Dienstag, 29. März 2016

Gewalt und Liebe

Pieter Bruegels "Sturz der rebellierenden Engel"
Ob der Leiter der katholischen Bischofskonferenz oder die ehemalige Präses der evangelischen Kirche, ob Grüne Jugendchefin oder integrationspolitische Sprecher - sie alle verweisen darauf, dass wir den Terroristen, ihren An- und Bewerbern mit Liebe entgegentreten sollten. Feindesliebe als Gebot der Stunde.
Liebe und Gewalt stehen aber ohnehin in vielfältiger Beziehung. Manche Menschen ertragen aus Liebe Gewalt. Natürlich allen voran Jesus und die Märtyrer, die aus Liebe zu Gott, der Kirche, den Menschen oder allgemein ihrer Religion durch Qualen bis in den Tod gehen. Oder Opfer häuslicher Gewalt, die aus Liebe immer wieder Glauben, dass ihr Mann, Freund, Ehefrau oder Freundin diesmal wirklich bereut und sich ändert. Oder das die Eltern aus Liebe zugeschlagen haben.

Und auch hier kann man, wenn auch aus unserer heutigen Sicht schwerer verständlich, Liebe und Gewalt Hand in Hand sehen - wenn Eltern versuch(t)en ihre Kinder zu erziehen, auf die Welt vorzubereiten, ihnen Regeln beizubringen und dabei auch zu Körperstrafen greifen. "Das tut mir mehr weh als Dir" mag zwar eine Phrase sein - aber ein Kern ist bei manchem wohl drin.

Nicht zu vergessen, die sexualisierte Gewalt. Die SadoMaso-Anhänger, die "Fesselspiel"-Shade-of-Grey-Fans und leider auch die Vergewaltiger, kindesmissbrauchenden Perversen und was es da noch so alles gibt, denen Gewalt die Liebe in der Sexualität ersetzt.

Natürlich sind dies nicht die Formen, die Marx oder Käßmann meinen. Sie meinen die besagte Feindesliebe. Einem Hassenden mit Liebe und offenem Herzen begegnen und ihn so entwaffnen.
Das Konzept ist toll. Und es mag manches Mal funktionieren. Ein Feind, der in den Krieg zieht, weil er muss. Ein Feind, der sich ergeben hat und auf Gedeih und Verderb ausgeliefert ist. Ein Feind, der glaubt, gegen das Böse, gegen grausame und herzlose Gegner zu ziehen.
Ja, auch ein Individuum, dass sich gegen alles stellt, weil es keine Liebe kennt kann durch die Liebe umgestimmt werden. All das ist vorstellbar.

Aber es gibt auch in der christlichen Religion die Einsicht, dass mitunter ein Kampf nicht zu vermeiden ist. Wie wir als Sieger die Sache dann beenden, das hängt von unseren Überzeugungen und vom Verhalten der Gegner ab.
Die Forderung den Terroristen mit Liebe entgegen zu treten ist an Schwachsinnigkeit, an Selbstaufgabe und -verleugnung völlig daneben und zeugt in meinen Augen von Geistesschwäche und einer einseitigen Theologie, die nie in der Realität ankam. Sätze und Forderungen von Menschen, denen noch nie ein Messer an den Hals gehalten wurde, deren Kinder nicht auf einem Spielplatz in die Luft gesprengt, deren Hund nicht als Warnung geköpft und sein Haupt an die Eingangstür genagelt wurde. Deren Nachbarn nicht vergewaltigt und zerstückelt, die Tochter nicht entführt, zwangsislamisiert und durch Vergewaltigung geschwängert wurde.
Es ist diesen Opfern von Gewalt und Terror gegenüber eine Ungerechtigkeit die sich kaum beschreiben lässt, wenn Menschen behaupten, durch Liebe könne man diese Gewalt aufhalten oder gar besiegen. Die Täter bekehren. Sie reiht sich ein in das merkelsche Geseiere, man müsse nur mehr in die Kirche gehen, um eine Islamisierung zu stoppen.

Schuster bleib bei deinen Leisten - diesen Spruch sollten sich auch diejenigen zu Herzen nehmen, die eine Strategie vorschlagen wollen, ohne auch nur die leiseste Vorstellung zu haben, wie es im Krieg, im Kampf, ja während eines Anschlages zugeht.
Zur Erinnerung (die folgenden Videos sind nicht für Kinder geeignet): Gnade ist in den Augen der islamischen Terroristen eine Schwäche, die es zu bestrafen gilt.

Tamara Fogel ist heute 17 Jahre alt. Frau Käßmann, Herr (!) Marx, reisen Sie nach Israel und sprechen Sie mit ihr. Erzählen Sie ihr, von Ihrer tollen Idee. Und dann sehen Sie sich die Bilder an, hören Sie sich die Berichte der Polizei und des Mädchens an. Sprechen Sie mit den durch EU Fördergelder und den "Märtyergaben" der palästinensischen Behörden weiterhin unterstützten Mördern. Ich kann nur hoffen, dass Sie dann begreifen, dass so manches Böse nicht mit Liebe geändert werden kann sondern nur zum eigenen Schutz bekämpft.
Michael besiegt Luzifer, Luca Giordano

Kommentare:

  1. Die derzeitige Doppelzüngigkeit wird nicht weniger deutlich an der dauernden Wiederholung des christlichen Ansatzes, die Schwachen zu schützen – und deswegen gegen geschlossene Grenzen zu opponieren, denselben Grundsatz aber eben nicht gegen Terrorismus anzuwenden, um Opfer zu verhindern. Diabolische Wortverdreherei in Reinkultur.

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    1. Die eigene Wahrnehmung macht es vermutlich. Die europäischen Opfer sind ja nicht "in Lumpen" unterwegs und Reisen nicht auf klapprigen Schleuserbooten - darum sind sie wohl in den Augen der wohlgenährten und -getrunkenen nicht die Schwachen.
      Die Einsicht möge sie treffen.

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  2. Das ist alles nur schwer erträglich geworden, aber ich habe ja auch schon dazu was angemerkt gehabt. Ob wir jetzt über Starke oder Schwache reden, bei einem Anschlag sterben zunächst mal "Unschuldige", und das ist nicht im kirchlichen Sinne gemeint, sondern im militärischen Sinne - also ZIVILISTEN. Und übrigens sterben bei einem Anschlag auch Ausländer, Touristen, Integrierte, Kinder, Behinderte, Alte und einfach so ziemlich alle Menschen, die gerade am falschen Ort waren. Wenn die Rede dann aber von Neonazis ist, die Anschläge begehen, höre ich selten etwas von "Liebe", da wird gerne und vollmundiger verurteilt von seiten der kirchlichen Führer. Natürlich zu Recht, aber wieso muss man IS-Terroristen mit Liebe begegnen, der NSU aber eher nicht? Die Logik hat sich mir nicht erschlossen - wobei ich sowieso das Liebeskonzept für Terroristen vollständig ablehne, und zwar egal ob sie NSU heißen oder RAF oder eben ISIS. Weil es einfach Humbug ist. Und zwar nicht nur theologischer, sondern auch strategisch-taktischer und sowieso politischer Humbug. Wer glaubt, dass Jesus unbelehrbaren Sündern - und dazu gehören Terroristen zunächst mal, sofern sie sich nicht bekehren - etwa mit Liebe entgegentreten ist, hat die Bibel nicht so richtig verstanden. Aber es ist natürlich auch möglich, dass ich alles falsch verstanden habe. Allerdings würde sich das dann anders anfühlen, um auch mal mit diesem Argument zu punkten :D

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