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Montag, 16. Januar 2017

Der Koran im christlichen Gottesdienst

Eine Phrase wird dieser Tage oft und in leichter Variation immer und immer wieder preisgegeben.
Es geht dabei um die Gleichsetzung von Islam und Christentum, von Koran und Bibel, vom christlichen Gott und der Dreifaltigkeit mit dem islamischen Allah.
Nun bin ich, wie oft betont, kein Theologe und halte mich auch nicht für sehr bewandert oder berufen, mich zu komplexen Themen dieses Bereiches zu äußern, aber das dies Wunschdenken von Menschen ist, denen es weniger um Gottesverehrung als ein friedliches Miteinander geht, ist für mich offensichtlich. Und nur wenige Stunden Recherche liefern einen schier endlosen Strom schwer bis unwiderlegbarer Argumente.
Nun kann man als Katholik, als weißer Deutscher (selbst mit einem innereuropäischen Migrationshintergrund) darüber so viel diskutieren wie man will, am Ende landet man auf der persönlichen Eben und wird schlicht mit dem Vorwurf der Vorurteile, des Rassismus, der Islamophobie und vielen weiteren Verunglimpfungen bedacht.
Immer mal wieder aber demonstrieren Muslime, welche für den Dialog (ein)stehen sollen ziemlich eindeutig, wie es denn nun bestellt ist um die Vereinbarkeit der beiden großen Weltreligionen. So diesmal in Glasgow.
Als Zeichen der eigenen Toleranz und des Wunsches nach Miteinander hatte man dort für den Gottesdienst zur Epiphanie, zur Erscheinung des Herrn, eine Muslima geladen aus dem Koran vorzulesen, was für mich durchaus fragwürdig genug wäre. Zur Mission eines anderen Glaubensbekenntnis an einem der höchsten Feiertage aufzurufen...

Diese dachte sich, es sei wohl angebracht, an jenem Feiertag in einer christlichen Kirche zu demonstrieren, was der Islam über Jesus so lehrt. Grundsätzlich bin ich dafür sogar dankbar, denn es sind solche Passagen (und sie hat nicht vorgelesen, was der Koran und Islam zur Kreuzigung und der Wiederauferstehung zu lehren haben), die deutlich machen, wie verlogen oder unwissend die oben genannten Vergleiche eigentlich sind. Aber in der Situation entspricht das natürlich einer gezielten Provokation. Sie hätte auch gleich den Altar oder das Kreuz entweihen können.
Madinah Javed, so der Name der Muslima, las dabei aus der Sure 19. Dabei geht es insbesondere um die Verse 30 bs 36, in denen der Neugeborene Jesus im Koran zu seiner Mutter und den Umstehenden spricht. Stellt man die Geburt des Herrn aus der Bibel und aus dem Koran nebeneinander, so scheint der Koran gezielt widersprechen zu wollen und dies mit einer Wundergeschichte, die so noch nie berichtet worden war. Jesus soll also gesagt haben, er sei der Prophet Allahs und wenige Sätze später:
Dies ist Jesus, Sohn der Maria - (dies ist) eine Aussage der Wahrheit, über die sie uneins sind
Es geziemt Allah nicht, Sich einen Sohn zu nehmen. Gepriesen sei Er! Wenn Er etwas beschließt, so spricht Er nur: "Sei!" und es ist.
"Wahrlich, Allah ist mein Herr und euer Herr. So dient Ihm! Das ist ein gerader Weg."  
                                                                                                                                            Sure 19 Vers 34 und 35

Diejenigen, die anderes behaupten als das Jesus nicht Sohn sondern lediglich Knecht und Geschaffener Gottes sei lägen falsch und wären vom Weg abgekommen. Laut Koran sagt der Neugeborene Jesus dies noch in der Krippe - bevor also "alle Welt verkündet" bekommt, wie es im christlichen Glauben heisst. Dieser Moment, nach der Geburt, ist jener, den wir Christen in unseren Krippen und im Krippenspiel selbst unseren Kindern sichtbar machen. Es ist eine kleine Gruppe Eingeweihter. Die drei Weisen, ein paar Hirten, der Engel und die Tiere des Stalles wie der Hirten stehen dort zusammen. Ob man dies glauben mag oder nicht ist nicht mein Thema - es ist die Provokation der Stelle im Koran. Im 7. Jh.enstanden, im 8. oder 9. Jh. standartisiert wird hier der zu dem Zeitpunkt bekannte und etablierte christliche Darstellung gezielt widersprochen und, noch wesentlich bedeutender, der Kern der christlichen Lehre, die Bedeutung und Herkunft Jesus Christus wird in Abrede gestellt.


Viele können heute nicht nachvollziehen, was dies bedeutet. Die fundamentalen Lehren, welche in der westlichen Hemisphäre heute als sakrosankt gelten gestatten den Menschen kein Nachempfinden in diesem Punkt. In einer Zeit, in der viel Aufhebens um die Rücksichtsnahme auf Muslime in Sachen Speise- und Kleidungsgebote gemacht wird, in der Sharia-Polizei ungeahndet seine Gesetze in Moscheeumfeld durchdrücken darf, ist keine Empathie und kein Verständnis für grundsätzliche Glaubenslehren und -befindlichkeiten des Christentums da. Selbst bei Personal der Kirchen.
Hier hatte der Probst der Kathedrale St. Mary eben jene Einladung ausgesprochen und im Programm die erst arabisch gehaltene Lesung abgenommen - über welche hinaus die Studentin dann weiter zitierte zu den ungewünschten aber eben essentiellen Passagen.
Hat also die Muslima provoziert? Ja, natürlich. Sie hielt sich nicht an die Vereinbarung, welche ein falsches Bild der Zusammengehörigkeit hätte zeichnen sollen. Sie hat bewusst in einer christlichen Kirche an einem christlichen Feiertag während einer christlichen Messe vor christlichen Gläubigen die grundlegende Lehre des Christentums abgelehnt und seine Gläubigen als Verirrte dargestellt.
Die Teilnahme war also verlogen und ehrlich in einem.
Verlogen reagierte nun auch der Probst, (very) Reverend Holdsworth. Der ließ der BBC gegenüber ausrichten:
But since then he had witnessed a "storm of abuse" from "10,000 'Christan' voices claiming to know what happened here that night."

He said: "I would not have wished the week that I have had on anyone. The international hue and cry about our Epiphany service was not something anyone here was seeking.
"Our aim and the aim of all involved was to bring God's people together and learn from one another - something that did, beneath the waves of the storm happen, and continues to happen.
"Nobody at that service that night could be in any doubt that we proclaimed the divinity of Christ and preached the Gospel of God's love.
"All of this raises questions about how we live in a globally connected world but I cannot believe that moderate churches in the West should follow a policy of appeasement towards those who are Islamophobic and particularly not towards the recently invigorated far-right media."
Knapp übersetzt, er sehe sich: "(...) seitdem einem Sturm des Missbrauchs durch 10 000ende "christlicher" Stimmen ausgesetzt, die behaupten zu wissen, was in jener Nacht passiert sei.(...)
Es ist das Ziel gewesen, Gottes Gemeinschaft zusammen zu bringen und die Menschen voneinander lernen zu lassen - etwas das ungeachtet des Proteststurmes passiert ist und weiterhin passiere.
Niemand der in jener Nacht da gewesen sei, könne bezweifeln, dass wir die Göttlichkeit Christi verkündet und das Evangelium von Gottes Liebe gepredigt haben.
All das erhebt Fragen über unser Zusammenleben in einer globalisiert verbundenen Welt, aber ich kann nicht glauben, dass moderate Kirchen im Westen der Appeasment Politik in Richtung jener die islamophob sind und insbesondere jener der erstarkten rechts-außen Medien folgen sollten."

Weiterhin ließ er wissen:
such readings have happened a number of times in the past in this and in other churches and have led to deepening friendships locally, to greater awareness of the things we hold in common and to dialogue about the ways in which we differ.
"Solche Lesungen sind schon mehrere Male in der Vergangenheit in dieser und in anderen Kirchen vorgekommen und führten zu einer vertieften lokalen Freundschaft, zum vergrößerten Bewusstsein von Dingen, die wir gemeinsam haben und zum Dialog über die Wege, in denen wir uns unerscheiden."
Ganz eindeutig hat der Mann beschlossen, die Missachtung der Studentin in seinen Betrachtungen außen vor zu lassen und sich in der Sache mehr seinen politischen und sozialen Überzeugungen als seinen Glaubensverpflichtungen hinzugeben.

Ein mittlerweile im Ruhestand befindlicher Reverend, hatte die Sache öffentlich kritisiert und verlangt, dass der Verantwortliche, also Holdsworth zur Rechenschaft gezogen werden muss. Denn dieser muss ja die ganze Sure gekannt haben, die er zuließ und die er scheinbar bewusst nicht vollständig rezitiert sehen wollte. Reverend Michael Nazir-Ali fand dabei für die Verlesung des Korans als Teil des Gottesdienst bereits eine klare Einordnung.

Davon aber mal abgesehen ist es hier in Deutschland kein Stück besser. Von Beschimpfungen übelster Art, die, anders als im Falle des Islam nicht als "Hetze" oder gar "Störung des öffentlichen Friedens" abgelehnt werden sondern von Berliner Richtern auch noch legalisiert bis hin zu GEZ finanzierter Schönrederei, die auf dem gleichen Niveau und mit dem gleichen Ziel abläuft, wie jener Prozess der zu der Situation in Glasgow führte.

Kurzum: Europa hat mit seinem Glauben gebrochen. Inklusive so vieler, die sich noch immer im Glauben wähnen, während sie sich lediglich einen Aspekt herauspicken und die zentralen Lehren, ja die Gottesverehrung selbst außen vor lassen. Es gäbe viel zu tun für die Hirten unserer Tage. Den Menschen nahe zu bringen, dass ein Gottesdienst genau das ist und eben nicht ein "Treffen alter Menschen zur Modenschau" oder alternativ "Kinderbespaßung mit Musik in gediegener Atmosphäre" wäre solch ein Ding.
Es beginnt mit dem Glaubensbekenntnis. Wer nicht dahinter steht, der möge bitte, mit dem Segen aller Beteiligten, weiter ziehen und sich suchen, was zu seinem Glaubensbild passt. Und wer nicht willens ist, die Ablehnung dieses Bekentnisses als solche zu erkennen und zu benennen, der sollte sch vielleicht nicht als Führer und Hirte der Gemeinschaften einsetzen.

Linksammlung:
St. Mary's Cathedral, Glasgow

idea Artikel
BBC Artikel - natürlich kleinredend 
Atikel des Blaze Magazin
Analyse des Orientdienstes der betreffenden Koranstelle




Dienstag, 29. März 2016

Gewalt und Liebe

Pieter Bruegels "Sturz der rebellierenden Engel"
Ob der Leiter der katholischen Bischofskonferenz oder die ehemalige Präses der evangelischen Kirche, ob Grüne Jugendchefin oder integrationspolitische Sprecher - sie alle verweisen darauf, dass wir den Terroristen, ihren An- und Bewerbern mit Liebe entgegentreten sollten. Feindesliebe als Gebot der Stunde.
Liebe und Gewalt stehen aber ohnehin in vielfältiger Beziehung. Manche Menschen ertragen aus Liebe Gewalt. Natürlich allen voran Jesus und die Märtyrer, die aus Liebe zu Gott, der Kirche, den Menschen oder allgemein ihrer Religion durch Qualen bis in den Tod gehen. Oder Opfer häuslicher Gewalt, die aus Liebe immer wieder Glauben, dass ihr Mann, Freund, Ehefrau oder Freundin diesmal wirklich bereut und sich ändert. Oder das die Eltern aus Liebe zugeschlagen haben.

Und auch hier kann man, wenn auch aus unserer heutigen Sicht schwerer verständlich, Liebe und Gewalt Hand in Hand sehen - wenn Eltern versuch(t)en ihre Kinder zu erziehen, auf die Welt vorzubereiten, ihnen Regeln beizubringen und dabei auch zu Körperstrafen greifen. "Das tut mir mehr weh als Dir" mag zwar eine Phrase sein - aber ein Kern ist bei manchem wohl drin.

Nicht zu vergessen, die sexualisierte Gewalt. Die SadoMaso-Anhänger, die "Fesselspiel"-Shade-of-Grey-Fans und leider auch die Vergewaltiger, kindesmissbrauchenden Perversen und was es da noch so alles gibt, denen Gewalt die Liebe in der Sexualität ersetzt.

Natürlich sind dies nicht die Formen, die Marx oder Käßmann meinen. Sie meinen die besagte Feindesliebe. Einem Hassenden mit Liebe und offenem Herzen begegnen und ihn so entwaffnen.
Das Konzept ist toll. Und es mag manches Mal funktionieren. Ein Feind, der in den Krieg zieht, weil er muss. Ein Feind, der sich ergeben hat und auf Gedeih und Verderb ausgeliefert ist. Ein Feind, der glaubt, gegen das Böse, gegen grausame und herzlose Gegner zu ziehen.
Ja, auch ein Individuum, dass sich gegen alles stellt, weil es keine Liebe kennt kann durch die Liebe umgestimmt werden. All das ist vorstellbar.

Aber es gibt auch in der christlichen Religion die Einsicht, dass mitunter ein Kampf nicht zu vermeiden ist. Wie wir als Sieger die Sache dann beenden, das hängt von unseren Überzeugungen und vom Verhalten der Gegner ab.
Die Forderung den Terroristen mit Liebe entgegen zu treten ist an Schwachsinnigkeit, an Selbstaufgabe und -verleugnung völlig daneben und zeugt in meinen Augen von Geistesschwäche und einer einseitigen Theologie, die nie in der Realität ankam. Sätze und Forderungen von Menschen, denen noch nie ein Messer an den Hals gehalten wurde, deren Kinder nicht auf einem Spielplatz in die Luft gesprengt, deren Hund nicht als Warnung geköpft und sein Haupt an die Eingangstür genagelt wurde. Deren Nachbarn nicht vergewaltigt und zerstückelt, die Tochter nicht entführt, zwangsislamisiert und durch Vergewaltigung geschwängert wurde.
Es ist diesen Opfern von Gewalt und Terror gegenüber eine Ungerechtigkeit die sich kaum beschreiben lässt, wenn Menschen behaupten, durch Liebe könne man diese Gewalt aufhalten oder gar besiegen. Die Täter bekehren. Sie reiht sich ein in das merkelsche Geseiere, man müsse nur mehr in die Kirche gehen, um eine Islamisierung zu stoppen.

