Donnerstag, 9. Juni 2016

Sport, Terror und Zika

Sport gehört seit der Antike zur europäischen Kultur. In enger Verwandtschaft zur Wehrbereitschaft entstand ein reiches Angebot an athletischen und unterhaltsamen Sportarten, die teilweise bis heute gepflegt werden. Zwar läuft kein Athlet mehr mit der Aspis, dem griechischen, großen Rundschild und Speerwurf hat mit kriegerischem Einsatz nichts mehr zu tun, aber ob Ringen, Boxen oder Fechten, manchem Sport kann man noch ansehen, woher er kam.
Anders ist das natürlich bei (fast) allen Ballsportarten. Volleyball, Basketball, Tennis, Boccia oder Boule usw. sind nicht bekannt dafür, dass mit ihnen für Krieg und Kampf trainiert wurde, auch wenn mitunter von einem Ballspiel der Maya behauptet wird, es endete für den Unterlegenen tödlich.
Bei Eishockey sieht die Sache sehr kämpferisch aus, und Knochenbrüche oder ausgeschlagene Zähne sind nicht selten, beim Curling gewinnt man den Eindruck, es handele sich um ein Intensivtraining von Putzkräften.
Sogar die elektronischen Spielen haben mittlerweile eigene Liga-Kämpfe und versuchen sich mit moderner Technik dem Interessierten als Unterhaltungsprogramm anzubieten.
Wir können also mit Recht stolz und dankbar sein, für eine lange Geschichte höchst unterschiedlicher Sportarten. Es findet sich für jeden etwas. Vom Bodenturnen bis zu 24 Stundenrennen, von Martial Arts Kämpfen bis zu Schachturnieren.
Aber keine Sportart dominiert heute das Bewusststein so sehr, wie Fussball. Ein Milliardenmarkt, mit unzähligen Millionen von Anhängern der Teams und ganzen Nationen, die bei EM, WM oder irgendeinem anderen Ligaspiel in Hysterie verfallen.
Und nun steht die Fußball-EM in Frankreich bevor - mehr oder weniger zusammen mit den Olympischen Spielen in Rio. Die Werbemaschinen laufen auf Hochtouren. Kein Einkauf ohne mit Bechern, Plastikblumenkränzen und albernen Hüten in Nationalfarben belästigt zu werden. Die AntiFa macht bereits fleißig Werbung, wieder die an den Autos befestigten Fähnchen zu stehlen. Und kaum eine Firma, die nicht mit Fußballern oder gleich der Nationalmannschaft ihre Verpackungen bedruckt.
Mich nervt das ein wenig, und ich sehe schon sehnsüchtig dem Ende der EM entgegen, denn ich mag keinen Fußball. Ich finde ihn langweilig, zähflüssig, emotional viel zu hochgespielt und unpräzise. Meine Ballsportarten sind Volleyball und Basketball, wenn Fußball dann bitte (das richtige) Rugby oder Gaelic Football - aber damit stehe ich allein. Trotzdem gönne ich jedem Fan das Erlebnis und sehe darüber hinweg, dass viele der temporären Fans weder die Regeln beherrschen noch auf sonstige Nationalmannschaften einen Pfifferling geben.

Dieses Jahr sieht die Sache aber anders aus. Frankreich hat von vielen Seiten Warnungen erhalten, dass islamistische Terroristen Anschläge planen. Frankreich, seit Jahren von einer Terrorwelle geplagt, nimmt das ernst - was aus den heiteren Spielen eine einzige große Sicherheitsschleuse macht.
Und in Brasilien wütet das Zika-Virus. Eine Erkrankung, die bewirkt, dass die Köpfe der Neugeborenen von erkrankten Müttern nicht richtig wachsen und das Kind einen unglaublichen Schmerz durch den Druck ertragen muss und natürlich behindert bleibt.
Was beide Ereignisse gemein haben, ist die Gefahr und die Möglichkeit des ausufernden. Reisende, die das Virus aus Lateinamerika mit nach Europa bringen, also eine Seuche verbreiten und ein Sportereignis, welches Terroristen auf den Plan ruft, die eine ganze Gesellschaft, nicht nur die Fans bedrohen.
Während ein Einknicken, eine Absage im Falle der EM eine Kapitulation vor den Terroristen bedeuten würde und daher andere Reaktionen gefordert sind, ist die Verbreitung des Zika-Virus schlicht unverantwortlich. Statt die Olympischen Spiele abzusagen oder den Ticketverkauf zu limitieren, statt drastische Reisewarnungen und Quarantänevorschriften auszusprechen, wird so getan, als sei nichts. Mittlerweile gibt es bereits in England die ersten Fälle von zurückgekehrten Reisenden.
Die Folgen der Erkrankung können viele Jahre verborgen bleiben - bis ein Kind gezeugt wird.
Das ist wohl auch der Grund, warum der Abschreckungsfaktor bisher unerwartet niedrig ist. Handelte es sich um unheilbare Lepra oder permanenten Haarausfall, um eine tödliche Seuche oder eine Krankheit mit klingenden Namen wie "Schweinepest" oder "Maul- und Klauenseuche", die Leute würden es sich dreifach überlegen. So aber wird trotzdem geflogen.

