Sonntag, 27. März 2016

Karfreitag und die Osternacht

Es ist mir sicher mitunter anzumerken - ich bin erst seit einigen Jahren wieder "im Schoß der Kirche" angekommen, wie man es metaphorisch auszudrücken pflegt. Zwar war ich nie ausgetreten, aber aus einem nicht sehr religiösen Elternhaus stammend, welches sich nach der Kommunion als "theologisch entlastet" ansah, hatte ich nie einen Ansprechpartner. Die einzige Religiöse in meiner Familie wurde als exzentrisch betrachtet. Das färbte ab, und dazu die allgegenwärtigen "Informationen" rund um "Verbrechen der Kirche", "Märchengeschichten" und "Heuchelei".

Studium und allerhand persönlicher Erlebnisse brachten mich erst wieder auf einen anderen Weg.
Daraus resultierend bin ich in vielen Dingen des "Messalltages" bis heute in vielem recht unsicher, orientiere mich sehr an anderen Kirchgängern und bin über manche Entwicklung der letzten Jahrzehnte immer wieder erstaunt.

Dieses Jahr hatte ich die große Freude, dass eine Freundin, mehr schon ein Teil der Familie, sich Taufen lassen wollte. Also sind wir nicht in unserer gewohnten Nische, mit meinem Beichtvater und sehr verehrten Pater als Priester zur Messe gegangen, sondern in eine andere Kirche unserer Gemeinde - wie so oft in Deutschland sind wir zusammengefasst.
Diesen Priester kannte ich schon, wie gesagt, zusammengefasst. Wenn er die Messe hält, habe ich keine hohen Erwartungen an das, was bei mir ankommt und belasse es dabei, dies als Dienst anzusehen.
Zu Ostern, gerade zu diesem, habe ich aber mehr erwartet und der Herr hat mehr verdient.

Das klingt harsch, gemeint ist es nicht böse. Aber wenn dutzende von Menschen in der Kirche darauf warten geleitet zu werden, ein Vorbild zu sehen und ihm Folgen zu können, dann ist es fatal, wenn der Priester signalisiert: "ich bin mir gar nicht sicher, was ich hier überhaupt mache und was als nächstes kommt". Es ging ja nicht um die Segnung eines Geschirrspülers, sondern die Osternacht. Die Auferstehung. Der Kern. Die Hoffnung und das Licht.
Da standen wir dann am Osterfeuer vor der Kirche - und der Priester musste jeden Satz ablesen - in der Dunkelheit, die auch das keine Feuer in der Feuerschale kaum durchschneiden konnte ein ziemliches Problem - zumal wenn der Wind ständig an den Seiten zerrt.
Das Mikrofon war nicht funktionstüchtig - was man mit einem kurzen Test vorher hätte feststellen und beheben können. Wer nahe stand, konnte damit leben - viele hörten kaum etwas. Als die Prozession in die Kirche einzog, konnten wir lediglich das erste Lumen Christi hören - und daher war die Gemeindeantwort bei den folgenden zwei Rufen so gering und vereinzelt, dass es peinlich wirkte.
Ein paar vom äußeren Erscheinungsbild orientalische junge Männer, die sich zurvor mit versammelt hatten, entschieden sich an dieser Stelle, die Prozession zu verlassen. Es ist nur eine Vermutung meinerseits, dass dies mit der zur Schau gestellten Unsicherheit zu tun hat - aber ich glaube, so falsch liege ich damit nicht.
Um zuvor am Feuer die Symbolik auf der Kerze nachzuzeichnen mussten die Messdiener massiv helfen (die richtigen "Instrumente" wie Nägel und Stift als auch den "Standort" auf der Kerze zu zeigen"), was lange Pausen entstehen ließ, die sich mit der Problematik des Ablesens vermischten und aus dem liturgischen Gesangt ein Holpern und Stottern machte.

So ging es denn auch in der eigentlichen Messe weiter. Unmotiviertes, plump betontes Lesen der Laien - etwas, das man ja bereits gewohnt ist, selbst bei nichtbiblischen Texten, eine sehr "durchgeistigte" Predigte über "das Gute, das bleibt erhalten" mit einem nicht abgeleiteten sondern schlicht behaupteten Schluss. Angesichts eines an Karfreitag gekreuzigten Priesters und diverser Osterübergriffe (auch auf tolerante und mitmenschliche Muslime) die flacheste Wahl und Umsetzung.
Ein Mädchenchor, der eine ganze Reihe von klavierbegleiteter Musik darbot, die sicherlich den modernsten Ansprüchen an eine Messe entspricht - aber so gar nicht feierlich, würdevoll oder einer anderen von mir erwarteten Haltung entsprach.
Auch die Taufe, in einer Nische für die absolute Mehrheit der Anwesenden nicht sicht- oder erlebbar konnte im Ablauf aufgrund langer Pausen im Gesang nicht überzeugen. Mehrfach vermuteten Besucher, die "Antworten" seien bereits dran.
Wir saßen in der ersten Reihe und der Pfarrer war so nett, an der ersten Reihe entlang zu gehen (da die Gemeinde nicht eindeutig erkennen konnte, dass jetzt an der Zeit war, sich einzureihen und eine weitere peinliche Pause entstanden war) - als er aber am Atheisten neben mir vorbei kam, der seine Hände nicht gehoben oder gar entsprechend gehalten hatte, reichte er auch diesem eine Hostie. Auf die ausbleibende Reaktion, schob er die haltende Hand auffordernd in seine Richtung, so dass dieser, wohl mehr aus Reflex als Absicht, mit Daumen und Zeigefinger einer Hand zugriff. Ich wollte gerade vermitteln, da wurde mir bereits meine gereicht und ich stolperte sozusagen durch das Abendmahl. Hinterher erfuhr ich, dass ein Jugendlicher aus der besagten Familie, ebenfalls nicht getauft, auch daran teilgenommen hatte und eine Hostie empfangen - diese aber in sein Taschenbuch gesteckt hatte.

