Mittwoch, 10. Februar 2016

Friedenserziehung in Kriegszeiten

Es dürfte während der frühen 90er gewesen sein, als ich zum ersten Mal den Begriff "Friedenserziehung" hörte. Er fiel beiläufig und als kleiner Junge, aus militärischer Familie mit dem Drang mir von einer Militärkarriere abzuraten und einer bestehenden Affinität zu allem soldatischen fiel es mir schwer etwas darunter vorzustellen. Ich kam zu dem Schluss, dass es wohl darum ginge, den Kindern beizubringen, wie sie am Besten und in Frieden miteinander auskommen könnten. Kampf oder gar Krieg vermeiden oder bis zum letztmöglichen Moment hinauszögern. Diese Idee fand ich gut. Ich wollte zwar Soldat werden, aber an einem Krieg, zumal einem Angriffskrieg hatte ich als Leser vieler Schilderungen von Veteranen überhaupt kein Interesse.

Mittlerweile weiß ich es besser. Nicht unbedingt, wie Friedenserziehung generell aussieht oder was sie sich wirklich erhofft, aber was dabei effektiv entsteht und wie es sich auswirkt. Man kann es an den Menschen, vor allem den heute Erwachsenen und Jugendlichen sehen, welche eben eine solche Friedenserziehung oder dessen Gedankengänge eingetrichtert bekamen.
Sie führt zu einer völlig falschen Vorstellung von Krieg und Kampf, selbst innerhalb der eigenen Gesellschaft. Es sind vor allem die prägnanten Merksätze, die zu einer völlig verkorksten Haltung führen.
Einer der berühmtesten ist wohl: "zum Streit gehören immer zwei Beteiligte" in all seinen Variationen. Dabei wird leider ein Wort glatt übergebügelt. Streit. Viele Lehrer, Eltern und eben auch unter solchen Lehren Herangewachsene nutzen diesen Satz, wenn sie bspw. in einen Kampf einschreiten. Es prügeln sich zwei Jungs auf dem Schulhof - da geht der Lehrer erstmal davon aus, dass beide gleiche Schuld an dieser Situation tragen. Natürlich ist es für ihn auch fast unmöglich, herauszubekommen, was da wirklich passiert ist. Aber die Annahme macht es nicht besser. Denn es kann sich sehr wohl um einen Angriff handeln. Es braucht nicht zwangsläufig einen Grund. Wenn einem Rüpel danach ist, sich zu prügeln, und ihm läuft jemand über die Füße, den er für geeignet hält, dann geht es los.
Oder ein Mobbingopfer schlägt nach Wochen und Monaten zu. So sehr es nach einer Sequenz aus einer Tierdoku klingt: mitunter ist solches Verhalten sogar notwendig, um sich zu behaupten und seine Opferrolle endlich los zu werden.

Bei Erwachsenen Menschen ist das nicht so viel anders, umso mehr dank bestimmter sozialer Veränderungen. Wer schonmal auf winterabendlicher Strasse den Ruf hörte "was kuckst du?!" um sich als nächstes mit einer Gruppe junger Männer konfrontiert zu sehen, der ahnt, was ich meine.
Oder auf dem Parkplatz von einem Betrunkenen angesprochen wird um dieses oder jenes zu geben oder einfach nur "zu plaudern", was am Ende dazu führt, dass man sich gegen diesen Menschen verteidigen muss.
Im Fall der Münchner S-Bahn oder jüngst in Leverkusen (ironischerweise in der Stadt, in der die sorgenden Bürger sogar ihren Umzug verkürzen wollten, um die Flüchtlinge nicht noch weiter zu traumatisieren durch den Anblick von Kostümierten und den Klang von fröhlicher Musik) wird von den Medien das couragierte Eingreifen von Bürgern im Falle sexueller Belästigung in Frage gestellt. Nicht offen, aber unterschwellig durch den Kojunktiv und die Form der Berichterstattung. "Eine 19jährige sei sexuell belästigt worden." "behauptet ihr sei ans Gesäß gefasst worden" oder "Kontaktaufnahme durch intimes Berühren" stehen dann "Narren prügeln sich mit" u.ä. Formulierungen gegenüber.
Selbstverteidigung wird hier als eine "Schlägerei" verkauft - ein Wort, dass den Eindruck erweckt, da hätten sich zwei Streithähne auf der Suche nach einem zünftigen Schlagabtausch gesucht und gefunden.