Hier wird mit Leben gespielt. Für Unterhaltung.
Da geht es nicht um Prinzipien oder Werte, hier ist kein Kampf der Kulturen zu führen und es steht nicht der Untergang der Freiheit auf dem Spiel. Es geht einzig und allein um Leben.



Mittwoch, 8. Juni 2016

"Degeneriert und inzestiös"

Unser Finanzminister ist kein netter Mensch, und auch kein guter. Das liegt nicht nur am Amt und schon gar nicht an seiner durch einen feigen Anschlag eines "geistig Verwirrten" verursachten Behinderung. Das liegt einzig und allein an ihm selbst.
Unvergesslich ist sein bösartiges Lächeln, kurz bevor er seinen Sprecher zu Beginn einer Pressekonferenz vor versammelter Medienwelt runterputzte und wegen einer Nichtigkeit demütigte, so dass dieser kurz danach auch den Posten aufgab. Dadurch kam aber immerhin heraus, dass Schäuble das Ministerium insgesamt auf diese Weise führt. Das Arbeitsklima muss grausig sein.
Eiskalt, berechnend, intelligent, mitleidlos und zynisch - so wird er von seinem Umfeld und Autoren beschrieben.
Ausgerechnet dieser Mann nutzt nun ein Vokabular, welches normalerweise wegen seiner Nähe zur Nazi-Demagogie vermieden wird - um die Ziele der Kanzlerin und der Pro-Flüchtlingsbewegung "näher zu bringen".
„Die Abschottung ist doch das, was uns kaputt machen würde, was uns in Inzucht degenerieren ließe“
sagt er mit Blick auf die langsam in ganz Europa fahrt aufnehmende Gesetzeswelle zur erschwerten Immigration. Womit eigentlich die (fort)laufende Völkerwanderung gemeint ist, die gerade die westliche Welt in Atem hält - oder halten sollte.
Als wären die 740 Millionen (!) Einwohner Europas alle miteinander verwandt und würden nur im nächsten Umfeld heiraten.
Natürlich wird er den Satz eher metaphorisch gemeint haben, also dass Europa durch mangelnde Einwanderung zu sehr auf der Stelle tritt, sich nicht weiterentwickelt. Das war zwar in den letzten 2000 Jahren nur dann ein Problem, wenn Völkerwanderungswellen wie die Germanen oder Hunnen Druck auf die Völker ausübten und die Menschen im Anschluss viel zu sehr damit beschäftigt waren zu überleben als die Zivilisation voran zu bringen und Kultur auszuleben, aber woher sollte ein Finanzminister dies wissen? 

In Deutschland trügen Muslime zu Offenheit und Vielfalt bei: „Schauen Sie sich doch mal die dritte Generation der Türken an, gerade auch die Frauen. Das ist doch ein enormes innovatorisches Potenzial.“
 Das ist, und ich bitte die Wortwahl zu entschuldigen, der heuchlerischste Scheissdreck den ein Minister momentan erzählen kann - und der ausbleibende, faktenbasierte Protest schreit Bände über den Zustand unserer Gesellschaft.
Schon 2010 wurde festgestellt, dass die aktuellen türkischen jugendlichen Mädchen doppelt bis vier Mal (!) so häufig Selbstmord verüben, wie ihre autochthonen oder aus anderen Kulturen eingewanderten Altersgenossinnen. So toll geht es dieser Generation Mädchen und junger Frauen, dass 6 bis 8000 Mädchen in Deutschland von der Verstümmelung ihrer Genitalien bedroht sind.
Und wo wir bei "bedroht" sind: bevor die "Flüchtlingskrise" über uns hereinbrach waren zwischen 3 und 9000 meist türkische, aber auch arabische (inklusive palästinensische) und "nordafrikanische" Mädchen pro Jahr von einer Zwangsehe bedroht - kurz im Urlaub bei der Familie vorbeigesehen und zurück kam man als Ehefrau eines Menschen, den man noch nie zuvor gesehen hatte. Aus den Heimen und Auffanglagern hört man Schreckliches was dieses Verbrechen angeht, die Zahlen dürften drastisch gestiegen sein.
Und jüngst urteilte ein Gericht, eine Kinderehe eines "Flüchtlings" aus dem Irak zwischen Cousin und Cousine (was dabei nicht selten ist) sei rechtens.
Von Ehrenmorden (die eben NICHT identisch mit Familientragödien sind) ganz zu schweigen.
Ja, junge türkische und muslimische Frauen haben Potential - genau wie alle Frauen dieser Welt. Aber in der muslimischen Kultur, auch der dritten Generation türkischer Einwanderer, sind sie keine Hoffnungsträger der Innovation sondern der Vermehrung.
Womit wir bei "Offenheit und Vielfalt" wären. Länge Mäntel und Kopftücher oder gar schwarze Ganzkörperverhüllung ist weder das eine noch das andere. Sein Haar unter Tuch zu verbergen, weil es nach islamischer Überlieferung sittsam sei und (wie es die Salafisten und Wahabiten offen aussprechen) stets die Frau ist, die den wehrlosen Mann verführt, ist nicht offen. Ein paar Blumenmuster auf einen Burkini zu drucken während man die Geschlechter in den Schwimmbädern wieder trennt ist keine Vielfalt.

