Samstag, 2. April 2016

Erdogan, Böhmermann, ZDF und Satire

Der ... ja was eigentlich? Moderator, Komiker oder verhinderter Künstler? Herr Böhmermann hat ein "Gedicht" auf Erdogan verfasst und dies in seiner Sendung vorgelesen - umrahmt von "diese "Schmähkritik" darf man so nicht machen. Nie.
Natürlich war das auf Erdogans Überreaktion bezogen, die diesen nach Löschung eines kritischen Liedes auf Extra3 rufen ließ und so seinen Umgang mit der Pressefreiheit illustrierte.
Während das Lied vor allem auf reale Dinge und tatsächlich vollzogene Handlungen Erdogans abzielt, ist das Gedicht Böhmermanns eine Andeinanderreihung von Obszönitäten und Unterstellungen sexueller Art.
Wie schon im vorherigen Beitrag zum Thema Charlie Hebdo - der berühmte Satz Satire darf alles und seine vielen Fragen.
Natürlich darf Böhmermann das. Muss er es auch? Das kann nur er beantworten, ich habe dazu lediglich eine Meinung. Das nun das ZDF den Beitrag nicht sendet ist in meinen Augen richtig. Nicht weil ich, Gott bewahre, ein Freund Erdogans wäre. Im Gegenteil. Aber ich bin auch ein Mensch mit Anstand, ein Christ und ein Anhänger einer Debattenkultur. Die "Schmähkritik" ist derart unwürdig formuliert und vom Inhalt her so unterirdisch und fern jeder sachlichen Auseinandersetzung, dass es die Metaebene der Kritik an der Kritikunfähigkeit dadurch überlagert wird. Es ist nicht mehr erkennbar, worum es eigentlich geht und es bleibt pubertäre Sexbesessenheit.
Es ist also diesmal kein Akt von Feigheit, keine Scheu vor der Reaktion Erdogans die es hier zu verurteilen gilt. Es war ein stil- und würdelos ohne dabei einer Sache dienlich zu sein. Denn auch das gilt es zu beachten: Satire hat ein Ziel, einen Zweck. Darum darf Satire alles.

Kommentare:

  1. Ehrlich gesagt, ich glaube, Böhmermann schwimmt derzeit auf einer Welle der Glückseligkeit, weil ihn der ÖRR als Jugendikone aufzubauen versucht. Das viele Lob steigt ihm zu Kopf. Siehe meinen letzten Beitrag im Löwenblog. Dafür wurde er teilweise als Genie gefeiert. Der bekommt kaum noch Widerspruch. Hat Paralellen zu einem gewissen deutschen Oberhaupt.

    Weswegen da jemand glaubt, sich alles erlauben zu können...

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    1. Sehe ich sehr ähnlich. Sein "Polizei" wurde ja überdeutlich gefeiert.
      Wenn selbst ich sowas mitbekomme, der jede Übertragung der ÖR mittlerweile meidet, wie muss es da erst seinem Ego ergehen...

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  2. Was mich vor allem stört, ist diese Verherrlichung, als befände sich ein irgendwie gearteter Subtext in seinen „Werken“. So bei Erdogan wie auch bei „Be Deutsch“. Ehrlich, da ist überhaupt nichts Subversiv-Sublimes, sondern nur dieselbe Platte. Das wird erst recht klar, wenn man sich mal das „Frühling für Frauke“-Video ansieht. Wo da bitte die sublime Botschaft sein soll, muss man mir mal erklären. Eher scheint Böhmermann für Submission zugänglich. Und selbst wenn da irgendeine intellektuell-tiefere Ebene wäre, so ist sie handwerklich so schlecht ausgebildet, dass man sie nicht findet; das ist auch nicht gerade ein Beweis fürs Können. Harald Schmidt konnte man so etwas in seinen besten Zeiten zutrauen, aber nicht „Böhmi“.

    Und da das ÖR sowieso niemanden mehr hat, der irgendetwas Originelles kann, bekommt der junge Mann eben alles ab, was man früher auf ein Dutzend mehr oder minder wirklich begabte Fernsehleute verteilt hätte. Womit ich nicht sagen will, dass er gar nichts kann. Allein, der Ruhm bekommt ihm nicht, und das wirkt sich auf die Qualität aus.

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