Diese Situation ist aber noch gesteigert, wenn wir von Kriegen sprechen.

Scheinbar haben viele Menschen die Vorstellung entwickelt, dass man Krieg vermeiden könne, wenn man sich nur Mühe gäbe (Konflikttransformation nennt sich das dann) . Jeder Historiker, der sich nicht nur so nennt sondern seine Nase während des Studiums in Quellen und Fachliteratur gesteckt hat, wird darüber nur erstaunt die Stirn runzeln können. Ja, die eigene Aggression kann man bewältigen lernen, die eigenen Ambitionen in Frage und zurück stellen, sich selbst kritisch betrachten. Schon beim eigenen Verhalten wird es etwas schwieriger. Gerade Deutsche haben momentan wieder das Phänomen entwickelt, anderen Staaten und Kulturen vorschreiben zu wollen, was sie zu tun und zu lassen haben. Ist den USA und Russland das keine Reaktion wert, so sind Polen und Dänen davon als direkte Nachbarn mit deutscher Invasionserfahrung, so angenervt, dass zumindest Polen schonmal den Botschafter einbestellt - ein Vorgang der dann prompt zu weiterer Empörung bei unseren Politikern und Medienvertretern geführt hat, unter dem Motto "Kritik unerwünscht". Als in Polen vor einigen Jahren Kritik an unserer Europa-, Wirtschafts- und Außenpolitik zusammen mit Bedenken ob der ethischen Betrachtung polnischer Gastarbeiter geäußert wurde, hatten wir unsererseits ziemlich verschnupft solche Töne quittiert.
Soviel also zum Verhalten - und damit auch zu den Emotionen. Auf diese solle ein Friedenserzogener nämlich hören und sich leiten lassen.

Und da steht dann Abrüstung ganz oben auf der Liste der zu erledigenden Dinge, gefolgt von der Einstellung der Waffenproduktion. Hier geht die Friedenserziehung meist Hand in Hand mit kommunistischem oder nationalsozialistischem Gedankengut. Die bösen Großkapitalisten sind durch die Herstellung von Waffen und Mitteln schuld an der Gewalt in der Welt. Ohne ihre Waffen gäbe es kein Mord und Totschlag. Um Geld zu verdienen nutzen sie die Bevölkerung als Produktionsmittel für das Böse aus und verhökern die totbringenden Gewaltauslöser dann an nichtsahnende Leute ohne Verstand - was zugleich nicht wenig arrogant und rassistisch ist.
Letztlich sind diese Behauptungen so substanzlos, dass nur Menschen, die eher auf ihr Herz als auf ihren Verstand hören an sie glauben können. Kriege, Massenmorde und Gewalt gab es lange vor der Industrialisierung und modernen Waffen und keineswegs nur dort, wo Monarchen und Diktatoren herrschten sondern eben überall.
Selbst Schusswaffen können mit ein wenig Talent und einigem Werkzeug spielend selbst hergestellt werden. Die sind dann zwar i.d.R. nicht annähernd so modern wie industriell gefertigte Waffen - aber ihren Zweck erfüllen sie. Selbst im Warschau des durch Deutschland besetzten Polen produzierten die Widerständler ihre eigenen Waffen, darunter Maschinenpistolen. Die berühmte englische Sten-Gun ist vor allem aufgrund ihrer simplen Konstruktion massenhaft hergestellt worden.

Der Satz "si vis pacem para bellum" - "Wenn Du Frieden willst, bereite Dich auf den Krieg vor" stammt nicht von ungefähr. Viel zu oft glaubten Fürsten oder Staaten, sie seien so sicher, dass ihnen nichts geschehen könnte. Sie vernachlässigten das Militär oder führten Sparmaßnahmen durch, welche die Truppen in desolater Lage zurück ließen. Am Ende bereuten sie es oft, wenn dann doch ein Feind aufs Feld trat und in ihnen keinen würdigen Gegner fand.
Momentan haben wir es in Deutschland eher mit der Haltung von Ankh-Morpork, der größten Metropole der Scheibenwelt - einer Fantasy-Welt des Autoren Terry Pratchett. Die läßt in ihrer Hymne folgende Zeilen singen:
Der Säbelrassler sich für tapfer hält, aber wir haben kühn gekämpft mit Geld. Uns gehören eure Helme, uns gehören eure Schuh. Uns gehören eure Generäle - greift an, und ihr verliert im Nu.
Indem wir Geld in alle Welt verteilen und nicht wenige Staaten unsere noch hervorragenden Waffen kaufen, erhandeln wir uns eine gewisse Stabilität. Im militärischen Verteidigungsbündnis Nato ist der Unmut über unser desolates Heer und unsere mangelnde Einsatz- und Hilfsbereitschaft bereits groß. Es wird also nicht ewig so weiter gehen - zumal als Bonus oben drauf eben unsere militärische Wirtschaft und Ingenieurskunst von den Weltfriedenhoffenden nach und nach vertrieben oder eingestampft wird. Waren unsere Waffen und Waffensystem in den letzten 200 Jahren bemerkenswert und wegweisend, so rutschen wir in einen Teufelskreis aus Verweigerung, Dämonisierung und politischer Bürokratie, die Forschund und Entwicklung ebenso unterdrückt wie Produktion und Umsetzbarkeit.

