Mittwoch, 11. Mai 2016

Welches Geschlecht haben Sie denn heute? - ein Klokommentar und Toilettengespräch...

In den USA hat die Obama-Regierung bzw. deren Justizministerium, welches unter Obama einen deutlichen Kurswechsel zu verzeichnen hat, nun Klage gegen den Bundesstaat North Carolina wegen Verstoßes gegen das Anti-Diskriminierungsgesetz.
Was war passiert? North Carolina hat per Gesetz den Menschen vorgeschrieben jene öffentlichen Toiletten zu benutzen, die mit dem eingetragenen Geschlecht in ihrer Geburtsurkunde übereinstimmen.
Dies wäre eine Gefährdung der Transgenderleute - sie würden sexuellen Übergriffen ausgesetzt., behauptet u.a. das Justizministerium der USA. Diese Diskussion ist in den USA nun kontrovers geführt worden und eskaliert derzeit. Dabei wurde u.a. angeführt und ignoriert, dass diese Behauptung Millionen von Menschen zu Sextätern machte - so als würde in den öffentlichen Toiletten eine Stimmung sexueller Gewalt leben, die nur darauf wartet, dass jemand eine Kabine in der falschen Kleidung betritt. Natürlich geht es hierbei eigentlich um Männer und dementsprechend um jene Umgewandelten, die sich als Frau geben oder als solche leben.
Was es allerdings weit häufiger gibt, sind sogenannte Spanner, die mitunter persönlich, oft aber mittels angebrachter Kameras eine Toilette, Dusche oder Sauna beobachten um sich ihre persönliche Befriedigung durch den Anblick der nichtsahnenden Opfer zu holen. Und Pädophile, die sich Kindern nähern und sie unsittlich berühren oder verwundbare Momente für Schlimmeres nutzen (Beispiele aus dem anglo-amerikanischen Raum und aus Deutschland bzw. Österreich). Öffentliche Toiletten sind oft Tatort solcher Vorfälle
Das ist der Hintergrund, warum North Carolina besorgter darüber ist, dass Perverse die Möglichkeit ausnutzen, sich ihre Toilette auszusuchen als die zudem bislang ohne Beispiele vorgebrachte Behauptung, Transgender würden einer Gefahr ausgesetzt. Darüber hat die Regierung erst mit Entzug der Förderungsgelder für die Universitäten und kulturellen Einrichtungen gedroht (was ihr gar nicht zusteht) worauf North Carolina den Bundesstaat verklagte (was hierzulande wenig berichtet wurde) und nun hat das Justizministerium Anzeige gegen NC eingereicht (was breit berichtet wird).

Ich persönlich habe zu Studiumszeiten mehrfach die Erfahrung gemacht, dass eine junge Dame ungeniert in die Herrentoilette kam, weil vor der weiblichen Entsprechung eine Schlange stand. Während aber dort eine Reihe von Pissoirs steht und man, wie bei diversen Freilufteinrichtungen, erwartet, dass die Herren dort mit ihrem besten Stück in der Hand klaglos hinnehmen, dass auch mal eine Frau oder ein Kind vorbeigeht und Dinge sieht, die auch heute noch eigentlich der Schamhaftigkeit unterliegen, sind die Damenklos trotz höherer Frequentierung nicht auf auf Quantität sondern Intimität ausgelegt - also alle in Kabinen.
Und nein, das soll nicht verschweigen, dass es auch echte Ferkel gibt, die sich nicht zu schade sind, irgendwo "wild zu pinkeln" oder Perverse die ihr "bestes" Stück präsentieren, ob frau und kind will oder nicht.

Nie aber wurde in meiner Anwesenheit eine Frau, und kam sie noch so aufreizend gekleidet herein (Studentinnen in der Sommerzeit in alten Schlössern oder 70er-Jahre-Bauten setzen nicht zwangsläufig auf Körperbedeckung, was ihnen unbenommen sei und hier lediglich wegen des Kontextes erwähnt wird), Opfer sexueller Übergriffe. Bis auf ein einziges Exemplar war es eher umgekehrt, dass die anwesenden Herren sich oft peinlich berührt gaben und plötzlich vor unangenehmen Folgen (Verkrampfung in just diesem Moment....) standen, meist eifrig bemüht mit ihrem Körper abzuschirmen, was die junge Frau nicht sehen sollte.
Vielen aber war es völlig egal. Lediglich der Versuch einer jungen, stark angetrunkenen Frau, ihrerseits ein Pissoir zu nutzen (die Kabinen waren alle besetzt) führte zu generell verdutzten Blicken und einer Reihe von Lachern - und ein oder zwei die lieber die Räumlichkeiten verließen.

