Donnerstag, 31. Dezember 2015

Weihnachten und das Terrorjahr 2015 geht zu Ende. Mit mehr Knall als uns lieb sein kann.

Was für ein Jahr. Was für ein Weihnachten und was wird wohl das neue Jahr bringen.
Das alte jedenfalls brachte Terror, und ich persönlich sehe darum 2015 als "das Terrorjahr". Und ehrlich gesagt, wie sollte es besser werden? Es endet jedenfalls so, wie es begann. Menschen sterben und diejenigen, welche die Macht hätten etwas zu unternehmen und endlich etwas zu tun ergehen sich in Wortglaubereien, Debatten und Schuldzuweisungen an teilweise völlig unbeteiligte oder sogar die Opfer selbst.

Schon Weihnachten 2014 hat es erahnen lassen, bzw. es wurde vorher angekündigt. Drei Anschläge kurz vor dem christlichen Fest in Frankreich, (zwei davon mit Autos, wobei nach wie vor behauptet wird, lediglich eine Vorfall davon sei ein islamistischer Anschlag,) ließen erahnen, dass da noch mehr kommt.
Im Januar dann das Massaker bei Charlie Hebdo und die anschließende Geiselnahme inklusive Ermordungen in einem jüdischen Supermarkt.
Bei uns ziemlich unbeachtet auch ein Hinterhalt der Islamic Liberation Front auf den Philippinen, bei dem eine Spezialeinheit der Polizei, welche einen Bombenbauer der verantwortlich war für mehrere Anschläge auf Zivilisten vollständig aufgerieben wurde. Dabei wurden 44 Polizisten ermordet und 15 verwundet. Hinter diesen Worten verbirgt sich ein grausames Abschlachten der Polizisten, inklusive der Exekution der Verwundeten und der anschließenden Plünderung der Leichen bis auf die Unterwäsche. Videos davon, gedreht von den beiden Gruppen MILF und BIFF haben es immerhin bis youtube geschafft, wenn auch kaum zu unseren Medienvertretern.
Gleiches gilt für Indonesien, Malaysia, Xinjian-Provinz von China und den Süden Thailands (während die politischen Unruhen im Rest des Landes immerhin mitunter in den Meldungen auftauchten). Nicht zu vergessen Nigeria, Somalia, Pakistan, Afghanistan, Syrien, Irak, Ägypten, Israel, Libanon, Tunesien, Libyen und die Türkei. All diese Länder und all die Anschläge darin erreichen uns kaum oder berühren uns nicht. Das fast eine ganze Kleinstadt in Nigeria durch Boko Haram ermordet wurde im gleichen Zeitraum, in dem in Europa die Trauer über Charlie Hebdo (nicht aber über den jüdischen Supermarkt) auf Plakaten herumgetragen wurde, sprach da Bände.
Und auch ich kann nicht alle Anschläge und Opfer dieser Länder hier aufzählen. Als Nicht-islamisches Land habe ich daher stellvertretend die Philipinnen gewählt (und da ich Freunde von dort habe, die Anschläge mich also nochmal etwas mehr berühren, wie ich zugeben muss).


Bei uns in Europa ging es am 3. Februar schon mit einem weiteren Anschlag in Frankreich weiter. Drei Militärangehörige, zum Schutz eines jüdischen Gemeindezentrums eingesetzt wurden niedergestochen, als ein Angreifer versuchte, sich zugriff auf die Anwesenden Zivilisten zu verschaffen.
Am Valentinstag kam es zum nächsten Angriff. Das Fest der Paare wurde in Kopenhagen durch einen islamistischen Anschlag auf eine Konferenz zum Thema Meinungsfreiheit, bei der u.a. der Organisator, Karrikaturist und Mohammedzeichner Lars Vilks anwesend war vorzeitig beendet. Drei Polizisten wurden verletzt. Ein Teilnehmer, Finn Nørgaard wurde getötet. In der Folgenacht griff der Täter trotz intensiver Polizeifahndung eine Synagoge an und tötete den Wachmann Dan Uzan bei seinem Versuch, eine Bar Mitzwa Feier zu stürmen.
Gedenkbilder für Aurélie Châtelain
Am 19.04. ermordet ein Islamist eine junge Frau und alleinerziehende Mutter bei Villejuif in Frankreich, steckt ihre Leiche in den Kofferraum und will nach Paris, um dort zwei Kirchen
anzugreifen. Seine vollautomatische Waffen weiß er aber nicht zu bedienen und so schießt er sich selbst ins Bein, vermutlich beim Aussteigen oder als er sie durchladen will. Der Polizei stellt er sich erst als Opfer von Kriminalität dar.