Der Glaube, unsere Nachbarn seien alles unsere Freunde und würden auf jetzt und alle Zeiten in friedlichem Glück mit uns leben und aus diesem Grunde bräuchten wir kein Militär mehr ist ein naiver und gefährlicher Irrglaube. Wie schnell sich Zustände ändern können haben nicht nur Georgien und die Ukraine in den letzten Jahren erleben müssen. Angesichts unserer hybrischen Haltung gegenüber anderen Ländern, denen wir beibringen wollen, wie sich "die Guten" zu verhalten haben, sollten wir auch nicht ausschließen, unsere Nachbarn zu verärgern und Bündnisse zu zerbrechen.

Krieg kann nicht immer vermieden werden. Stärke zu besitzen und zu demonstrieren mag unangenehm wirken für jeden, der lieber den Dialog sucht als den Kampf - aber davon auszugehen, dass unser Gegenüber genauso denkt ist naiv und dumm. Wenn man sich nur ein einziges Mal irrt, wird dies Leben kosten, vielleicht sogar die eigene Unabhängigkeit. Darauf zu vertrauen, dass andere die Kastanien aus dem Feuer holen funktioniert ebenso wenig auf Dauer.

Zumal die Früchte der Friedenserziehung keineswegs die Gewalt beendeten. Sie haben lediglich andere Ziele definiert. Wer erfahren hat, wie harsch gegen Bundeswehrstände bei Berufstagen an Schulen vorgegangen wurde, weiß, wie die harmloseren Reaktionen aussehen.

Die Hoffnung auf Frieden unter den Menschen ist mehr als ehrenvoll, sie als Ziel zu haben steht jedem Christenmenschen und jedem Vernunftmenschen an. Aber ebenso sollte man der Realität ins Auge sehen und nicht nackt in die Löwengrube springen, in der Hoffnung es dem heiligen Daniel gleich zu tun und die Löwen allein durch Glauben zu Friedfertigkeit zu bringen.
Vielmehr sollte man sich die Geschichte vom Frosch und dem Skorpion vor Augen führen.

Kampf, Krieg und Gewalt haben leider einen Platz in der Natur des Menschen und können nicht durch einseitige Abrüstung und naiver Idiotie besiegt werden. Wer seine Waffen niederlegt, sollte sich der Möglichkeit bewusst sein, ohne Gegenwehr erschlagen, versklavt oder gefoltert zu werden.

Kommentare:

  1. Als Machiavellist hätte ich da einige Dinge zu sagen. Als Venezianer sowieso. Eigentlich viel zu viel, um es in einem Kommentar zusammenzufassen.

    Vielleicht reichen diese zwei Gedankengänge:

    Auch die Italiener kannten 50 Jahre Frieden. Danach wurden sie ab 1494 von Franzosen, Spaniern und Deutschen überrollt, und bis auf wenige Ausnahmen blieben sie noch bis 1866 fremdbeherrscht. Das Trentino und Istrien noch eine ganze Ecke länger.

    Venedig dachte auch, es könne jeden bestechen, mit Geld Truppen aushebeln und über Diplomatie und Neutralität sich aus den Querelen raushalten. Innerhalb von 3 Monaten gingen dann 1100 Jahre Unabhängigkeit zu Ende.

    Den Rest überlasse ich dem florentinischen Kollegen:

    Die Ursache der Zwietracht in Republiken sind größtenteils Muße und Friede, die Ursache der Einigkeit sind Furcht und Kriege.

    Jemand, der es darauf anlegt, in allen Dingen moralisch gut zu handeln, muss unter einem Haufen, der sich daran nicht kehrt, zu Grunde gehen.