Schuster bleib bei deinen Leisten - diesen Spruch sollten sich auch diejenigen zu Herzen nehmen, die eine Strategie vorschlagen wollen, ohne auch nur die leiseste Vorstellung zu haben, wie es im Krieg, im Kampf, ja während eines Anschlages zugeht.
Zur Erinnerung (die folgenden Videos sind nicht für Kinder geeignet): Gnade ist in den Augen der islamischen Terroristen eine Schwäche, die es zu bestrafen gilt.

Tamara Fogel ist heute 17 Jahre alt. Frau Käßmann, Herr (!) Marx, reisen Sie nach Israel und sprechen Sie mit ihr. Erzählen Sie ihr, von Ihrer tollen Idee. Und dann sehen Sie sich die Bilder an, hören Sie sich die Berichte der Polizei und des Mädchens an. Sprechen Sie mit den durch EU Fördergelder und den "Märtyergaben" der palästinensischen Behörden weiterhin unterstützten Mördern. Ich kann nur hoffen, dass Sie dann begreifen, dass so manches Böse nicht mit Liebe geändert werden kann sondern nur zum eigenen Schutz bekämpft.
Michael besiegt Luzifer, Luca Giordano

Dienstag, 15. März 2016

AfD - Eine Replik aus dem Kommentarbereich vom Kreuzknappen

Der Kreuzknappe stimmte mir zu, was meine Beurteilung des Wahlerfolges der AfD angeht. Im Kommentarbereich tummelten sich, wie nicht anders zu erwarten und umso besser, diverse Meinungen zu dem Thema.
Eine(r) meinte, die AfD sei die für Christen einzig wählbare Partei. So weit, so unbegründet formuliert und jedermanns Sache, ob er diese Ansicht teilt.
Die Leserin "Jill" war nicht dieser Ansicht und äußerte:
Glaubenstreuer, vergleichen Sie doch mal Punkt für Punkt das Programm der afd mit der Lehre der Kirche und den Predigten von Papst Franziskus. Sie werden feststellen, dass die Thesen der afd inhaltlich deutlich mehr Überschneidungspunkte mit der nsdap als mit der katholischen Kirche haben.
Von wegen christlich - einfach mal durchzählen!

Ich widersprach dem erneuten Versuch, Geschichte zu missbrauchen, indem man ein Hochkomplexes Thema auf die Vergleiche von Wortlauten und die Übereinstimmung in fundamentalen Bereichen anlegt.
Historische Vergleiche in Deutschland sind mittlerweile eine Qual. Ja, vergleichen Sie einfach mal die Parteiprogramme, die Wahlwerbung, die Taten und Versprechen mit denen der Nazis. Da werden Sie überraschende Überschneidungen finden.
Und welchen Aussagewert hat das? Wenn die SPD den Ausbau der Autobahnen ankündigt und diese dabei über dne grünen Klee lobt (70er Jahre), dann macht sie das nicht zur NSDAP - auch wenn sie sich da völlig einig sind.
Wenn die CDU der 50er bis frühen 90er den Wert der Familie betont und hochhält, so macht sie das nicht zur NSDAP - auch wenn diese ebenso auf große Familien und Kindersegen setzte.

Bei all der Deutlichkeit der NS Schriften, so kündigten sie nirgendwo an, einen solchen industriellen Völkermord, eine so menschenverachtende Verfolgung Andersdenkender und Anderslebender einzuführen. 
Aus der persönlichen Erfahrung eines Berufsleben: Nichthistoriker (und mancher Historiker) die von sich behaupten, das Wahlprogramm der NSDAP gelesen zu haben, sind nicht mal dazu gekommen, die Tischgespräche Hitlers oder die "Erinnerungen" Speers zu lesen - ein Stoff der viel Information  hinter der Werbung enthält und gleichzeitig leicht zu erhalten und nicht sehr schwierig zu lesen ist.

Darum gehe ich an dieser Stelle auf ihre Erwiderung hier ausführlich, Punkt für Punkt ein und spreche sie dabei direkt an, falls sich jemand über den Personenwechsel im Folgenden wundert.
Jill:
Ja, Wahlprogramme muss man zu lesen wissen. Nicht jeder, der Autobahnen baut, ist ein Nazi, genau. Aber auch nicht jeder, der Familien gut findet, ist deswegen Christ. Besonders nicht, wenn er die Produktion DEUTSCHER Kinder -keiner ausländischen! - für wirtschaftliche und nationalistische Zwecke fördern will. Das hat ideologisch nun mal deutlich mehr Nähe zu „Kindern für den Führer“ als zu „christliche Ehe, offen für Kinder“.

Viele können keine Wahlprogramme lesen, sie lesen Familie und Abtreibung und Gender, und rufen: Genau das will ich auch, so im Großen und Ganzen. Und ein paar Kröten muss man dafür halt schlucken.


Lesen muss man aber können, nicht nur Wahlprogramme. Und Sie sollten vielleicht auch Ihre eigenen Texte einmal lesen.
Sie schrieben:
"Besonders nicht, wenn er die Produktion DEUTSCHER Kinder -keiner ausländischen! - für wirtschaftliche und nationalistische Zwecke fördern will."

Kontrollieren wir das mal.
Die kurze Zusammenfassung auf Seite der Bundes-AfD:

Für die Alternative für Deutschland sind eine kinder- und elternfreundliche Familienpolitik, die Förderung der Vereinbarkeit von Kindererziehung, sozialem Leben und Beruf, und die stärkere Förderung von Familien mit Kindern von entscheidender Bedeutung. Die Alternative für Deutschland möchte junge Menschen ermutigen, eine Familie zu gründen und sie setzt sich für eine familien- und kinderfreundliche Gesetzgebung ein.
Da wir dem Prinzip der Solidarität verpflichtet sind, werden wir Menschen in Not nicht allein lassen. Die größer werdende Zahl von sozial Bedürftigen muss sich der gesellschaftlichen Hilfe sicher sein können, zumal viele von ihnen selbst durch ihre Beiträge Hilfe ermöglicht haben. Ebenso müssen sich Transferempfänger solidarisch zeigen, um die Belastung der Gemeinschaft so niedrig wie möglich zu halten, und sich – wenn es ihnen möglich ist – durch Eigenengagement und Mitwirkung aus ihrer Notlage versuchen zu befreien.
Die Bereiche Familien- und Sozialpolitik sind weniger vom Europawahlprogramm abgedeckt, hier sind die Positionen der AfD für Deutschland gerade in der Erarbeitung.

In aller Ausführlichkeit das Wahlprogram der AfD aus BW (ab Seite 28 Thema Familie).
Da findet sich nichts von einer Ausgrenzung "nicht deutscher Familien" bei der Familienplanung - aber natürlich geht es bei deutscher Familienplanung nicht darum, den Franzosen oder hier nur temporär Anwesenden vorzulegen, was hierzulande Sache in Familienplanung ist. Es geht um "die Deutschen" - etwas, das bei einer deutschen Partei eigentlich das normalste auf der Welt sein sollte, und kein Anlaß für einen NSDAP Vergleich. Dies haben die beiden Parteien zwar gemein - bis vor wenigen Jahren aber auch alle anderen Parteien und offiziell die CDU, CSU, FDP und diverse Kleinparteien noch immer.

Allerdings finde sich auch kein Hinweis im Programm auf "wer dunkle Hautfarbe hat, polnische Wurzeln o.ä. wird von all unseren Familienpunkten ausgeschlossen". Es handelt sich also um eine Übertreibung.

Themen sind im Programm: der Status der Familie bzw. Ehe, Mut zur mehr Kindern, finanzielle Entlastung von Familien (wieder - keine Unterscheidung nach Herkunft), Stabilisierung von Ehen durch gesellschaftliche Flexibilität, ideologiefreie Bildung, Jungenförderung, Jugendschutz, gegen Genderisierung, Lebensrecht, Hebammenberuf fördern (welcher aufgrund der Leistung unserer Regierungen gerade die Luft abgedreht bekommt, da Hebammen neuerdings einen in Deutschland unbezahlbaren Versicherungsschutz anschaffen sollen und darum diverse Hebammen aufhörten - nur mal Rande, von wegen Christlichkeit)und freie Wahlmöglichkeiten der Lebensgestaltung.

Ich habe mich redlich bemüht den von Ihnen geäußerten Vorwurf der Differenzierung oder besser der Diskriminierung auf Basis der Herkunft zu finden, wie auch die Instrumentalisierung der Kinder als Wirtschaftsfaktoren.
Da sich nichts dergleichen findet, auch nicht andeutungsweise, scheinen Sie hier einen Ihrer "man muss es lesen können" Texte vorzufinden. Ein Beweis ist dies aber nicht - wer behauptet mehr aus etwas herauslesen zu können, als dort steht, sollte dies anhand von Statistiken über vergleichbare Texte oder Handlungen der Autoren auch nachweisen können.




Nein, in einer hochkomplexen, pluralistischen, globalisierten Welt kommt es auf die Details an. In welche Richtung geht man bei einem Punkt, mehr oder weniger, 5% Verschiebung können extreme Effekte haben. Die afd geht aber mit dem Holzhammer auf zwischenstaatliche und innersoziale Gefüge los. An vielen Punkten merkt man, die haben keine Ahnung vom Thema, wünschen sich aber einfach mal irgendwas.
Vor allem wünschen sie sich alles zurück, was aus gutem Grund abgeschafft wurde: DM, Wehrpflicht, Zwangsarbeit, Staffelbauordnung, schuldige Scheidung, Ächtung Alleinerziehender, Separierung Behinderter, Volksliedgut, Kohlekraftwerke, Bankgeheimnis, ungedämmte Fassaden ... Bewahren von Bewährtem heißt Konservativ, seit Jahrzehnten Abgeschafftes wiedereinführen, dafür gibt es gar ein Wort!
Das ist etwas viel in den Raum geworfen, sehen Sie es mir nach, wenn ich nur Rosinen picke, sozusagen ein "best of".
Auf den Holzhammer komme ich am Ende zurück, aber die "guten Gründe" bei "innersozialen und zwischenstaatlichen Gefügen" sind mitunter stark simplifiziert, was nicht für das "herauslesen können" spricht.
Wehrpflicht. Die Wehrpflicht wurde ausgesetzt (!), weil man sich Einsparnisse versprach, die Wehrgerechtigkeit nicht mehr gegeben war und man glaubte, eine moderne Armee sei nur durch eine Berufsarmee herzustellen. Nur Friedensträumer glauben, dass unsere freundlichen Nachbarn eine Wehrpflichtigenarmee obsolet gemacht hätten - diese Einschätzung teilt kein Fachmann und erst recht kein Historiker.
Folge: die Bundeswehr ist dramatisch unterfinanziert bis zu einem Punkt, an dem sogar die Nato anmahnt dringend den Mindeststandart an Finanzierung, welcher vertraglich festgelegt ist, einzuhalten. Große Teile der Bundeswehr sind deswegen aus materiellen Gründen nicht einsatz- und damit wehrfähig. Oben drauf kommt, entgegen aller Beteuerungen von der Leyens, dass wir in Sachen Personal gerade bei besonderen Qualifikationen am äußersten Limit fahren. Die Heeresflieger wie die Marinewartung krauchen auf dem Zahnfleisch, die Personaler schieben Mitarbeiter hin und her um das Nötigste zu decken. Finden Sie in den Berichten der Bundeswehr, des Bundeswehrverbandes und der Wehrbeauftragten. Nur eben nicht beim Ministerium und der Presse.
Verloren gegangen ist auch etwas, worauf die Bundeswehr in Zeiten der Wehrpflicht stets stolz war. Sie war sozialer Klebstoff. Dadurch, dass ursprünglich alle jungen Männer aller sozialen Stände und aller Regionen über die Armee nach Qualifikation verteilt wurden, war sie eine Art großes "Pow Wow", bei der sich Menschen begegneten und schätzen (oder eben nicht) lernten, die sonst nie etwas miteinander zu tun bekamen. Wer mit alten Bundis redet, wird endlose Geschichten von tollen Kameraden und von Kameradenschweinen hören. Und wer genau hinhört erfährt von Bayern, die plötzlich bestens mit Franken und Berlinern auskamen und von Sachsen, die mit Hessen die besten Freunde wurden. Klingt seltsam, weil es so normal erscheint - aber es geht dabei auch um Menschen mit Vorurteilen oder "regionalen Feindschaften".
All das haben wir nicht mehr, aber Quotenregelungen, welche die Einstellung und Förderung auch völlig unfähiger Frauen erfordern. Kindergartenplätze in Kindergartenkasernen - die aber weder neu noch exklusiv für Soldatenfamilien sind und und und.
Aber ich schweife ab. Die Wehrpflicht abzuschaffen um die Probleme zu beseitigen hat sich als falsch herausgestellt. Statt dessen hätten wir uns am Vorbild Israels orientieren sollen und die Wehrpflicht dann auch für Frauen einführen sollen und die Jahrgänge wieder vollständig mustern lassen müssen.
Sie wiedereinzuführen wird schwierig und erscheint mir angesichts unseres gesellschaftlichen Zustandes sinnlos - was allerdings eine völlig andere Bewertung ist, als die Ihre, die darin einen subversiven Akt der Kriegstreiberei und gesellschaftlichen Spaltung zu sehen scheinen.

Die DM. Sie wurde nicht "abgeschafft" sondern ausgetauscht - und das in der Tat aus einem sehr hohen Grund. Seitdem hat sich einiges getan. Der Euro wurde unter Vorraussetzungen eingeführt, u.a. dass neue Mitglieder wirtschaftliche Mindesstandarts zu erfüllen haben. Denn wenn unsere gemeinsame Währung bereits durch einen einzigen in die bodenlose Inflation führen kann (würde sie die Geschichte des Kaiserreiches und der Weimarer Republik interessieren, wüßten Sie vielleicht, worüber wir sprechen), dann sollte man sich sicher sein, wer mit im Boot sitzt. Nun hat sich herausgestellt, dass mindestens einer davon, Griechenland, massiv gelogen und betrogen hat um hereinzukommen.
Die Engländer, die gerade über den Ausstieg aus Europa diskutieren, haben mit dieser Möglichkeit im Blick nie auf ihre starke Währung verzichtet - sind diese darum böse Menschen?
Es mag Ihnen und mir nicht gefallen, aber ein Ausstieg aus dem Euro und die Rückkehr zur DM (oder der Start von etwas anderem) kann durchaus sinnvoll sein. Sind die Probleme in mittelfristiger oder langer Sicht gelöst, dann kann man das Ziel erneut in Angriff nehmen. Macht man das nicht, und das Boot beginnt wegen dem einen Zappeler abzusaufen, dann ist es zu spät.
Auch hieraus ist der Vorwurf der Spaltung nur dann abzulesen, wenn man glaubt, es ginge immer um Alles oder gar Nichts. Wir können aber das Projekt sehr wohl erneut angehen. Nicht jeder Kritiker ist ein Feind und nicht jede zur Vorsicht mahnende Stimme ein Irrlicht.