Alles in allem schloß ich die Osternacht mit dem Gefühl, ein spontaner Dankgottesdienst wäre eine bessere Alternative gewesen. Was nicht heißen soll, dass ich die traditionelle Messe, am liebsten die lateinische, nicht bevorzugen würde.
Aber wenn weder Priester noch Gemeinde dahinter stehen, vieles weder verstehen noch wollen, dann wird das halbherzige Umsetzung in meinen Augen zu einer albernen, inhaltsleeren Aufführung.
Vielleicht liege ich da falsch, vielleicht bin ich zu streng, vielleicht fehlt mir Wissen und Verständnis.
 Ich hatte aber weder das Gefühl, Gott gedient, Christus gedacht und gedankt oder einem ordentlichen Ritus beiwohnt zu haben.
Zu Ostern fühlt sich dies sehr falsch an.


Kommentare:

  1. So ist es schon normal aber es geht noch schlimmer. Trotzdem haltet durch und Gottes Segen und Hilfe dabei

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  2. Kerzelschlucker2. April 2016 um 23:24

    Ich kann Ihre Verärgerung über diese verhunzte Osternachtsliturgie nachvollziehen.
    Auch ich wünsche Ihnen trotzdem das nötige Durchhaltevermögen und nötigenfalls den Mut zu einem Wechsel in einen anderen Gottesdienst-Ort.
    Mir ging es Karfreitag ähnlich:
    Die Feier vom Leiden und Sterben Christi am Nachmittag wurde wie im Vorjahr von einem nebenamtlichen Diakon gehalten, der sich diesmal zahlreiche Eigenmächtigkeiten erlaubte, wie z.B. geänderte Fürbitten. Mit all dem könnte ich noch leben, aber vor der Kommunionausteilung stellte er sich an den Altar und gab der folgenden Handlung einen völlig anderen und veränderten Sinn, der leider wohl nur wenigen aufmerksamen Zuhörern aufgefallen sein dürfte:
    Er zitierte den Hl. Augustinus, der dem Bild des Hl. Apostels Paulus Recht gab in seiner Beschreibung der Kirche als Christi Leib und uns Christen als Glieder desselben. Soweit alles ok.
    Aber nun kams. Eigene Auslegung: Der Christ sei nur dann Glied des Leibes Christi, wenn er entsprechend lebe und sich u.a. entsprechend sozial für die Gerechtigkeit in der [irdischen] Welt einzusetzen bereit sei!
    Und so werde beim Kommunionempfang eben jedem einzelnen die Frage "Leib Christi?" gestellt.
    [Also nicht in dem Sinne, ob die heilige konsekrierte Hostie der Leib Christi ist? sondern in dem Sinne, ob man denn in dem o.g. Sinne selbst Leib Christi sei oder es zumindest sein wolle?].
    Und jeder, der dies für sich bejahe, antwortet dann darauf mit "Amen".
    Also ein völlig anderer Sinn in die Worte beim Kommunionempfang gelegt.
    Wenn ich noch geglaubt hätte, mich vielleicht verhört zu haben, so hätte mich dann spätestens die eindeutige Gestik des Kommunionhelfers bei der Austeilung der Kommunion eindeutig belehrt:
    Bei den Worten "Leib Christi" guckte er mir in die Augen, jedoch hielt er die hl. Hostie mir nicht auf entsprechender
    Höhe entgegen sondern tief unten auf Bauchnabelhöhe, als sei sie nebensächlich.
    Wie sich verhalten in so einer Situation?
    Ich fixierte die Hostie und sagte dann "Amen".
    An sich gehört jetzt noch der Zusatz "DAS ist der Leib Christi" dazu, damit es eindeutig ist, was ich mit meinem "Amen" aussagen will im Gegensatz zu solchen Verfälschern.

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    1. Vielen Dank für Ihren Zuspruch und die Schilderung Ihres Erlebnisses.
      Die Eucharistie als zentrales Element scheint mittlerweile ebenfalls nicht mehr heilig zu sein. Was bleibt denn dann in den deutschen Gemeinden? Die Macht der warmen Worte?
      Hoffen und beten wir, dass sich dieser Zeitgeist bald auf die Weiterreise begibt.

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