    Das Glück ist mehr auf der Seite des Angreifers als auf der desjenigen, der sich verteidigt.

    Nicht wer zuerst die Waffen ergreift, ist Anstifter des Unheils, sondern wer dazu nötigt.

    Man kann einen Krieg beginnen, aber niemals beenden, wann man will.

    (Ich könnte den ganzen Tag so fortfahren)

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  2. Hallo liebe Historiker,

    ist es nicht normal, dass Zivilisationen irgendwann den Willen verlieren, sich das zu erhalten , was sie an eben diesen Punkt gebracht hat? Das beginnt ja schon mit der Bereitschaft nur dafūr argumentativ einzutreten, lange bevor gewalttätige Auseinandersetzungen drohen wūrden. Der deutsche Sonderweg scheint mir nur in einer selbsthassenden Bezichtigungsrhethorik zu liegen.

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    1. Hallo und erstmal die Bitte um Entschuldigung für die Verzögerung bei der Freischaltung. Ich war die letzten beiden Tagen unterwegs.
      Die Vermutung, dass eine Zivilisation irgendwann kraftlos, korrupt oder ähnliches wird, basiert auf einigen wenigen Beispielen, die sich eben länger hielten und von deren Geschichte wir nachvollziehbare Aufzeichnungen besitzen.

      Ob all die Zivilisationen, Kulturen und Völker, denen es nicht vergönnt war, ein solches Alter zu erreichen diese Haltung geteilt hätten, wissen wir natürlich nicht.
      Was wir aber wissen ist, dass Alter keineswegs zu mangelndem Widerstandswillen führen muss.
      China, als ein Beispiel, hat sowohl im Opiumkrieg als auch im späteren Boxeraufstand wie auch in den Wirren des Bürger- und des japanischen Krieges gezeigt, dass es den Willen zum Kampf selbst gegen überlegene Gegner auch fast 2300 nicht verringert hatte.

      Die "westliche Zivilisation" ist zudem eigentlich noch jung, zumindest aus historischer Sicht. Die Nationalstaatenmentalität war ja nicht nur durch künstliche Grenzen sondern eben auch durch kulturelle Unterschiede u.ä. entstanden.

      Ich stimme aber zu, dass der Selbsthass ziemlich einmalig wirkt. Mir fällt ad hoc auch kein weiteres Beispiel ein.

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  3. Muss kennen Katholisch Dogma - *VERSTECKT* von ihnen

    Wenn Sie überhaupt daran interessiert zu wissen sind ... die Katholische Dogma ... dass wir muss glauben, zu erreichen Himmel.

    Ich liste sie auf meiner Website > > > http://www.Gods-Catholic-Dogma.com

    Wenn Sie nur scan den Index ... sie werden nicht sehen, das unfehlbare Dogma ... vom Papst in Einheit mit den Bischöfen der Welt ... das allein hält die menschen von ewigen verdammnis.

    Quellen von Dogma auf automatische exkommunikation wegen ketzerei > > http://www.Gods-Catholic-Dogma.com/section_13.2.html

    Quellen von Dogma, dass Unwissenheit nicht ein Schlupfloch in den Himmel > > http://www.Gods-Catholic-Dogma.com/section_5.1.html

    Die katholische Gott weiß ... was wir denken und glauben.

    Katholischen glauben (pre-erfüllung) schreiben von Deuteronomium 31:21 >
    "Denn ich weiß ihre gedanken und was sie sind über zu tun diesen dag."

    Katholischen glauben (pre-erfüllung) schreiben von Job 21:27 >
    "Sicherlich ich weiß ihre gedanken und ihre ungerechten urteile gegen Mich."

    Katholische schreiben von Romans 1:21 >
    "Sie ... wurde eitel in ihren gedanken, und ihr unverständiges herz wurde verfinstert."

    Die Tatsache, dass der "islam" keine Religion ist bewiesen auf Abschnitt 113.1 der Website. Mohammed im "koran" schrieb das Gegenteil von den Alten Testament Propheten.

    A C H T U N G: Die Katholische Kirche hat keine physikalischen eigenschaften in diesen zeiten und hat keine sich seit 8 Dezember 1965 wegen ketzerei.

    Mike
    Our Lady of Eroberung
    Bete für uns

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    1. I dont share many of your views or believes, while i can agree to some others. As part of the freedom of speech i thank you for sharing your opinion.
      Best wishes and may god be with you.

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