Die Ächtung Alleinerziehender sehe ich im Programm wirklich nicht. Diese gnadenlose Übertreibung ist eigentlich bereits im Bereich der bösartigen Unterstellung. Aus der Förderung der Familie als im Grundgesetz verankerter und auch in kirchlicher Lehre vorzuziehender Gemeinschaft so etwas abzuleiten und dann noch über die "Differenzen zur Kirche" zu sprechen erscheint mir sehr verbissen suchend.

Auch nach mehrmaliger Textsuche fand ich den Begriff "Zwangsarbeit" nicht. Das Strafgefangene aber zu Arbeiten herangezogen werden gilt nur nach den meisten internationalen Definitionen nicht als "Zwangsarbeit" als solche sondern ist sogar im Grundgesetz verankert (Art. 12, Abs.3).
Vielleicht sollten Sie dieses schmale Buch einmal zur Hand nehmen , denn anders als Parteipgramme ist wirklich alles darin so gemeint, wie es dort steht.

Volksliedgut. Ich kann nur mutmaßen, worum es Ihnen hier geht. Vermutlich der Begriff. Modern gesagt würde dann wohl der Begriff "ethnic music" oder "public song content" genutzt werden - vielleicht tröstet Sie das.




Ich persönlich beneide Iren, Italiener und Spanier sehr um ihr Volksliedgut, mag aber auch den ein oder anderen deutschen Klassiker sehr gerne und singe den ein oder anderen bei Gelegenheit seit meiner Kindheit. Bei Wanderungen die Mühle klappern zu lassen oder dem Kind einen guten Abend und eine gute Nacht zu besingen ist für mich weder etwas verwerfliches noch stehe ich einer Bewahrung dieser Traditionen ablehnend gegenüber. Allerdings singe ich auch Shantis in englischer und deutscher Sprache und Radebrechte mich mitunter durch die passenden Lieder anderer Völker.

Wenn diese ihre Lieder bewahren wollen, stehe ich diesem ebenso wohlwollend gegenüber. Auch hier sei auf die Engländer mit ihrer Heritage As. verwiesen...





Die Sache mit den Kohlekraftwerken lief ja dank der anderen Parteien und ihrem Ausstieg vom Ausstieg vom Ausstieg der Atomenergie. Wenn Ihnen lieber ist, dass statt 400 000 Deutschen bald eine Million die Strompreise nicht zahlen kann und die Uraltmeiler an der frz.-dt. Grenze noch weitere 40 Jahre vor sich hin lecken ist das Ihre Sache...

Das Wort jedenfalls, das es Ihrer Ansicht nach wohl nicht gibt (ich "vermute" jedenfalls, Sie wollten "kein" und nicht "ein" schreiben) heisst Restauration oder Wiederherstellung. Auch hier: würden Sie einmal über die Jahre 1939 bis 45 hinaus lernen, was in der deutschen Geschichte so zu finden ist, dann hätten Sie dies im Anschluß an die Niederlage Napoleons finden können... um nur eines von hunderten Beispielen zu nennen.
Mich stört allerdings ebenso, dass sie a) behaupten "jahrzehntelang" abgeschaffte Themen behandelt zu haben (Wehrpflicht ist erst 2011 AUSGESETZT worden, abgeschafft kann sie nicht werden, wann ist das Volksliedgut abgeschafft worden?, die Zwangsarbeit steht nach wie vor im GG, die DM ist auf dem Weg zum zweiten Jahrzehnt (2021), allein 4 Gas-/ Kohlewerke wurden in den letzten vier Jahren fertiggstellt oder erneuert - vor AfD Zeiten also, usw. usf.) und b) dass Sie meinen, Ihre Definition was "gute Gründe" oder "zu Recht abgeschafftem" sei das Maß der Dinge. Sie definieren schwarz und weiß und klagen dann jene an, die dies anders sehen. Demokratie geht anders, ob mit oder ohne Programm.

Den auf diesem Absatz folgenden schenke ich mir. Die Antwort darauf besteht sowieso nur in gründlichem Lesen...
Dann aber weiter:

Sie sprechen von den jüdisch-christlichen Wurzeln – und wollen den Juden die Beschneidung verbieten! Damit ist die Judenfrage gleich an der Wurzel gelöst, denn: ohne Beschneidung keine Juden. Und die Juden würden diesmal nicht so lange in Deutschland warten, ob es denn noch schlimmer wird, der Exodus aus Europa hat sowieso schon begonnen, und zwar nicht nur wegen des Islam:
10-20% der Deutschen unterstützen eine Partei, in deren Programm sich kein Wort über historische Verantwortung und Schutz von Juden und jüdischen Einrichtungen, stattdessen aber die Verunmöglichung der jüdischen Religionsausübung steht. Welche Auswirkungen das auf den deutsch-israelischen und auf den christlich-jüdischen Dialog haben wird, mag man sich nicht ausdenken, auch jetzt schon! Allein wegen dieses kleinen Satzes über die Beschneidung in 20 Seiten pseudochristlichem Geschwurbel ist die Wahl der afd für jeden Christen und jeden vernünftigen Menschen UNMÖGLICH!
Mir ist JEDER Mensch, der von "historischer Verantwortung gegenüber den Juden" schreibt und spricht ebenso ein Dorn im Zahnfleisch, wie jene die auf die Pauke der "jüdisch-christlichen Tradition trommeln. Juden als die am meisten angefindete und verfolgte Minderheit WELTWEIT zu schützen und ihnen menschlich zu begegnen ist generell oberste Pflicht.
Sie hängen sich an der Differenz mit der genitalen Beschneidung auf - was ich zwar einerseits verstehen kann, dann aber Ihre mangelnde Kritik in andere Richtung nicht nachvollziehen kann. Aus Europa (nicht aus Deutschland) fliehen die Juden. Frankreich und Holland haben wie Schweden eine massive Abwanderung. Lediglich in Deutschland wächst bspw. in Berlin die jüdische Gemeinde - allerdings nur temporär, denn junge Israelis kommen gerne in unsere Hauptstadt um eine Weile hier zu leben.
Es gibt mehr als einen Juden in der AfD, und erst jüngst wurde einer davon von linken Gegnern massiv angegriffen und sein Haus verunstaltet auf eine Art, die man auch als antisemitisch bezeichnen könnte. Wäre Ihre Sorge also echt - wo ist dann die Auseinandersetzung damit?
Wo ist Ihr Widerstand gegen die Linke, deren Mitglieder und BdMs sich bereits so oft antisemitisch, antijüdisch und antiisraelisch gezeigt haben, dass die Diskussion vor 5 Jahren wohl lediglich eine für die Außenwelt gehaltene Beruhigungsstrategie war. Wo ist ihr Aufschrei, wenn sich Menschen, bspw. Muslime oder Schwule, einen Davidstern an die Brust kleben, ihre eigene Interessensgruppe darauf schreiben und behaupten, sie würden behandelt, wie die Juden im Nazireich? Wenn Sie diese "Verantwortung der Geschichte" ernst nähmen, würden Sie mit Bildern aus dem Warschauer Ghetto und aus Ausschwitz dort hin gehen, im Gefolge eine Schwadron Polizisten und alle wegen Geschichtsklitterung und Verharmlosung der Verbrechen des 3. Reiches festnehmen lassen.
Scheint Sie aber nicht zu stören.

Ich persönlich finde die circumcisio unnötig und ebenfalls als eine Verstümmelung. Wenn ich etwas zu sagen hätte, so würden sich erwachsene Juden entscheiden dürfen. Entgegen der Behauptung kommt es dabei immer wieder zu Unfällen. In den USA ist sie auch bei Nicht-Juden sehr verbreitet - und die Zahlen der männlichen Kinder die dabei Verletzungen oder Folgen erleiden wäre mir ein zu großes Risiko. Damit verletze ich religiöse Gefühle, was ich nicht will. Dieses Thema ist in meinen Augen also viel komplexer als die erneute schwarz-weiß Malerei.
Was die "jüdisch-christlich Geschichte" angeht - was genau stellen Sie sich darunter vor? Was jüdisches prägte denn da das Abendland, abgesehen von den durch Christentum mitgenommenen Dingen?
Nun, vielleicht wären Sie überrascht, denn in der Tat gibt es da das ein oder andere, und wir sollten dafür dankbar sein. Ob Europa aber so drastisch anders wäre, das wage ich zu bezweifeln und empfinde diesen Satz daher als eine Überbetonung, wenn man sich am jüdischen darin moralisch selbst befriedigt. Sei es die AfD oder ihre Gegner.

Das Sie über die Diskussion es "UNMÖGLICH" finden sei Ihnen belassen und mir durchaus verständlich - faktisch ist es das nicht. Die circumcisio ist in den Jahrhundeten christlicher Debatte immer wieder besprochen und teils extrem polemisch verarbeitet worden. Schon die Debatte ist damit urchristlich.

Das waren jetzt nur zwei von sehr vielen Punkten, die mehr als fragwürdig bis gefährlich sind, noch dazu kommt, was die afd alles NICHT in ihrem Programm hat. Man kann gar nicht mehr aufhören.
Sowas ähnliches hat einmal die deutsche Geschichte erlebt - achja, als die Gestapo die katholischen Priester im großen Stil verhaftete, weil diese so vieles nicht gesagt haben, während sie einen kritischen Hirtenbrief vor ihren Gemeinden verarbeiteten, den der angeblich "stumme" Papst in Auftrag gab. Da wußte die Gestapo dann auch während der Verhöre, was die Priester noch so alles auf Lager hatten, auch ohne dass es irgendwo verarbeitet worden wären - immerhin waren es ja Pfaffen.
Sehen Sie? Ich kann auch NaziZeitVergleiche...

Wahlprogramme muss man interpretieren können, dazu gehört auch wenigstens etwas Geschichtsverständnis. Die afd fordert, dass im Geschichtsunterricht statt des wirklich Wenigen, das man heute über den 2.Weltkrieg lernt, lieber die positiven Phasen deutscher Geschichte zu betonen. Ich vermute mal Kaiserreich und Weimarer Republik, also Erstes und Zweites Reich. Warum wohl?
Wie ich Ihnen hoffentlich an diesem Text klarmachen konnte: weil deutsche Geschichte nicht nur aus zwölf Jahren besteht.
Das Sie am Ende mit der Geschichte und dies mit diesen Worten anfangen, zeigt mir, dass Sie sich weder mit mir noch dem Thema noch dem betreffenden Subjekt auseinander gesetzt haben.
Die AfD fordert, so wie ich es mitbekommen habe, dass der Fokus deutscher Geschichtsbildung nicht mehr allein und völlig auf der Machtergreifung, dem dritten Reich UND dem 2. Wk liegen soll. Diese 12 Jahre deutscher Geschichte machen im Geschichtsunterricht der BRD derzeit zwischen 60 und 80% der Klassen 7 bis 12 aus (bei mir waren es in den 90er Jahren eher mehr als weniger). Die Orientierungsstufen, die eigentlich noch nicht mit diesem komplexen Thema umgehen können und daher ursprünglich bei einer rudimentären Einführung antiker Geschichte (Griechen, Römer und vorher evtl. etwas Ägypter und Babylonier) einsteigen sollten, haben seit den 90ern bundesweit steigende Beschäftigungszahlen zu vermelden.
Dazu kommt die Auseinandersetzung mit dem Thema in einer Vielzahl anderer Fächer.
Die allgemeine Geschichtskultur betreibt es in ähnlichem Umfang. Guido Knopps (Journalist mit Geschichte als Nebenfach....) Serien für das ZDF sind ja schon legendär. "Hitlers Helfer, Hitlers Frauen, Hitlers" Fußpilz gefolgt von "Wehrmacht, eine Bilanz" und und und. Dagegen schaffte es die Serie "Die Deutschen" gerade einmal 1200 Jahre in 20 Folgen a 43 Minuten abzuhandeln. Für den größten deutschen und französischen Kaiser gab es gerademal eine Folge - mehr nicht. Gleiches gilt für Wallenstein und den 30jährigen Krieg - wenn man auch zur ZDF Verteidigung sagen muss, dass es vor etlichen Jahren einen Dreiteiler "Mit Gottes Segen in die Hölle" gab, der dem Thema etwas mehr Zeit widmete.
Machen Sie doch mal den Versuch. Nehmen Sie bspw. Karl den Großen als Referenz. Für Deutschland, Europa, das Christentum und viele andere Themengebiete einer der wichtigsten Momente. Vergleichen Sie, wie viel über ihn in den Schulen gelehrt, in der Kultur verbreitet und im Fernsehn gesendet wird mit dem, was es über das dritte Reich oder meinethalben Hitler gibt.

Ihre Behauptung, es solle Rosinenpickerei betrieben werden (oder, schlimmer noch: Ihr Glaube, alle Zeiten vorher seien einfach "positive Phasen" gewesen) ist schlicht falsch. Aber niemand kann eine "Phase" der Geschichte verstehen, wenn er nicht weiß, was vorher geschah. Warum die zwei vor dem Weltkrieg steht ist vielleicht noch erschließlich, aber wann der erste war, warum, wie er verlief und was ihm folgte, wie er in den Jahren darauf und nach den Nazis gesehen wurde - das ist nicht minder wichtig zu wissen.
Wissen Sie bspw. was in der Vendee während der frz. Revolution passierte? Vermutlich nicht - aber hätte man es sie gelehrt, hätten Sie vermutlich Revolution anders wahrgenommen.
Die AfD ist da nicht neu. Historiker fordern schon seit vielen Jahren, dass die Deutschen endlich einen ausführlicheren Geschichtsunterricht erhalten - statt dem Abbau, der mittlerweile bspw. in NRW zu Plänen der Zusammenlegung mit anderen Fächern führt.
In der Bevölkerung halten sich hartnäckig falsche Annahmen. Das "dunkle Mittelalter" nur als ein sehr großes Beispiel. Die "kirchliche Hexenverfolgung" als ein anderes.

Ihr letzter Satz endet mit einer Vermutung - und das zieht sich eigentlich durch Ihre gesamte Einstellung.
Viele Vermutung, wenig Fakten.