In Saint-Quentin-Fallavier kommt es im Juni zu einer Enthauptung und dem anschließenden Versuch, mit dem Auto zwei große Gastanks zu rammen um sie zur Explosion zu bringen. Der Versuch schlägt knapp fehl.
Im gleichen Monat rammt ein Mann in eine Menschenmenge, verletzt 34 Menschen und tötet drei. Er steigt aus und schreit "Allahu Akhbar",  bevor er mit einem Messer versucht auf weitere Personen loszugehen. Nach seiner Festnahme wird er als "geistig instabil" eingewiesen.
Der Versuch im August in einem Thalys-Zug mit einer vollautomatischen Kalashnikov, einer Pistole und einem Messer ein Massaker anzurichten wird durch das eingreifen einiger Zivilisten, davon zwei amerikanische Soldaten außer Dienst, daran gehindert. Er hatte seine Waffe auf der Zugtoilette nicht erfolgreich vorbereiten können und so die Reisenden und Zugbegleiter auf sich aufmerksam gemacht.
Vier Menschen werden verletzt.

Eine Polizistin wird in den Hals gestochen, als ein Islamist sie in Berlin im September überraschend angreift. Im gleichen Monat geschieht das gleiche mit einem männlichen Beamten in Kopenhagen vor einem Flüchtlingscenter. Ob das ähnliche Geschehen in einem Ikea-Einkaufscenter in Schweden, bei dem Mutter und Sohn erstochen und angeblich enthauptet wurden ebenfalls in die Liste der Terroranschläge gehört, wird offiziell verneint ohne auf die Ähnlichkeiten bestätigter Fälle einzugehen.
Im Oktober stürmen Islamisten ein Hotel auf den Philippinen und nehmen vier Urlauber als Geiseln. Sie versuchen damit bis heute die Regierungen zu erpressen. Ein Mittel, welches sie mittlerweile seit vielen Jahren erfolgreich einsetzen.
Am 24.10. stürmt ein Mann unter "Allahu Akhbar" ("Allah ist größer") rufen in Marseille in eine Synagoge und sticht auf einen Rabbiner und einen weiteren Mann ein, bevor ihn die Sicherheitskräfte überwältigen können.
In Mailand wird ein orthodoxer Jude auf offener Strasse mit neun Stichen niedergestreckt. Er überlebt dank schnell eintreffender Rettungskräfte.
Erneut in Paris, in der Nacht vom 13. auf den 14.11. kommt es zu einem großen, gut geplanten und ausgerüsteten Anschlägen von wenigstens acht Terroristen. Mindestens 130 Menschen verlieren ihr Leben, 352 werden verletzt.  Im Anschluß werden mindestens ein dutzend Razzien in Häusern bekannter Islamisten unternommen, dabei dutzende Kriegswaffen sichergestellt, und der Drahtzieher wird in Belgien bei einer Hausstürmung erschossen, bei der auch eine junge Frau in einer Explosion getötet wird. Ob Selbstmordattentat oder Mord steht bislang nicht fest.
Nur fünf Tage später, am 19.11. wird ein jüdischer Lehrer von offen mit ISIS sympathisierenden Jugendlichen mit Messern angegriffen, gefoltert und schwer verletzt. Während der Folter zeigen sie ihm Bilder von Mohammed Merah, welcher bereits 2012 eine Reihe schwerer Anschläge auf muslimische Soldten der französischen Armee und französische Juden begangen hatte.
Zum Fest begehen Islamisten auf den Philippinen mehrere Anschläge mit weit über einem dutzend Opfern.

Und neben all diesen zum Teil wenig beachteten Ereignissen und all den nicht gemeldeten vereitelten Attentaten tobte dann noch der reguläre Wahnsinn, fremdenfeindliche Brandstiftungen, linksradikale Anschläge auf die Polizei, Bundeswehr und Wirtschaft und die (organisierte) Kriminalität.