So unangenehm oder vulgär dieses Thema und die Erzählungen sind, sie illustrieren, dass hier etwas zu einem Problem gemacht wird, was keines ist, während ein existierendes ausgeblendet wird. Wir sprechen eben nicht über Strafanstalten, in denen Menschen mit einem hohen Gewaltpotential, niedriger Hemmschwelle und möglicherweise Erfahrung in sexueller Kriminalität teilweise auf Jahre ausschließlich mit Vertretern ihres eigenen Geschlechtes eingesperrt werden. Die Gefahr für Transgender in diesem Fall ist unbestritten - auch in North Carolina.
Wir sprechen hier über reguläre Toiletten und eine doch recht überschaubare Zahl an Personen, die ihr Geschlecht ändern und/oder anders empfinden. Die Verbrechen, die dort geschehen werden durch erleichterten Zugang zu sonst vor allem für Männer gesperrte Räume gefördert, während die behaupteten Verbrechen faktisch nicht existieren. Und während man kein Problem hat vor allem allen Männern erstmal die Neigung zu Sexualverbrechen anzudichten ist dies im Falle echter oder vorgetäuschter Transgender scheinbar jenen Kreisen undenkbar. Die Diskriminierung liegt hier also eher auf Seiten der Masse.

Schade das dieses unsinnige Thema dazu führte, dass Unterhaltungsgrößen wie Bruce Springsteen und der Cirque du Soleil ihre Auftritte in diesem Bundesstaat mit mehreren Millionen Einwohnern absagten. Sie glauben damit ein Zeichen zu setzen, in Wirklichkeit bestrafen sie ihr Publikum, die mit der Sache vermutlich gar nichts zu tun haben. Solidarität sieht anders aus.

Kommentare:

  1. Zur Ansicht: http://www.queer.de/detail.php?article_id=26325

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    1. Danke für den Hinweis. Der Mann hat mein volles Mitgefühl und ich hoffe, er findet doch noch Hilfe und einen Weg, sein Leben zu leben.
      Schade ist das sofort aufgemachte Feindbild, weil "sein Elternhaus katholisch war".
      Wenn es die Religion wäre, die ihm so zu schaffen machte oder das Elternhaus mit katholischen Ansichten, dann würde Sterbehilfe und Selbstmord mindestens ebenso stark abgelehnt - denn die sind weit schwerwiegendere Verfehlungen.
      Aber man kann es sich einfach machen, wie so viele der Kommentatoren dort.