Ob oder ob nicht wählbar für Christen, das sollten SIE genauso wie Glaubenstreuer jedem Christen und seinem Gewissen überlassen. Die einzige "christliche" Partei hat mittlerweile pausenlos bewiesen, dass ihnen das Christliche völlig egal ist.
Ob das bei der AfD anders ist, das sagen m.E. die Worte sehr wohl wenn auch nicht vollkommen - denn die Partei soll, wenn ich das Programm richtig verstanden habe, keine fundamentale Christenpartei auf Basis von Bibel und Lehre sein, sondern eine Partei in der auch Atheisten, Buddhisten, Muslime, Hindus, Esoteriker usw. einen Platz finden können.
Also laßt Taten sprechen - und danach können wir das für UNS gültige Urteil ändern oder bestätigt finden.
Hauen Sie doch mal weniger mit Ihrem Holzhammer auf den Tisch. Nehmen Sie weniger an, unterstellen Sie weniger und sehen Sie weniger aus einem vorher festen Urteil. Sie sind weder Wahrsagerin, Gedankenleserin noch Allwissend.
Wenn Sie das nicht können, und wer kann schon aus seiner Haut, dann warten Sie ab, was die AfD aus ihrer Chance macht. Vielleicht haben Sie dann das Vergnügen zu sagen "seht Ihr?" - vielleicht wäre dann aber auch eine große Geste angebracht die sehr schwer fällt. Die der Entschuldigung.

Mir macht das Gerede von Notstandsgesetzen und Veränderung des Grundgesetzes wie es derzeit WEGEN der AfD rumgeht viel mehr Sorgen, als eine Partei, die erstmal in die Opposition zieht. Und zwar deshalb, weil so der Mist der 30er und 40er erst möglich wurde.

Mittwoch, 2. März 2016

Warum sind Mitleid und Barmherzigkeit so wichtig?

Das Christentum basiert auf dem "Neuen Bund", der aus Jesu Geburt, Leben, Taten, Tod und Wiederauferstehung entstand. Zu den zentralen Lehren gehören neben Gottesfürchtigkeit, Demut, Bescheidenheit und Opferbereitschaft vor allem die Nächstenliebe, das Mitleid und die Barmherzigkeit.
Die Worte gehen heute leicht bis leicht schmalzig über die Lippen, sind aber aktuell in aller Munde, denn es gilt "Menschen zu retten". Seien es Flüchtlinge aus Syrien und dem Irak oder zentralafrikanische illegale Einwanderer, die sich von profesionellen Schleusern in klapprigen Booten über das Mittelmeer bringen lassen.
Dieses Thema wurde und wird heiß diskutiert, wobei die "Christlichkeit" und seine Lehren oft als Argument genutzt werden, um jede Hilfe zu sanktionieren. Es ist ja auch plausibel. Sei es der barmherzige Samariter oder jene Menschen, die Jesus und seine Begleiter bei sich aufnahmen oder gar die Ägypter, welche die Israeliten aufnahmen - und als Sklaven missbrauchten.
Und hier sind wir am entscheidenden Unterschied zwischen den historisch-religiösen Texten und unserer heutigen Zeit. Es sind nicht selten eben auch jene Stimmen, die den Zeitgeist beschwören um Reformen zu erzwingen, die nunmehr auf Beispielen der Antike bestehen und ihre Auslegung gleich mitliefern.
Es ist aber die Antike in der Levante und den umliegenden Ländern, welche diese Beispiele und eben auch die Lehre massiv beeinflußen. Gnade, clementia, war in der Antike wie im Mittelalter ein adliger Charakterzug, der jedem Caesaren und jedem Kaiser gut zu gesicht stand - und trotzdem nicht immer eingesetzt wurde und mancher auch ohne regierte.
Schlachten und Kämpfe konnten "sine missio", also ohne Gnade erfolgen und sehr oft war dies der Fall. Die Überlebenden der Varusschlacht dürften jedenfalls mehr Glück als Gnade erfahren haben, denn nach allem was wir wissen, war der Umgang mit Gefangenen bei den Germanen nicht viel anders als während der Schlacht selbst.
Gefangene verschiedener Stämme der Ureinwohner Amerikas mussten hoffen, um den Marterpfahl herum zu kommen und einfach erschlagen zu werden. Was bei den Azteken und Mayas passierte war derart grausam, dass man es lange in das Reich der durch weiße Europäer gestreuten Mythen rechnete, die dazu dienen sollten, einen schlechten Ruf zu erstellen.
Die Antike in Europa aber hatte ebenfalls ihre Schattenseiten. Sklavenhaltung, Gladiatorenkämpfe, Tierhatzen (ein Unterhaltungsprogramm bei dem entweder speziell ausgebildete Gladiatoren mehr oder minder wehrhafte Tiere im Nahkampf abschlachteten oder die Tiere aufeinander gehetzt wurden), mittägliche Hinrichtungen in immer grausameren, kreativeren Formen um das Volk zu unterhalten.
Brachte in Rom ein Sklave seinen Besitzer um, so war die festgeschriebene Strafe der grausame Tod - aller Sklaven im Besitz des Ermordeten. Zwar wurde diese Strafe unseres Wissens eher selten vollstreckt, aber allein die Möglichkeit, dass wegen eines (vermeintlichen) Mörders unter hunderten oder gar tausenden Sklaven im Besitz eines Großgrundbesitzers dazu führt, dass all diese Menschen unter Qualen ihres Lebens beraubt werden...
Sollte ein Sklave eine Aussage für eine richterliche Untersuchung machen wollen oder müssen, so geschah dies unter Folter. Ob er einen Bezug zum Angeklagten hatte oder dieser selbst war, spielte dafür keine Rolle. 
Jeder Christ weiß grob um die Kreuzzigung als Hinrichtung. Weder haben die Römer sie erfunden (Alexander der Große bspw. ließ eine ganze Stadt kreuzigen) noch war sie selten. Bürger konnten ggf. auf ein schnelleres Ende, die Hinrichtung mit dem Schwert, hoffen.
Wer reiste, lief Gefahr Banditen zu begegnen, die neben Raub und Vergewaltigung durchaus auch
 Freude an Quälereien und langwierigen Morden hatten.
Aber auch der Alltag war schwer genug. Kleine Verletzungen konnten schlimme Folgen haben. Wundbrand und Erkrankungen konnten die Folge sein. Wer hungerte, musste auf die Gnade der Mitmenschen hoffen, die in Notzeiten dementsprechend ausfiel. Ansteckend Kranke wurden ausgeschlossen. Die Leprakolonien waren nicht nur "Quarantäne"-Zonen, es waren auch Orte der Armut, des Elends und der Einsamkeit.

Warum ich diese schauerlichen Dinge berichte ist ganz einfach. Wer solche Dinge neben Erzählungen wie die des Samariters, der Wunderheilungen Aussätziger durch Handauflegen, der verhinderten Hinrichtung durch Steinigung für "Amoralität" stellt, der kann erst ermessen, was für große Taten dies waren. Wie außergewöhnlich. Und in welchem Rahmen dies geschah.
Die Aufnahme Fremder, Hilfesuchender galt als edle Tat. Seine Nachbarn zu bedrängen und zu beschimpfen, ja nur zu erwarten gleiches zu tun allerdings nicht. Von der Stadt, dem Staat oder der Gesellschaft ganz zu schweigen.
Nun leben wir 2000 Jahre danach, und eine ehemals christliche Gesellschaft die sich ihrer Zivilisation rühmt ist nicht mit einer antiken Sklavenhaltergesellschaft vergleichbar - und doch. Christlichkeit, meinetwegen auch Menschlichkeit beginnt bei jedem selbst. Wer nach Willkommenskultur ruft, nach Differenzierung, Pauschalisierung ablehnt, der sollte dies auch selbst leben.
Ich selbst habe zwar großen Respekt vor Menschen, die ihr bescheidenes Heim, Einkommen und letztlich Leben mit Asylsuchenden teilen. Ob Christ oder nicht.
Aber bislang ist mir noch nicht eine Person begegnet, die all diese noblen und edlen Prinzipien wirklich auslebt. Nur fordern und anklagen - das ist verbreitet.

Jesus ist selbst angesichts von Menschen, die eine Frau steinigen wollten, nicht wütend auf diese losgegangen, hat sie nicht beleidigt oder drangsaliert, nicht mit Konsequenzen gedroht oder seine Jünger gerufen. Er argumentierte. Danach war aber nicht Schluss. Auch die Frau forderte er zu einem besseren Lebenswandel auf. Ohne aufzublicken.
Gnade und Mitleid, Gerechtigkeit und Barmherzigkeit sind wichtige Eigenschaften, die eine Gesellschaft daran hindern, ein brutales, von Tod und Gewalt geprägtes Gebilde zu werden. Das man dabei nicht jedes Maß verlieren darf, nicht völlig in der Selbstaufgabe oder der Forderung danach vergehen sollte, auch das findet sich in der christlichen Lehre wieder.
Wer glaubt, das aktuell einwandernde Elend sei das einzige auf der Welt und bei erfolgreicher Lösung sei die Welt verbessert, der macht sich etwas vor. Wer glaubt, Syrien sei schlimm, der hat noch keinen Blick nach Yemen geworfen. Oder in die Sklavenbehausungen in Afrika (die nebenbei keine Weißen verschulden, besitzen, leiten oder eingereichtet haben und darum nicht ansatzweise so viel Aufmerksamkeit bekommen, wie die Debatte um Rassenhass in den USA). Beispiele grausamer Schicksale, keineswegs einzelner, finden sich zu tausenden und wird es immer geben. Verausgaben wir uns, konzentrieren wir uns auf eines und differenzieren dann nur noch ins Positive (keiner ist illegal, alle sind Flüchtlinge), dann sind wir nicht nur überfordert und "versorgen" diese Menschen auf eine unwürdige, unerträgliche und gefahrvolle Weise (Massenunterkünfte inkl. der dort eigenen Kriminalität und Gewalt), wir erschöpfen unsere Ressourcen ohne anderen helfen zu können.

Dienstag, 24. November 2015

Apologeten - wenn Ideologen und Idealisten bewerten

Wäre es nicht die Realität, es wäre urkomisch. Die Phrasen, die dieser Tage von sogenannten Experten und wirklichen Fachleuten gedroschen werden. Das ZDF etwa lässt seine Kindernachrichten erklären, dass der Kolonialismus Frankreichs schuld sei an der Radikalisierung und den Anschlägen. N 24 schreibt gleich die Gesamtschuld unserer Gesellschaft zu.
Warum kommen so viele junge Dschihadisten aus Belgien? Perspektivlosigkeit und Alltags-Rassismus treiben junge Männer in die Arme der Extremisten. Doch es gibt noch einen weiteren, belgischen Grund.
Im vorherigen Bericht wird noch durch den belgischen Innenminister erklärt, dass Belgien soviele radikale Muslime produziere, weil der Konflikt zwischen Flamen und Wallonen zu viele Sicherheitskräfte beschäftige und damit binde.

Wer jetzt glaubt, das sei schon unfassbarer Unsinn, der hat das Beste noch vor sich.
Die ZEIT berichtet, dass eine "Willkommenskultur" die beste Waffe gegen Extremismus sei," und schreibt vom IS nur noch als "sogenannter IS", entsprechend der Forderung einer muslimischer Funktionäre und Politiker in Deutschland.
Pax Christi hingegen will verhandeln und sieht in der mangelnden Kommunikationsbereitschaft mit dem IS das Problem - auch wenn sie nicht so recht verstehen, warum der keine politischen Forderungen stellt.
Der Präsident des deutschen Reiseverbandes rät unterdessen, "Vorurteile abzubauen" und den Terror dadurch sozusagen klein halten, dass man als Tourist der in die islamischen Länder reist den Menschen Arbeit gibt - auch wenn man dadurch dann eben sozusagen für die bereits existierenden Terroristen wie in Tunesien zur Zielscheibe wird.
Und während ein konservativer Journalist, der ein Smiley an der falschen Stelle setzt seinen Job wegen Verhöhnung der Opfer und Verallgemeinerung der Flüchtlinge verliert argumentiert der BUND (ja, der Naturschutzverein), dass man nun die Klimaschutzvereinbarungen verschärfen und überhaupt durchsetzen solle - so könne man Frieden schaffen.

Und natürlich erklingt auch das Lied vom "der IS hat nichts mit dem Islam zu tun", eine Coverversion des "Islamismus hat nichts mit dem Islam zu tun". Dieses Thema wurde schon öfter besprochen, darum nur an der Stelle: Herr Mazyek - Sie sind ein Apologet und ein Opferbeschuldiger aller erster Güte. Treten Sie zurück, dann hat Ihr Verband die Chance einen fähigen Menschen zu wählen, der nicht nur die Schuld auf andere schiebt, sondern Missstände angeht.
Sätze wie
Es sei schmerzhaft, dass Deutschland auch ein Exporteur von Terroristen sei. Dies zeuge von einem gesamtgesellschaftlichen Versagen, zumal diese Menschen auf deutsche Schulen gegangen seien und zum Teil aus nicht muslimischen Elternhäusern stamme, betonte Mazyek.
sollten jedes Mitglied des Verbandes vor Scham im Boden versinken lassen. Erst erklärt dieser Kerl, dass der Islam missbraucht und missverstanden würde, als Sündenbock hinhalte etc. und dann beschuldigt er Deutschland und dessen Schulsystem, an der Radikalisierung von Menschen schuld zu sein, die lediglich eines in ihrem Wahn verbindet: der Islam. Aber Hauptsache, "wir sinds nicht".
Da lobe ich mir solche Muslime, die nicht auf andere, sondern auch sich selbst zeigen, und bereit sind die Probleme anzugehen. Die nicht betonen, dass es eine Minderheit sei, die den IS gut findet oder gar unterstützt - denn es sind mindestens 60 Millionen Muslime weltweit. Und das ist nicht nichts. Das ist bedrohlich - und da sprechen wir noch nicht über die Aktiven bei der IS, Al Nusra, Taliban, Islamija, Boko Haram und wie sie alle heissen. Diese töten. Jeden Tag. 99,9% von ihnen kommen weder von deutschen noch von französischen Schulen. Und auch sie verbindet lediglich eines.

