Sonntag, 24. Juli 2016

Katholisch bloggen, wie geht das?

Als jemand, dessen Blog auch in der Liste katholischer Blogger vermerkt ist und der regelmäßig auf den Seiten der dort Versammelten liest, frage ich mich häufig, was macht einen Blog katholisch, was sollte ein katholischer Blogger schreiben.
Da gibt es jene, die viel über die Kirche schreiben. Oder besser, die Kirchen, also die deutsche katholische Kirche und ihre großen und kleinen Konflikte und Gemeinsamkeiten mit der Mutterkirche mit Hauptsitz in Rom.
Andere bevorzugen einen theologischen Zugang. Bringen regelmäßig Predigten im Wortlaut, diskutieren sie, besprechen die Interpretation von Bibelstellen. Dann noch die "was würde Jesus tun" Fraktion. Nicht zu vergessen jene, die sich mit dem Alltag und der Geschichte der Katholiken und ihrer Kirchen und Missionen beschäftigen.
Viele verzichten dabei natürlich nicht darauf, Aktuelles, persönliche Gedanken und einen Mix aus dem oben genannten zu veröffentlichen.
Passe ich da rein? Was schreibe ich eigentlich? Wenn ich meine Beiträge so betrachte, dann sind die Meisten davon eher "profaner" natur. Ich beschäftige mich eher mit aktuellen Ereignissen, den Medien und unserer Politik als mit tiefen theologischen Fragen. Die Bibel kommt bei mir genauso häufig als historische Quelle (und das ist völlig wertungsfrei, in beide Richtungen) wie als religiöser Bezugspunkt vor. Das ich mal Gebete als eigenständigen Beiträge veröffentliche, das ich mich mit der aktuellen Predigt auseinandersetze - das passiert, aber selten. Dafür gibt es, während ich darüber nachdenke, mehrere Gründe.
Zum einen muss es mich von sich aus beschäftigen. Neben der Tatsache, dass ich momentan kein fleißiger Kirchgänger bin, bedingt durch den familiären Neuzuwachs und seine Probleme wie der damit verbundenen Motivationslosigkeit und Faulheit meinerseits, gab es einfach keine Predigt die ich hörte, bei der ich freudig zustimmen konnte oder die in mir mehr auslöste als gelangweiltes Stirnrunzeln über die Lebensfremde des Predigenden. Und darüber zu schreiben fände ich übertrieben.
Hin und wieder erlangt der Heilige Vater oder die Kirche(n) die Aufmerksamkeit meiner Fingerkuppen. Oft sind andere dann aber schneller, gründlicher und besser in Wortwahl und Inhalt, so dass ich meine Entwürfe über kurz oder lang wieder lösche. Bibelstellen und Theologie zu diskutieren, dass maße ich mir als eigenes Thema nicht an. Ich bin Historiker und als solcher ist mir bekannt, wie komplex der Umgang mit Texten und Thesen sein kann und wie viel Handwerkszeug dazu gehört. Es regt mich ja gerade auf, wie viele Menschen ohne Ahnung und Ausbildung sich gerne an der Geschichte und seinen Quellen versuchen - obwohl es auch niemand abnicken würde, wenn ein Mensch ohne entsprechende Ausbildung in einem Kernkraftwerk oder in der Luftfahrt arbeiten würde. Der Vergleich hinkt aber verdeutlich hoffentlich, was ich sagen will.

Mein Glaube und der Wunsch diesen zu zeigen und andere vielleicht dazu zu inspirieren sich selbst näher und über die bestehenden Klischees hinaus damit zu beschäftigen, äußert sich also bei mir im Alltag. Ich suche auch in meinen Texten in Trauer, Wut und Frustration immer wieder Zuflucht in meinem Glauben. Wenn etwas allzu falsch dargestellt wird oder läuft, dann nehme ich Bezug.
Wenn mir andere Laien erklären wollen, was ich tun müsste um Christ, um Katholik zu sein, dann diskutiere ich darüber, teilweise auch emotional. 
Macht mich dies zu einem guten oder einem schlechten Katholiken und katholischen Blogger? Ich weiß es nicht. Das einzige Urteil, welches mich interessieren sollte, ist jenes eines ganz speziellen Gerichtes. Und ich vertraue da auf die Fürsprache unseres Herrn.



Kommentare:

  1. Frage interessehalber: hat dir jemand das Katholischsein bzw. Teil der katholischen Blogger zu sein abgesprochen?

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    1. Es kam immer mal wieder vor, dass mir Kommentatoren das "ein guter Katholik tut dies (nicht)" schrieb, zuletzt vor ca. drei Wochen.
      Aber ich selbst bemühe mich um Selbstreflektion. Darum auch diese Gedanken.

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    2. Diese Marotte, päpstlicher als der Papst zu sein, ist nicht nur bez. der Religion in Deutschland stark verbreitet. Heute hält sich wohl jeder für eine Mini-Bednarz.

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    3. Ja, den Deutschen fehlt es ziemlich oft an Zurückhaltung oder Demut. Und während ich das schreibe, halte ich meine eigene Nase gut fest.

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  2. Wir hatten ja in der Vergangenheit 2 heftigere Dispute, in denen ich Ihnen aus Überzeugung deutlich widersprochen habe, was Sie mir hoffentlich ebensowenig nachtragen wie ich meinerseits Ihnen.

    Dabei bin ich vor einiger Zeit gerade nur deshalb auf Ihren Blog gestoßen, weil er als katholischer Blog geführt wurde.

    Ich interessiere mich nämlich vorwiegend für christliche - besonders, aber nicht nur, katholische - Blogs und Foren und gebe da gelegentlich auch mal Kommentare ab.