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    2. Danke für Ihre Antwort.
      Aus aktuellem Anlaß und zum Gedenken der Opfer habe ich mein Anliegen nochmal an einige Bistümer herangetragen, da ich eine echte, psychotherapeutisch orientierte Seelsorge in unserem bedrohlich konsumistischen, Mensch und Natur rein objekthaft verzweckenden Zeitgeist für dringend geboten halte: "Die antiemanzipatorische, antiaufklärerische, antiegalitäre und illiberale Agitation von Teilen der kath. Kirche steht strukturell in tiefer Mitschuld an dem Massenmord jetzt in Orlando. Anzuklagen sind diese Personenkreise im Besonderen für ihre "Familien"-Ideologie (bzw. "Kinderschützer"-Ideologie oder "Lebensschützer"-Ideologie), die beispielsweise hierzu führt: http://www.queer.de/detail.php?article_id=26325 - Die Kirchen werden vom Staat bezahlt für eine gründliche Seelsorge, die durch genannte Kreise hintertrieben wird. Es handelt sich um einen schweren Mißbrauch des eigentlichen Auftrages. Statt des Einsatzes für seelische Integrität, Frieden, Güte und Barmherzigkeit betreiben diese Personen - gemäß ihrer eigenen seelischen, emotionalen und sexuellen Defizite und Störungen - Verwirrung, Spaltung, Angst und Hass. Sprechen sie von "KInderschutz", meinen sie oft eigentlich die unterschwellige, also auch ganz unbewußte Weitergabe tiefsitzender verdrängter eigener seelischer Schäden, die immer wieder auf´s Neue die "Produktion des Bösen" antreibt, so etwa die Psychoanalytikerin Alice Miller (vergleichbar auch Arno Gruen, Eugen Drewermann etc.)".
      Wie ein halbwegs gebildeter Mensch weiß, daß ein Automotor Öl und Benzin braucht um zu funktionieren, ist es leider noch nicht im allgemeinen Bewußtsein angekommen daß ein Mensch einen seelischen Asylraum eines Angenommenseins vom Absoluten her existentiell notwendig braucht, von "Gott" her, wenn man so will. Fehlt diese existentielle Wertschätzung, "muß" ein Mensch nachgerade zerstörerisch wirken.
      Zu dieser Vermittlung einer existentiellen Wertschätzung wären die Kirchen dringend nötig, werden aber beispielsweise massiv durch Anhänger kruder "Naturrechts"-Ideen sabotiert, denen es letztlich eigentlich - unbewußt - darum geht, ihr sich perpetuierendes eigenes Leiden etwa an unterdrückter pubertärer sexueller Selbstbefriedigung oder an ebenso unterdrückten homoerotischen Sehnsüchten in die Welt hinauszutragen. Diese Leute bräuchten eigentlich als erste eine therapeutische Seelsorge zur Integrierung ihrer Gefühle.
      Viele Menschen außerhalb der Kirchen spüren etwas von diesen Problemen und nehmen wahr, daß sie von dorther keine Hilfe erwarten können. Die Horroraufzüge etwa von "Demo für Alle" lassen viele Leute nur noch lachen über eine als eine verschrobene Sekte wahrgenommene Kirche. Dann wenden sie sich ab und die Chance ist vertan.

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    3. Als Mensch mit dem Glauben an Meinungs- und Redefreiheit habe ich Ihre Antwort veröffentlicht.
      Ihre Anschuldigung, die katholische Kirche sei Mitschuld an dem Massaker an Homosexuellen in Orlanda, begangen von einem bekennenden IS-Anhänger unter Mithilfe seiner Frau, nur wenige Wochen nach ähnlichen Anschlägen und zeitgleichen Hinrichtungen im IS Gebiet wegen verschiedenster "Perversionen" ist allerdings in meinen Augen bereits im Bereich der Diffamierung, der boshaften Unterstellung, der Pauschalisierung und der durch Vorurteile und Hass verursachten Feindschaft.
      Die Tatsache, dass Sie völlig losgelöst vom Beitragsinhalt ein anderes Thema anschnitten und nun den in meiner Antwort erwähnten Faktum nicht eine Sekunde Beachtung schenken sondern gleich noch einen islamistischen (!) Terroranschlag missbrauchen diskreditiert Sie.
      Auch Lügen und Falschbehauptungen - etwa die "Bezahlung der Kirchen durch den Staat", während jener durch die "Leistung" des Einzuges der Kirchensteuer Millionen verdient, machen Ihre Einstellung und Geisteshaltung überdeutlich. Ebenso wie Ihre Darstellung der Demo für alle als "katholischen" oder "kirchlichen" "Horroraufzug" - während die Teilnehmer sich quer (!) durch die Gesellschaft rekrutieren und die Kirchen weder Initiatoren noch Hauptorganisatoren sind.
      Dies sei Ihnen unbenommen - nur nicht mehr in meinem Kommentarbereich. Ich werde keine weiteren Beiträge von Ihnen frei schalten.

      Ich habe kein Problem mit sachlicher Kritik an meinem Glauben, der Kirche der ich angehöre oder der darüber stehenden Religion. Auch manche Polemik bin ich gewohnt und ruhige, argumentative Diskussionen erwarte ich nicht.
      Was ich erwarte ist ein Minimum an Diskussionskultur, Würde, Anstand und Respekt.
      Sie haben schon zuvor mit Massenspams und Polemik diese Grundwerte missachtet, aber mit dem Orlando-Verweis sind Sie zu weit gegangen.
      Leben Sie wohl, und ich hoffe, Sie finden dereinst einen Weg, ihre Standpunkte vernünftig zu debattieren.

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