(Auf Herrn Mazyeks Unsinn und seine Anschuldigungen gab es eine gute Replik von Thilo Thielke. Der hat sich die angebliche "pseudo-religiöse" oder "quasi-religiöse" Begründung mal angesehen)


Aber zurück zur Entschuldigungsphilosophie. Am verbreitetsten ist die Meinung: die Armut und die Diskriminierung in den Vororten, im Alltag treibt die jungen Menschen zum Terror.
Ralf Ostner stellt in einem absolut lesenswerten, nein -notwendigen Beitrag die Fragen:
Warum machen das Millionen ausgegrenzte Jugendliche in den Ban Lieus und vergleichbaren Ghettos der Welt eben nicht? Warum greifen sie nicht zum Terrorismus und Islamismus? Warum bleibt diese Reaktion auf eine Minderheit beschränkt, die jedoch volle Medienaufmerksamkeit erheischt?
Die oben zitierten Entschuldigungen und Pseudo-Begründungen sind es, die mich sofort nach der Qualifikation der Betreffenden fragen lassen. Denn sie haben offensichtlich nicht eine Sekunde darauf verschwendet, sich die Liste der Attentäter der letzten 20 Jahre anzusehen. Das sind eben nicht nur entrechtete Minderheiten ohne Arbeit und Perspektive. Sogar ein sehr großer Teil davon waren Studenten oder Menschen mit einem abgeschlossenen Studium. Ingenieure, Ärzte, Dolmetscher mit Sprachstudium usw. usf. Die absolute Mehrheit tauchte völlig unauffällig in den Gesellschaften unter, und zwar nicht nur den Parallelgesellschaften. Flugscheine zu machen ist für unterdrückte Armutspopulationen nicht nur schwer umsetzbar sondern schlicht unmöglich.
Viele Konvertiten, die ihr Lebtag garantiert nicht einen Tag Alltagsrassismus durchleben mussten gehören, worauf Herr Mazyek ja so genüßlich verwies, zu den Tätern. Aus aller Welt. Die wenigsten davon aus Elendsfamilien, die zusehen mussten, wie Brot auf den Tisch kommt.
 Also stellt euch endlich der Realität.
Und hört mit Ausflüchten aus. "Jede Religion hat ihre dunklen Seiten" und "auch unter Christen gibt es Radikale" und "die christliche Geschichte ist voll von sowas, also leise treten".
Das ist nur eines: entschuldigender Blödsinn ohne das kleinste Anzeichen von Intelligenz, Recherche oder Mitgefühl für andere als Muslime.
Jede Religion hat ihre dunklen Seiten? Sicher - denn jede Religion wird durch Menschen gelebt. Aber die wenigsten Religionen geben Vernichtungsbefehle aus, die klar und deutlich und dazu im imperativ geschrieben sind.
Auch unter Christen gibt es Radikale? Oh ja. Jahrhundertelang ließen diese sich im extremsten Pazifismus abschlachten - erst im Römischen Reich und anschließend bspw. im "goldenen Andalusien", dem muslimisch eroberten Spanien, wo es eine zeitlang so viele offen bekennende Christen gab, dass die wachsende Zahl der Märtyrer (im Christentum, anders als im Islam, jene die für ihren Glauben sterben ohne dabei zu versuchen jemanden zu töten oder zu verletzen) die Kirche zu Besonnenheitsaufrufen zwang. Menschen wie Breivik oder die IRA als Kämpfer für den Glauben zu verkaufen - das gelingt nur solange, wie man sich deren Statements und Ziele vorenthält.
Die Kreuzritter werden dann gerne als Beispiel christlicher Geschichte und Extreme angeführt - nur um zu vergessen, dass die brutalen Schlächter der ersten Welle des ersten Kreuzzuges von verschiedenen Städten im Rheinland ausgewiesen wurden und ihre Opfer eigentlich garantierten Schutz genossen - sogar Bischöfe sich in den Weg der Mörder stellten. Und ohne ein Wort darüber zu verlieren, warum die Levante eigentlich nicht mehr christlich dominiert war, oder wie damals generell und von allen Seiten Krieg geführt wurde usw. usf.
Aber selbst wenn das alles stimmen würde: seit fast 20 Jahren sterben Tag für Tag Menschen unter den islamischen Schlachtrufen und werden die islamischen Schriften bemüht dies zu begründen. Und Jahr für Jahr wird es schlimmer und rückt mehr nach Europa.
Wenn nicht bald die ideologischen und rassistischen Denkschranken fallen um Kritik, Auf- und Überarbeitung zu ermöglichen, dann wird es auf die eine oder andere Weise zu spät sein. Noch können wir die modernen, die aufgeschlossenen und toleranten Muslime unterstützen und hoffen, dass ihre Interpretation dominieren kann. Wenn diese sich aber nicht mehr trauen, wie es in so vielen islamischen Ländern bereits der Fall ist, oder sofort gehetzt werden, dann endet diese Chance. Was folgt ist entweder ein langer, blutiger Konflikt oder eine religiöse Verfolgungswelle durch Europäer, die von Phrasen und Anschlägen genug haben. Beides sind Horrorvisionen.
Darum hört auf zu verteufeln was euch nicht gefällt oder eure Denkschemata stört.
Hört auf mit irgendwelchen aus sozialistischen und sozialpädagogischen Reflexen geschusterten Entschuldigungen alles schönreden zu wollen.
Hört auf die vermeintlichen wie realen dunklen Kapitel der europäischen Geschichte als Vergleich und Entschuldigung für aktuell laufende Massaker zu verwenden.
 Ihr zeigt Verständnis - aber nur in eine Richtung. Und das ist die falsche. Ihr wollt Frieden? Dann fangt in euren eigenen Ländern, in der eigenen Bevölkerung an. Wir nähern uns einem sozialen Unfrieden, wie wir ihn seit vielen, vielen Jahrzehnten nicht mehr hatten. Lasst das Land nicht so zerbrechen. Zeigt nicht auf den Hass anderer, bekämpft erstmal den eigenen.
Wer brüllend bei Trauerkundgebungen gegen Missbrauch vorgeht demonstriert seine Menschenfeindlichkeit, nicht seine Courage. Hört auf damit.
Fürchtet nicht, was passieren könnte, während ein Terroranschlag nach dem anderen Familien zerreißt. Beklagt nicht im Licht brennender Kirchen ungekärte Brände in Heimen.
Hört zu. Argumentiert. Achtet die Grundrechte nicht nur von Flüchtlingen, sondern auch von Mitbürgern anderer Meinung.

Und ich weiß, ich schreibe umsonst. Spartakisten und Stahlhelme haben keine Spur in den Köpfen unserer Generation hinterlassen. Leider.



Samstag, 21. November 2015

Betend den Gang der Geschehnisse zu erwarten - darf ein Christ sich verteidigen?

Der Papsttreue Blog hat einen meiner Artikel besprochen. Dazu komme ich später nochmal.
Darunter jedoch meldete sich ein Andreas zu Wort:

Ich glaube dass der o. g. Artikel und vor allem die Schlussfolgerung nicht mit dem Christentum kompatibel sind. Gibt nicht die Bergpredigt den Rahmen für den Umgang mit Feinden?
Ich glaube das der Christ nichts anderes tun kann, wenn der Terrorist sein Haus betritt, als mit seiner Familie niderzuknien und betend den Gang der Geschenisse zu erwarten.
Wer kann mich auf Basis der heiligen Schrift eines besseren belehren?

Ist das wirklich so? Muss man phlegmatisch hinnehmen, seine Familie und sich selbst abschlachten zu lassen, womöglich vorher noch zuzusehen, wie Frau und Töchter, wie man aus Syrien hört des öfteren auch die Söhne vergewaltigt werden?
Die Aufforderung, anhand der Bibel zu widerlegen um "Vereinbrkeit mit dem Christentum" zu beweisen, finde ich fragwürdig. Denn dort findet sich auch nichts von "kniet euch nieder, seht euren Liebsten und Nächsten in ihrem Leid zu und dann empfangt einen grausamen Tod" - was Andreas aber scheinbar aus der vehementen Aufforderung Frieden zu halten und zu suchen ableitet.
Reichlich Gelegenheit hatten Paulus und Petrus so etwas zu schreiben, denn die Urchristen wurden verfolgt, und zwar gnandenlos. Die Hinrichtungen waren vor allem eines: grausam. Hier hätten Paulus und Petrus Lehren können: so ist das, nehmts hin und wehrt euch nicht. Das taten sie nicht. Und dennoch hat sich die Urgemeinde kaum (!) gewehrt - es hätte ihnen auch nichts genutzt. Sie wurden zu Märtyrern. Das aber wiederum ist nirgendwo von Jesus oder seinen Jüngern gefordert worden. Er ist das Lamm, er war vorherbestimmt einen grausamen Tod für uns zu sterben, nicht andersherum.

 Daher verweigere ich mich vorerst, und liefere in den ersten Abschnitten den Teil, der Katholiken von Protestanten unterscheidet (oder unterscheiden sollte). Neben dem Wort steht die Tradition, die Lehre.
Was also hat der Katechismus so zu sagen.

"1909 Zum Gemeinwohl gehört schließlich der Friede, das heißt die Dauerhaftigkeit und Sicherheit einer gerechten Ordnung. Es setzt somit voraus, daß die Autorität durch rechte Mittel die Sicherheit der Gesellschaft und deren Glieder gewährleistet. Es begründet das Recht auf persönliche und kollektive Selbstverteidigung."


Und unter Notwehr:
2263 Die Notwehr von Personen und Gesellschaften ist keine Ausnahme vom Verbot, einen Unschuldigen zu töten, also einen willentlichen Mord zu begehen. „Aus der Handlung dessen, der sich selbst verteidigt, kann eine doppelte Wirkung folgen: die eine ist die Rettung des eigenen Lebens, die andere ist die Tötung des Angreifers" (Thomas v. A., s. th. 2-2, 64, 7). Nur die eine Wirkung ist gewollt, die andere nicht.2264 Die Liebe zu sich selbst bleibt ein Grundprinzip der Sittenlehre. Somit darf man sein eigenes Recht auf das Leben geltend machen. Wer sein Leben verteidigt, macht sich keines Mordes schuldig, selbst wenn er gezwungen ist, seinem Angreifer einen tödlichen Schlag zu versetzen:„Wenn jemand zur Verteidigung des eigenen Lebens größere Gewalt anwendet als nötig, ist das unerlaubt. Wenn er die Gewalt aber mit Maß zurückstößt, ist die Verteidigung erlaubt ... Es ist zum Heil nicht notwendig, auf den Akt des maßvollen Schutzes zu verzichten, um die Tötung des anderen zu vermeiden; denn der Mensch ist mehr gehalten, für das eigene Leben als für das fremde Leben zu sorgen" (Thomas v. A., s. th. 2-2, 64, 7).2265 Die Notwehr kann für den, der für das Leben anderer oder für das Wohl seiner Familie oder de Gemeinwesens verantwortlich ist, nicht nur ein Recht, sondern eine schwerwiegende Verpflichtung sein.
Was die katholische Kirche also zur Selbsverteidigung zu sagen hat, ist somit klar. 
Ja, das geht.
Aus Sicht unserer Kirche muss sich also niemand hinknien und hoffen, dass es schnell geht (und i.d.R. enttäuscht werden). Ich hoffe, bereits an dieser Stelle Andreas abgebracht zu haben, die Angehörigkeit zum Christentum zu bezweifeln, wenn es denn schon die Kirche nicht tut sondern das Gegenteil.

Aber zur Bibel: ich bin wahrlich kein Bibelkenner noch Theologe - vielleicht finde ich es daher immer ein wenig vermessen, wenn mir jemand, den ich nicht kenne oder von dem ich weiß, dass für ihn das gleiche gilt zum Bibelzitateduell auffordert.
Aber schon als kleine Junge fielen mir zwei Dinge auf und verhafteten:
Und siehe, einer aus denen, die mit Jesus waren, reckte die Hand aus und zog sein Schwert aus und schlug des Hohenpriesters Knecht und hieb ihm ein Ohr ab. 
Matthäus 16,51 
Er zog sein Schwert. Das kommt jetzt nicht aus dem Nichts. Jesus muss es gesehen oder wenigstens gewusst haben. Und er hat seine Jünger nicht angewiesen, es zu zerstören. In der antiken Welt der Gewalt und in einer Gesellschaft, der Gewalt und Krieg nicht fremd waren (s. AT - ich hoffe, ich muss hier nicht die vielen, vielen Hinweise auf sanktionierte Gewalt wiederholen), trugen die Jünger Jesu offensichtlich auch Waffen mit sich. Keine Kleinigkeit im römischen Judäa.
Aber damit nicht genug:
(...) denn wer das Schwert nimmt, der soll durchs Schwert umkommen. Oder meinst du, daß ich nicht könnte meinen Vater bitten, daß er mir zuschickte mehr denn zwölf Legionen Engel?
Matthäus 26,52 
Für das Szenario: wir stehen mitsamt unserer Familie kurz vor der Exekution ist dies relevant. Das Argument lautet nicht: "sich wehren ist böse". Es lautet, wer das Schwert nutzt, stirbt dadurch. Wer in den Lauf eines Gewehres blickt wird auf die Aussage: du darfst dich nicht verteidigen, weil derjenige, der zur Waffe greift durch diese umkommt etwas irritierend finden. 
Der nachgestellte Satz macht deutlich: der Jünger verteidigt nicht sich, sondern Jesus - und Jesus will nicht verteidigt werden. Er verweist auf seine eigene Wehrhaftigkeit, die er aber angesichts des vorgesehenen Verlaufes nicht nutzt.
Der nicht zitierte Satz lautet: "Steck dein Schwert weg".
Nicht "wirf es weg" oder "zerstöre es" oder "du verstößt gegen meine Lehren und bist hiermit aus dem Kreis meiner Schüler hinausgeworfen". Und dabei hatten sie das Thema Schwerter ja bereits im Kreis der Jünger. 