Die Bedrohungslage hat sich in den letzten 15 Jahren dramatisch verschlechtert, die Zahl der Ermordeten, Verstümmelten und ihr Lebtag gezeichneten geht mittlerweile auch in Europa in die Tausende. Stadteile werden selbst für Polizisten zu gefährlich und in Frankreich wird man in dutzenden wenn nicht hunderten der durchsuchten Moscheen fündig was Hetze und Propaganda angeht, alles andere als selten auch Waffen.
Das ist kein Ergebnis von Einwanderung, das ist ein Ergebnis zwanghafter Augenwischerei, wie sie Schäuble betreibt. Es gibt Muslime und Einwanderer die eine Bereicherung sind, die unserer Kultur neue Elemente hinzufügen können, die es für alle besser und schöner werden lassen. Dabei darf man aber die Realität und die Relationen nicht verleugnen und aus den Augen verlieren.
So wie es bislang lief wurde es dramatisch schnell schlechter - und wir legen seit letztem Jahr eine Schippe drauf.
Wer jetzt nicht offen und ehrlich die Probleme anspricht und scharf angeht, der riskiert die Offenheit, die Menschlichkeit, die wir der Geschichte abgetrotzt haben. Umso mehr, wenn man dafür Worte benutzt, die normalerweise zu "Nazi"-Rufen geführt hätten.



Nebenthema: auch Schäuble generiert sich als großer Kenner der Geschichte und Kultur - und zeigt dabei mindestens ebensowenig Wissen wie unsere frühere Justizministerin.
Man habe erst nach 1990 angefangen, sich ernsthaft mit der Tatsache zu beschäftigen, dass es außerhalb der westlichen Welt noch etwas anderes gibt. „Hart gesagt, hat uns der Mittlere Osten Afrika vom Hals gehalten.“
Ich vermute stark, er verwechselt hier den "Mittleren Osten" mit Nordafrika. Denn in den letzten Jahrzehnten waren es Marokko, Libyen, Tunesien und Algerien, die eine Art Wall gebildet haben. Nicht zuletzt der dort zu findende Rassismus gegenüber Schwarzen (sichtbar bspw. während der Jagden auf "Gastarbeiter" aus Afrika in Libyen während des Umsturzes) trug dazu bei. Nun aber ist der Druck aufgrund vervielfachter Bevölkerung in manchen Ländern derart groß, die Lage in den nordafrikanischen Staaten derart konfus, dass dieser Wall nicht mehr hält und die Devisen von illegal Reisenden gerne angenommen werden.
Der Mittlere Osten, also Israel, Syrien, Libanon usw. haben damit eher wenig zu tun. Gerade Israel ächzt moment selbst unter einer Einwanderungswelle vor allem aus Äthopien u.a. Die Spannungen in der Bevölkerung werden heftiger - als wären sie nicht bereits schlimm genug gewesen.

Wie man es auch dreht und wendet - Europa war sich seit Jahrhunderten bewusst, dass es da "mehr" gibt. Denn zuerst erwehrte man sich über Jahrhunderte der Angriffe der Osmanen und der Plünderungszüge der Barbarbeskenstaaten mit Millionen von Opfern, um die sich heute kein Mensch unserer "Nie wieder" Kultur bemüht. Danach zog der dämonische "Imperialismus" mit seinem kleinen Bruder, dem Kolonialismus ein, und man zog in die Welt, um dort alles besser werden zu lassen. Diese Überzeugung scheint heute ja ein heimliches Comeback zu feiern...
Wie viele Briten, Franzosen, Belgier, Holländer und deutsche in der ferne, besonders in Afrika und dem Orient, gefallen sind, ist unklar. Aber neben brutalen Verbrechen wie jenem an den Herero (welches ja Dank der Armenienresolution des Bundestages wieder Konjunktur als Vorwurf hat) gab es auch eine ganze Reihe von Schlichtungen, Friedensschließungen, medizinischen Verbesserungen usw. usf. Obwohl in Afrika an den meisten Orten (auch an jenen des Kolonialismus) afrikanische Kultur weiterlebt, die Nomaden umherziehen, die Stämme in Grals leben, usw. wird der europäische Einfluß nicht als "Bereicherung" und "Diversität" verstanden und ausgegeben, sondern als eine Art Erbsünde der Moderne.

Viele Kriege und Kämpfe wurden durch die Europäer in Afrika geführt aber eben auch verhindert. So zu tun, als seien die heutigen Zustände durch Europäer entstanden oder zu verhindern gewesen ist erneut Augenwischerei. Wir können den Nigerianern in ihre Familienpolitik ebensowenig eingreifen, wie den Türken, denen Erdogan gerade die Verhütung versagen will um möglichst fruchtbare Menschen zu regieren.

Seit dem Ende der Kolonialzeit versucht eine spanische Enklave in Nordafrika, sich illegale Einwanderer fern zu halten und die europäischen Staaten zahlen und helfen. Vielleicht nicht immer angemessen oder so stark wie es nötig wäre. Aber was in den letzten 50 Jahren an Hilfen und Programmen für Afrika gefahren wurde, sprengt den Rahmen eines kleinen Buches.
Es wäre unser Finanzminister also gut beraten, bei seinen Leisten zu bleiben und an sich selbst zu arbeiten.