So wurde am heiligen Abend ein Polizist während einer Routinekontrolle erstochen, sein Kollege schwer verletzt.
In Wedding wird aus Rache für eine vorhergehende Schlägerei während der Weihnachtsfeiertage eine Großfamilie von einer anderen angegriffen und beschossen. Dabei stirbt einer, weitere werden verletzt.
In Hamburg schießt vor Kurzem eine Gruppe von Tätern, vermutlich Mitglieder einer konkurrierenden Rockerbande, auf Mongols Mitglieder, verletzen dabei einen schwer und gefährden dabei den Taxifahrer und einen unbeteiligten Fahrgast.
Brüssel sagt aufgrund der Terrorgefahr, die erst Ende November bis Anfang Dezember zu einer Art Belagerungszustand geführt hatte, die Neujahrsfeiern ab.
In Weimar sollte am 30.12. ein junger Mann kontrolliert werden. Der flüchtet, telefoniert dabei seinen Clan herbei. Als die Beamten ihn stellen werden sie selbst umringt und mit Waffen bedroht. Diese stellen sich beim abdrücken als Schreckschusspistolen heraus. Ob durch den Knall oder durch Aufsetzen der Waffe auf den Körper, einer der Beamten wird dadurch verletzt und anschließend noch gegen den Kopf geschlagen. SEK Beamte stellen die Verdächtigen später in einer Wohnung, verhaften jedoch lediglich zwei.

Ich lese immer, dass Gewalt und Kriminalität am sinken seien, dass Terrorismus nur winzige Teile der Gesellschaft träfe und überhaupt, alles sei gar nicht so schlimm, wir würden nur besser informiert.
Es fühlt sich nicht so an. Man weiß, dass da vieles gar nicht über Lokalniveau hinausgeht - wenn überhaupt so weit. Und wenn man selbst Schutz braucht, lernt man auch, dass es keinen gibt.
Es bleibt nur auf die Zukunft zu hoffen. Auf einziehende Ehrlichkeit und den Willen die Zustände zu ändern, statt Schuld zuzuschieben.
Ich hege Zweifel - aber vielleicht überrascht mit ja 2016.
In diesem Sinne wünsche ich allen ein gesundes neues Jahr und einen guten Rutsch.


Kommentare:

  1. Trotz alledem: Ein gutes Neues Jahr, Theodred!

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    1. Entschuldigen Sie die späte Veröffentlichung.
      Vielen Dank und auch Ihnen und Ihren Liebsten ein gutes, friedliches und gesundes Neues.

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    2. Kein Kein Problem! Haben Sie eigentlich meine Email erhalten? :)

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    3. Habe ich (auch hierfür vielen Dank), allerdings fiel mir bislang keine angemessene Antwort ein. Denn was uns mitunter trennt ist der Umgang mit Worten. Da haben Sie mir doch einiges voraus, und ich habe dabei Ihre italienischen Wurzeln in Verdacht.

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    4. Ich kann mitunter auch sehr differenziert und äußerst zurückhaltend sein - wenn ich es für angebracht halte.

      Noch viel Erfolg! Ich mag Ihre Beiträge, auch wenn ich nicht immer dazu komme, zu kommentieren.

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    5. Da haben Sie mich falsch verstanden. Ich wollte keineswegs eine stärkere Direktheit oder mangelnde Differenzierung Ihrerseits anführen - eher im Gegenteil. Sie gebrauchen meist sehr schöne, allzuoft humorvoll (mitunter stichelnde) Worte und Wortspiele, die eine regelrecht literarische Note haben.
      Den Gebrauch der Sprache haben die Italiener uns oftmals voraus. Zwischen Höflichkeit und verbaler Ohrfeige gibt es da ein Spektrum und eine Wortmalerei, die zumindest mir leider so nicht gegeben ist.
      Und eine venezianische Sicht der Dinge (wie in einer kürzlichen Kommentardiskussion über die Akte Konstantinopel) finde ich ohnehin erfrischend.
      So, nun aber genug gelobheimert. Ich freue mich jedenfalls über Ihre Kommentare, Wünsche und Bekundung und denke, wir schreiben uns noch häufiger über den Kommentar :)

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