Und er sprach zu ihnen: So oft ich euch ausgesandt habe ohne Beutel, ohne Tasche und ohne Schuhe, habt ihr auch je Mangel gehabt? Sie sprachen: Niemals. Da sprach er zu ihnen: Aber nun, wer einen Beutel hat, der nehme ihn, desgleichen auch die Tasche; wer aber nichts hat, verkaufe sein Kleid und kaufe ein Schwert. Denn ich sage euch: Es muß noch das auch vollendet werden an mir, was geschrieben steht: "Er ist unter die Übeltäter gerechnet." Denn was von mir geschrieben ist, das hat ein Ende. Sie sprachen aber: HERR, siehe, hier sind zwei Schwerter. Er aber sprach zu ihnen: Es ist genug
           Lukas 22:35
Die Stelle ist nicht unumstritten und wird pazifistisch eher interpretiert als: die Jünger haben falsch gelegen und der Kauf der Schwerter war nicht, was Jesus meinte. Daher die knappe Antwort. Ich sehe das anders, denn für mich sind die Worte: "Nehmt eure Beutel oder verkauft eure Kleidung und kauft ein Schwert" kaum als Gleichnis zu erkennen und schon gar nicht ohne den sonst üblichen Rahmen.
Ich verstehe die Reaktion eher als die des Mitleides mit seinen Jüngern, als die der Frustration des Menschen Jesus über das Schicksal seiner Gefolgschaft.
Die hatte er an anderer Stelle bereits verkündet:
 Ihr sollt nicht wähnen, daß ich gekommen sei, Frieden zu senden auf die Erde. Ich bin nicht gekommen, Frieden zu senden, sondern das Schwert.
Matthäus 10,34
 Bei Lukas wird Zwietracht als Kontrast zum Frieden genannt. In beiden Fällen ist aber die Zukunft eindeutig: kein Friede - aber auch keine Aufforderung zur Selbstopferung, genauwenig wie zur gewaltsamen Übernahme. Zu Extremen wird hier nicht aufgefordert - lediglich festgestellt, dass die Realität der Zukunft nicht friedlich sein wird.
Nicht zu vergessen, dass er auch nie etwas gegen den Schutz der eigenen Besitztümer sagte - also Maßnahmen gegen Einbrecher und Kriminelle im Sinne des Selbstschutzes.  
Das sollt ihr aber wissen: Wenn der Hausvater wüßte, welche Stunde der Dieb kommen wollte, so würde er ja wachen und nicht in sein Haus brechen lassen.
Matthäus 24:43

Die Passage lohnt auch weiter zu lesen, denn was dem zu unrecht brutalen Knecht passiert wenn der Herr nach Hause zurückkehrt passt so unkritisiert sondern als normal hingestellt ebenfalls nicht zum "nehmts hin" Fatalismus.

Und zu guter letzt: wer sich etwas mit Geschichte oder christlich-jüdischer Theologie auseinander setzt, wird auf die Problematik der Übersetzung stoßen - und das gilt auch für die 10 Gebote. Das sechste Gebot wird zu deutsch, unser Dank dafür an Herrn Luther, mit "Du sollst nicht töten" übersetzt. In der Tora steht jedoch "Morde nicht!". Ohne die Wortklauberei moderner Juristen zu bemühen dürfte hier der Unterschied auffallen. Auch das hebräische kennt das allgemeinere "töten", welches bspw. das Schlachten von Vieh, Töten im Kampf oder Notwehr u.ä. beinhaltet. Mord hingegen ist genau das. Kein Duell, keine Hinrichtung eines Verurteilten.


Wie gesagt, ich bin kein Theologe und ob ich mit meinen Interpretationen richtig liege, sei dahingestellt. Ich verzichte auf die in Kirchenschriften zu findenden Verweise auf den Respekt gegenüber dem eigenen Leben und der Nützlichkeit für andere als Hintergrund der Notwehr.
Für mich steht dank Katechismus und besagter Stellen fest: ich muss weder mich umbringen lassen, noch bei tatenlos zusehen.
Und ich bin als Christ alles andere als verpflichtet, den Weg der Märtyrer zu gehen. Diese haben meine tiefste Verehrung, mein staunendes Bewundern (so sie freiwillig diesen Weg gingen) und mein tiefstes Mitleid. Aber ich weiß: ich werde mich ihnen nicht zugesellen. Ich bin dafür einerseits zu feige und andererseits sehe ich mich zu sehr in der Verantwortung meiner Familie gegenüber. 
Und ehrlich gesagt: Familienväter, die nicht aufstehen und versuchen ihre Kinder und ihre Frau zu retten.... naja, lassen wir das.

Dienstag, 2. April 2013

Christentum zu Ostern in den Medien

Ostern ist rum und abgesehen von der Kälte und der sich wieder verstärkenden Finanzkrise  haben die Medien mehrere Artikel über das Christentum verfasst. Zwar war vor allem die katholische Kirche in den letzten Tagen, Wochen und Monaten stark und meist negativ dargestellt in den Medien vertreten, aber zu Ostern hat sich ein wenig getan.
Für mich ein sehr gutes Zeichen sind die vielfältigen Artikel, welche die sich immer weiter verschärfende Christenverfolgung anprangern, nicht selten auch anmahnen, endlich aktiv zu werden. Nicht selten werden die Schuldigen klar oder zumindest hinter einem leichten Schleier der politischen Korrektheit benannt.
Focus

Welt

Tagesanzeiger

DRadio


Das ZDF hat das Kunststück fertig gebracht, eine Sendung zur Christenverfolgung zu produzieren und dabei die "Schuldfrage" in Richtung Christen und Christus verschoben, auch wenn am Ende Christi Gewaltlosigkeit betont wird. Einen guten Teil der Sendung machten denn Blicke auf die Kreuzzüge u.ä. aus, während die aktuelle Lage immer mal wieder relativ sanft angesprochen wird. Die Lage der Christen bspw. in Nordkorea oder in der Sowjetunion wird dabei nicht nur nicht erwähnt sondern bei der Darstellung Schirrmachers über das Christentum als stärkste Religion in einem Land gar nicht beachtet. 45 Minuten Christenverfolgungsdoku, die man besser auf Seiten wie Kirche in Not, via dolorossa oder Open Doors zubringt. Oder mit dem Artikel von Dr. Bordat.

Die ARD hatte ja bereits 2011 ihre Position publik gemacht:

Kann man von einer weltweit wachsenden Christenverfolgung reden?

Übergriffe auf Christen scheinen in der Tat zu wachsen. Aber man sollte vorsichtig sein mit dem Begriff "Christenverfolgung". Ich würde von "Christenverfolgung" nur sprechen, wenn Christen wirklich um Leib und Leben fürchten müssen. Das gilt nicht nur in Nord-Nigeria und Somalia, sondern auch für den Irak und Pakistan. Gerade in den beiden letztgenannten Ländern ist die Perspektive ungünstig. Hintergrund sind hier die USA, die ihre Soldaten aus dem Irak abgezogen haben, womit die Gefahr eines Bürgerkrieges steigt. Und das Verhältnis Washingtons zu Pakistan wird immer miserabler. In beiden Ländern herrscht deshalb ein guter Nährboden für anti-westliche - und das heißt anti-christliche - Vorurteile.
Wenig überraschend denn auch mangelnde Stellungsnahmen dieses Jahr.


Die TaZ schweigt sich nebenbei aus. Sucht man auf ihrer Seite nach Christenverfolgung stößt man auf eine kleine Zahl von Artikeln, welche i.d.R. mindestens ein Jahr alt sind, berühmt geworden ist der Artikel von Bax, welcher schon die Formulierung "Christenverfolgung" ablehnt (und von mir nicht verlinkt wird).


Karfreitag und seine Traditionen und Begehung. Interessant ist dabei, welche Details in Überschrift und Text Beachtung fanden.
Der Focus pauschalisiert eine Äußerung des Papstes in der Überschrift und betont einen Konventionsbruch.
Bild und TaZ vereint in der Frage, ob die deutsche Karfreitagsruhe zeitgemäß, rechtens oder gerecht sei. Während die Bild aber leidiglich ein paar Fakten aufzählt und verschiedene Stimmen relativ unkommentiert zu Wort kommen lässt, weiß die TaZ bereits, das der Karfreitag, oder besser, die Christen, allen Leid zufügen und spricht von Willkür.
RP Online geht unterdessen den wirklich wichtigen Fragen des Lebens auf den Grund. Natürlich dem Geld und der Spritpreisentwicklung. Naja, ganz fair ist das von mir nicht. RP hat noch deutlich mehr Artikel zu bieten, dies zudem in allen Tonlagen. Die Rede des Papstes fand dabei Einzug, regionale Begehung, oder auch Passionswege der ergreifenden Art.
Die Tagesschau der ARD legt zwar in der Überschrift mal wieder merkwürdige Schwerpunkte, der Artikel selbst ist durchaus ... nett, legt aber gleich nach.
Der Stern stellt ein Video online, welches zumindest die Abläufe in Rom halbwegs darstellt, in der Überschrift dem Papst positiv begegnet.


Ostern, seine Bedeutung, seine Geschichte, seine Bräuche, diesjähriges Begehen fanden sich vielfach wieder. Darum nur eine kleine Auswahl der bereits oben zitierten Medien.
Focus
RP Online zum Ersten, Zweiten und Dritten.
Welt

Bemerkenswert ist aber wieder mal der Fokus vieler Berichte auf den Philppinen. Dort lassen sich jedes Jahr viele Gläubige selbst ans Kreuz schlagen, eine Praxis welche die katholische Kirche strikt ablehnt, was aber nur selten erwähnt wird.Wissenschaftlich angezogen, dabei aber vor allem mit Unterstellungen arbeitet dabei das Portal "Humanist News".

Sonstiges in diesen Tagen.

Über den zu Unrecht verfehmten Papst Pius XII. gab es am 30. einen lesenswerten Artikel in der Welt.

Zwar am Mittwoch vor Ostern, aber darum trotzdem in unfeiner Nähe erschien ein Artikel über das Buch "Nonnen von Sant'Ambrogio" von Hubert Wolf. Das Sensationsheischende daran wird der kritische Leser selbst erkennen...


Einen kritischen Artikel von, mal wieder, Alan Posener, fand ich in der Welt. Doch diesmal bekommt nicht (oder nur in Seitenhieben) die katholische Kirche Beachtung, sondern die evangelische Kirche. Lang, wie bei Posener üblich nicht selten polemisch, trotz allem aber aufgrund der vielen Stellungsnahmen sehr interessant.

 Auch die Muslime haben Ostern genutzt. So forderten sie eigene Feiertage, die Lego - Star Wars Reihe stampft aufgrund angeblicher Ähnlichkeit "Jabbas Palast" ein. Just erschien in der Welt ein Artikel über Jesus und seinen Tod aus Sicht des Islam, in welchem christliche Einsprüche als "Polemik" bezeichnet werden, die Bezichtigung des Koran, die christliche Lehre sei eine Verfälschung gar nicht, die Ablehnung der Trintät durch Muslime sehr verständnisvoll beschrieben werden.




Vermutlich habe ich eine Menge Artikel, Berichte und Polemiken verpasst, Vollständigkeit so gut wie ausgeschlossen.

Sonntag, 31. März 2013

Auferstehung, Segen und das Osterfest


Unser neuer Heiliger Vater spendete eben den Segen. Es war einer der Momente, in denen ich merke, wie froh ich bin ein Katholik sein zu dürfen. Wer gesehen hat, mit wie viel Freude, Glück und Liebe die Menschen seinen Weg über den Petersplatz begleiteten, wie viel Liebe er den Behinderten und Kindern entgegenbrachte, dem muss doch das Herz aufgehen.
Die Botschaft heute lautet, der Herr ist auferstanden, es gibt Hoffnung. Die Liebe ist mächtig genug zu siegen.

Aber etwas habe ich vermisst. In der Ansprache vor dem Segen zählte Papst Franziskus Kriege und Konflikte auf, die unsere Welt derzeit verwüsten und Menschenleben zerstören. Dabei ließ er die Verfolgung unserer Brüder und Schwestern ebenso unerwähnt, wie die beiden Geißeln, die momentan dafür verantwortlich sind. Ich verstehe warum, es geht um eine Friedensbotschaft, nicht darum, Schuldige zu benennen oder jemanden anzuklagen. Aber das Opfer der Christen weltweit, welches sie für ihren Glauben bringen, sollte nicht unerwähnt sein, muss vielmehr in die Öffentlichkeit gerückt werden. Das empfinde ich als wichtig. Auch damit jene, die behaupten verfolgt zu werden erkennen, was wirkliche Verfolgung bedeutet und jene, die davon ablenken oder das Opfer kleinreden wollen als Verführer enttarnt werden.



Aber vielleicht sehe ich allein dies so, vielleicht liege ich, wie so oft, falsch.
In jedem Fall wünsche ich allen Christen und allen, die an der Freude teilhaben, ein frohes, friedliches und glückliches Osterfest.

Mittwoch, 27. März 2013

Poetischer Glaube

Durch einen Beitrag im Blog Op-Jugend der Arenberger Dominikanerinnen bin ich auf ein Video aufmerksam gemacht worden. Ich gebe zu, ich war skeptisch und angesichts des Textes, der ein halb kirchenkritisches Publikum ankündigte erwartete ich ehrlich gesagt die alltägliche Intoleranz, über die jene Künstlerin geschrieben hat.
Keine Ahnung habe ich, ob es nicht doch so kam, aber im Video sieht es anders aus.
Sehr, sehr sehenswert und vielen, vielen Dank an Juliane Link.
Leider klappt es mal wieder nicht mit dem einbinden, daher nur ein Link:
www.youtube.com/watch?feature=player_embedded&v=NKIz1_9OsU0

Freitag, 22. März 2013

Forsetzung I zu "Jetzt ist es raus..."

Fortsetzung des Kommentars: "Jetzt ist es raus".
Einleitend noch ein paar Worte zu den Methoden, welche Deschner anwendet, bevor ich mich zu denen seiner Sympathisanten und ihn verteidigenden Leserschaft, ich werde sie vereinfachend Anhänger nennen, wende.
In der auf diesen Text folgenden und letzten Fortsetzung werde ich dann einige Beispieltexte bearbeiten.