Dienstag, 7. Juni 2016

Abgang eines evangelischen Pfarrers aus dem Präsidentamt

Nun hat er es endlich bestätigt. Unser Bundespräsident wird für keine zweite Amtszeit zur Verfügung stehen. Zum Glück.
Ähnlich wie bei Obama setzte ich viele Hoffnungen in den ehemaligen Leiter der "Gauck-Behörde", welche sich der Auswertung und "Aufbewahrung" bzw. Entsorgung der Stasi-Hinterlassenschaften, namentlich der unglaublich vielen Informationen der "Informellen Mitarbeiter", zugordnet sah.
Auch ein wenig mehr Klerus und ein wenig Widerstandsgeist hätten diesem Land in dem doch recht "repräsentativen" Amt vielleicht einiges bewirkt.
Was wir bekamen war jemand, der zwar redete wie ein Pfarrer und grundsätzlich ahnte, wie Behörden arbeiten, aber lediglich den Mund aufmachte, um alles andere als "gemäßigte" Ansichten von sich zu geben.
Wer könnte vergessen, dass ausgerechnet ein ostdeutscher Bundespräsident von "einem dunklen Teil Deutschlands" sprach und damit ziemlich unverblümt den Osten der Republik meinte (ausgenommen natürlich das geistesbefreite Berlin).
Eine Fernsehansprache, in der er von Angriffen in U-Bahnen sprach, motiviert durch die dunklere Haarfarbe und den Hauttyp - nach einer schier endlosen Reihe von solchen Attacken, bei der die Beschreibung auf die Täter, nicht aber auf die Opfer zutraf. Höhepunkt dürfte wohl der Mord an einer jungen Frau gewesen sein, die von einem iranischen Einwanderer grundlos vor den Zug geschubst wurde.
Außerhalb der U-Bahnen geht es nicht viel anders zu. Sei es der Mord in Weyhe an Johnny K., Daniel S. oder der jüngst in Bad Godesberg erfolgte Mord an Niklas - beide nebenbei nicht als Mord verfolgt, als würden Tritte auf den Kopf nicht genau darauf hinauslaufen.
Dafür findet unser (noch) Präsident keine deutlichen, lediglich relativierende Worte.

Deutliche Worte zu den Vorgängen um die IM, welche nun für den Justizminister "Hasssprache" im Internet verfolgen und melden soll - Fehlanzeige. Ausgerechnet. Anstöße um die DDR-Vergangenheit und die Linkslastigkeit, Sprach- und Darstellungsgebote zu überdenken kamen nicht.
Statt dessen propagierte er ein "modernes" Familienbild. Nicht geschieden von seiner angetrauten Frau, lebt er mit einer anderen zusammen, die als "first Lady" auftritt. Was mir im Grunde völlig egal ist, denn das muss jeder mit sich ausmachen. Als christlicher Geistlicher und als "Aushängeschild der Republik" aber finde ich dies befremdlich. Offensichtlich gelten für solch einen Mensch völlig andere Werte, als ich sie erwarten würde.

Nein, wahrlich, Gauck hat sich nicht mit Ruhm bekleckert, dem Volk nicht gedient, sondern es belehrt und ihm vorgeschrieben, obwohl er selbst sich nichts vorschreiben lassen wollte.
Diesen Präsidenten werde ich nicht vermissen.

Aber er hatte es noch nicht offiziell gemacht, da kreisten bereits die Parteigeier. Die Debatte, wen man vorschlagen sollte begann augenblicklich.
"Die SPD möchte ihr Profil schärfen und mit dem Kandidaten klare Kante zeigen" musste ich mir in einem der wenigen radiogetränkten Momente anhören.
Eigentlich sollten die Vorschläge zum Präsidenten (wie zum Kanzler) weniger den Parteiinteressen dienen, als vielmehr dem Wähler, dem Volk, dem Staat. Es sollten die fähigsten Kandidaten rangezogen werden, gleich welchen Geschlechtes und welcher Partei - und nicht jene, weil sie eine Frau ist, und jener, weil er so offen dem Zeitgeist den Mund redet.
Aber das war in der Vergangenheit schon selten der Fall.
Trotzdem habe ich aktuell das Bild vor Augen, welches den alten Monumentalfilm "Der Untergang des Römischen Reiches" beendet. Wenn die Generäle, eben noch loyal dem alten Kaiser gegenüber, nunmehr mit ihren Armeen im Rücken anfangen Geldsummen auszurufen um den Thron zu besteigen.

