei wirft die erste Welle Bomber Sprengstoff in der Art ab, dass Häuser durch den Verlust von Dach und Fenstern zu riesigen Kaminen werden und die in zweiter Welle geworfenen Brandbomben sich zu riesigen und extrem heißen Feuern entwickeln, welchen die Menschen nicht entkommen können und das Areal völlig verbrannt zurücklassen.

Einschub:
Die Karriere von Arthur Harris beginnt im ersten Weltkrieg, in dem er es zum ranghohen Offizier brachte. Zwischen den Weltkriegen diente er in den britischen Kolonien, vor allem in Britisch-Indien und dem Nahen Osten. Hier schlug er einen arabischen Aufstand nieder und ließ dabei von der Mine bis zum Giftgas kein Mittel ungenutzt. 
Kritik an Harris gibt es nicht nur wegen seinem mitleidlosen Krieg gegen Zivilisten sondern auch, weil seine Strategie gegenüber den Verlusten unter seinen Besatzungen rücksichtslos war. Für die Bomberbesatzungen war es oft ein Höllenritt, kaum eine Maschine kam unbeschädigt zurück und fast die Hälfte seiner Männer kam nicht lebend zurück.
Diesem Mann dankt also die AntiFa bzw. Femen.


Anders als bei den bisherigen Auftritten der Femen, dafür typisch für AntiFa-Aktionen haben die beiden Frauen ihre Gesichter verhüllt um ihre Identität geheim zu halten. Die Vielzahl an Motiven von unterschiedlichen Stellen am Elbufer, vor Kirchen und schließlich der Semperoper belegt aber, dass dieses Shooting keine hastige, kurze Nummer war, sondern gut organisiert und über einen längeren Zeitraum ablief.
Die Identität geheim zu halten fällt schwer, wenn man am Oberkörper und den Armen eindeutige Tätowierungen hat.
Und so stand recht schnell fest, um wen es sich dabei handelte. Die eine war die 22jährige Deborah Andersen (nach einigen Angaben ein Pseudonym), Femen-Aktivistin. Sobald dies bekannt war distanzierte sich Femen.
Khanova sagte u.a.
"Wir vermummen uns auch nicht, sondern tragen Verantwortung und erklären unsere Slogans."
Das Debbie Anderson hier ihr Gesicht vermummt und grundsätzlich einen falschen Namen benutzt entspricht nicht dieser Wahrnehmung. Zudem sagte sie:
Ihre Aussagen widersprechen also in fast jedem Punkt Irina Khanova. Müssten sich die beiden nun nicht trennen oder eine Seite zurückrudern? Für mich ist jedenfalls die Verknüpfung zwischen Femen und dieser Aktion nicht vollständig aufgelöst.
Wenn wir dann noch auf den Molotov-Cocktail blicken, den eine andere Femen-Aktivistin vor kurzem auf die russische Botschaft in Berlin war, wird das Thema Menschenrechte bei Femen völlig zur Farce.
Im Fall der zweiten Beteiligten ist die Sache noch um einiges peinlicher. Als wäre das Verhöhnen von Opfern eines Feuersturmes, unter denen auch Kleinkinder, Ungeborene, Behinderte und Senile waren, nicht bereits erbärmlich genug, versuchte die andere Frau sich mit Lügen rauszuhalten.
Es handelt sich um Anne Helm, Piraten-Partei Kandidatin für die Europawahl und in Berlin Neuköln Themenbeauftragte für Migration und seit langem in Sachen Rassismus und AntiFa politisch aktiv. Manch einer kennt ihre Stimme von ihrem Job als Synchronsprecherin, als sie das Schweinchen Babe mit neun Jahren sprach. Aufgrund der Tätowierungen hatten andere Piraten sie schnell den Verdacht. Anfangs dementierte sie dies, dann, laut Spiegel, ein erstes zaghaftes annähern, als sie veröffentlichte:
Den alliierten Streitkräften zu danken, die das Nazi-Regime besiegten, sehe ich nicht als falsch an. Kriegsopfer dürfen jedoch keinesfalls verhöhnt werden.
Dieses Statement ist bestensfalls polemisch, eher rabulistisch. Den alliierten Streitkräften zu danken ist mit Sicherheit richtig, nämlich für die Befreiung von der Naziherrschaft und für die dabei gebrachten eigenen Opfer. Für die nach dem Krieg geleistete Hilfe durch den Marshallplan und die Barmherzigkeit gegenüber den Kriegsgefangenen Soldaten nach 45 - allerdings hier nur die Westalliierten und NACH 45, wie die Analyse von Beevor beweisen. Wer jedoch ausschließlich dem selbst in England umstrittenen Initiator des Luftkrieges gegen Zivilisten dankt bezweckt etwas anderes und kann sich nicht mit "Missverständnis" herausreden.
10 Tage später gestand sie dann, ausgerechnet in der Jungle World, einer linksradikalen Zeitung die oft antideutschen Autoren Raum bietet, dass sie es doch war. Und spaltete damit die Piratenpartei. Während sich die Parteiverbände aus Bayern und NRW sofort distanziert, der Rheinland-Pfälzische Landeschef Heiko Müller austrat und sich der Bundesvorsitzende Thorsten Wirth enttäuscht äußerte, die Partei unter dem Twitter-Tag #Bombergate stritt stellt sich die Berliner Vertretung nach der minimal-Kritik der Aktion hinter Helm und spricht von Bündnissen der Medien, CDU und Rechtsradikalen. Vor allem der Berliner Piratenchef Oliver Höfinghoff stellt sich hinter die Aktivistin, und so kommt es, dass sie weder ihren Posten als Themenbeauftragte verlor, noch von der Kandidatur für das EU Parlament zurücktrat noch die Partei ihren Ausschluss debattiert.
Das Höffinghausen in einer Rede u.a. sagte:
Genossinnen und Genossen, die unmittelbare Aufgabe des Proletariats ist keine andere als den Sozialismus zu Wahrheit und Tat zu machen und den Kapitalismus mit Stumpf und Stiel auszurotten.
dürfte dabei klarmachen, welche Ideologie Helm und Höfinghoff teilen.
Das die Kandidatin einer Partei, die sich ausgerechnet Piraten nennt, so daneben benimmt ist das eine, dass ihr dafür der Rücken gestärkt wird das andere. Wenigstens scheinen das auch viele Piraten-Mitglieder zu erkennen. Dieser Vorfall scheint ihr den Rest zu geben.
Was derzeit auf Twitter zu lesen ist passt zu den peinlichen Streitereien der Partei untereinander in der Vergangenheit. Respektvoller Umgang mit kritischen Stimmen ist nicht möglich. Je schneller die Vernünftigen darunter die Reißleine ziehen, desto besser.
Den Teilnehmern von #keinHandschlag möchte ich sagen: tapfer, aber zwecklos. Die Radikalen bestimmen den Ton und dann ist Reden keine Option mehr.