 Mangelnde Relation


Zwar bereits erwähnt, in seiner permanenten Anwendung aber einer Herausstellung würdig ist Deschners Art, keine Vergleichsmöglichkeiten zu entwickeln oder gar zu geben. Wann immer er auf Opfer und ihre Zahlen zu sprechen kommt, was sehr häufig der Fall ist, fehlt dem Leser jegliche Relation. Ein Beispiel sind die Opfer von Kriegen und Schlachten. Zwar im Grunde korrekt beschreibt er blutige Massaker durch Christen, mitunter auch im Namen der Religion oder mit dem Segen von Geistlichen oder sogar (nicht selten aber vermeintlich) der Kirche. Dabei löst er die Geschehnisse völlig aus dem historischen Rahmen und bewertet sie nach seinen und zumeist heutigen Maßstäben.
Was aber passierte in eroberten Städten? Gibt es Unterschiede zwischen dem Verhalten christlicher, islamischer, buddhistischer, hinduistischer, schamanischer oder atheistischer Heere und ihrer Anführer? Dies wäre die Gegenprobe zur Behauptung, etwas sei "charakteristisch" oder "begründet in ...".
Aufgrund dieser mangelnden Relationsmöglichkeit wundert es dann nicht, dass gerne die Behauptung vorgebracht wird, das Christentum habe mehr Opfer gefordert alle Kriege zusammen. Mitunter wird auf detaillierte Gegendarstellungen geäußert, die meisten Kriege seien zudem religiös oder christlich bedingt. Dies funktioniert ausschließlich, wenn man keinen Blick in die Weltgeschichte, logischerweise vor allem in den nichtchristlichen Raum wirft und auf der anderen Seite alle großen menschengemachten Katastrophen wie etwa die Weltkriege ebenfalls dem Christentum anlastet. Hier trägt die Geschichtsforschung, aber wieder auch unsere Medienlandschaft eine Mitschuld an diesem weit verbreiteten Eindruck. Mittlerweile über Jahrhunderte lag der Schwerpunkt unserer Forschung ausschließlich auf Europa, Entwicklungen in anderen Hochkulturen fanden nur bei Berührungspunkten statt. Die Geschichte Chinas oder des Aztekenreiches ist hierzulande ebenso selten behandelt wie die der Sassaniden oder der Zulus. Sie treten im Bewusstsein oft erst auf, wenn es zu Kontakten mit Europäern kommt. Die Frage an den Kundigen über Opfer der Kriege muss gestattet sein, wieviel er denn etwa über die chinesischen Einigungskriege und die Zahl ihrer Opfer weiß.
Ohne eine Vergleichsmöglichkeit, ohne Angaben zu den Verhältnissen bleiben Bewertungen dem eigenen Eindruck, nicht seriöser Forschung überlassen.


Verdrehungen 

Schon fast zur Gewohnheit wird der Verweis auf die vielen Zitate, wörtliche Wiedergaben von Geschriebenem und Gesagtem, welche Deschner als Beweise seiner Behauptungen anführt. Allzu oft sind diese Zitate aber verdreht oder, dies kennen wir ja bereits, aus dem Zusammenhang gerissen. Ein Fall, wo beides zusammetrifft möchte ich als Beispiel hier anführen, auch wenn es nicht direkt aus der Reihe "Kriminalgeschichte" stammt sondern aus einem Interview darüber, welches als PDF auf Deschners Seite zu finden ist. Dort antwortet Deschner auf die Frage, wie er denn die katholische Kirche für den zweiten Weltkrieg verantwortlich machen wolle:
Und zu Beginn des Zweiten Weltkrieges drohte Pius XII. den <<Millionen Katholiken in den deutschen Heeren>>: <<Sie haben geschworen, Sie müssen gehorsam sein.>> Er hämmerte ihnen ein, dass der <<Führer>>  das legale Oberhaupt der Deutschen sei und jeder sündige, der ihm den Gehorsam verweigere.
Zu finden auf Seite 13 & 14 des PDF Dokuments bzw. auf den mit 15 und 16 bezifferten angezeigten Schriftseiten.
Deschner zitiert hier aus einem Interview , welches der damalige Papst Dr. Edoardo Senatro für Osservatore Romano gab. Dieser hatte ihn gefragt, ob man nicht gegen die Vernichtung der Juden protestieren müsse. Darauf antwortete der Papst:
Lieber Freund, vergessen Sie nicht, daß in den deutschen Heeren Millionen Katholiken sind. Soll ich sie in Gewissenskonflikte bringen? Sie haben geschworen. Sie müssen gehorsam sein.
Aus dieser Antwort kann man verschiedenes interpretieren. In positiver Auslegung etwa den Unwillen, einen Bürgerkrieg auszulösen, in negativer Sicht die Befürchtung, die Deutschen würden sich im Zweifel eher für Hitler als für die Kirche entscheiden. Der Spiegel berichtete vor ziemlich genau 50 Jahren, der Papst hätte dabei an die Erfahrungen aus dem Kulturkampf Bismarcks gedacht.
Somit hat Deschner hier zwar korrekt zitiert, durch die Auslassung der Frage, eines Teiles der Antwort und des Kontextes (in diesem Fall die seit 1932 bestehende Auseinandersetzung zwischen Hitler und dem Vatikan sowie der großen Zahl katholischer Geistlicher in KZs) das Zitat entfremdet, einem anderen Sinn untergeordnet. So wird aus der Zurückhaltung um keinen Konflikt zu schüren eine Forderung nach Anerkennung.
Nebenbei erwähnt, die Methode der Auslassung zieht sich auch hier wieder durch Deschners Argumentation. Er führt dieses Zitat u.a. als Belege der Unterstützung Hitlers, des Holocaust und des Krieges durch den Vatikan auf. Das dem nicht so wahr belegen bspw. die unmittelbar nach Kriegsausbruch verfasste Enzyklika Summi Ponticiatus bis hin zur Schilderung von Ereignissen in Rom. Aufschlussreiche Literatur zu diesem Thema empfehle ich bald in einem eigenen Eintrag.

Fortschreitende Forschung 

Etwa 27 Jahre hat es gedauert von der Publikation des ersten Bandes der "Kriminalgeschichte des Christentums" bis zur Veröffentlichung des letzten Bandes in diesem Jahr. Rechnet man hinzu, dass vieles von dem, was er in seiner Reihe veröffentlicht bereits vorher in anderen seiner Bücher verwendet wurde könnte man durchaus noch wenigstens ein Jahrzehnt drauf legen. Fast 40 Jahre sind heute im Bereich der Forschung ein beachtenswerter Zeitraum, in welchem sich viel verändern kann.
Diverse lexikalische Reihen werden über Jahre und Jahrzehnte erstellt. Ein hervorragendes Beispiel sind die Reihen des sogenannten Pauly. Im 19. Jh. wurde dieses Lexikon erstmal innerhalb von ca. 30 Jahren erstellt. Daran arbeiteten 48 Fachpersonen, und während dieser Arbeit wurde es aufgrund der immer weiter fortschreitenden Forschung nötig, wenigstens einen Teil der Publikation noch einmal zu überarbeiten und neu herauszugeben. Dabei war die Erkenntnis ausschlaggebend, dass man die Darstellung immer weiter ausdehnen musste. Man konnte vieles nicht erläutern ohne andere Details zu beleuchten, die eigentlich gar nicht vorgesehen waren. Je mehr von der Geschichte erklärt werden sollte, desto mehr musste man dazu vorstellen.
Diese Ausuferung wurde dann symptomatisch. Der Nachfolger, 1890 begonnen brauchte statt der veranschlagten 10 Jahre am Ende 78, die Zahl der Mitarbeiter ist mit 1100 Autoren riesig.  Und noch immer sind aus Sicht heutiger Historiker bestimmte Bereich darin zu kurz gekommen (neben der Tatsache, dass viele Artikel veraltet sind und einige sogar ideologisch verbrämt), so ist die Spätantike zwar behandelt, aber keineswegs gründlich untersucht worden.
Um jetzt nicht weiter zu langweilen, auch an der aktuellen Reihe (DNP) arbeitete ein Vielzahl an Personen, obwohl längst nicht so umfangreich wie sein Vorgänger sind auch hier rein lexikalisch 13 Bände erschienen, dazu eine Vielzahl Sonderbände zu Themen und Fächern.
Bezeichnend an all diesen Arbeiten sind ihr (thematischer) Umfang, die hohe Zahl an Mitarbeitern verschiedener Richtungen und die stete Neubearbeitung. Es kommt nicht selten vor, dass ein Autor die in seinen Artikeln gemachten Aussagen durch neue Quellen (oder anderen Versionen bekannter Texte) oder allgemein Informationen etc. ändern muss.
Deschners Methoden haben sich hingegen in den letzten Jahrzehnten eher versteift als auf Kritik und nachgewiesen Fehler einzugehen. Auch wenn ich möglicherweise den Eindruck erwecke, diese Beiträge sind alles andere als die ersten öffentlichen Kritiken an ihm und seinem Werk. Dazu werde ich in der folgenden Fortsetzung einige Beispiele liefern.



Graf Zahl


Natürlich ist die "Kriminalgeschichte" geprägt von Zahlen. Jahreszahlen, Opferzahlen, Täterzahlen, Mengen an Quellen und Literatur, auch wenn Deschner völlig zurecht darauf verweist, dass jeder einzelne Ermordete im Namen der Religion, mit Segen der Kirche oder durch die Hand eines gläubigen Christen einer zuviel ist und ein himmelschreiendes Unrecht darstellt. Das hindert aber den Autoren und seine Leserschaft nicht daran, die Zahlen ins Zentrum der Betrachtung zu rücken. Dabei ist es nicht immer leicht, aus den erhaltenen Angaben ein realistisches Bild zu erhalten. Berühmtestes Beispiel ist die Schlacht an den Thermophylen, bei der laut Herodot einige tausend Hellenen einem persischen Heer von nahezu fünf Millionen gegenüber gestanden haben sollen. Die moderne Öffentlichkeit kennt oft sogar nur noch die angeblich 300 Spartaner.
Bereits der Militärhistoriker Hans Delbrück, welcher Ende des 19. und Anfang des 20 Jh. arbeitete, hat diese Zahlen detailliert und gut nachvollziehbar als Legende entlarvt. Seiner Ansicht nach handelte es sich um ein Heer von maximal ca. 50 000 Mann. Andere gehen von bis zu ca. 250 - 300 000 Mann aus, in jedem Fall aber nur ein Bruchteil der in den Quellen gefundenen Angaben.
So ähnlich verhält es sich auch mit Bevölkerungsschätzungen, wie aktuelle Beispiele zeigen. Die Erhebung von 2011 um die Einwohner Deutschlands zu erfassen stellte fest, dass die angenommen Zahlen zu hoch angesetzt waren. Es waren 1,3 Millionen Menschen weniger da als vorher angenommen. Dafür überraschte man uns im Januar mit der Meldung, dass 500 000 Türken mehr in Deutschland leben, als bisher angenommen. Zwar kam diese Zahl durch eine Änderung in den Normen der Statistik zustande, an der Änderung der Zahlen ändert dies jedoch nichts. So sind Zahlen etwa über die Opfer christlicher Verfolgung der amerikanischen Ureinwohner (der durch Deschner noch immer beibehaltene Begriff "Indianer" spricht nicht unbedingt von Wertschätzung) höchst skeptisch zu betrachten. Die Demographie der amerikanischen Bevölkerung beruht im wesentlichen auf Schätzungen, die größten Verluste unter ihnen sind durch unbewusst eingeschleppte Krankheiten entstanden. Gänge Methode, auch bei Deschner, ist es, die Verluste der geschätzten Bevölkerung einzuteilen in durch Krankheit verursacht und Folge der Kolonisierung / christlichen Verfolgung. Das dies inkonsequent und subjektiv gedacht ist, zeigt beispielhaft die Geschichte der Mi'kmaq. Diese hatten gegen den Willen der mit ihnen handelnden Europäer acht Jahre lang Krieg mit ihrem benachbarten Volk geführt. Im Anschluss an ihren Sieg wurden sie von Seuchen heimgesucht, am Ende der ersten Seuchenwellen lebten nur noch weit weniger als die Hälfte von ihnen. Das alles, ohne das ein Christ die Hand erhoben hätte.
Auf der Gegenseite steht bspw. die Geschichte der Azteken, deren Reich durch die Gewalt der Conquistadores einstürzte. Hier sind die Verluste der Bevölkerung durch Krankheiten prozentual gesehen nicht so hoch wie bei den vorher geschilderten Ereignissen, aber noch immer weit über die Hälfte der Gesamtbevölkerung starben daran. Aber auch hier ist es zu kurz gegriffen, sämtliche Verluste einfach den Spaniern bzw. den Christen anzulasten. Die Blumenkriege der Azteken zeitigten Folgen, an denen Europäer keine bewusste Beteiligung hatten. Es ist schwer hier ein auch nur annähernd klares Ergebnis zu erhalten. Noch komplexer wird es, wenn man die Ergebnisse etwa von Felix Hinz und seiner 2005 erschienen Arbeit über Identitätsneubildungen in der Region einbindet.

Konkrete Zahlen auf der Basis von Schätzungen, die nicht annähernd alle Faktoren berücksichtigen und einseitige Schuldzuweisungen als Basis nutzen sind also nichts als bloße Polemik. Sie dienen der Anklage, halten aber keiner seriösen Forschung stand. Der berechtigten Klage über die Verluste an Menschen durch die Hand von Christen ist damit nicht gedient, die Aufarbeitung nicht gefördert. Eher ist es Grundlage zu neuem Zwist, möglicherweise sogar Schlimmeren.

Verehrung

Deschner erfährt unter vielen seiner Leser eine geradezu stilisierende Verehrung. Ich persönlich nehme an, dies hat mit dem Thema und seiner persönlichen Haltung dazu zu tun. "Der Feind meines Feindes ist mein Freund" lautet wohl das passende Sprichwort dazu, um die Ausgangsbasis zu schaffen. Ein übriges hat Deschner selbst, oft unter Beihilfe verschiedenester Personen des Medienbetriebes, dazu beigetragen. Er stilisiert sich und seine Werke als "bis heute unwiderlegt", und das nicht erst seit seiner "Kriminalgeschichte".
Bereits im Vorwort zur zweiten und dritten Auflage seines Buches "Abermals krähte der Hahn" welches ursprünglich 1962 erschien schrieb er über sich bzw. sein Werk:

Da bisher an meiner Darstellung nichts widerlegt worden ist, ist
auch nichts zu ändern.
Andere Autoren haben dies in den letzten Jahren und Jahrzehnten als dreiste Lüge entlarvt, was jedoch weder in Rezensionen seines Werkes noch bei denjenigen verfing, die sich für ihn begeistern konnten.
Für seine Kriminalgeschichte baute er dies sogar noch aus. Das gesammelte Feedback auf seiner Seite klingt anerkennend, lobend wenn nicht gar jubelnd. Hinter manchem dieser Zitaten steckt eigentlich eine kritische Beurteilung. Deren Verfassern wird dann das Geschriebene aufgrund der Anerkennung der Wirkung Deschners und des Umfanges seiner Arbeit, selektiv zitiert, als Zustimmung ausgelegt. Das diese Anerkennung noch keine Beurteilung des Inhaltes ist bleibt außen vor.
Natürlich ist dies ad hoc kaum zu widerlegen, entbehren die angeführten Zitate einer, heute ja durchaus üblichen, Verlinkung auf die entsprechenden Texte im Internet oder die in wissenschaftlichen Kreisen eigentlich üblichen Quellenangaben (bspw. "Tolles Buch." Max Muster, Rezension "Demagogischer Unsinn als Fakten verkauft", Eifler Käfigbodenzeitung, 31.12.2099).
So bleibt es dem Leser bspw. bei der Diakonie Bayern nachzufragen, ob sie wirklich Deschners Werk kritiklos gut und wissenschaftlich fundiert finden.
Im Internet findet sich andererseits auch einige gute Beispiele für die Verehrung Deschners und die mangelnde Kritikbereitschaft. In einem davon, mittlerweile acht Jahre alt, breitet ein anonym bleibender Schreiber nicht nur exakt das Thema der Verehrung breit aus, sondern schildert auch einen der Fehler Deschners. Dieser hatte in dem Werk, welches das oben zitierte Wort der nicht erfolgten Widerlegung zierte, die Behauptung gefunden, dass 9 Millionen Hexen durch den Heiligen Stuhl umgekommen seien. Er widerlegt knapp aber stringent diese Behauptung und damit das Vorwort.
In der anschließenden Diskussion wird dies aber nicht anerkannt, vielmehr werden einfach weitere Anschuldigungen erhoben, die Unfehlbarkeit Deschners auf das "Gesamtwerk" bezogen etc. Die Diskussion entgleist schnell ins emotionale, wobei Christen und insbesondere Katholiken jede Kompetenz abgesprochen wird und selbst die unhaltbarsten Legenden wieder nach oben geholt werden, um dies zu untermauern.