Sonntag, 5. Juni 2016

Heuchler im Amt

Es gibt eines ganze Reihe von Politikern, die mich regelrecht abstoßen. Von deren Charakter und Zielen ich derart angewidert bin, die ich für derart egozentrisch, arrogant und mit einer unsäglichen Hybris ausgestattet halte, dass mich die kalte Wut überkommt.
Jäger, Minister des Inneren in NRW gehört, wie regelmäßige Leser wissen, definitiv dazu. Schwesig ebenso. Beide rufen zum "Kampf gegen" auf, zum Kampf gegen Rechts (eine politische Richtung und nicht identisch mit Rechtsradikalen - wie "links" nicht gleichbedeutend mit Kommunist, Stalinist, Linksradikal oder AntiFa ist...), gegen Rassismus (also den Rassismus gegen Nicht-Deutsche, gegen Deutsche wird er verleugnet) und gegen Gewalt (außer gegen die Gruppen, gegen die man zum Kampf aufruft und natürlich auch die Polizei) auf. Dabei werden sie auch aktiv, streichen Gelder die im Kampf gegen anderen Radikalismus gedacht sind als gegen Rechts, stampfen Werbematerial gegen Islamismus ein, wenn sich Muslime beleidigt äußern (wann ist das nicht der Fall?), versprechen immer wieder die Verbesserung von Polizei- und Sozialbehörden, nur um diese dann doch wieder im Regen aber mit mehr Aufgaben stehen zu lassen usw. usf.
Ein besonders gefährlicher Mensch ist in meinen Augen in den letzten zwei bzw. bald drei Jahren in eine besondere Machtposition gekommen: Heiko Maas. Unser Justizminister hat sich mit Versuchen, Zensur als "Reaktion auf die Vorkomnisse von Köln in der Silvesternacht" und "modernes Geschlechterbild" einzuführen in meinen Augen ebenso positioniert, wie mit ständigen unsachlichen bis beleidigenden und unterstellenden Äußerungen oder der Einrichtung einer (privatwirtschaftlichen) Kommission, welche "Hasssprache" ausfindig machen und der Verfolgung übergeben soll.
Das letzte Mal, als "Beauftragte" unterwegs waren, um Menschen auf den Mund zu schauen, sie zu melden und dann strafrechtlich belangen zu lassen war ein Staat an der Macht, der seine Bürger wegen "Fluchtversuchen" abknallen ließ - und davor einer, der sowieso bereit war, jeden zu ermorden.
Mit beiden möchte man normalerweise nicht verglichen werden. Maas scheint das nicht zu kümmern.
Mehr Sorgen macht er sich wegen "vorschneller Verdächtigungen" und "unzulässiger Verknüpfungen". Nach besagter Nacht an Silvester, als aus ganz Deutschland gleichlautende Meldungen, Zeugen- und Opferaussagen eintrafen, da stellte er sich hin, und äußerte:
(....) Maas warnte davor, aus den Vorfällen Rückschlüsse auf die Gesetzestreue von Migranten zu ziehen. (....)
Auch sei es "schlicht falsch", zwischen den Exzessen in Köln und dem Flüchtlingszuzug einen Zusammenhang zu sehen (...)
Seine Kompetenz bewies er damals schon, als er von der "schnellen Abschiebung der Täter" sprach, und kurz darauf zurückrudern musste. Bis heute ist das nicht eingetreten und scheinbar auch nicht möglich. In der Tat sind die ersten Täter mit milden Strafen bereits wieder unterwegs.

Jetzt aber hat Maas mal wieder gezeit, wie geheuchelt seine Sorge um "Vorverurteilung" und "Pauschalisierung" wirklich ist. Und die Medien spielen fleißig mit.
Aktuell habe er eine Morddrohung in Form einer 9mm Patrone im Briefkasten erhalten. Kein Journalist fragt, wie das möglich sei, werden unsere Politiker doch i.d.R. ziemlich gut bewacht und gerade unser Justiz- und Innenministerien werden ja nicht müde zu erklären, wie sich der Bewohner Deutschlands doch verbunkern solle, angesichts der Zunahme an Einbrüchen und im Falle der persönlichen Bedrohung.
Keine Kamera, kein Sicherheitsbeamter hat gesehen, wie jemand an den Briefkasten ging?

Die FAZ macht gemeinsam mit Maas daraus folgenden, von mir nicht veränderten Absatz:
In den Briefkasten seiner Privatwohnung habe jemand „eine Neun-Millimeter-Patrone“ geworfen.

Die Täter kommen laut Maas aus der rechten Szene: „Vor allem Pegida, AfD, NPD und was es sonst noch in der rechten Ecke gibt. Das ist der Teil der Gesellschaft, der sich auch sonst in Fremdenfeindlichkeit und Rassismus ergießt.“
Der zuständige Journalist äußert durch diese Textsetzung die Behauptung, dass man wisse, wer die Patrone eingeworfen habe und wieso. Ohne, dass man Ermittlungsergebnisse präsentiert.
Wer sich die Flut von Artikeln zu diesem Thema, angefangen bei der Stellungsnahme in der BILD, durchliest kann erkennen, dass die Äußerung nicht auf die Patrone allen gezielt war, sondern auf die Flut von Beleidigungen und Drohungen, die Maas derzeit erhält. Das diese zweifellos vorwiegend bis ausschließlich von Rechtsradikalen, Fremden- und Verfassungsfeinden kommen, vermutlich mit einer nicht zu verschweigenden Anzahl schlicht frustierter Menschen, liegt auf der Hand.
Im Fall der konkreten Bedrohung wie der allgemeinen Zuschriften sofort bestimmte und überschaubare Gruppen zu nennen und zu beschuldigen ist hingegen weit über das hinaus, was Maas noch im Januar als rechtsstaatliches Verhalten definierte.