    Ich möchte Sie dazu ermutigen, die Bibel nicht nur als historische Quelle zu lesen sondern sie als das zu nehmen, was sie in Wirklichkeit ist:
    GOTTES ewiges und wahres Wort.
    Dieses allein gibt Trost, Halt und Orientierung für wirklich ALLE Lebenslagen; das kann ich Ihnen als Vertreter einer anderen Generation aus der Erfahrung meines eigenen Lebens in voller Überzeugung zusagen.

    Ich möchte so in der derzeitigen Weltlage insbesondere an Joh16,33 und Mt10,28 erinnern:

    Worte gegen die Angst und voller Zuversicht - vom HERRN selbst uns auch in diesen unsicheren Zeiten zugesprochen.

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    1. Während ich Ihnen den ersten Disput keineswegs nachtrage, denn immerhin haben Sie mich mit Recht auf einen Fehler meinerseits hingewiesen, habe ich den zweiten in durchaus negativer Erinnerung. Nicht nur wegen der wenig argumentativen Art sondern auch wegen des Verweises darauf, wer und was christlich ist, und wer oder was nicht.
      So etwas nehme ich durchaus übel und vielleicht nehmen Sie dies als konstruktive Kritik meinerseits an.

      Zur Bibel schrieb ich, dass sie für mich sowohl fachliche Quelle als auch religiöser Bezugspunkt ist. Ich lese sie also keineswegs so. Allerdings verweigere ich mich der Auslegung als "Gottes Wort". Die Texte stammen aus von Menschenhand, wurden durch Menschen ausgewählt und zu diesem Buch zusammengefügt. Die Arbeit der Konzile sollte nicht nur wahrgenommen sondern auch gewürdigt werden und die Exegese als solche darf unter keinen Umständen dem gleichen Schicksal anheim fallen, wie die nie erblühte Schwester im Islam. Dort wird vom "unmittelbaren, unveränderbaren Worte Gottes, übermittelt durch den Erzengel Gabriel an Mohammed" gesprochen - weshalb sich der Islam seit dem 7. Jh. so gibt, wie wir ihn heute wahrnehmen.
      So etwas darf auf keinen Fall dem Christentum passieren - auch wenn offenbarte Worte wie die Gebote oder die Bergpredigt in der Bibel enthalten sind.

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    2. Nun, ich lese wirklich die Bibel als "Gottes Wort" von Menschen an [uns] Menschen niedergeschrieben.
      Allerdings nicht einfach menschlich sondern vom Hl. Geist inspiriert.
      Das verbietet jedoch keinesfalls eine Exegese zum tieferen Verständnis der Biblischen Texte.
      Mir sind manche Bibelstellen erst nach vielen Jahren aufgegangen und verständlich geworden.
      Ich verlasse da mich allerdings nicht allein auf Theologen, sondern auf die Verheißungen des Herrn selbst außerdem Johannesevangelium.
      Wenn es Gott gibt und sich uns Gott in der Bibel offenbart, so muss das für jeden Menschen prinzipiell möglich sein, ihn darin unabhängig von seinem theologischen Bildungsstand zu erkennen.
      In der Tat hat Christus den Anhängern verheißen, wenn sie an seinem Wort festhalten, dass dann sein Vater und er selbst solche Menschen im Herzen besuchen.
      Wo aber GOTTVATER und GOTTSOHN sind, ist auch der Hl. GEIST als die Liebe zwischen Gottvater und Gottsohn in Person.
      Der Hl. Geist kann diese Menschen in das tiefere Verständnis der hl. Schriften und damit in Gottes Wort einführen und damit zu einer direkten Exegese beitragen.
      Diese wiederum sollte Maß nehmen am Glauben der Kirche etc.
      Mit einer unkritischen und naiven Buchstabengläubigkeit hat ein solches Bibelverstehen überhaupt nichts gemein, vielmehr aber mit staunenden Freiheitserfahrungen des Christenmenschen.

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    3. Das ist allerdings eine wesentlich differenziertere und auch für mich glaubwürdige Herangehensweise.
      Ob dies jedermann verständlich und umsetzbar ist, lasse ich mal dahingestellt.
      Ich persönlich verlasse mich im Zweifel durchaus auf das Wort von Menschen, die akademisch wie durch lebenslange Beschäftigung gelernt haben, sehe aber durchaus, worauf Sie abzielen.
      Dabei und allgemein wünsche ich Ihnen als katholischer Laie Gottes Segen.

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    4. Danke, Ihren Segenswunsch erwidere ich meinerseits für Sie und Ihre Familie aus vollem Herzen.

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  3. Nun ich bin nicht katholisch und eher durch allgemeingültige Themen auf die Ansammlung katholischer Blogs gestoßen, von denen ich einige regelmäßig lese.

    In der Tat gibt es eine große Bandbreite innerhalb katholischer Blogs, aber das schadet ja nun nicht.

    Wer sollte denn eigentlich fest legen, was ein katholischer Blog ist ?

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    1. Das Urteil trifft natürlich am Ende Gott - auch wenn es ihm wohl weniger um den Blog als den Menschen gehen wird.
      Ich finde auch die Bandbreite wirklich sehr angenehm und sinnvoll. So wie ich auch verschiedene Konfessionen im Glauben zu schätzen weiß. Ich glaube natürlich, dass die traditionelle katholische Kirche den "richtigen Weg" geht - aber das heisst noch lange nicht, dass andere nicht ebenfalls zum Ziel kommen oder eine schöne Route gewählt haben.
      Das verstehe ich zudem unter "gelebter Toleranz".

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