Diffamierung


Zum Mittel der eigenen Legendenbildung bedienen sich sowohl Deschner als auch seine Anhänger wie oben gezeigt gerne des Mittels der Verleumdung und Verallgemeinerung, während sie genau dies beklagen.  Bestes Beispiel hierfür ist der Umgang mit der Tagung in Schwerte, die zur fachlichen Diskussion über seine Reihe einberufen worden war. Die dortigen Sprecher werden in Diskussion und Rezensionen reduziert auf ihren Glauben und ihre Konfession, bestenfalls, wie in der Besprechung durch Hermann Josef Schmid, wird nach der Betonung ihrer (vermeintlichen) theologischen Heimat noch ihr Titel genannt, nicht ohne die ein oder andere süffisante Bemerkung dazu zu reichen.
Andererseits signalisieren Tagungsort, Tagungsdauer und illustrer Teilnehmerkreis - 20 Professoren, überwiegend katholische Theologen (vornehmlich Professoren der Kirchengeschichte oder Alten Kirchengeschichte und Patrologie), ein Privatdozent, ein Arzt und Karlheinz Deschners Lektor und Freund Hermann Gieselbusch - ebenso wie die Vorlage der Referate durch den bekanntesten katholischen Wissenschaftsverlag, daß es sich bei dem dreitägigen Deschner-Symposium in der Katholischen Akademie um eine für katholisches Forschungs- und Argumentationsniveau repräsentative Veranstaltung und bei dem hinsichtlich seines Argumentationsniveaus nun zu überprüfenden Sammelband um ein in mancherlei Hinsicht aufschlußreiches Dokument handelt, dessen Thesen nicht nur in den zahlreichen, vielfältigen und auflagestarken katholischen Presseorganen, sondern dank des immensen Einflusses der Katholischen Kirche in den Entscheidungsgremien der öffentlich-rechtlichen Medien künftig eine nicht geringe Rolle spielen dürften. So verdient das Argumentationsniveau dieses Bandes Beachtung auch seitens derer, die nicht vorweg zur katholischen Klientel zählen, sondern sich der Lektüre aus Sachinteresse oder aus weltanschauungskritischen Gründen zuwenden.
Sehen wir einmal, welche "illustren" Teilnehmer wirklich dabei waren. Allen voran zu nennen ist m.E. Prof. em. M. Radnoti-Alföldi. Sie ist weder Theologin noch Kirchengeschichtlerin (in irgendeiner Epoche). Ihr Hauptwerk gehört in den Bereich der "Antiken Numismatik", einer sogenannten Hilfswissenschaft der Alten Geschichte. Ich denke nicht zu übertreiben, wenn ich sie als eine der wichtigsten Persönlichkeiten in diesem Bereich tituliere. In jedem Falle aber hatte sie einen Lehrstuhl der Alten Geschichte inne bis sie 1992 emeritiert wurde, reiht sich also ein in die Gruppe der Professoren. Im Jahr der Schwerte-Tagung, 1992, erhielt sie das Bundesverdienstkreuz.
Ebenso für mich von Bedeutung, es liegt wohl an meiner eigenen Fachrichtung, ist der mittlerweile verstorbene Prof. Richard Klein. Er gehörte ebenfalls zu den Althistorikern, erarbeite Bibliographien von Marcus Aurelius und Iulianus Apostata und gab schließlich die in Historikerkreisen renomierte Fachzeitschrift "Gymnasium" mit heraus.
Dann der leider ebenfalls verstorbene Professor für Strafrecht & Kriminologie, dazu später Rektor und Präsident der Universität Augsburg,Wilfried Bottke. Auch er Professor, auch er kein Theologe.
Prof. em. Günter Stemberger als (katholischen) Theologen oder Kirchentheologen zu bezeichnen würde seine Karriere und wissenschaftliche Reputation stark verkürzen. Zwar hat er auch Theologie studiert, seine Arbeit und Anerkennung liegt allerdings im Bereich der Judaistik. Also ein Fachmann der Religion aber eben auch der Kultur und Geschichte der Juden.
Und die Ausnahmen zur Regel scheint Prof. Wolfgang Speyer zu machen. Dieser hat zwar in der Tat auch Theologie studiert, zu diesem Zeitpunkt hatte er jedoch bereits ein Studium der klassischen Philologie, der Alten Geschichte sowie der Philosophie abgeschlossen und arbeitete als wissenschaftlicher Mitarbeiter im Bereich der, na wo sonst, Alten Geschichte. Geforscht hat er vor allem in Sachen frühes Christentum und gilt in diesem Bereich ebenso wie Prof. Klein als Koryphäe.

Will man diesen Autoren also eine Parteilichkeit anhand ihrer Berufswahl anhängen, so ist dies in meinen Augen Verleumdung im Versuch, die Bedeutung ihrer Forschung zu schmälern oder ganz zu negieren.
Aber auch das von Schmid scheinbar als Stigma benutzte Studium der Theologie lässt keine Unfähigkeit zur Differenzierung voraussetzen. Sieht man sich die Veröffentlichungen der Theologen die an der Tagung teilnahmen an, so finde ich keine Negierung oder Relativierung der Verbrechen die durch oder im Namen  der Kirche und der Glaubensgemeinschaft verübt wurden. Auch diese Menschen daher wegen ihres Berufes und ihrer Ausbildung als befangen zu erklären dient nur einem Zweck. Schmid geht jedoch weiter. Er bringt die Sprache in I.4. auf den Antimodernisteneid und behauptet:
Der Inhalt des noch bis ins Jahr 1967 obligatorischen und von katholischen Klerikern (bis etwa zum Geburtsjahrgang 1942) abgelegten Eids ist in unserem Zusammenhang vor allem deshalb bemerkenswert, weil er von nahezu allen am Schwerter Deschner-Symposion beteiligten katholischen Theologen abgelegt wurde und nicht nur im Blick auf die Entwicklung ihrer geistigen Unabhängigkeit von nicht geringer Bedeutung gewesen sein dürfte
 Schmid unterstellt also, dass alle Theologen, die zu Zeiten der Wirksamkeit des Eides aufgewachsen sind und studiert hatten keine geistige Unabhängigkeit, also keinen kritischen, selbstständigen Geist und Verstand entwickeln konnten. Das ist nicht nur eine ungeheure Herabwürdigung jeder einzelnen Person die in dieser Zeit katholische Theologie studierte, sondern macht aus dem Studium durch diesen Eid in anderen Worten eine Indoktrination, vergleichbar höchstens noch mit den Kaderschulen des Dritten Reiches und der Sowjetunion. Und unter diesem Blickwinkel müsste in der Konsequenz der bspw. in den genannten Staaten Studierte danach völlig unfähig sein, Kritik an dem jeweiligen System zu üben. Die Vielzahl an system- oder diktatorenkritischen Publikationen aber eben solcher Autoren ist ein Indiz für die Unwahrheit dieser Unterstellung, ebenso wie die hohe Zahl an Studenten der katholischen Theologie, deren Arbeiten oder Lebenswerke Kritik enthalten oder Distanz zur Kirche entwickeln.
Im Text geht es weiter mit der völligen Absprache von angeblich notwendiger Unparteilichkeit und Kompetenz. Zum Thema der Unparteilichkeit muss Deschner selbst das Wort erteilt werden:
„Ich schreibe aus Feindschaft. Denn die Geschichte derer, die ich beschreibe, hat mich zu ihrem Feind gemacht“, begründet Deschner sein Schreiben.
  

Qualifikation, Theologiestudium und Konfessionsabstammung


Das nächste Paradoxon an dieser Argumentation, so man sie so nennen will, ist die mangelnde Qualifikation durch ein verderbendes oder falsches Studium, wie es bspw. in Punkt eins der Betrachtungen ausgeführt wird. Blickt man nämlich auf den hier ja eigentlich besprochenen Autor, so entdeckt man: auch dieser Mann hat "nur" ein Theologiestudium. Seine Qualifikation zur historischen Arbeit ist somit aus fachlicher Sicht gering. Das Handwerkzeug der Historiker hat er nicht kennen oder nutzen gelernt, außern in den Auszügen, in denen es im Studium der Theologie angesprochen wird.
Dieser Makel ist wohl auch den Anhängern Deschners bewusst, steht doch im Wikipedia-Artikel über den Autoren:
"Er hörte unter anderem Vorlesungen über Literaturwissenschaft, Rechtswissenschaften, Philosophie, Theologie und Geschichte."  (Stand Februar/März 2013)
Ich bitte bspw. oben genannte Professoren bei selbigem, von der "communitiy" geschrieben Lexikon nachzuschlagen und zu erfassen, wie viele andere Akademiker die Liste der Bereiche, aus denen sie jemals Vorlesungen gehört haben aufgeführt haben. 
Ich für meinen Teil habe im Laufe meiner Studienzeit Vorlesungen und Seminare aus mindestens 8 anderen Fachbereichen außer denen meines Studiums gehört. Dies qualifiziert mich jedoch in keinem dieser Bereiche zu irgendetwas. Um genau zu sein, wenigstens drei davon gehörten zu den Naturwissenschaften, ein Bereich in dem ich mich nicht ohne gewisse Verlegenheit als völligen Versager bezeichnen muss.

Bezeichnend auch die permanente Betonung der Konfession oder der Nähe zu dieser Konfession. Es scheint dort Allgemeinwissen zu sein, dass ein Mensch katholischen Glaubens oder mit Sympathien zu dieser Konfession nicht in der Lage sei, historische Ereignisse und Zusammenhänge nicht erkennen kann oder sie reflexhaft versucht zu verschleiern. Er muss sich demzufolge zwangsläufig gegen Deschner stellen und damit gegen den scheinbar Einzigen, der in der Lage war, die Wahrheit zu ergründen und zu verkünden, obwohl er doch aus katholischem Umfeld stammte.
Diese Sicht erscheint mir zynisch, ist sie nichts anderes als die Behauptung, Deschner sei ein Übermensch über den sonst von Natur aus verderbten Katholiken. Eine Vorverurteilung die Deschner andersherum als ein Elend beschreibt.
Und noch ein Hinweis muss an dieser Stelle sein. Unter Deschners Quellen und Literaturverweisen finden sich in herausragendem Verhältnis solche, die von Katholiken verfasst wurden. Dies widerspricht der Haltung, Katholiken würden verheimlichen und entstellen zumindest grundlegend.

Schlussendlich wenden wir die Methode Schmids einmal als Gegenprobe bei seiner eigenen Person an. In seinem Text wird er vorgestellt:

Hermann Josef Schmid, Dr. phil., geb. 1939 in Köln; 1964-66 Bundesvorsitzender der Humanistischen Studenten-Union (HSU); 1968 Promotion in Philosophie an der Universität Freiburg; seit 1969 an der Pädagogischen Hochschule Ruhr; 1976 Habilitation; seit 1980 Professor für Philosophie an der Universität Dortmund; Arbeit an der Revision entwicklungsblinder und weltanschaulich verseuchter Nietzsche-Interpretation; Hauptwerk: Nietzsche absconditus oder Spurenlesen bei Nietzsche. Beiratsmitglied des Internationalen Bundes der Konfessionslosen und Atheisten (IBKA) e. V.

Mir persönlich sticht dabei ein Wort ins Auge: verseucht. Ich weiß nicht, wie es Ihnen geht, verehrter Leser, aber bei mir löst solche Wortwahl unwillkürlich Assoziationen aus. Wenn die Sprache anfängt, bei Biologie bzw. Medizin Vergleiche zu Krankenheiten zu ziehen wenn es um Menschen und ihr Werk geht kann ich nur annehmen, dass tiefste Verachtung die Ausgangsbasis ist.
Dazu kommt das Betätigungsfeld. Nicht nur, dass Nietzsche scheinbar den Kern wenn nicht sogar den Lebensinhalt des Prof. Schmid darstellt, er ist zudem eine der Führungspersönlichkeiten des Bundes der Konfessionslosen und Atheisten. Deren Veröffentlichungen sind gekennzeichnet von vehementen Angriffen auf christliche, vor allem aber katholische Institutionen und Personen sowie Glaubensinhalte, dies bereits seit Jahrzehnten. Diese Grundeinstellung behindert natürlich eine unvoreingenomme Bewertung der Vortragenden und Inhalte der Schwerter Tagung.

Bis auf den ersten Absatz bitte ich dies nicht ernst zu nehmen, es dient nur, stark verkürzt, zur Spiegelung.

Im Fazit erscheint mir hier, dass eine Ideologie, die zudem aus Abneigung, Feindschaft und offenem Hass geboren ist, hier eine Person und sein Werk aufwerten, während es das Objekt und die Menschen die es betrachtet bereits im Vorfeld verurteilt hat. Und genau dies wird dann wiederum den Christen, dem Christentum und seinen Institutionen vorgeworfen.



Der Text wurde nicht korrektur gelesen, Fehler (von denen es vermutlich reichlich gibt) ruhig melden, ich korrigiere sie dankbar.
Die letzte Fortsetzung folgt in einigem zeitlichen Abstand, da ich hierbei direkt auf einige Textstellen eingehen werde, bis auf die theologische Fakultät aber keines der Institute in meiner Reichweite die Reihe vorliegen hat.