 Kein einziger der Journalisten kommt seinem beruflichen Ethos nach und stellt die vor allem gegen die AfD gezielten Äußerungen des Ministers in Frage oder der Tatsache gegenüber, dass selbst die FAZ erst vor kurzem darüber berichtet hat, wie massiv die Gewalt gegen genau jene Partei wurde, die der Minister hier in der Verantwortung nennt. Wenn also der Anstieg der Gewalt, welcher laut Behörden auf der linksradikalen Seite weitaus dramatischer ist nur den besagten Parteien und Bewegungen anzulasten sei, dann entsteht eine Diskrepanz zur Realität, die ausschließlich auf den Charakter und die Ziele des Justizministers zurückzuführen sind und ihm jegliche Ehrlichkeit und Objektivität absprechen.

Auch kommt nicht ein Reporter auf die paradoxe Ironie des folgenden Absatzes:
"Ich bin seit 20 Jahren in der Politik, so viel Rohheit wie heute habe ich nie erlebt", sagte Maas der Bild am Sonntag. "Das, was geschrieben und geschickt wird, ist unterirdisch und voller Hass." Er erhalte "Morddrohungen mit Ort, Datum, Uhrzeit". Massiv zugenommen hätten die Attacken, nachdem er die islamfeindliche "Pegida"-Bewegung als eine Schande für Deutschland bezeichnet habe.
 So viel Rohheit wie heute hat er noch nicht erlebt, nachdem er selbst, als Minister und "Vorbild" in die unteren Schubladen sprachlicher Möglichkeiten griff...
Wäre Maas ein zurückhaltender, bescheidener und wortgewandter Gentlemen, so würde ich seinen Protest akzeptieren. So aber kommt er mir wie sein verstorbener Parteikollege Herbert Wehner vor, der, oft sehr kreativ, pöbelte und randalierte, was das Zeug hergab - auch dieser war im Einstecken nicht so gut, wie im Austeilen. Allerdings war er m.W. nicht so frech, große Bevölkerungsteile so zu behandeln, wie Maas es unternimmt.

Und weil man es ja aussprechen (oder schreiben muss): die Drohungen sind nichts harmloses, sind nicht ok oder "selbstverschuldet". Jemandem zu drohen geht gar nicht - von niemanden an niemanden. Die Polizei findet hoffentlich den "Patronenspender". Und ebenso hoffentlich lernt auch Maas irgendwann, dass er nicht so viel anders vorgeht, wenn er die Meinungsfreiheit auf den Müll wirft und Menschen pauschalisiert und beleidigt.

"Was würde Jesus tun?"

Die in der Überschrift gestellte Frage dient Christen dazu, ihr eigenes Handeln zur reflektieren, zu betrachten. Bin ich gnädig, mitleidig, spendabel, gottesfürchtig? Darüber hinaus gibt es noch viele Adjektive mehr, die wir aus dem lesen können, was die Bibel uns über Jesus berichtet. Aufopferungsvoll, eremitisch bzw. nomadisch, gelehrt, schweigsam und beredt usw.

Darum ist die Frage "was würde Jesus tun" lediglich ein Rat, ein (sehr guter) Vorschlag, wie man sich verhalten sollte. Weder leben wir in seinen Zeiten, noch seinen Verhältnissen, noch sollten Christen soweit gehen und sich mit Jesus vergleichen wollen - denn auch das liegt in der Frage verborgen. Was Jesus zu tun bereit und fähig war und ist, das gilt noch lange nicht für den einfachen Menschen. Jesus würde einem hilfesuchenden Kranken Heilung schenken (eine Behauptung, die ich aus den exakt so in der Bibel zu findenden Beispielen ableite) - wer kann das von uns?
Kranken Menschen zu helfen hingegen - das ist machbar und scheint angesichts des Beispieles angemessen. Allen Kranken? Wie sollte man? Wir sind einfache Menschen und nicht Jesus. Wir können nur "unseren Beitrag" leisten. Rollstuhlfahrern im Alltag beizustehen, für die Forschung zu spenden, Verwandte und Freunde zu trösten und ihnen beizustehen, Erste Hilfe zu leisten oder jemandem der kolabiert ein Glas Wasser zu bringen und den Notruf zu wählen statt weiter einzukaufen - solche Dinge kann man aus "was würde Jesus tun" nicht direkt aber eben mittelbar ableiten.

Auch haben wir ein Problem bei der Beantwortung der Frage. Wir behaupten etwas, wir maßen uns an zu wissen, was Jesus tun würde. Wenn wir kein konkretes Beispiel haben oder über Umstände sprechen, die so vor 2000 Jahren gar nicht möglich waren, so kommen wir sehr leicht in Bedrängnis.
Der Kölner Bischof hat dies vor kurzem getan und vor einem für eine ordentliche Summe Geldes gekauften und transportieren "Flüchtlingsboot" gestanden und behauptet, Jesus wäre an Bord eines solchen Seelenverkäufers, wenn er heute auf Erde wandelte.
Ich beschrieb meine Haltung dazu vor Kurzem.

