Freitag, 29. Januar 2016

Studenten wählen ihre Vertretung - nicht.

Die FAZ hat in einem Artikel die seit vielen Jahrzehnten bemerkenswert niedrige Wahlbeteiligung (an manchen Unis bei deutlich unter 10%) bei der Wahl zum Studierendenausschuss thematisiert und fragt in der Zwischenüberschrift, woran dies liege.
Jetzt sind meine Zeiten als Student etwas her, aber auch nicht allzu lang.  Die Antworten, welche die FAZ gibt, sind nicht die meinen. Ich konnte mich informieren wer dort was vertrat. Allein: es waren nicht meine Interessen - und das, obwohl ich zu beginn meines Studiums doch eher grob links orientiert war. Über die Jahre wurde dies immer schlimmer. Ich empfand die Asta, deren am stärksten werbende Gruppe das Schwulen- und Lesbenreferat war und meinen Sehnerv mit sehr provokanten Bildern nervte (wo sonst niemand Bilder benutzte), als weltfremd. Alles sollte billiger für Studenten werden, Wohnung, Fahrräder, Kaffee - so weit, so gut und verständlich. Die Aufregerthemen, Bachelorstudiengänge statt Magister, Wegfall des Lehramtes in Bonn, Streichung von Lehrstellen und Mitteln, Fokusierung der Gelder auf "wirtschaftliche Studienrichtungen", GEZ-Zahlung der Uni, Baudesaster (von denen es in Bonn eine Reihe gab), unfaire Professoren oder störende Studenten u.v.m. haben nur in Ausnahmen so viel Aufmerksamkeit bekommen, wie irgendwelche verkopfte sinnlose Sülze rund um politisch korrekte Vertretung von Randgruppen oder Hilfen in Bereichen, in denen ein erwachsener Mensch auf eigenen Beinen stehen sollte.

Auch der angeschlagene Ton war bei den wenigen Versuchen meinerseits, sich einzubringen oder sich das Ganze anzusehen (selbst in der Fachschaft)  absolut unverständlich. Da wurde geschrien und gezickt, gemotzt, gezetert und getobt wenn eine Meinung aufkam, die "nicht passte". Eine unrühmliche Fachschaftssitzung, die ich als Neuzugang moderieren sollte, eskalierte derart, dass eine eigentlich unbeteiligte mit einem 15 cm langen Schnitt am Unterarm ins Krankenhaus musste, weil Glas flog.

Auf der anderen Seite gab es die konservativen Vertretungen eigentlich eher außerhalb der universitären Vertretungen. Die Burschenschaften bspw. mit denen ich jedoch nie in Kontakt trat und daher auch nichts zu berichten weiß, weder im Guten noch im Schlechten.

Für mich war dies der Grund die Wahlen als das zu behandeln, was sie in meinen Augen bis heute sind: Wichtigtuerei und unnötige Einflußnahme. Daher habe ich lediglich ein Mal den Asta gewählt und dann nie wieder.
Und ja, sie sind zu mehr fähig und könnten sehr hilfreich sein - für manchen sind sie das vielleicht auch.

Kommentare:

  1. "Und ja, sie sind zu mehr fähig und könnten sehr hilfreich sein - für manchen sind sie das vielleicht auch."

    Der Meinung bin ich nicht. Außer für die wenigen Beteiligten, die sich sowieso selbst wählen. Würde man gewisse Worte in deinem Artikel umändern, so hätte man gleichzeitig das politische Bild in Deutschland. Wenig verwunderlich: vom Kreis-, in den Hör- in den Plenarsaal, wie es dazumal hieß.

    Da die Mädels beim RCDS meistens attraktiver ausschauten, habe ich dann die gewählt, wenn es drauf ankam. Die waren mir aber dazumal auch schon zu links.

    Bonn hatte übrigens eine Rekordwahlbeteiligung bei der letzten Wahl - 17,6%. Das sind 4% mehr als letztes Mal. Die Politisierung der Studentenschaft greift um sich!

    http://www.wahlen.uni-bonn.de/content/ergebnisse/vorlaeufigesEndergebnis2016.pdf

    Mit 30 Stimmen bist auch DU dabei!

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    1. Ich habe leider keinen völligen Überblick, was Asta und Co so organisieren und tun, darum will ich die Möglichkeit nicht generell ausschließen - auch wenn ich rein emotional ebenfalls Zweifel daran habe.
      Sie könnten aber mehr, Interessensvertretung ist dazu in der Lage, und wenn es nur bei Kleinigkeiten ist.

      17,6%? Hui, bei solchen Zahlen kann einem schon schwindelig werden :D

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