Aber dies ist nur ein sehr prominentes Beispiel für solches Verhalten.
LePenseur hat, wie immer mit deutlichen Worten, ein viel profaneres Beispiel kommentiert.

"Jesus würde heute über Fußball reden"


In meiner Phantasie kann ich manchen treuen Christen bei dieser Äußerung erschreckt einatmen hören. Jesus nicht zuhören? Ist das nicht bereits Blasphemie?
In diesem Fall nicht - denn LePenseur antwortet auf eine Anmaßung, welche zudem noch völlig daneben ist. Es gibt nicht einen Hinweis, dass Jesus sich irgendwann über einen Sport oder irgendeine Unterhaltungsform geäußert hat. Der Priester projeziert also seine Ideen und Vorstellungen, seine Präferenzen in Jesus. Macht ihn regelrecht zum Maskottchen. Das sollte viel eher zur Schnappatmung führen.

Demut gehört zu den christlichen, besonders aber zu den katholischen Tugenden. Gerade wenn man darüber spekuliert, was unser Herr unternehmen würde, sollte man mitunter mal kleinere Brötchen backen und sich der eigenen Grenzen bewusst werden.

Trunkenheit im Amt führt zur Entlassung - außer in der EU, da wird man zum Chef

Herr Juncker hat sich ja schon das ein oder andere Mal dazu geäußert, wie er sich Politik vorstellt und zählt dabei zu den wichtigsten Verbündeten von Schulz, Merkel und Maas (schon die parteiliche Kombination sollte verwundern....).
Abgesehen davon, genießt er einen Ruf, der nicht unbedingt glanzvoll zu nennen ist. Während Polizisten, Busfahrer, Lehrer aber auch Apotheker, Dozenten, Kassierer usw. ihren Job verlieren, wenn sie volltrunken zur Arbeit erscheinen und dabei dann auch noch Ohrfeigen verteilen und sich vor laufenden Kameras aufführen wie der letzte Überlebende vom Stamm der Pöbel, so macht Juncker dann erst recht Karriere. Und kein Protestruf, kein noch so peinlich berührter Kommentar führt zu seiner Absetzung.



Das ist EU, das ist die heutige Gerechtigkeit. Gleichheit für alle, für alle die keiner politischen Seilschaft oder bestimmten "förderungswürdigen" Gruppen angehören...

Freitag, 3. Juni 2016

Türken, Armenier, Deutsche, der Bundestag und die Kanzlerin

Heute war es endlich soweit. Der Völkermord an den Armeniern wurde offziell und ein für alle Mal als Genozid, als das organisiertes Morden an Armeniern und anderen, zumeist christlichen, Minderheiten mit dem Zweck ihrer Auslöschung  benannt. Durch unseren Bundestag, dem ich so viel Rückgrat gar nicht mehr zugetraut habe. Nunja, ein Bundestag, der betonte, es ginge bei der Resolution nicht um die Türkei, sondern die deutsche Verantwortung an den Vorgängen...
Armenier und deutsche Armenier im Bundestag
Aber immerhin, die Wahrnehmung liegt anders.

So weit, so für mich als Historiker befriedigend. Theoretisch hätte dieser etwa 100 Jahre zurückliegende Völkermord gar nichts mehr mit unserer Zeit zu tun und wäre eben ausschließlich für die historische Betrachtung und die Analyse von Menschenrechten im globalen Kontext interessant. Denn die Türkei hat sich seit den Zeiten des Osmanischen Reiches grundlegend verändert, von den Verantwortlichen lebt keiner mehr und selbst von den zehntausenden ausführenden Mördern dürfte keiner mehr auf Erden wandeln. Mir sind auch keine Fälle von Familien bekannt, die sich brüsten "mein Urgroßvater hat daran teilgenommen" - aber das könnte auch schlicht mangelndes Wissen meinerseits sein.

Es gab sogar kurz nach den Geschehnissen Prozesse gegen die verantwortlichen Paschas.
Die Erinnerung der überlebenden Opfer und die Folgen sind noch da und könnten nur durch einen gemeinsamen Bewältigungsprozeß gemildert werden. Viele Türken behaupten, man erkenne ja an, dass Unrecht geschehen sei, dies aber kein Völkermord gewesen war - meist mit dem nachgestellten Anlaß, dass die Osmanen sich lediglich selbst geschützt hätten, weil die Armenier sie verratten hätten.
Und hier brökelt die Theorie und weicht der Realität. Dort ist der Völkermord noch immer ein gestaltendes, ein wirkendes, ein spaltendes und sogar gewalttreibendes Element. Armenier (wie mehrere andere Minderheiten) haben noch immer in der Türkei einen schlecht stand, wie der Mord an Hrand Dink 2007 ausgesprochen deutlich demonstrierte  - und dem ausbleibenden Terrorismusprozeß bzw. der Verfolgung der Hintermänner.
Insbesondere aber die Leidenschaft vieler Türken (ja, längst nicht aller), die sie nicht nur leugnen lässt sondern sie in einen regelrechten Hass auf Armenier und alle "Sympathisanten", alle die jene Bezeichnung der Vorgänge in den Mund nehmen erhält den feindseeligen Geist am Leben und lauert im Hintergrund um die Lage zu verschlechtern.
Dies gilt natürlich umso mehr für die Politiker der Türkei, allen voran Erdogan, welcher sogar ein Zeichen der Versöhnung, aufgestellt durch einen Bürgermeister einer Grenzstadt nahe Armenien hatte einreißen lassen. Diese eskalieren derzeit mit politischen Mitteln. Der deutsche Botschafter in der Türkei wurde (schon wieder) einbestellt, der türkische in Deutschland zumindest kurzfristig zurückgerufen.

Aber auch die türkischen Auswanderer tragen dazu bei, wie wir aktuell erleben müssen.
Bundestagsmitglieder, Journalisten und Vertreter armenischer Verbände meldeten in den letzten Tagen, dass sie Drohungen und Massenanschreiben erhalten hätten. Letztere, aufgesetzt von hunderten von türkischen Vereinen und Verbänden, drohten damit, dass ein solcher Beschluss "das friedliche Zusammenleben" gefährde. 
Mitten hinein in die Debatten von Integration und Miteinander werden solche Mails und Briefe verschickt. Und die Stimmen der Republik reagieren in Nebensätzen verwundert und enttäuscht.
"Du bist Deutschland" und die vielen Talkshowstunden, in denen uns Kaddor und andere erklärten, wie der "neue Deutsche" aussehe liegen hinter uns - und nun bekommen wir ein klares Signal von einer der auffälligsten Einwanderungsgruppen. "Wir sind nicht Deutschland - wir sind die Türkei IN Deutschland".
Wenn eine Einwanderungsgruppe anfängt, die Außenpolitik im Sinne ihres Herkunftslandes zu gestalten, dann sollte man meinen, würde dies Anlaß zu Sorge und Kritik geben.
Hier wird offensiv gedroht, von eben jenen Vereinen und Verbänden die so oft herhielten als Beispiele gelungener Integration und Miteinander. Als Bereicherung.
Wir hatten dies in Frankreich bereits gesehen. Als dort beinahe die Bewertung verabschiedet wurde, übte die Türkei, übten die Türken und auch die in Frankreich lebenden Türken imensen Druck aus und schreckten auch vor Drohungen und Hackerangriffen wie Massenkundgebungen nicht zurück.
Dabei skandierte Parolen dürftenden wabernden Hass, die unreflektierte Zurückweisung verdeutlichen.
Es ist ein weiterer Stein in der pottenhässlichen Mauer, welche die Türkei und viele, wenn auch dankenswerter Weise längst nicht alle Türken umgibt.

Aber, wie gesagt, wir Deutschen mauern da kräftig mit. Nicht nur, dass unsere Kanzlerin um eines fragwürdigen Deals halber kuscht und sich nahezu jede mögliche diplomatische Frechheit gefallen lässt. Sie tut es auch noch demonstrativ in dieser Angelegenheit.
Weder die Kanzlerin noch ihr Stellvertreter noch Steinmeier waren heute im Haus bei diesem Ereignis zugegenen.
Die fast einstimmige Verabschiedung (eine Enthaltung, eine Gegenstimme) kommt wohl von dem, was Özdemir in seiner Rede betonte. Es geht um "deutsche Verantwortung". Er ließt sogar ein Zitat des damaligen Reichskanzlers vor, welches belegt, dass die Untätigkeit des deutschen Reiches der Überlegung geschuldet war, den Verbündeten nicht zu verschrecken, und dass man darob bereit war, Massaker und Unmenschlichkeiten zu akzeptieren.
Die Tatsache, dass sich unzählige Deutsche, auch offizielle, anders verhielten, dass dieses Zitat auf wiederholte und dringende Eingaben erfolgte, dass wir Beweise sicherten und Prozesse zuließen wie führten - all dies zählt an diesem Tag nichts.
Und der gut geölte Schuldkomplex scheint seine Wirkung zu tun. Anders kann ich mir dieses zwar im Grunde positive doch in seiner Einstimmigkeit verwirrende Ergebnis nicht erklären.

Sei es wie es sei. Mein Dank an alle Zustimmenden, ich teile die Freude der armenischen Gemeinden und Organisationen und den türkischen Verbänden und Vereinen wie Einzelpersonen die meinen, über eine ihnen unliebsame Bewertung eines 100 Jahre zurückliegenden Ereignisses nicht nur ignorant sein zu müssen sondern auch noch zu drohen: kehrt zurück. Euer Herz, euer Hirn und eure Hand sind offensichtlich nicht bereit hier anzukommen und die Werte zu teilen. Ihr seht etwas anders als die Gemeinschaft der Historiker (die sich bis auf wenige Ausnahmen einig ist), glaubt ihnen nicht, weil es eure Nationalisten anders darstellen. So weit so euer Recht. Aber den Frieden darüber aufzukündigen ist das allerletzte und ihr erklärt euch damit selbst zu Feinden. Wir werden euch nicht so behandeln, bis ihr handelt - aber ein Miteinander wird es so bestimmt nicht geben.
Es ist eure Wahl. Umkehr und Reue sind noch immer möglich.